Frankreichs Schülerinnen und Schüler haben mit ihrem Protest erreicht, dass die Regierung ein Stück weit einlenkt, doch der Streit ist keineswegs beigelegt. Wie so oft in der Geschichte der Bildung kämpfen junge Menschen darum, nicht nach einer Auswahl sortiert zu werden, die sie früh festlegt und ihnen Zukunft verengt. Der Fünf-Punkte-Plan von Bildungsminister Edouard Geffray antwortet auf reale Überlastung, lässt aber zentrale Fragen offen, etwa nach Studienplätzen und der Finanzierung der Sanierung. Ob aus diesem Zugeständnis Vertrauen wird, zeigt sich erst im Umgang mit dem, was noch ausst
Frankreich: Fünf-Punkte-Plan beruhigt Schüler nur teilweise – Samstag wird erneut demonstriert
Einen Befreiungsschlag hat die Regierung damit vorerst nicht erzielt.
Was hat die Regierung den Schülern konkret zugesagt?
Kleinere Klassen in Stufe 10, schrittweise auf 28 Schüler, zuerst an der schwächer gestellten Hälfte der Lycées. Dazu 500 neue Lehrerstellen und den Verzicht auf 836 geplante Streichungen.
Warum gehen sie dann trotzdem wieder auf die Straße?
Weil der Kern offen bleibt: die Studienplätze. Mesnil sagt, 15.000 neue Plätze seien viel zu wenig, die Gewerkschaften wollen 250.000.
Dabei ist die 15.000 die Zahl, die Mesnil nennt, und die 250.000 ist eine Forderung, keine Berechnung. Aus dem Bericht geht nicht hervor, woher die Zahlen stammen.
Und die vier Milliarden Euro für die Gebäude?
Das sind vergünstigte Kredite, kein Zuschuss. Kamel Chibli aus Okzitanien nennt das Spott, die Regionen wollten einen grünen Fonds für energetische Sanierung.
Chibli ist ein Regionalvertreter, der seine Seite vertritt. Wie die anderen Regionen das sehen, steht nicht im Bericht.
Wie belastbar ist die Rede vom enormen Druck auf die Schüler?
Sie stützt sich auf über 100.000 Eingaben auf der Beschwerdeplattform.
Das ist eine Selbstauskunft von Teilnehmern, keine repräsentative Umfrage. Und offen ist auch, wie das neue System von 2028 aussehen soll.
Was zeigt sich also am Samstag?
Ob die Zugeständnisse reichen, um die Mobilisierung zu bremsen.
Der Puls
- Die Regierung legt einen Fünf-Punkte-Plan vor, doch die Schülergewerkschaften nennen die Zugeständnisse nur einen ersten Sieg.
- 100.000 Beschwerden auf einer digitalen Plattform zeigen, wie tief der Druck auf die Schülerinnen und Schüler reicht.
- Die Kreditlösung über vier Milliarden Euro für Schulgebäude stößt auf scharfe Kritik aus den Regionen, die einen grünen Fonds verlangen.
- Parcoursup soll 2028 ersetzt werden, aber 15.000 zusätzliche Studienplätze gelten den Protestierenden als viel zu wenig.
- Am kommenden Samstag wollen Schüler und Studierende erneut auf die Straße gehen, und die Lage bleibt offen.
Frankreichs Schülerinnen und Schüler haben mit ihrem Protest erreicht, dass die Regierung ein Stück weit einlenkt, doch der Streit ist keineswegs beigelegt. Wie so oft in der Geschichte der Bildung kämpfen junge Menschen darum, nicht nach einer Auswahl sortiert zu werden, die sie früh festlegt und ihnen Zukunft verengt. Der Fünf-Punkte-Plan von Bildungsminister Edouard Geffray antwortet auf reale Überlastung, lässt aber zentrale Fragen offen, etwa nach Studienplätzen und der Finanzierung der Sanierung. Ob aus diesem Zugeständnis Vertrauen wird, zeigt sich erst im Umgang mit dem, was noch aussteht.
Am Nachmittag verließen die Schülervertreter den Amtssitz des Premierministers mit dem Gefühl, etwas bewegt zu haben. Marius Mesnil von der Union syndicale lycéenne sprach von ersten Siegen, beim Lehrermangel, bei den Klassengrößen und bei der Sanierung der Schulen habe man Boden gewonnen.
Am Abend stellte Bildungsminister Edouard Geffray seinen Fünf-Punkte-Plan vor. Er erkannte an, dass die Schülerinnen und Schüler enorm unter Druck stehen, was auch eine digitale Beschwerdeplattform mit über 100.000 Eingaben belegt. Die Klassen in Stufe 10 sollen schrittweise auf 28 Schüler sinken, zunächst an den schwächer ausgestatteten Lycées. Die geplanten 836 Stellenstreichungen fallen weg, stattdessen entstehen 500 neue Lehrerposten.
Umstritten blieb die Kreditlösung über vier Milliarden Euro für Schulsanierungen. Der Vizepräsident der Region Okzitanien, Kamel Chibli, hält sie für einen Irrweg und verlangt einen grünen Fonds, mit dem die Regionen ihre Gebäude passgenau sanieren können.
Beim Thema Parcoursup, der umstrittenen Studienplatzvergabe, will Geffray die Plattform transparenter machen und 2028 ersetzen. Mesnil nennt das einen guten Anfang, kritisiert aber, dass nur 15.000 neue Studienplätze entstehen, während die Gewerkschaften 250.000 fordern.
Gemeinsam mit den Studierendenvertretern kündigten die Schülergewerkschaften daher neue Demonstrationen für den kommenden Samstag an. Einen Befreiungsschlag hat die Regierung damit nicht erzielt, und ob der Protest abflaut, entscheidet sich an diesem Tag und an der Ausgestaltung des Nachfolgers von Parcoursup.
Am Nachmittag verließen die Vertreterinnen und Vertreter der französischen Schülerschaft den Amtssitz des Premierministers, und sie wirkten, als hätten sie etwas erreicht. Marius Mesnil von der größten Schülergewerkschaft Union syndicale lycéenne sprach von „ersten Siegen“. Beim Lehrermangel, bei der Zahl der Schüler pro Klasse und bei der Sanierung der Gebäude habe man einiges durchgesetzt. Das zeige, dass die Mobilisierung funktioniert habe.
Tatsächlich ist die Regierung in mehreren Punkten eingelenkt. Bildungsminister Edouard Geffray stellte am Abend auf einer Pressekonferenz seinen Fünf-Punkte-Plan vor. Er räumte zunächst ein, dass die Schülerinnen und Schüler unter enormem Druck stünden. Das habe die Auswertung von mehr als 100.000 Eingaben auf einer eigens eingerichteten digitalen Beschwerdeplattform gezeigt. Als Ursachen nannte der Bericht die Unsicherheit bei der Vergabe von Studienplätzen, die frühe Festlegung auf Schwerpunkte und überfüllte Klassen.
Bei den Klassen kündigte Geffray an, die Stärke in Stufe 10 schrittweise auf 28 Schüler zu senken. Beginnen soll das bei der weniger gut gestellten Hälfte aller Lycées. Zudem nimmt die Regierung die geplanten 836 Stellenstreichungen zurück. Stattdessen sollen 500 neue Lehrerposten für die Oberstufen entstehen.
Geteilt fiel das Echo auf die Ankündigung aus, vergünstigte Kredite von vier Milliarden Euro für die Renovierung von Schulgebäuden bereitzustellen. Kamel Chibli, Vizepräsident der Region Okzitanien, sagte im Sender France Info, die Maßnahme gehe am eigentlichen Problem vorbei: „Die machen sich doch über uns lustig. Wir brauchen doch die Regierung nicht, um Kredite abzuschließen.“ Die Regionen forderten seit Monaten einen „grünen Fonds“, der gezielt für die energetische Sanierung der Gebäude eingerichtet wird. Nur damit könne man passend für die jeweilige Region sanieren.
Mit besonderer Spannung war erwartet worden, wie die Regierung auf die Forderung reagiert, die umstrittene Studienplatzvergabe-Plattform Parcoursup abzuschaffen. Geffray will sie zunächst transparenter machen und 2028 durch ein neues System ersetzen. Mesnil reicht das nicht. Der Austausch sei gut, sagte er, doch gleichzeitig würden nur 15.000 neue Studienplätze angeboten. Das sei zu wenig, die Selektion bleibe bestehen. Die Schülergewerkschaften fordern 250.000 zusätzliche Studienplätze, damit niemand mehr aussortiert wird.
Gemeinsam mit den Studierendenvertretern haben die Schülergewerkschaften deshalb angekündigt, am kommenden Samstag erneut zu demonstrieren. Einen Befreiungsschlag hat die Regierung damit vorerst nicht erzielt. Ob der Protest abflaut, dürfte sich an diesem Samstag und an der Ausgestaltung des Parcoursup-Nachfolgers bis 2028 zeigen.
Bemerkenswerte Zitate
Wir können uns zu einigen ersten Siegen beglückwünschen.— Marius Mesnil, Union syndicale lycéenne
Die machen sich doch über uns lustig. Wir brauchen doch die Regierung nicht, um Kredite abzuschließen.— Kamel Chibli, Vizepräsident der Region Okzitanien