DAX seitwärts erwartet – Anleger halten sich vor US-Bilanzsaison zurück

Die Widerstandsfähigkeit steht unter Druck, die Risiken zeigen nach unten
IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro warnt vor Grenzen der wirtschaftlichen Stabilität trotz verbesserter Wachstumsprognosen.
Mark

Warum halten sich die Anleger gerade so zurück? Das klingt, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die Bilanzen kommen.

Mimi

Genau. Es gibt zwei konkrete Bremsen: Die Ölpreise sind wegen der Huthi-Angriffe auf Riad gestiegen, und das schürt Inflationssorgen. Gleichzeitig warten alle auf die Quartalszahlen der großen US-Banken – JPMorgan, Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs. Das ist der Startschuss für die ganze Berichtssaison.

Luke

Aber wie konkret ist diese Angst vor Inflation? Die Ölpreise sind gestiegen, ja, aber um wie viel? Und wie schnell würde das die Verbraucherpreise treffen?

Mimi

Brent-Öl ist auf rund 106 Dollar pro Fass gestiegen, WTI auf 93 Dollar. Goldman Sachs hat seine Dezember-Prognose von 85 auf 90 Dollar angehoben. Das ist eine messbare Reaktion auf die Anschläge.

Mark

Was interessiert die Investoren denn am meisten in den kommenden Bilanzen?

Mimi

Drei Dinge: Erstens, wie Unternehmen künstliche Intelligenz einsetzen und davon profitieren. Zweitens, ob sie ihre Preissetzungsmacht behaupten können. Drittens, wie sie mit höheren Kreditkosten umgehen.

Luke

Das sind große Fragen. Aber haben wir konkrete Hinweise, dass Unternehmen diese Herausforderungen meistern? Oder ist das reine Spekulation?

Mimi

Das ist eben das Problem – wir wissen es noch nicht. Deshalb warten alle. Der Nikkei ist über zwei Prozent gefallen, weil US-Tech-Aktien schwach sind. Das deutet darauf hin, dass die Sorgen real sind.

Mark

Und die gute Nachricht vom IWF – dass Deutschland stärker wächst als erwartet?

Mimi

Das ist real. Der IWF hebt die deutsche Wachstumsprognose auf 1,3 Prozent an, 0,6 Punkte höher als im Juli. Das stimmt mit der Bundesregierung überein.

Luke

Aber die IWF-Chefökonomin sagt auch, dass die Widerstandsfähigkeit unter Druck steht und die Risiken nach unten zeigen. Das ist ein wichtiger Zusatz – es ist nicht einfach Optimismus.

Mark

Also: bessere Prognosen, aber höhere Unsicherheit?

Mimi

Genau so ist es.

  • DAX wird leicht unter Vortagesniveau erwartet; Leitindex hatte zum Wochenstart 0,8 Prozent auf 25.277 Punkte gewonnen
  • Huthi-Angriffe auf Riad treiben Ölpreise: Brent-Öl auf rund 106 Dollar, WTI auf 93 Dollar pro Fass
  • IWF hebt deutsche Wachstumsprognose 2026 auf 1,3 Prozent an – 0,6 Punkte über Juli-Prognose
  • US-Berichtssaison startet mit Quartalszahlen von JPMorgan Chase, Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs, Johnson & Johnson und UnitedHealth
  • Nikkei-Index verliert über zwei Prozent; Nasdaq fällt 0,4 Prozent auf 27.246 Punkte

Der DAX wird leicht unter Vortagesniveau erwartet, während Huthi-Angriffe auf Riad die Ölpreise in die Höhe treiben. Der IWF hebt Wachstumsprognose für Deutschland auf 1,3 Prozent an, doch geopolitische Spannungen und schwache Tech-Werte belasten die Märkte.

DAX-Anleger zeigen sich zum Handelsstart zurückhaltend. Hohe Ölpreise und die bevorstehende US-Berichtssaison bremsen neue Engagements.

Am Dienstagmorgen halten sich Deutschlands Börsianer zurück. Der DAX wird leicht unter dem Schlusskurs des Vortags erwartet, nachdem der Leitindex zum Wochenstart noch um knapp 0,8 Prozent auf 25.277 Punkte gestiegen war. Zwei Faktoren bremsen die Kauflust: Die Ölpreise bleiben hartnäckig hoch, und an der Wall Street beginnt in wenigen Stunden die Berichtssaison der großen Banken. Anleger warten lieber ab, bis sie wissen, wie es um die Gewinne steht.

Die Energiepreise sind das unmittelbare Problem. Jemenitische Huthi-Rebellen haben die saudi-arabische Hauptstadt Riad angegriffen – ein Signal, dass die Spannungen im Nahen Osten eher eskalieren als sich zu entspannen. Nordsee-Rohöl Brent und US-Leichtöl WTI sind in der Spitze um 1,3 bis 1,5 Prozent gestiegen und notieren nun bei rund 106 beziehungsweise 93 Dollar pro Fass. Die Analysten von Goldman Sachs haben ihre Dezember-Prognose für Brent-Öl daraufhin von 85 auf 90 Dollar pro Fass angehoben. Höhere Energiepreise schüren Inflationssorgen – und das macht Investoren nervös.

Aus Asien kamen am Morgen schwache Signale. Der japanische Nikkei-Index verlor über zwei Prozent, belastet durch den Abwärtstrend bei US-Halbleiteraktien. Maki Sawada, Strategin bei Nomura Securities, beschrieb den Zusammenhang deutlich: Der japanische Markt wird von den schwachen Technologiewerten in Amerika beeinflusst. An der Wall Street selbst zeigte sich zum Wochenstart Vorsicht. Der Dow Jones gewann 0,4 Prozent auf 51.851 Punkte, der technologielastige Nasdaq fiel 0,4 Prozent auf 27.246 Punkte, und der breit gefasste S&P 500 schloss praktisch unverändert bei 7.807 Stellen.

Die Berichtssaison wird zum Prüfstein. Vier der sechs großen US-Banken öffnen ihre Bücher: JPMorgan Chase, Citigroup, Wells Fargo und Goldman Sachs. Hinzu kommen Schwergewichte wie Johnson & Johnson und UnitedHealth, der größte Krankenversicherer des Landes. Clark Bellin von Bellwether Wealth fasst zusammen, worauf Investoren achten werden: Wie nutzen Unternehmen künstliche Intelligenz und profitieren davon? Können sie ihre Preissetzungsmacht behaupten oder sogar ausbauen? Und wie gehen sie mit den gestiegenen Kreditkosten um? Das sind die Fragen, die über Gewinner und Verlierer entscheiden.

Eine Nachricht könnte die Stimmung stützen. Der Internationale Währungsfonds hat seine Wirtschaftsprognose für Deutschland angehoben. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt soll 2026 um 1,3 Prozent wachsen – 0,6 Prozentpunkte mehr als noch im Juli erwartet und in Einklang mit der Bundesregierung. Auch global hebt der IWF seine Erwartung leicht an: Das weltweite Wirtschaftswachstum soll 3,1 Prozent erreichen, 0,1 Prozentpunkte mehr als zuvor. Die Begründung: Industrieländer haben sich trotz gestiegener Energiepreise als widerstandsfähig erwiesen. Doch IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro warnt: Diese Widerstandsfähigkeit steht unter Druck, und die Risiken für das Wachstum zeigen eher nach unten.

Die Renditen am Anleihemarkt sind auf ein 24-Jahres-Hoch gestiegen – ein weiterer Grund für Vorsicht. Investoren sorgen sich, dass höhere Zinsen die Unternehmensgewinne belasten könnten. Gleichzeitig hoffen sie, dass die US-Notenbank kurzfristig von Zinserhöhungen absieht. Diese Hoffnung hatte in der Vorwoche die drei wichtigsten US-Börsenindizes ins Plus getrieben. Doch jetzt dominiert wieder die Vorsicht. Der US-Rentenmarkt blieb am Montag wegen des Feiertags Columbus Day geschlossen – fehlende Impulse, die Investoren zusätzlich zum Abwarten bewogen. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Bilanzen der Banken und Konzerne die Nervosität rechtfertigen oder zerstreuen.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der japanische Aktienmarkt heute von dem Abwärtstrend bei den US-Halbleiteraktien beeinflusst wird
— Maki Sawada, Strategin bei Nomura Securities
Die großen Themen, die es in der Berichtssaison zu beobachten gilt, sind, wie Unternehmen KI einsetzen und davon profitieren, ob sie ihre Preissetzungsmacht beibehalten und wie sie mit gestiegenen Kreditkosten umgehen
— Clark Bellin, Bellwether Wealth
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