Das geplante Schutzgebiet wäre mehr als doppelt so groß wie die USA gewesen und hätte weltweit das dritte Walschutzgebiet dargestellt. Deutschland unterstützte den Vorschlag, doch wichtige Befürworter wie Finnland und Luxemburg fehlten. Japan hat nach seinem IWC-Austritt 2019 eine Blockade-Allianz geschmiedet.
Walschutzgebiet im Südatlantik erneut gescheitert – vier Stimmen fehlen
Eine Minderheit blockiert seit zwei Jahrzehnten einen Vorschlag in einer Region, in der sie selbst gar nicht jagt.
Warum ist dieses Schutzgebiet so wichtig? Es gibt doch schon zwei andere.
Das erste Gebiet im Indischen Ozean wurde 1974 eingerichtet, das zweite in der Antarktis 1994. Der Südatlantik ist eine völlig andere Region mit eigenen Walbeständen und Bedrohungen. Ein drittes Gebiet würde zeigen, dass der globale Schutz vorankommt.
Aber die Frage ist: Hätte es wirklich etwas geändert? Die Resolutionen sind nicht bindend. Selbst wenn das Gebiet beschlossen worden wäre, könnten Länder wie Norwegen und Japan einfach weitermachen.
Das stimmt, aber ein Schutzgebiet schafft einen rechtlichen Rahmen und internationalen Druck. Es ist nicht nichts.
Wer hat denn blockiert? Nur Japan?
Japan ist der Hauptakteur, aber es hat nach seinem Austritt 2019 eine Allianz mit afrikanischen und karibischen Staaten aufgebaut, die für es abstimmt. Das ist das Tückische daran.
Moment – Japan ist nicht mal mehr Mitglied der IWC, aber beeinflusst trotzdem die Abstimmungen? Das klingt nach einem Systemfehler.
Genau. Und dann fehlten auch wichtige Befürworter wie Finnland und Luxemburg. Mit ihnen hätte es geklappt.
Also war es nicht nur Blockade, sondern auch Abwesenheit?
Ja, und das ist das Frustrierende. Vier Stimmen – das ist nichts. Aber die Struktur der IWC macht es möglich, dass eine kleine Minderheit alles lahmlegt.
Immerhin gab es Erfolge bei Schiffskollisionen und Beifang. Das ist nicht viel, aber es ist etwas.
Aber nicht bindend. Und während wir hier reden, sterben 100.000 Delfine pro Jahr durch Jagd.
El Pulso
- Das geplante Walschutzgebiet im Südatlantik wäre mehr als doppelt so groß wie die USA gewesen
- Der Vorschlag verfehlte die erforderliche Dreiviertelmehrheit um vier Stimmen
- Argentinien, Brasilien und Uruguay bringen diesen Vorschlag seit Ende der 1990er-Jahre ein
- Über 100.000 Delfine und Kleinwale werden jährlich durch gezielte Jagd getötet
- Japan hat nach seinem IWC-Austritt 2019 eine Blockade-Allianz mit afrikanischen und karibischen Staaten geschmiedet
Das geplante Schutzgebiet wäre mehr als doppelt so groß wie die USA gewesen und hätte weltweit das dritte Walschutzgebiet dargestellt. Deutschland unterstützte den Vorschlag, doch wichtige Befürworter wie Finnland und Luxemburg fehlten. Japan hat nach seinem IWC-Austritt 2019 eine Blockade-Allianz geschmiedet.
Bei der IWC-Konferenz in Australien scheiterte der Vorschlag für ein drittes Walschutzgebiet im Südatlantik um vier Stimmen an der erforderlichen Dreiviertelmehrheit. Walfangnationen blockieren das Projekt seit fast 30 Jahren.
In Hobart, der Hauptstadt des australischen Bundesstaates Tasmanien, trafen sich diese Woche rund 300 Delegierte der Internationalen Walfangkommission zu einer Konferenz, die für den Meeresschutz hätte Maßstäbe setzen können. Stattdessen endete sie mit einer vertrauten Niederlage: Ein Vorschlag für ein drittes globales Walschutzgebiet im Südatlantik verfehlte die erforderliche Dreiviertelmehrheit um genau vier Stimmen. Das geplante Gebiet wäre mehr als doppelt so groß wie die Vereinigten Staaten gewesen und hätte zum ersten Mal seit 1994 einen neuen Schutzraum für Wale geschaffen.
Der Gedanke selbst ist nicht jung. Argentinien, Brasilien und Uruguay haben diesen Vorschlag bereits Ende der 1990er-Jahre eingebracht – fast 30 Jahre Beharrlichkeit, die am Ende an einer Handvoll Stimmen scheiterte. Von den 89 Mitgliedsländern der IWC waren nur 67 in Hobart anwesend, und unter ihnen herrschte keine Einigkeit. Deutschland sprach sich für das Schutzgebiet aus, doch wichtige Verbündete wie Finnland und Luxemburg fehlten. Gleichzeitig behielten die Gegner ihre Blockade bei – angeführt von einer Allianz, die Japan nach seinem Austritt aus der IWC im Jahr 2019 geschmiedet hat. Nach Einschätzung von Umweltorganisationen nutzt Japan diese Verbindung zu einigen afrikanischen und karibischen Staaten, um seine Interessen in der Kommission zu vertreten, obwohl es selbst nicht mehr formell Mitglied ist.
Matt Collis vom International Fund for Animal Welfare nannte das Vorgehen empörend: Eine Minderheit blockiere seit mehr als zwei Jahrzehnten einen Vorschlag in einer Region, in der diese Länder selbst gar nicht Walfang betreiben. Die Zahlen hinter dieser Blockade sind erheblich. Jedes Jahr sterben tausende Wale durch Schiffskollisionen. Über 100.000 Delfine und Kleinwale werden durch gezielte Jagd getötet – eine Praxis, die unter das 1985/86 in Kraft getretene weltweite Moratorium für kommerziellen Walfang nicht fällt, da dieses nur Großwale schützt. Norwegen, Island und Japan halten trotz des Moratoriums an der kommerziellen Jagd fest. Norwegen betont dabei, dass Wale grundsätzlich nutzbar sein müssten. Islands Regierung kündigte allerdings an, im kommenden Frühjahr einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den kommerziellen Walfang in isländischen Gewässern dauerhaft beenden könnte.
Nicht alles in Hobart war Stillstand. Die Delegierten einigten sich auf Maßnahmen gegen Schiffskollisionen: Eine Resolution soll dazu führen, dass Schiffsrouten angepasst werden. Eine weitere Resolution zielt darauf ab, den Beifang von Kleinwalen und Delfinen in Fischernetzen zu verringern. Zudem beschlossen die Teilnehmer, den Datenaustausch bei Walstrandungen zu verbessern, um diese Ereignisse besser zu verstehen und möglicherweise künftig zu verhindern. Doch diese Resolutionen sind rechtlich nicht bindend – sie sind politische Empfehlungen, die Druck ausüben können, aber keine Verpflichtung darstellen.
Eine besondere Irritation sorgte das Verhalten der Schweiz. Das Land hatte selbst eine Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen eingebracht, zog diese aber am Mittwoch zurück, bevor die zuständige Arbeitsgruppe über Änderungen am Text verhandeln konnte. Nach Aussage von Mona Schweizer, Meeresschutz-Expertin bei Pro Wildlife, hätte die Resolution die erforderliche Mehrheit problemlos erreicht. Die Gründe für den Rückzug blieben unklar – ein Schachzug, den Umweltschützer als schweren Schlag für den Artenschutz bezeichneten. Die IWC, 1946 gegründet, um den industrialisierten Walfang zu regulieren und die Bestände zu erhalten, zeigt sich weiterhin gelähmt von Interessenskonflikten, die sich über Jahrzehnte verfestigt haben. Die nächste Gelegenheit für echte Fortschritte liegt in der Zukunft – doch nach dieser Woche in Tasmanien ist unklar, ob vier fehlende Stimmen das einzige Hindernis bleiben werden.
Citas Notables
Es ist empörend, dass Walfangnationen und ihre Unterstützer diesen Vorschlag in einer Region weiterhin blockieren, in der sie nicht einmal selbst Wale jagen.— Matt Collis, International Fund for Animal Welfare
Das Verhalten der Schweiz sei nicht nachvollziehbar und ein schwerer Schlag für den Artenschutz.— Mona Schweizer, Pro Wildlife