In einer Zeit, in der Europa nach wirtschaftlichem Gewicht gegenüber amerikanischen Finanzriesen sucht, ebnet die Europäische Zentralbank dem italienischen Bankenchef Andrea Orcel den Weg zur vollständigen Übernahme der Commerzbank. Was einst als gewagter Vorstoß galt, nimmt nun die Gestalt einer fast unaufhaltsamen Bewegung an — getragen von regulatorischem Wohlwollen und Börsenlogik. Einzig die Bundesregierung, mit einem Anteil von 13 Prozent, versucht nicht den Lauf der Dinge zu wenden, sondern wenigstens seine schlimmsten Folgen für Arbeitsplätze und Mittelstand abzumildern.
EZB ebnet Orcel den Weg zur Commerzbank-Übernahme
Vieles nach Orcels Plan wird laufen — nur nicht alles.
Warum unterstützt die EZB diese Übernahme eigentlich? Größere Banken sind doch auch größere Risiken.
Das ist der Kern der Sache. Die Aufseher wissen, dass große Banken gefährlich sein können. Aber sie sehen die Alternative — europäische Banken, die gegen amerikanische Konkurrenten nicht bestehen können — als noch problematischer.
Das ist aber eine Annahme, nicht unbedingt eine bewiesene Tatsache. Wir wissen, dass die EZB-Aufseher als Befürworter größerer Banken gelten, aber wie viele genau, und wie stark ist dieser Konsens wirklich?
Und die Bundesregierung — kann sie den Deal tatsächlich blockieren?
Nein, das ist das Entscheidende. Mit 13 Prozent kann sie ihn nicht stoppen. Sie kann nur Bedingungen stellen — zwei Aufsichtsräte, um Arbeitsplätze und Kreditvergabe zu schützen.
Aber ob diese Bedingungen am Ende durchgesetzt werden, ist offen. Der Text sagt, dass vieles nach Orcels Plan laufen dürfte — das ist eine Prognose, keine Gewissheit.
Also ist die Bundesregierung eher eine Verzögerung als eine echte Hürde?
Genau. Sie kann verhandeln, aber nicht verhindern. Das ist ein großer Unterschied.
O Pulso
- Die EZB-Bankenaufsicht signalisiert offen ihre Unterstützung für größere europäische Banken — und nimmt damit Orcel de facto das größte regulatorische Hindernis aus dem Weg.
- Orcel steht kurz davor, 50 Prozent der Commerzbank-Aktien zu halten; die entscheidende Schwelle von 75 Prozent für einen Beherrschungsvertrag rückt damit in greifbare Nähe.
- Tausende Commerzbank-Stellen könnten nach einer vollständigen Übernahme gefährdet sein, während Exportfirmen um ihre Finanzierungsbedingungen bangen.
- Die Bundesregierung nutzt ihre 13-Prozent-Beteiligung und zwei Aufsichtsratssitze als letzten Hebel — doch Beobachter zweifeln, ob das reicht, um den Deal grundlegend zu verändern.
- Der Unterschied zwischen Gestaltungsmacht und bloßer Schadensminderung wird zur eigentlichen politischen Frage dieser Übernahme.
In einer Zeit, in der Europa nach wirtschaftlichem Gewicht gegenüber amerikanischen Finanzriesen sucht, ebnet die Europäische Zentralbank dem italienischen Bankenchef Andrea Orcel den Weg zur vollständigen Übernahme der Commerzbank. Was einst als gewagter Vorstoß galt, nimmt nun die Gestalt einer fast unaufhaltsamen Bewegung an — getragen von regulatorischem Wohlwollen und Börsenlogik. Einzig die Bundesregierung, mit einem Anteil von 13 Prozent, versucht nicht den Lauf der Dinge zu wenden, sondern wenigstens seine schlimmsten Folgen für Arbeitsplätze und Mittelstand abzumildern.
Andrea Orcel hat sich den Weg zur Commerzbank offenbar einfacher vorgestellt als viele erwartet hatten — und er behält recht. Die Europäische Zentralbank, seit 2014 als europäische Bankenaufsicht tätig, stellt sich ihm nicht entgegen. Viele ihrer Aufseher gelten als Befürworter größerer europäischer Bankhäuser, die mit den längst davongezogenen amerikanischen Konkurrenten mithalten können. Dieser geopolitisch grundierte Konsens kommt Orcel unmittelbar zugute.
Über die Börse kann er kaufen, wie es ihm passt. Bald wird er die Hälfte aller Commerzbank-Aktien halten. Für einen Beherrschungsvertrag braucht er 75 Prozent der Stimmen auf der Hauptversammlung — eine Quote, die er praktisch schon in der Tasche hat.
Noch steht ein Akteur im Raum, der nicht einfach zu übergehen ist: die Bundesregierung mit ihrem 13-Prozent-Anteil. Sie besteht auf zwei Sitzen im Aufsichtsrat und will gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern verhindern, dass nach der Übernahme massiv Stellen gestrichen oder die Finanzierungsbedingungen für deutsche Exportfirmen verschlechtert werden.
Doch auch diese Hürde dürfte nicht unüberwindbar sein. Die EZB hat zugestimmt, die Börse arbeitet für Orcel, und die Bundesregierung verfügt schlicht nicht über die Macht, den Deal zu stoppen. Sie kann allenfalls versuchen, die schlimmsten Folgen abzufedern — ein wichtiger Unterschied, aber eben der zwischen Gestaltung und Schadensminderung.
Andrea Orcel hat sich seinen Weg zur vollständigen Übernahme der Commerzbank deutlich leichter vorgestellt als manche Beobachter. Die Europäische Zentralbank, die seit ihrer Neustrukturierung im November 2014 als europäische Bankenaufsicht fungiert, stellt sich ihm nicht in den Weg. Im Gegenteil: Viele der Aufseher, die dort arbeiten, gelten als Befürworter größerer europäischer Bankenhäuser — obwohl solche Giganten im Krisenfall selbst zum Risiko für das gesamte Finanzsystem werden können.
Der Gedanke, der derzeit in den Regulierungsbehörden überwiegt, ist pragmatisch und geopolitisch zugleich. Europa braucht Banken, die mit den amerikanischen Konkurrenten mithalten können, die längst davongezogen sind. Dieser Konsens kommt Orcel entgegen. Er kann nun über die Börse kaufen, wie es ihm passt. In absehbarer Zeit wird er die Hälfte aller Commerzbank-Aktien halten. Für einen Beherrschungsvertrag benötigt er 75 Prozent der Stimmen auf der Hauptversammlung — und diese Quote hat er praktisch bereits in der Tasche.
Es gibt aber noch einen Akteur, der nicht einfach beiseite zu schieben ist: die Bundesregierung. Sie hält 13 Prozent der Commerzbank-Anteile und nutzt diese Position, um Bedingungen zu stellen. Sie besteht darauf, zwei Vertreter im Aufsichtsrat zu entsenden. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern sollen diese beiden Sitze verhindern, dass Orcel nach der Übernahme zu massiv Personal abbaut oder die Finanzierungsbedingungen für deutsche Exportfirmen verschlechtert.
Doch selbst diese Hürde dürfte nicht unüberwindbar sein. Beobachter gehen davon aus, dass vieles am Ende nach Orcels Plan ablaufen wird. Die EZB hat ihre Zustimmung signalisiert, die Börse funktioniert für ihn, und die Bundesregierung, obwohl sie verhandelt, verfügt nicht über die Macht, den Deal zu stoppen. Sie kann nur versuchen, die schlimmsten Folgen abzufedern. Das ist ein wichtiger Unterschied — aber es ist auch ein Unterschied zwischen Gestaltung und Schadensminderung.
Citações Notáveis
Europa braucht größere Banken, um mit den enteilten US-Banken mitzuhalten— Konsens unter EZB-Aufsehern