Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 fehlen durchschnittlich 148.047 Fachkräfte für die Investitionsagenda, besonders in Bauelektrik, Sanitär- und Klimatechnik. Der Fachkräftemangel ist ein strukturelles Problem Deutschlands, das hauptsächlich auf demografische Entwicklung zurückgeht und nur teilweise durch Zuwanderung ausgeglichen werden kann.
Fachkräftemangel bremst 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturprogramm aus
Das Geld allein schafft keine Arbeiter
Warum ist das eigentlich ein Problem? Deutschland hat doch Arbeitslose. Können die nicht einfach umgeschult werden?
Das klingt logisch, aber es funktioniert nicht so schnell. Die meisten fehlenden Fachkräfte brauchen eine abgeschlossene Berufsausbildung — das dauert zwei bis drei Jahre. Und nicht jeder Arbeitslose hat die Grundlagen oder die Motivation für eine Ausbildung im Handwerk.
Moment — die Studie sagt, dass 54.000 Ausbildungsstellen unbesetzt blieben und 40.000 Bewerber keinen Platz fanden. Das ist interessant. Das bedeutet, es gibt ein Matching-Problem, nicht nur ein Angebotsproblem.
Genau. Es geht nicht nur um die Menge, sondern auch um die Qualifikation und die geografische Verteilung. Ein Arbeitsloser in Berlin kann nicht sofort nach Bayern fahren, um dort eine Heizungsanlage zu installieren.
Und wie lange wird es dauern, bis diese 148.000 fehlenden Fachkräfte da sind?
Das ist die unbeantwortete Frage. Die Studie sagt, dass die Nachfrage steigen wird, aber das Angebot ohne Gegenmaßnahmen nicht. Das bedeutet, die Lücke könnte sich eher vergrößern als verkleinern.
Blackrock investiert 15 Millionen Euro, um 5000 Menschen zu helfen. Das ist ein Anfang, aber bei 148.000 fehlenden Fachkräften ist das eher symbolisch.
Also wird das Infrastrukturprogramm nicht so schnell umgesetzt, wie die Regierung hofft?
Genau. Das Geld ist da, aber die Arbeiter sind nicht da. Das bedeutet längere Bauzeiten, höhere Kosten, verzögerte Projekte.
Und die Regierung hat ihre Wachstumsprognosen auf der Annahme aufgebaut, dass diese Investitionen schnell wirken. Wenn die Umsetzung verzögert wird, könnte das Wachstum auch schwächer ausfallen als erwartet.
O Pulso
- 148.047 Fachkräfte fehlen zwischen Juli 2025 und Juni 2026 für die Investitionsagenda
- 44 Prozent der Fachkräftelücke entfallen auf Infrastruktur, Energiewende und Digitalisierung
- 2024 hätte Deutschlands Produktionspotenzial ohne Fachkräftemangel 49 Milliarden Euro höher liegen können
- 54.000 Ausbildungsstellen blieben 2025 unbesetzt, 40.000 Bewerber fanden keinen Platz
Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 fehlen durchschnittlich 148.047 Fachkräfte für die Investitionsagenda, besonders in Bauelektrik, Sanitär- und Klimatechnik. Der Fachkräftemangel ist ein strukturelles Problem Deutschlands, das hauptsächlich auf demografische Entwicklung zurückgeht und nur teilweise durch Zuwanderung ausgeglichen werden kann.
Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft warnt, dass der Fachkräftemangel die Umsetzung der 500-Milliarden-Euro-Investitionen in die Infrastruktur erheblich behindern könnte, obwohl das Geld zur Verfügung steht.
Deutschland hat die Mittel. Das ist nicht das Problem. Im Herbst 2026 stehen Bund und Länder ein halbe Billion Euro bereit, um die marode Infrastruktur zu erneuern — Straßen, Brücken, Energienetze, digitale Leitungen. Doch während die Regierung und führende Wirtschaftsinstitute ihre Wachstumsprognosen nach oben korrigiert haben, weil sie auf diese Investitionen setzen, offenbart sich eine unbequeme Wahrheit: Das Geld allein schafft keine Arbeiter.
Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft, die Anfang Oktober veröffentlicht wurde, rechnet vor, was das bedeutet. Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 fehlen dem deutschen Arbeitsmarkt durchschnittlich etwa 148.000 Fachkräfte, die für die Umsetzung dieser Investitionsagenda notwendig sind. Das ist keine abstrakte Zahl — es sind Menschen mit Berufsausbildung, die Häuser verdrahten, Heizungsanlagen installieren, Stromsysteme warten, Maschinen bauen. Vier von zehn dieser fehlenden Fachkräfte arbeiten in genau drei Bereichen: Infrastruktur, Energiewende und Digitalisierung. Die größten Engpässe entstehen bei den handwerklichen Tätigkeiten, die physisch vor Ort stattfinden müssen — Bauelektrik, Sanitär- und Klimatechnik, elektrische Betriebstechnik, Maschinenbau.
Das Problem ist strukturell und hartnäckig. Der Mangel speist sich hauptsächlich aus der demografischen Realität: Deutschland wird älter, weniger Menschen treten ins Erwerbsleben ein, mehr gehen in Rente. Zuwanderung kann das nur teilweise ausgleichen. Im Jahr 2025 blieben über alle Berufe hinweg 54.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, während knapp 40.000 Bewerber keinen Platz fanden — ein Missverhältnis, das die Tiefe des Problems zeigt. Ohne entschiedene Gegenmaßnahmen wird die Nachfrage nach diesen Fachkräften durch die massiven staatlichen Investitionen weiter steigen, während das Angebot stagniert.
Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits messbar. Blackrock, der weltgrößte Vermögensverwalter, der die IW-Studie in Auftrag gab, verweist auf frühere Berechnungen: Im Jahr 2024 hätte Deutschlands Produktionspotenzial ohne Fachkräftemangel etwa 49 Milliarden Euro höher liegen können — das entspricht 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Unbesetzte Stellen bedeuten kurzfristig entgangene Wertschöpfung, langfristig aber auch weniger Innovationskraft und geringeres Wachstum.
Die Regierung hatte ihre Konjunkturprognosen gerade angehoben. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2026 um 1,3 Prozent wachsen, 2027 um 1,1 Prozent. Doch ab 2028 wird das Tempo deutlich langsamer — nur noch 0,6 Prozent. Diese Verlangsamung ist nicht zufällig: Sie spiegelt die Erwartung wider, dass die Infrastrukturinvestitionen ihre Wirkung entfalten, aber eben nicht vollständig, weil die Arbeitskräfte fehlen, um sie umzusetzen.
Blackrock hat angekündigt, in den nächsten fünf Jahren 15 Millionen Euro bereitstellen zu wollen, um das Fachkräfteproblem im deutschen Handwerk zu lindern. 5000 Menschen sollen davon profitieren. Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein — aber ein Zeichen, dass auch private Investoren erkannt haben, dass hier nicht Geld das Engnis ist, sondern Menschen mit Fähigkeiten und Erfahrung. Die Frage, die sich Deutschland stellt, ist nicht mehr, ob es die Infrastruktur modernisieren kann. Die Frage ist, wer sie bauen wird.
Citações Notáveis
Ob die Vorhaben gelingen, hängt entscheidend auch davon ab, ob genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen, die sie planen, bauen und betreiben.— Institut der Deutschen Wirtschaft
Die Mittel des Sondervermögens dürften einen weiteren Anstieg der Nachfrage nach diesen Berufen auslösen, während das Arbeitsangebot ohne energische Gegenmaßnahmen nur unzureichend wächst.— Institut der Deutschen Wirtschaft