Deutschland hat sich vorgenommen, 500 Milliarden Euro in seine alternde Infrastruktur zu investieren – ein Plan, der auf dem Papier Zuversicht weckt. Doch das Institut der Deutschen Wirtschaft erinnert daran, dass Kapital allein keine Brücken baut: Bis Mitte 2026 fehlen rund 148.000 Fachkräfte, vor allem in jenen handwerklichen Berufen, die das Fundament jeder Erneuerung bilden. Es ist eine alte Spannung in der Geschichte moderner Gesellschaften – der Wille zur Transformation trifft auf die Grenzen des Möglichen, und diesmal heißen diese Grenzen Demografie und Ausbildungslücke.
Fachkräftemangel gefährdet 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturprogramm
Geld allein schafft keine Kapazitäten zur Umsetzung
Was genau bedeutet es, dass 148.000 Fachkräfte fehlen? Ist das eine Prognose oder eine aktuelle Messung?
Das ist ein Durchschnittswert für den Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026. Die Studie hat die Lücke berechnet, indem sie die verfügbaren Fachkräfte mit dem geschätzten Bedarf für die Investitionsagenda verglichen hat. Es ist also eine Projektion, keine aktuelle Zählung.
Aber wie sicher ist diese Zahl? Wer hat den Bedarf geschätzt – die Unternehmen selbst, oder hat das Institut das modelliert?
Und warum ist der Mangel ausgerechnet in diesen drei Bereichen so dramatisch?
Weil Infrastruktur, Energiewende und Digitalisierung alle gleichzeitig massiv ausgebaut werden sollen. Das erzeugt eine Nachfrage-Spitze, auf die der Arbeitsmarkt nicht vorbereitet ist. Besonders bei den handwerklichen und technischen Berufen – Elektrikern, Heizungstechnikern – gibt es einfach nicht genug Nachwuchs.
Aber die Studie sagt auch, dass das Arbeitsangebot "ohne energische Gegenmaßnahmen" unzureichend wächst. Das klingt, als würde es mit Gegenmaßnahmen besser. Was könnte das sein?
Ist das ein deutsches Problem oder ein europäisches?
Die Studie konzentriert sich auf Deutschland, aber der demografische Druck ist überall in Europa ähnlich. Deutschland hat aber zusätzlich das Problem, dass die Privatwirtschaft seit 2020 massiv weniger investiert hat – 470 Milliarden Euro weniger als erwartet. Das macht den Arbeitsmarkt für Fachkräfte insgesamt angespannter.
Moment – wenn Unternehmen weniger investieren, müsste doch die Nachfrage nach Fachkräften sinken, nicht steigen?
Das verstehe ich nicht ganz.
Genau. Das ist der Widerspruch: Der Staat pumpt jetzt massiv Geld in Infrastruktur, während die Privatwirtschaft sich zurückgezogen hat. Das bedeutet, dass der Staat plötzlich um die gleichen Fachkräfte konkurriert, die die Privatwirtschaft vorher beschäftigt hätte – nur dass es jetzt weniger Fachkräfte gibt, weil weniger ausgebildet wurde.
Und die Ausbildungszahlen – 54.000 unbesetzte Stellen, 40.000 unversorgte Bewerber – die sind von 2025. Wie schnell können die reagieren, wenn die Nachfrage jetzt ansteigt?
O Pulso
- Rund 148.000 Fachkräfte fehlen bereits heute – und die staatlichen Investitionsmilliarden werden die Nachfrage weiter anheizen, ohne dass das Angebot mithalten kann.
- 44 Prozent der Fachkräftelücke konzentrieren sich auf genau jene Bereiche, die das Herzstück des Investitionsprogramms bilden: Infrastruktur, Energiewende und Digitalisierung.
- Besonders kritisch sind Engpässe bei Bauelektrikern sowie Sanitär- und Klimatechnikern – Berufe, die keine Hochschule, sondern eine abgeschlossene Ausbildung erfordern, die immer seltener wird.
- 2025 blieben über 54.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, während fast 40.000 Bewerber keinen Platz fanden – ein strukturelles Missverhältnis, das sich nicht kurzfristig auflöst.
- Ein Investitionsgipfel soll private Gelder mobilisieren, doch Experten warnen: Ohne qualifizierte Hände bleiben selbst die besten Finanzierungspläne Theorie.
Deutschland hat sich vorgenommen, 500 Milliarden Euro in seine alternde Infrastruktur zu investieren – ein Plan, der auf dem Papier Zuversicht weckt. Doch das Institut der Deutschen Wirtschaft erinnert daran, dass Kapital allein keine Brücken baut: Bis Mitte 2026 fehlen rund 148.000 Fachkräfte, vor allem in jenen handwerklichen Berufen, die das Fundament jeder Erneuerung bilden. Es ist eine alte Spannung in der Geschichte moderner Gesellschaften – der Wille zur Transformation trifft auf die Grenzen des Möglichen, und diesmal heißen diese Grenzen Demografie und Ausbildungslücke.
Die Bundesregierung hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 500 Milliarden Euro sollen in Brücken, Netze und die Digitalisierung des Landes fließen. Doch eine aktuelle Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft stellt eine unbequeme Frage: Wer soll das eigentlich bauen?
Die Antwort der Kölner Forscher ist ernüchternd. Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 fehlen im Schnitt rund 148.000 Fachkräfte. Geld allein schafft keine Kapazitäten – ohne die Menschen, die Pläne in die Realität umwandeln, bleibt das Investitionsprogramm Theorie. Besonders gravierend ist die Lage in Infrastruktur, Energiewende und Digitalisierung, auf die 44 Prozent der gesamten Fachkräftelücke entfallen. Die größten Engpässe betreffen Bauelektriker, Sanitär- und Klimatechniker sowie Fachleute im Maschinenbau – Berufe mit Ausbildung, nicht mit Hochschulabschluss.
Der Fachkräftemangel wurzelt in der Demografie: Die Bevölkerung altert, weniger Junge treten in den Arbeitsmarkt ein, und Zuwanderung gleicht das nur teilweise aus. 2025 blieben über alle Berufe hinweg 54.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, während knapp 40.000 Bewerber keinen Platz fanden.
Dazu kommt ein zweites strukturelles Problem: Die Privatwirtschaft investiert deutlich weniger als früher. Seit 2020 – Pandemie, Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt – fehlen der deutschen Wirtschaft geschätzte 420 Milliarden Euro an Investitionen. Der Staat konnte das nur teilweise auffangen. Im zweiten Quartal dieses Jahres lagen private Investitionen noch immer mehr als zehn Prozent unter dem Niveau von 2019.
Ein Investitionsgipfel soll nun private Gelder nach Deutschland locken. Das Institut hält das für den richtigen Weg – aber es löst das Kernproblem nicht. Ob die 500 Milliarden Euro tatsächlich wirken, hängt davon ab, ob Deutschland schnell genug qualifizierte Menschen für diese Aufgaben gewinnen kann.
Die Bundesregierung hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: 500 Milliarden Euro sollen in die marode Infrastruktur fließen, in Brücken und Netze, in die Digitalisierung des Landes. Es ist ein Plan, der auf dem Papier Sinn macht. Doch eine aktuelle Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft wirft eine unbequeme Frage auf: Wer soll das eigentlich bauen?
Das Institut hat nachgerechnet und ist zu einer beunruhigenden Erkenntnis gekommen. Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 fehlen im Durchschnitt etwa 148.000 Fachkräfte, um die geplanten Projekte umzusetzen. Das ist nicht einfach eine Zahl – es ist ein Engpass, der die gesamte Investitionsagenda gefährden könnte. Geld allein schafft keine Kapazitäten, warnen die Kölner Forscher. Man kann noch so viel Geld bereitstellen; ohne die Menschen, die es in die Realität umwandeln, bleibt es Theorie.
Besonders kritisch ist die Situation in drei Bereichen: Infrastruktur, Energiewende und Digitalisierung. Auf diese drei Felder entfallen 44 Prozent der gesamten Fachkräftelücke. Die größten Engpässe entstehen dort, wo es um die physische Umsetzung geht – bei Bauelektrikern, bei Fachleuten für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, bei der elektrischen Betriebstechnik und im Maschinenbau. Es sind Berufe, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen, nicht akademische Abschlüsse. Und genau hier wird es düster: Das Arbeitsangebot wird ohne entschiedene Gegenmaßnahmen nicht schnell genug wachsen, während die Nachfrage durch die Sondervermögens-Mittel weiter ansteigen wird.
Der Fachkräftemangel ist kein neues Phänomen in Deutschland. Er wurzelt in der demografischen Entwicklung – die Bevölkerung altert, weniger junge Menschen treten in den Arbeitsmarkt ein. Zuwanderung kann das nur teilweise ausgleichen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft nennt es eines der größten strukturellen Probleme des Landes. Die Folgen sind unmittelbar: Unbesetzte Stellen bedeuten kurzfristig entgangene Wertschöpfung. Langfristig kostet es Innovationskraft und Wirtschaftswachstum. 2025 blieben über alle Berufe hinweg 54.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, während knapp 40.000 Bewerber keinen Platz fanden.
Die Bundesregierung hatte ihre Wachstumsprognosen zuletzt angehoben – auf 1,3 Prozent für dieses Jahr, 1,1 Prozent für 2027. Diese Hoffnung ruht wesentlich auf den staatlichen Investitionen. Doch Michael Grömling, Konjunkturchef des Instituts, mahnt zur Vorsicht. Der Staat müsse seinen Investitionsstau auflösen, das sei richtig. Aber öffentliche Ausgaben könnten private Investitionen nicht ersetzen. Und hier liegt ein zweites Problem: Die Privatwirtschaft investiert deutlich weniger als früher.
Seit Anfang 2020 – Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt – hat die deutsche Wirtschaft massive Investitionsausfälle erlitten. Unternehmen investierten etwa 470 Milliarden Euro weniger, als der historische Trend erwarten ließ. Der Staat kompensierte das nur teilweise mit etwa 50 Milliarden Euro zusätzlicher Investitionen. Zusammengerechnet fehlen der Wirtschaft geschätzte 420 Milliarden Euro an Investitionen. Im zweiten Quartal dieses Jahres lagen private Investitionen noch immer mehr als zehn Prozent unter dem Durchschnitt von 2019, während öffentliche Investitionen 20 Prozent höher liegen.
Die Bundesregierung versucht, gegenzusteuern. Ein Investitionsgipfel, der an diesem Montag beginnt, soll private Gelder nach Deutschland locken. Das ist der richtige Weg, meint das Institut – aber es löst nicht das Kernproblem. Ohne Fachkräfte werden die Investitionen, ob öffentlich oder privat, nicht in die geplante Form finden. Die 500 Milliarden Euro sind ein ehrgeiziger Plan. Ob er aufgeht, hängt davon ab, ob Deutschland es schafft, schnell genug qualifizierte Menschen für diese Aufgaben zu gewinnen.
Citações Notáveis
Ob die Vorhaben gelingen, hängt entscheidend auch davon ab, ob genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen, die sie planen, bauen und betreiben.— Institut der Deutschen Wirtschaft
Für ein nachhaltiges Wachstum können öffentliche Ausgaben private Investitionen jedoch nicht ersetzen.— Michael Grömling, Konjunkturchef des Instituts der Deutschen Wirtschaft