Exzellenz-Strategie verfehlt ihr Ziel – Fächerwettbewerb wäre sinnvoller

Keine Universität ist in allen Fachbereichen Spitze
Deshalb wäre ein Wettbewerb nach Fächern realistischer als die Suche nach einer universellen Exzellenz.
Mark

Warum ist die Exzellenz-Strategie denn gescheitert? Das Ziel war doch klar.

Mimi

Das Ziel war klar, aber unterfinanziert. Man wollte ein deutsches Harvard, aber ohne Harvard-Budget. Das war von Anfang an illusorisch.

Luke

Aber ist das wirklich gescheitert? Es gibt jetzt mehr Exzellenz-Universitäten als vorher. Sind die nicht besser geworden?

Mimi

Besser vielleicht, aber nicht auf Harvard-Niveau. Und die Strategie hat Nebenwirkungen: Sie zentralisiert Ressourcen, statt sie sinnvoll zu verteilen.

Mark

Was würde ein Fächerwettbewerb anders machen?

Mimi

Er würde anerkennen, dass keine Universität in allem Spitze ist. Stattdessen würde man fragen: Wer hat die beste Physik? Wer hat die beste Medizin? Und das fördern.

Luke

Aber wie misst man das? Fächervergleiche sind schwierig. Physik ist nicht Philosophie.

Mimi

Richtig, aber das ist genau der Punkt. Ein Fächerwettbewerb zwingt dich, präzise zu sein. Du kannst nicht einfach sagen: Diese Universität ist exzellent. Du musst sagen: In diesem Fach ist sie exzellent.

Mark

Und was hätten die Studierenden davon?

Mimi

Orientierung. Sie könnten sehen: Wenn ich Chemie studieren will, gehe ich dahin. Wenn ich Philosophie studieren will, gehe ich dorthin. Das ist praktisch.

Luke

Aber das setzt voraus, dass die Fächerwettbewerbe transparent sind und regelmäßig aktualisiert werden. Sonst ist es nur eine andere Form von Ranking.

Mimi

Ja, das ist ein echtes Risiko. Aber es ist besser als das jetzige System, das Geld auf wenige Universitäten konzentriert und damit auch die politische Anfälligkeit erhöht.

Mark

Politische Anfälligkeit?

Mimi

Je mehr eine Universität von projektgebundenen Mitteln abhängt, desto leichter kann eine Landesregierung sie beeinflussen. Das schwächt die Forschungsfreiheit.

  • Das erklärte Ziel, ein deutsches Harvard zu schaffen, war von Beginn an chronisch unterfinanziert und ist heute angesichts amerikanischer Budgetdimensionen vollends illusorisch geworden.
  • Die Exzellenz-Strategie verschärft eine strukturelle Schwäche: Universitäten werden zunehmend von Drittmitteln abhängig, was sie anfällig für politische Einflussnahme durch Landesregierungen macht.
  • Vier Münchner Forscher brachten kurz vor der Aufnahme neuer Verbünde einen konkreten Reformvorschlag ein: einen Wettbewerb nach Fächergruppen, der Standortgrenzen überwindet und reale Stärken sichtbar macht.
  • Studierende leiden unter dem Status quo besonders – Gesamtrankings geben kaum Auskunft darüber, wo ein bestimmtes Fach wirklich exzellent gelehrt wird.
  • Ein fächerspezifischer Ansatz könnte Orientierung schaffen, Ressourcen gezielter einsetzen und die Widerstandsfähigkeit der Hochschulen gegenüber politischem Druck erhöhen.

Seit Jahrzehnten träumt Deutschland davon, eine Universität von Weltrang zu schaffen – doch der Traum eines deutschen Harvard war stets größer als die Mittel, ihn zu verwirklichen. Die Exzellenz-Strategie, gut gemeint und politisch ambitioniert, hat die Hochschulen nicht an die Weltspitze geführt, sondern sie in eine wachsende Abhängigkeit von projektgebundenen Geldern gedrängt. In einer Zeit, in der akademische Freiheit weltweit unter Druck gerät, stellt sich die Frage, ob Deutschland nicht besser daran täte, seine genuine Stärke – verteilte, fächerspezifische Exzellenz – zu pflegen, statt einem unerreichbaren Gesamtideal nachzujagen.

Die deutsche Exzellenz-Strategie verfolgte ein ehrgeiziges Ziel: eine Universität von Weltrang zu schaffen, die mit Harvard oder Oxford mithalten kann. Doch die Mittel dafür fehlten von Anfang an, und unter veränderten globalen Bedingungen – nicht zuletzt angesichts der schieren Budgetmacht amerikanischer Eliteuniversitäten – ist dieses Ziel noch weiter in die Ferne gerückt. Was Deutschland hingegen bieten könnte, ist Forschungsfreiheit: ein Gut, das anderswo zunehmend unter Druck gerät.

Kurz bevor fünf neue Verbünde in die Exzellenz-Initiative aufgenommen wurden, schlugen vier Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München in der FAZ einen anderen Weg vor. Statt wenige Universitäten pauschal zu fördern, solle Deutschland einen Wettbewerb nach Fächergruppen ausrufen – über Standortgrenzen hinweg. Der Gedanke ist naheliegend: Keine Hochschule ist in allen Disziplinen führend. Manche glänzen in der Physik, andere in den Geisteswissenschaften. Ein fächerspezifischer Wettbewerb würde diese Realität anerkennen.

Für Studierende hätte ein solcher Ansatz unmittelbare Vorteile. Heute müssen sie sich auf wenig aussagekräftige Gesamtrankings verlassen, wenn sie wissen wollen, wo Mathematik oder Chemie am besten gelehrt wird. Fächerspezifische Exzellenzauszeichnungen würden echte Orientierung bieten.

Dahinter liegt ein tieferes strukturelles Problem: Die Grundfinanzierung der Universitäten ist zu knapp, weshalb Hochschulen ständig Drittmittel einwerben müssen. Die Exzellenz-Strategie verstärkt diesen Druck – und damit auch die Anfälligkeit gegenüber politischer Einflussnahme, denn projektgebundene Mittel lassen sich von Landesregierungen leichter steuern als institutionelle Grundmittel. Ein fächerspezifischer Wettbewerb, der Exzellenz dort fördert, wo sie tatsächlich existiert – verteilt über das ganze Land –, könnte diese Abhängigkeit verringern und die Unabhängigkeit der Wissenschaft stärken.

Die deutsche Exzellenz-Strategie ist seit ihrer Einführung umstritten. Das Ziel war ehrgeizig: ein deutsches Harvard aufzubauen, eine Universität von Weltrang, die mit den besten Institutionen konkurrieren könnte. Doch dieses Ziel war von Anfang an unrealistisch. Die verfügbaren Mittel reichten dafür nie aus, und heute, unter einer Trump-Regierung in den USA, hat sich die Ausgangslage ohnehin verschoben. Deutsche Universitäten können nicht mit amerikanischen Budgets konkurrieren. Was sie stattdessen anbieten können, ist etwas anderes: Forschungsfreiheit, ein Gut, das in vielen Ländern unter Druck gerät.

Vor kurzem, kurz bevor fünf neue Verbünde und Einzeluniversitäten in die Exzellenz-Initiative aufgenommen wurden, machten vier Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München einen Vorschlag in dieser Zeitung. Sie argumentierten, dass Deutschland sein Ziel einer internationalen Spitze realistischer verfolgen könnte. Das könnte geschehen, indem man nur wenige Universitäten fördert oder indem man einen Wettbewerb nach Fächergruppen ausrichtet, der über einzelne Standorte hinausgeht.

Dieser Gedanke verdient Aufmerksamkeit. Keine Universität – nicht einmal die mit Exzellenztitel – ist in allen Fachbereichen führend. Manche Hochschulen sind in Physik hervorragend, schwach aber in Medizin. Andere haben starke Geisteswissenschaften, aber mittelmäßige Ingenieurwissenschaften. Ein fächerspezifischer Wettbewerb würde diese Realität anerkennen statt sie zu ignorieren.

Solch ein Ansatz hätte auch unmittelbare Vorteile für Studierende. Sie könnten sich orientieren: Wo kann ich Mathematik am besten studieren? Wo ist die beste Chemie-Ausbildung? Diese Information fehlt ihnen heute. Stattdessen müssen sie sich auf Gesamtrankings verlassen, die wenig aussagekräftig sind, wenn es um ihr spezifisches Fach geht.

Es gibt noch ein tieferes Problem, das die Exzellenz-Strategie verschärft. Die Grundfinanzierung der Universitäten ist knapp. Zu knapp. Deshalb müssen Hochschulen ständig Drittmittel einwerben – Geld von außen, von Stiftungen, von Unternehmen, von Forschungsförderern. Die Exzellenz-Strategie verstärkt diesen Druck noch. Wer Exzellenz-Status hat, bekommt mehr projektgebundene Mittel. Wer ihn nicht hat, muss noch mehr kämpfen.

Das hat eine gefährliche Konsequenz: Projektgebundene Mittel können von Landesregierungen beeinflusst werden. Eine extremistische Regierung könnte versuchen, Forschungsprojekte zu lenken oder zu blockieren. Je mehr Universitäten von solchen Mitteln abhängen, desto anfälliger werden sie für politische Einflussnahme. Die Exzellenz-Strategie schwächt also die Unabhängigkeit der Universitäten, nicht nur finanziell, sondern auch in ihrer Fähigkeit, frei zu forschen.

Ein fächerspezifischer Wettbewerb könnte diese Probleme teilweise lösen. Er würde realistischere Ziele setzen. Er würde Studierenden helfen. Und er könnte die Resilienz der Universitäten stärken, indem er nicht alle Ressourcen auf wenige Institutionen konzentriert, sondern Exzellenz dort fördert, wo sie tatsächlich existiert – verteilt über das ganze Land, über verschiedene Fachbereiche, über verschiedene Hochschulen.

Inzwischen sind es angesichts der Trump-Regierung ohnehin weniger die Mittel als die Freiheit der Forschung, mit der deutsche Universitäten punkten können
— Analyse der Exzellenz-Strategie
Der mögliche Zugriff extremer Landesregierungen auf projektbezogene Mittel schwächt die Resilienz der Universitäten
— Kritik an der Finanzierungsstruktur
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