Flexjet: Die First Class unter den Privatjets kommt nach Europa

In ein Flugzeug zu steigen ist ein Deal, dass du ins Gefängnis gehst
Kenn Ricci erklärt seinen wohlhabenden Kunden, warum sie Privatjets dem Linienflugverkehr vorziehen.
Mark

Warum ist Flexjet bereit, 29 Millionen Euro in ein Terminal auszugeben, wenn es derzeit nur 20 Flüge pro Woche in Farnborough abfertigt?

Mimi

Das ist ein Bekenntnis zum Wachstum. Ricci sieht Europa als Markt mit enormem Potenzial – bisher ist Privatfliegerei hier noch ein Tabu für Reiche, während es in Amerika völlig normal ist. Das Terminal ist ein Signal: Wir sind hier, um zu bleiben.

Luke

Aber 20 Flüge pro Woche – das ist eine sehr kleine Basis für eine 29-Millionen-Investition. Wie schnell muss das wachsen, damit sich das rechnet? Der Artikel sagt das nicht.

Mark

Ricci sagt, dass seine Kunden bereit sind, "einen überproportionalen Anteil ihres Vermögens" für Privatfliegerei auszugeben. Wie überproportional reden wir hier?

Mimi

Eine Million Dollar für einen Sechzehntel-Anteil an einem Einstiegsjet, das Dreifache für bessere Modelle. Plus Flugstunden, die extra kosten. Für Menschen, die Millionen haben, ist das ein kalkulierter Luxus.

Luke

Der Artikel nennt aber keine durchschnittlichen Jahreskosten für einen Kunden. Wir wissen, dass eine Flugstunde ab 3000 Euro kostet, aber wie viel fliegen diese Leute wirklich? Das bleibt offen.

Mark

Francesco Vanerio wurde buchstäblich von der Villa d'Este "weggekaught". Das klingt, als würde Ricci jeden Aspekt des Luxus-Erlebnisses kontrollieren wollen.

Mimi

Genau. Ricci hat verstanden, dass es nicht nur um Transport geht. Es geht um die gesamte Erfahrung – von der Lounge bis zur Mahlzeit an Bord. Vanerio ist sein Werkzeug, um das italienische Flair in die amerikanische Effizienz zu bringen.

Luke

Aber wie viel von Vanerios Philosophie – die Flugbegleiter selbst entscheiden lassen, was sie kaufen – funktioniert wirklich bei 300 Flugzeugen? Das klingt schön, aber ist es skalierbar?

Mark

Der Artikel erwähnt, dass in Europa Privatfliegerei noch stigmatisiert ist, während es in Amerika normal ist. Ist das wirklich so unterschiedlich?

Mimi

Ja, das ist ein echter kultureller Unterschied. In Amerika ist es ein Status-Symbol wie ein teures Auto. In Europa wird es schnell als Umweltsünde oder Arroganz wahrgenommen.

Luke

Der Artikel zeigt das, sagt aber nicht, ob Flexjet plant, diese Wahrnehmung zu ändern oder einfach nur die kleine Elite anzusprechen, die sich nicht darum kümmert, was andere denken.

  • Flexjet betreibt rund 350 Flugzeuge und Hubschrauber, ist nach NetJets der zweitgrößte Anbieter von Fractional Ownership
  • Neues Terminal in Farnborough kostet 29 Millionen Euro, über 2000 Quadratmeter groß
  • Ein Sechzehntel-Anteil an einem Einstiegsjet kostet etwa eine Million US-Dollar, bei besseren Modellen das Dreifache
  • Flexjet betreibt bereits neun Terminals in den USA, Farnborough ist das erste in Europa

Flexjet betreibt rund 350 Flugzeuge und Hubschrauber und ist nach NetJets der zweitgrößte Anbieter von Fractional Ownership im Privatjetsektor weltweit. In Europa ist Privatfliegerei noch ein Luxusgut, während es in Amerika für vermögende Menschen ein normales Transportmittel neben Booten und Autos ist.

Flexjet positioniert sich als Luxusanbieter im Privatjetmarkt und eröffnet sein erstes europäisches Terminal in Farnborough. Das Unternehmen konkurriert nicht über Preise, sondern über Premium-Service wie in der Fünfsternehotellerie.

Am Münchner Flughafen gibt es zwei Welten. Die eine ist die des Massenverkehrs, Terminal 1 mit seinen Warteschlangen und standardisierten Abläufen. Die andere liegt fernab davon, im Osten des Geländes: das General Aviation Terminal, wo Millionäre und Milliardäre ein- und aussteigen. Doch wer dort ankommt, findet wenig Glamour vor. Der Boden ist verschrammt, das Linoleum vergilbt, die Lounges wirken zweckmäßig statt luxuriös. Das Einzige, das wirklich zählt, ist die Geschwindigkeit: Passkontrolle und Sicherheit dauern Sekunden, nicht Stunden. Warteschlangen sind unbekannt.

Auf dem Vorfeld wartet eine neunsitzige Embraer Praetor 600, ein Super-Midsize-Business-Jet aus der Flotte von Flexjet. Das Unternehmen betreibt rund 350 Flugzeuge und Hubschrauber und ist nach NetJets der zweitgrößte Anbieter von Fractional Ownership weltweit – ein Konzept, bei dem wohlhabende Kunden nicht ein ganzes Flugzeug kaufen, sondern einen Anteil erwerben. Ein Sechzehntel an einem Einstiegsmodell wie der Embraer Phaenom 300 kostet etwa eine Million US-Dollar, bei der Praetor 600 das Dreifache. Dafür erhält man 50 Flugstunden im Jahr und Zugang zu einer Flotte, die wie ein privater Club funktioniert.

Die Praetor 600 hebt von der Nordbahn ab, und der Zweistrahler katapultiert sich steiler und kraftvoller in den Himmel als jeder Linienflugzeug. Das Flugzeug könnte nonstop nach Dubai oder sogar New York fliegen, aber heute geht es nur nach London. An Bord serviert eine Flugbegleiterin bereits vor dem Start Champagner – in Europa ist das Standard bei Jets dieser Größe, in Amerika nicht. Francesco Vanerio, bei Flexjet für den Kundenservice zuständig, erklärt später: "Midsize Jets haben in den USA keine Flugbegleiter, das kennen die Amerikaner nicht. In Europa ist das anders."

Flexjet positioniert sich bewusst wie ein Fünfsternehotel – als Luxusanbieter im obersten Marktsegment. Das ist neu in der Privatjetindustrie. Während Konkurrenten mit dem Slogan "Mehr für weniger Geld" werben, sagt Kenn Ricci, Eigentümer und Chairman von Flexjet: "Das ist nicht unser Geschäftsmodell." Ricci ist gerade 70 Jahre alt geworden, sieht aber deutlich jünger aus. Im August feierte er seinen Geburtstag mehrere Nächte lang in der legendären Villa d'Este am Comer See, wo Mariah Carey und Elton John auftraten. Der amerikanische Multimilliardär kennt die Welt der Superreichen in- und auswendig.

In Farnborough, südwestlich von London, hat Flexjet sein erstes europäisches Terminal eröffnet – ein 29-Millionen-Euro-Projekt auf über 2000 Quadratmetern. Der Kontrast zu öffentlichen Geschäftsfliegerterminals wie in München könnte kaum größer sein. Hier sieht es aus wie in einem Fünfsternehotel: große Fensterfronten, üppige Sitzlandschaften, eine Cocktailbar, eigene Sicherheits- und Passkontrolle. Nur Mitglieder des "Privatclubs" – so nennt Ricci seine Firma – dürfen hier hinein. Es ist das erste solche Terminal außerhalb der USA, wo Flexjet bereits neun weitere betreibt.

Die Mentalität zwischen Amerika und Europa unterscheidet sich grundlegend. In den USA ist ein Privatjet für vermögende Menschen ein normales Transportmittel neben Booten, Motorrädern und Autos. In Europa wird jeder schnell geächtet – oder fürchtet es zumindest –, der sich zu einem Privatjet bekennt. "Es gibt immer mehr jüngere Menschen, die mehr Geld haben als Zeit," sagt Ricci. "Ich sage meinen Kunden immer: In ein Verkehrsflugzeug zu steigen ist ein Deal, dass du für einige Stunden ins Gefängnis gehst und dann an einem anderen Ort entlassen wirst. Das finden immer mehr Leute inakzeptabel."

Für den Genuss an Bord ist Francesco Vanerio zuständig, ein jovial wirkender Italiener, der zuvor Barchef in der Villa d'Este war – Riccis Lieblingshotel. Vanerio wurde von dort "weggekaught", wie er selbst sagt. Er trainiert die rund 300 Flugbegleiter in der hauseigenen Akademie und betont: "Wir geben unseren Flugbegleitern die Befugnis, eigene Entscheidungen zu treffen. Wenn sie auf dem Markt wunderbare Tomaten sehen und die an Bord servieren wollen, sollen sie das tun." Der Alltag der Flugbegleiter ist herausfordernd: Sie wissen vorher nie, wohin es am nächsten Tag geht, arbeiten lange und müssen improvisieren, besonders wenn Kunden zu abgelegenen Zielen fliegen, wo keine frische Verpflegung geliefert werden kann. Vanerios Lösung heißt "Mary Poppins Bag" – eine Bereitschaftstasche mit Zutaten, mit denen sich bei Catering-Ausfällen noch etwas zaubern lässt. Für Vanerio selbst gehören Parmesankäse, frische Tomaten und Salat hinein, dazu ein Fläschchen Limoncello als Überraschung nach dem Essen. Es ist eine gelungene Allianz aus amerikanischem Geld und italienischer Dolce Vita.

Alle anderen konkurrieren über den Preis. Unsere Wettbewerber sagen immer noch: ‚Hier bekommen Sie mehr für weniger Geld.' Das ist nicht unser Geschäftsmodell.
— Kenn Ricci, Eigentümer und Chairman von Flexjet
Es gibt immer mehr jüngere Menschen, die mehr Geld haben als Zeit. Ich sage meinen Kunden: In ein Verkehrsflugzeug zu steigen ist ein Deal, dass du für einige Stunden ins Gefängnis gehst und dann an einem anderen Ort entlassen wirst.
— Kenn Ricci
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