Söder warnt Freie Wähler: Koalition nicht um jeden Preis fortsetzen

Schnurren im Kabinett, aber bellen im Bierzelt
Söder beschreibt auf dem CSU-Parteitag, was er von den Freien Wählern nicht mehr hinnehmen will.

Auf dem CSU-Parteitag in München hat Markus Söder die Linien seiner Partei neu gezogen: Eine Regierung mit den Grünen schließt er aus, und seinem Koalitionspartner in Bayern, den Freien Wählern, will er keinen Blankoscheck mehr ausstellen. Der Anlass ist eine politische Lage, in der die AfD in Umfragen vorne mitmischt und die Mitte um ihre Bindekraft ringt. Wie so oft in der Geschichte demokratischer Parteien zeigt sich dabei, dass Abgrenzung nach links und Geschlossenheit nach innen zwei Seiten derselben Frage sind. Offen bleibt, ob aus diesem Ton im Herbst 2026 auch eine neue Machtarithmetik im Bund wird.

Auf dem CSU-Parteitag in München hat Markus Söder am Freitag zwei Botschaften gesendet. Mit den Grünen will er weder in Bayern noch im Bund regieren. Seinem Partner in der Staatsregierung, den Freien Wählern, stellt er dagegen keinen Freibrief mehr aus. Auslöser sind Umfragen, die die AfD in Bayern auf Platz zwei sehen und die die CSU zu mehr demokratischer Entschlossenheit bewegen sollen.

Zur Frage der Grünen griff Söder zu einem persönlichen Bild: Fotos vom Oktoberfest zeigen ihn mit dem grünen Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause, mit dem die Zusammenarbeit ausdrücklich gut laufe. Die Bundestagsfraktion der Grünen aber, so Söder, propagiere eine Linkskoalition, und dazu schwiegen die bayerischen Grünen vernehmlich. Links sei immer der falsche Weg.

Deutlich kühler klang es über die Freien Wähler. Vor Ort gebe es harte Konkurrenz, und Umfragewerte um zehn Prozent seien kein Grund zum Abheben, eher ein »ziemlich blasses Orange«. Künftig wolle die CSU genauer darauf achten, was nicht gehe: gemeinsam regieren, vor Ort aber auf Distanz gehen. Eine Fortsetzung sei denkbar, aber nicht zu jedem Preis.

Am Ende seiner Rede ging es um das Bundespräsidentenamt. Söder hatte schon im Frühjahr für Ilse Aigner geworben, was in der CDU Unmut auslöste. Die CDU beansprucht einen eigenen Kandidaten, und Söder sagte, die Entscheidung falle anderswo. Doch er gönne Aigner die Aufgabe von Herzen. Aigner dankte den Delegierten für den Rückhalt nach über vierzig Jahren Arbeit für die CSU, betonte aber, dass am Ende die Parteivorsitzenden entscheiden.

Zur AfD zog Söder eine scharfe Linie: Eine Koalition oder Kooperation würde die Union zerreißen, stattdessen müsse sie den demokratischen Nahkampf führen. Zugleich würdigte er legale Migration in Pflege, Handwerk und Gastronomie. Offen bleibt, ob die CDU einen eigenen Kandidaten benennt und wie lange die bayerische Koalition unter Söders Vorbehalt hält.

Auf dem CSU-Parteitag in München hat Parteichef Markus Söder am Freitag zwei Dinge klargemacht: Mit den Grünen will er nicht regieren, und dem eigenen Koalitionspartner in Bayern, den Freien Wählern, gibt er keinen Freibrief. Den Anlass lieferten die Umfragen. Die AfD liegt in Bayern demnach auf Platz zwei, deshalb, so Söder, brauche die CSU demokratische Unterstützung. Von den Grünen wolle er sie aber weder auf Landes- noch auf Bundesebene.

Söder verwies auf Bilder vom Oktoberfest, die ihn mit dem grünen Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause unter anderem beim Achterbahnfahren zeigen. Die Zusammenarbeit mit Krause sei ausdrücklich gut. Die Grünenfraktion im Bundestag aber propagiere eine Linkskoalition, und die bayerischen Grünen schwiegen dazu „dröhnend“. Sein Fazit: Links sei immer der falsche Weg.

Deutlich kühler fiel der Ton gegenüber den Freien Wählern aus, mit denen die CSU derzeit in der Staatsregierung zusammenarbeitet. Vor Ort gebe es zum Teil harte Konkurrenz. Umfragen, die die Freien Wähler bei neun oder zehn Prozent sehen, seien kein Grund zum Abheben; er sprach von einem „ziemlich blassen Orange“. Künftig werde er stärker darauf achten, was nicht gehe: in München mitmachen und sich vor Ort distanzieren, „Schnurren im Kabinett, aber bellen im Bierzelt“. Die Freien Wähler stünden unter Beobachtung. Eine Fortsetzung der Koalition sei denkbar, aber nicht bedingungslos zu jedem Preis.

Zum Ende seiner Rede äußerte sich Söder zur Frage, die die Union seit Monaten beschäftigt: wer nächster Bundespräsident oder nächste Bundespräsidentin wird. Schon im Frühjahr hatte er für Ilse Aigner, die Präsidentin des Bayerischen Landtags, geworben, was in der CDU für Unmut sorgte. Noch am Mittag war der F.A.Z. aus CDU-Parteikreisen gesagt worden, man beanspruche, einen eigenen Kandidaten zu benennen. Söder sagte, die Entscheidung falle anderswo. Dann aber fügte er hinzu, er würde es Aigner von Herzen gönnen; das wäre eine tolle Sache. Aigner selbst freute sich am Abend über den Rückhalt der Delegierten, eine Bestätigung nach über 40 Jahren Arbeit für die CSU. Entscheiden werde jedoch nicht der Parteitag, sondern die Parteivorsitzenden.

Gegenüber der AfD zog Söder eine scharfe Linie. Eine Koalition oder auch nur Kooperation würde die Union zerreißen; stattdessen müsse sie in den „demokratischen Nahkampf“ gehen. Das Wirtschafts- und Sozialkonzept der AfD führe in einen „radikalen Bankrott“, außenpolitisch wolle sie Deutschland Moskau ausliefern. Zugleich betonte er die Rolle legaler Migration: Menschen in Pflege, Handwerk, Medizin, Gastronomie und Handel leisteten überragende Arbeit, für sie habe die Union Schutzverantwortung. Spöttisch fragte er, wann AfD-Chefin Alice Weidel von der Schweiz nach Magdeburg ziehe, nachdem der sachsen-anhaltische Spitzenkandidat Ulrich Siegmund behauptet hatte, viele Menschen aus der Schweiz kämen dorthin, sollte die AfD an die Macht gelangen.

Im Liveblog der F.A.Z. liefen am selben Tag weitere Debatten. Die SPD pocht darauf, dass Abgeordnete in die gesetzliche Rente einzahlen. Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese zeigte sich verwundert, dass die Union davon Abstand nehmen wolle; Generalsekretär Tim Klüssendorf sagte, wer Akzeptanz für Veränderungen erwarte, solle bei sich selbst anfangen. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann lehnt den Schritt ab, weil er jahrzehntelang mehrere Systeme nebeneinander fürchtet. Die Rentenkommission der Bundesregierung empfiehlt dagegen, Selbstständige und Abgeordnete einzubeziehen.

Außerdem sprach sich Juso-Chef Philipp Türmer gegen eine erneute Kandidatur von Lars Klingbeil für den SPD-Vorsitz aus. Bärbel Bas hatte am 12. Oktober ihren Rückzug als Parteichefin und Ministerin erklärt; im Januar soll die Führung neu gewählt werden. Und Wolfgang Thierse riet der Berliner SPD von einem Bündnis mit der Linken ab und empfahl eine Koalition mit CDU und Grünen unter einer unabhängigen Persönlichkeit.

Offen bleibt, ob die CDU tatsächlich einen eigenen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt nennt und wie lange die bayerische Koalition unter Söders Vorbehalt hält.

Eine Fortsetzung der Koalition ist denkbar, aber nicht bedingungslos zu jedem Preis.
— Markus Söder, CSU-Chef
Der Parteitag wird nicht entscheiden über diese Frage. Das ist Aufgabe der Parteivorsitzenden.
— Ilse Aigner, Landtagspräsidentin
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