Schwedens Wahlsiegerin Andersson startet zweiten Anlauf zur Regierungsbildung

Schweden sitzt in einer politischen Sackgasse
Weder das Mitte-Links-Lager noch das rechte Bündnis kann eine stabile Regierung bilden.
Mark

Warum gibt Norlen Andersson eine zweite Chance, wenn sie selbst sagt, dass es unmöglich ist?

Mimi

Weil die Zahlen es erlauben. 176 gegen 173 – das ist eine Mehrheit, auch wenn sie dünn ist. Norlen sagt, die Bedingungen haben sich nicht geändert, also sollte man es noch versuchen.

Luke

Aber die Bedingungen haben sich geändert, oder? Die Linkspartei hat gegen Andersson gestimmt. Das ist ein klares Signal.

Mimi

Ja, aber Norlen interpretiert das als etwas, das überdacht werden könnte. Vielleicht war es ein taktischer Schachzug, kein grundsätzliches Nein.

Mark

Und wenn Andersson wieder scheitert? Was passiert dann mit Kristersson?

Mimi

Dann müsste Kristersson versuchen, eine Regierung zu bilden. Aber auch er braucht Unterstützung von Mitte-Links-Parteien, während er gleichzeitig die Schwedendemokraten halten muss.

Luke

Das ist praktisch unmöglich, oder? Mitte-Links-Parteien werden nicht für Kristersson stimmen, wenn sie Andersson nicht unterstützen.

Mimi

Genau. Schweden sitzt in einer Sackgasse. Keine Seite kann allein regieren, und keine Seite kann sich mit der anderen einigen.

Mark

Wie lange kann das so weitergehen?

Mimi

Bis zum 12. Oktober muss Andersson berichten. Dann sehen wir, ob etwas sich bewegt hat.

Luke

Und wenn nicht? Neuwahlen?

Mimi

Das ist möglich, aber niemand will das wirklich. Schweden hatte gerade Wahlen.

  • Andersson hatte die Regierungsbildung bereits aufgegeben – ein seltenes öffentliches Eingeständnis der Niederlage, das das politische Schweden erschütterte.
  • Der Verrat kam aus den eigenen Reihen: Die Linkspartei stimmte für einen konservativen Kandidaten als Parlamentspräsident und unterhöhlte damit Anderssons Autorität noch vor Beginn der Koalitionsverhandlungen.
  • Trotz des Rückzugs beauftragte Parlamentspräsident Norlen Andersson erneut – gestützt auf die mathematische Mehrheit ihres Lagers, die sich nicht verändert hat.
  • Neue Gespräche sollen ab Montag stattfinden; Andersson muss bis zum 12. Oktober Bericht erstatten – die Uhr tickt, aber die Blockaden sind dieselben.
  • Auch Kristersson als Alternative bietet kaum Ausweg: Er bräuchte Mitte-Links-Stimmen und müsste gleichzeitig die Schwedendemokraten bei sich halten – ein nahezu unlösbares Dilemma.
  • Schweden steckt in einer politischen Sackgasse, in der Mehrheiten auf dem Papier existieren, aber im Parlament nicht gelebt werden können.

In Schweden, wo Wahlsiege allein noch keine Regierungen formen, erhält Magdalena Andersson eine zweite Chance – nicht weil sich die politischen Verhältnisse grundlegend gewandelt hätten, sondern weil die Arithmetik des Parlaments keine bessere Alternative kennt. Parlamentspräsident Norlen verweist auf die knappe, aber reale Mehrheit von 176 zu 173 Mandaten und bittet die Parteien, ihre Positionen neu zu überdenken. Es ist eine Einladung zur Vernunft in einem politischen Moment, der vor allem von Misstrauen geprägt ist.

Magdalena Andersson hatte sich bereits geschlagen gegeben. Anfang der Woche erklärte Schwedens Wahlsiegerin, eine Regierungsbildung sei unmöglich – die Allianzen waren zerbrochen, die Zahlen schienen gegen sie zu sprechen. Doch am Freitag erteilte ihr Parlamentspräsident Andreas Norlen einen neuen Auftrag: ein zweiter Versuch sollte es sein.

Dabei hatte Anderssons Mitte-Links-Lager die Wahl vom 13. September knapp gewonnen. Vier Parteien, 176 Mandate – gegenüber 173 des rechten Bündnisses von Amtsinhaber Ulf Kristersson. Mathematisch eine Mehrheit, wenn auch eine hauchdünne. Doch die schwedische Koalitionswirklichkeit folgt eigenen Gesetzen.

Der Auslöser für Anderssons Rückzug war konkret und symbolisch zugleich: Die Linkspartei, eigentlich Teil ihres Lagers, hatte einen Kandidaten der konservativen Moderaten für das Parlamentspräsidentenamt unterstützt. Andersson wertete dies als Misstrauenssignal – wer nicht einmal grundlegende Abstimmungen gewinnen kann, kann keine stabile Regierung führen. Sie zog die Konsequenz.

Norlen sah dennoch einen Grund für einen neuen Anlauf. Die Sitzverteilung spreche eindeutig für Andersson, die politischen Bedingungen hätten sich nicht verändert – wohl aber könnte die Bereitschaft der Parteien wachsen, ihre Positionen zu überdenken. Gespräche sollen ab Montag beginnen, bis zum 12. Oktober muss Andersson Bericht erstatten.

Auch Kristersson als Alternative bietet kaum Hoffnung: Er müsste mindestens eine Mitte-Links-Partei gewinnen und gleichzeitig die Schwedendemokraten halten – eine Gratwanderung ohne erkennbaren Ausgang. Anderssons zweiter Versuch ist weniger ein Zeichen der Zuversicht als das Eingeständnis, dass es schlicht keine bessere Option gibt.

Magdalena Andersson hatte sich bereits geschlagen gegeben. Schwedens Wahlsiegerin hatte Anfang der Woche erklärt, dass eine Regierungsbildung unmöglich sei – die Zahlen sprachen gegen sie, die Allianzen waren zerbrochen, und sie sah keinen Weg vorwärts. Doch am Freitag erhielt sie von Parlamentspräsident Andreas Norlen einen neuen Auftrag: Es sollte noch einen zweiten Versuch geben.

Bei der Wahl am 13. September hatte Anderssons Mitte-Links-Lager knapp gewonnen. Ihre vier Parteien verfügen zusammen über 176 Mandate im Reichstag, während das rechte Bündnis des amtierenden Ministerpräsidenten Ulf Kristersson nur auf 173 Sitze kommt. Mathematisch gesehen hätte Andersson also eine Mehrheit – eine dünne, aber eine Mehrheit. Doch die Realität der schwedischen Koalitionsmathematik ist komplizierter als die bloße Sitzverteilung.

Der Grund für Anderssons erste Niederlage war konkret und beschämend zugleich: Die Linkspartei, eigentlich Teil ihres Lagers, hatte einen Kandidaten der konservativen Moderaten Sammlungspartei für das Amt des Parlamentspräsidenten unterstützt. Das war ein Signal, das Andersson nicht ignorieren konnte. Sie interpretierte es als Zeichen mangelnden Vertrauens in ihre Fähigkeit, eine stabile Regierung zu bilden. Wenn selbst die eigenen Verbündeten nicht hinter ihr standen, wenn sie nicht einmal die grundlegendsten Abstimmungen gewinnen konnte, dann war die Position unhaltbar. Sie zog sich zurück.

Norlen sah das anders – oder sah zumindest einen Grund, es noch einmal zu versuchen. Der Parlamentspräsident verwies auf die Sitzverteilung, die eindeutig zugunsten Anderssons sprach. Die politischen und parlamentarischen Bedingungen hätten sich nicht verändert, sagte er. Was sich ändern könnte, war die Bereitschaft der Parteien, ihre Positionen zu überdenken. Norlen forderte ein Signal des Nachdenkens und der erneuten Prüfung. Die neuen Gespräche sollten am Montag beginnen. Andersson hat bis zum 12. Oktober Zeit, um Bericht zu erstatten.

Doch auch Kristersson, der als Alternative zur Verfügung stand, dürfte kaum bessere Chancen haben. Der amtierende Ministerpräsident müsste die Unterstützung mindestens einer Mitte-Links-Partei gewinnen und gleichzeitig die Unterstützung der rechtspopulistischen Schwedendemokraten bewahren – eine Gratwanderung, die bislang kaum Aussicht auf Erfolg hat. Schweden sitzt in einer politischen Sackgasse, in der die Zahlen zwar eine Mehrheit andeuten, aber die Parteien sich nicht einigen können, wie diese Mehrheit aussehen soll.

Andersons zweiter Anlauf ist also weniger ein Zeichen der Hoffnung als vielmehr ein Eingeständnis, dass es keine bessere Alternative gibt. Wenn weder das Mitte-Links-Lager noch das rechte Bündnis eine stabile Regierung bilden kann, dann bleibt nur die Hoffnung, dass die Parteien ihre Positionen überdenken – oder dass sie lernen, miteinander zu leben, auch wenn sie sich nicht trauen.

Die politischen und parlamentarischen Bedingungen seien unverändert. Daher sei es vernünftig, dass Andersson ihre Sondierungsgespräche wieder aufnehme.
— Parlamentspräsident Andreas Norlen
Sie nehme die Botschaft der Linkspartei ernst. Deswegen und aufgrund ihrer ersten Sondierungsgespräche komme sie zu dem Schluss, dass ihr die Möglichkeit für die Bildung einer Regierung fehle.
— Magdalena Andersson
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