Eva-Mamlok-Platz: Berliner Widerstandskämpferin erhält Denkmal

Eva Mamlok wurde 1942 ins Ghetto Riga deportiert und 1944 ins KZ Stutthof verschleppt, wo sie im Dezember 1944 starb; ihre Tochter Tana wurde 1942 in Auschwitz-Birkenau ermordet.
Eine Form von Widerstand, die im Alltag stattfand
Kulturwissenschaftlerin Alexandra Weltz-Rombach über die Art, wie Eva Mamlok und ihre Gruppe gegen das NS-Regime kämpften.
Mark

Warum hat es so lange gedauert, bis Eva Mamlok ein Denkmal bekam? Sie war doch eine Widerstandskämpferin gegen die Nazis.

Mimi

Das ist eine gute Frage. Ihre Geschichte war lange Zeit überschattet von bekannteren Namen wie Sophie Scholl. Aber auch der Widerstand von Frauen wurde oft weniger beachtet – er war alltäglicher, weniger spektakulär als Bombenanschläge.

Luke

Aber wir sollten präzise sein: Ein Platz ist kein Denkmal im klassischen Sinne. Es ist eine Umbenennung. Das ist wichtig, weil es zeigt, dass die Stadt ihre Erinnerungslandschaft neu gestaltet.

Mark

Was macht Eva Mamlok denn so besonders im Vergleich zu anderen Widerstandskämpfern?

Mimi

Sie war jung – 14 Jahre alt, als Hitler an die Macht kam – und sie hörte nie auf. Sie wurde verhaftet, kam ins Konzentrationslager, wurde entlassen, und machte weiter. Das ist bemerkenswert.

Luke

Wobei wir sagen müssen: Vieles von dem, was wir über sie wissen, stammt von Inge Berner, der einzigen Überlebenden ihrer Gruppe. Das ist eine wichtige Quelle, aber auch eine einzelne Perspektive. Die Geschichte der Gruppe ist nicht vollständig dokumentiert.

Mark

Und ihre Tochter?

Mimi

Das ist das Tragischste. Tana wurde 1942 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet. Eva Mamlok konnte nichts tun.

Luke

Das ist belegt – die Deportation ist dokumentiert. Aber der Vater des Kindes ist bis heute unbekannt. Das zeigt auch, wie viel von Mamloks Leben im Verborgenen stattfand.

Mark

Glaubst du, dass junge Menschen heute von ihr lernen können?

Mimi

Absolut. Sie war selbst jung, als sie anfing zu widerstehen. Das macht sie zugänglich. Und ihre Form des Widerstands – verbotene Bücher verteilen, Flugblätter drucken – das ist etwas, das man verstehen kann.

Luke

Wobei wir auch ehrlich sein müssen: Wir wissen relativ wenig über die alltäglichen Details ihres Lebens. Die Quellen sind begrenzt. Das macht sie zu einer wichtigen historischen Figur, aber auch zu einer, deren volle Geschichte wir wahrscheinlich nie kennen werden.

  • Eva Mamlok wurde am 6. Mai 1918 in Berlin geboren
  • Sie war 14 Jahre alt, als Hitler 1933 Reichskanzler wurde
  • Im Dezember 1944 starb sie im Konzentrationslager Stutthof
  • Der Blücherplatz in Kreuzberg trägt seit 16. Oktober 2026 ihren Namen
  • Ihre Tochter Tana wurde 1942 in Auschwitz-Birkenau ermordet

Eva Mamlok war 14 Jahre alt, als Hitler 1933 Reichskanzler wurde, und leistete sofort Widerstand durch illegale Aktionen wie das Anbringen von Anti-Hitler-Parolen. Sie gründete mit anderen Frauen ein Widerstandsnetzwerk, das regimekritische Flugblätter verteilte und verbotene Bücher von Autoren wie Thomas Mann auslieh.

Ein Berliner Platz wird nach Eva Mamlok benannt, einer jüdischen Widerstandskämpferin, die schon als Jugendliche gegen das NS-Regime kämpfte und 1944 im KZ Stutthof starb.

Am 16. Oktober 2026 erhielt ein bekannter Platz im Berliner Bezirk Kreuzberg einen neuen Namen: Der Blücherplatz heißt nun Eva-Mamlok-Platz. Die Umbenennung würdigt eine Frau, deren Geschichte lange im Schatten der bekannteren Widerstandskämpfer wie Sophie Scholl oder Claus von Stauffenberg stand – obwohl Eva Mamlok mit einer Konsequenz gegen das NS-Regime ankämpfte, die bis zu ihrem Tod in einem Konzentrationslager nicht nachließ.

Eva Mamlok wurde am 6. Mai 1918 in Berlin geboren, in eine Familie des wohlhabenden jüdischen Bürgertums. Ihr Vater betrieb einen Wein-Großhandel. Als Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, war sie gerade 14 Jahre alt und Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend. Nachdem die Nationalsozialisten diese linke Jugendorganisation noch im selben Jahr zerschlagen hatten, verlagerte sich Mamloks Widerstand in den Untergrund. Der Überlieferung nach kletterte die junge Frau auf das Dach eines Kaufhauses am Blücherplatz und brachte dort den Schriftzug an: "Nieder mit Hitler". Diese Geschichte stammt von Inge Berner, der einzigen Überlebenden aus Mamloks späterer Widerstandsgruppe.

Die Behörden bekamen Mamlok erstmals im November 1934 zu fassen. Sie war auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde bei einer Gedenkveranstaltung für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht verhaftet worden. Die damals 16-Jährige wurde in das Frauen-Konzentrationslager Moringen in Niedersachsen gebracht, wo sie bis Mai 1935 festgehalten wurde. Nach ihrer Entlassung setzte sie ihren Widerstand fort – trotz der wachsenden Gefahr und obwohl sie einer doppelten Verfolgung ausgesetzt war: als politische Gegnerin und als Jüdin.

In den Untergrundkreisen lernte sie Pieter Siemsen kennen, mit dem sie ein Paar wurde, bis er 1937 nach Argentinien emigrierte. 1939 bekam Mamlok eine Tochter namens Tana, deren Vater bis heute unbekannt ist. Das Kind kam in ein jüdisches Waisenhaus und wurde 1942 nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo es ermordet wurde. Ab 1940 musste Mamlok Zwangsarbeit bei der Berliner Firma F. Butzke Schrauben-Industrie leisten. Dort traf sie auf andere Frauen, die ihre Gegnerschaft zum Regime teilten. Gemeinsam bildeten sie ein loses Netzwerk, das später als "Eva-Mamlok-Gruppe" bekannt wurde.

Die Frauen verteilten regimekritische Flugblätter und verbreiteten Parolen gegen Hitler. Darüber hinaus tauschten sie verbotene Bücher aus – Werke von Thomas Mann, Lion Feuchtwanger und anderen Autoren, die heute zum deutschen Bildungskanon gehören. Die Kulturwissenschaftlerin Alexandra Weltz-Rombach, die sich intensiv mit Mamloks Leben beschäftigt hat, sieht darin eine besondere Form des Widerstands: "Es waren Bücher, die heute in der Abiturprüfung abgefragt werden." Dass sich die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Deutschlands größte öffentliche Bibliothek, unmittelbar am heutigen Eva-Mamlok-Platz befindet, ist für Weltz-Rombach ein passendes Symbol für diese Form des Widerstands und die Bedeutung von Literatur.

Wegen der Verbreitung dieser verbotenen Schriften wurden Mamlok und weitere Mitglieder ihrer Gruppe schließlich verhaftet. Am 13. Januar 1942 wurde sie von Berlin in das Ghetto Riga im besetzten Lettland deportiert. Nach Berners Erinnerungen blieb Mamlok auch dort im Widerstand aktiv. Sie soll sogar einen Kontakt in Berlin dazu veranlasst haben, ihr einen Kuchen zu schicken, in dem eine Miniaturkamera versteckt war – um zu dokumentieren, was im Ghetto geschah. Im Oktober 1944 wurde sie in das Konzentrationslager Stutthof verschleppt, wo sie im Dezember starb.

Der Blücherplatz war nach dem preußischen Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher benannt worden, der vor allem durch seine militärischen Siege gegen Napoleon bekannt war. Weltz-Rombach merkt an, dass es in Deutschland keinen Mangel an Blücher-Gedenkorten gibt und dass es vielleicht an der Zeit sei, "diese alte deutsch-französische Feindschaft mal an den Nagel zu hängen" und eine andere Form von Erinnerung dort neu zu setzen. Der Platz ist zugleich Austragungsort des Karnevals der Kulturen, eines jährlichen Straßenfests, das die kulturelle Vielfalt Berlins feiert.

Weltz-Rombach wurde 2011 erstmals auf Eva Mamlok aufmerksam, als ein Stolperstein zu ihrem Gedenken verlegt wurde. Seither hat sie sich intensiv mit ihrer Biographie beschäftigt und ihre Geschichte in verschiedenen Projekten aufgegriffen – darunter eine Ausstellung 2024 und eine Podcast-Reihe mit jungen Berlinerinnen und Berlinern. Gerade weil Mamlok selbst noch Jugendliche war, als sie politisch aktiv wurde, fällt es vielen jungen Menschen leicht, sich mit ihrem Schicksal zu identifizieren. Weltz-Rombach betont, dass der Widerstand von Frauen oft weniger spektakuläre Formen annahm als etwa Bombenanschläge – er vollzog sich häufig im Alltag. "Und das ist natürlich eine Form von Widerstand, die auch mehr ins Zentrum des Interesses gerückt ist." Obwohl viele Zeitzeugen inzwischen gestorben sind, gibt es noch zahlreiche solcher Geschichten zu entdecken. "Ich glaube, dass es sehr viele Namen gibt, die wir nicht kennen, und die darauf warten, weiter erforscht zu werden."

Eva Mamlok ist eine sehr besondere Person: Sie ist als junge jüdische Frau aus Berlin besonders eindrücklich in ihrer Widerständigkeit.
— Alexandra Weltz-Rombach, Kulturwissenschaftlerin
Es waren Bücher, die heute in der Abiturprüfung abgefragt werden: deutscher Bildungskanon, den sie da verliehen haben.
— Alexandra Weltz-Rombach über die verbotenen Werke, die Mamloks Gruppe verteilte
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