Pistorius weigert sich, klar zu antworten, ob er die SPD-Spitze anstrebt, nachdem Co-Chefin Bas zurückgetreten ist. Sein kämpferischer Auftritt beim Protest am Bebelplatz gegen die AfD brachte ihm viel öffentliche Anerkennung ein.
Will Boris Pistorius an die SPD-Spitze? Sagt er nicht so genau
Ambitionen ohne sie auszusprechen – die perfekte Antwort
Warum antwortet Pistorius nicht einfach ja oder nein auf die Frage, ob er die SPD-Spitze anstrebt?
Weil er sich offenhält. Ein klares Nein würde Chancen verschließen, ein klares Ja würde ihn angreifbar machen – besonders jetzt, wo Bas gerade zurückgetreten ist und die Partei trauert.
Aber das ist doch genau das Problem: Wir wissen nicht, ob er wirklich keine Ambitionen hat oder ob er nur geschickt formuliert. Seine Erklärung – "innere Haltung, tiefer Impuls" – könnte beides bedeuten.
Ist das nicht normal in der Politik? Sich Zeit nehmen, bevor man sich festlegt?
Ja, aber hier ist es auffällig, weil der Moment so günstig für ihn ist. Der Bebelplatz-Auftritt hat ihm Kredit gegeben. Die Partei sucht neue Führung. Die Frage liegt auf der Hand.
Und wir haben nur seine Aussage, dass er keine Ambitionen damit verbindet. Wir wissen nicht, was in den Präsidiumssitzungen gesprochen wurde. Das ist ein großes Loch in der Geschichte.
Was sagt uns sein Verhalten zu Schwesigs Kritik an der Union?
Dass er die Parteilinie unterstützt. Er stimmt zu, dass die Union zu hart angegriffen hat. Das ist klare Positionierung – nur eben nicht zu sich selbst.
Genau. Bei allem anderen ist er deutlich, nur nicht bei der Frage, die am meisten zählt. Das ist eine Strategie, und wir sollten sie als solche benennen.
El Pulso
- Bärbel Bas trat als SPD-Co-Vorsitzende und Arbeitsministerin zurück
- Pistorius hielt eine engagierte Rede am Bebelplatz und stimmte die Nationalhymne an
- Die SPD muss ihre komplette Führungsspitze neu wählen
- Bas begründete ihren Rücktritt mit dem Tod ihrer Stieftochter und öffentlichen Angriffen
Pistorius weigert sich, klar zu antworten, ob er die SPD-Spitze anstrebt, nachdem Co-Chefin Bas zurückgetreten ist. Sein kämpferischer Auftritt beim Protest am Bebelplatz gegen die AfD brachte ihm viel öffentliche Anerkennung ein.
Verteidigungsminister Boris Pistorius antwortet ausweichend auf die Frage, ob er nach Bärbel Bas' Rücktritt eine Führungsposition in der SPD anstrebt. Er betont, seine Protestaktion am Bebelplatz sei aus innerer Haltung erfolgt, ohne damit Ambitionen zu verbinden.
Boris Pistorius stand vor Journalisten in Berlin und bekam eine einfache Frage gestellt: Wird er sich um einen Platz in der SPD-Führung bewerben, jetzt wo die Partei ihre komplette Spitze neu besetzen muss? Seine Antwort war alles andere als einfach.
Die Vorgeschichte: Eine Woche zuvor hatte sich die SPD-Bundestagsfraktion spontan am Bebelplatz versammelt, jenem Ort in Berlin, wo die Nationalsozialisten 1933 Bücher verbrannten. Der Anlass war die Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten. Pistorius, der Verteidigungsminister, hielt eine engagierte Rede und stimmte danach die Nationalhymne an. Der Auftritt brachte ihm erhebliche öffentliche Anerkennung ein – ein Moment, der in den Medien und in der Partei intensiv wahrgenommen wurde.
Dann kam Montag. Bärbel Bas, Co-Vorsitzende der SPD und Arbeitsministerin, kündigte ihren Rücktritt an. Sie begründete den Schritt mit dem Tod ihrer Stieftochter und mit öffentlichen Attacken, die sie erduldet hatte – auch von der Union, dem Koalitionspartner. Die Partei stand vor einer Führungskrise und musste ihre gesamte Spitze neu wählen.
In dieser Situation wurde Pistorius gefragt, ob man mit ihm für die Parteiführung rechnen könne – ob er seine neu gewonnene Sichtbarkeit in Ambitionen für die SPD-Spitze ummünzen wolle. Er antwortete, er sei bei der Sitzung des SPD-Präsidiums dabei gewesen und man habe intensiv gesprochen. Dann aber kam die Ausweichbewegung: "Es kann sich vielleicht der eine oder andere in der Öffentlichkeit oder auch in der Partei nicht vorstellen, aber man kann so was wie letzten Dienstag auf dem August-Bebel-Platz auch einfach machen aus einer inneren Haltung, aus einem tiefen Impuls heraus, ohne irgendwelche Ambitionen oder Ansprüche damit zu verbinden. Ich glaube, damit ist alles gesagt."
Damit war natürlich nicht alles gesagt. Pistorius hatte die Frage nicht beantwortet – er hatte sie umrahmt mit einer Erklärung seiner Motive, die zugleich alle Fragen offen ließ. War sein Bebelplatz-Auftritt wirklich frei von Ambitionen? Oder war es eine geschickte Art, sich in Szene zu setzen, ohne sich festzulegen? Die Antwort blieb im Ungefähren.
Auf eine zweite Frage – ob er die scharfe Kritik der Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig an der Union teile – antwortete er deutlicher. Schwesig hatte auf X geschrieben, die Attacken der CDU seien "unmenschlich und rücksichtslos" gewesen, obwohl die Union selbst schwere persönliche Probleme habe. Pistorius stimmte zu: Wenn jemand aus tragischen Gründen sich vorübergehend zurückzieht, dann sollte man nicht zusätzliche öffentliche Attacken führen. "Darüber kann es keine zwei Meinungen geben", sagte er.
Doch zur eigentlichen Frage – seiner eigenen Ambitionen – blieb Pistorius nebulös. Er hielt sich alle Optionen offen, ohne sich festzulegen. Die SPD muss ihre Führung neu wählen. Pistorius hat gerade bewiesen, dass er die Partei mobilisieren kann. Ob er diese Kraft nun für sich selbst einsetzen wird, sagte er nicht so genau.
Citas Notables
Man kann so etwas auch einfach machen aus einer inneren Haltung, aus einem tiefen Impuls heraus, ohne irgendwelche Ambitionen oder Ansprüche damit zu verbinden.— Boris Pistorius
Wenn man weiß, dass jemand aus einem so tragischen, traurigen Anlass sich vorübergehend rauszieht, dass man da nicht zusätzliche öffentliche Attacken auf eine Ministerin der Koalitionsregierung führt – darüber kann es keine zwei Meinungen geben.— Boris Pistorius