Der Papst drückte tiefe Besorgnis über die humanitäre Lage in der von Russland abgeriegelten Stadt Oleschky aus und forderte einen Waffenstillstand. Putin wünschte dem Papst Genesung und dankte dem Vatikan für Vermittlungsbemühungen, schob aber die Verantwortung für Oleschky allein der Ukraine zu.
Papst bittet Putin telefonisch um Waffenruhe in Oleschky
Drei Tage nach einer Lungenoperation rief der Papst vom Krankenbett aus Putin an
Warum ruft der Papst ausgerechnet jetzt an, drei Tage nach einer Operation? Das wirkt ungewöhnlich.
Es zeigt, wie sehr ihn die Lage in Oleschky beschäftigt. Er hätte warten können, bis er wieder auf den Beinen ist. Stattdessen nimmt er das Telefon vom Krankenbett aus in die Hand.
Aber wir wissen nicht, wie lange das Gespräch dauerte oder wie intensiv es war. Der Vatikan hat dazu nichts gesagt.
Was genau ist das Problem in Oleschky? Warum ist diese Stadt so wichtig?
Sie ist völlig isoliert. Etwa 2.000 Menschen sitzen dort fest, umgeben von Minen, mit der Front nur neun Kilometer entfernt. Lebensmittel und Medikamente kommen kaum noch an.
Nach ukrainischen Angaben sind es 2.000 Menschen — das ist eine Schätzung. Und die Blockade: Russland sagt, die Ukraine blockiert mit Drohnen. Die Ukraine sagt vermutlich etwas anderes. Wir hören hier nur eine Seite.
Hat der Papst schon früher versucht, in diesem Krieg zu vermitteln?
Jahrelang. Der Vatikan hat mehrfach zwischen Russland und der Ukraine vermittelt, ohne Erfolg. Sogar als Ort für Friedensgespräche wurde Rom diskutiert — aber Moskau lehnte ab.
Das ist wichtig: Jahrelang ohne Erfolg. Das bedeutet, dieser Anruf ist Teil eines größeren Musters, das bisher nicht funktioniert hat.
Was hat Putin dazu gesagt?
Er wünschte dem Papst Genesung und dankte für die Vermittlungsbemühungen. Aber bei der Frage, wer schuld an Oleschky ist, schob er alles auf die Ukraine.
Das ist die klassische Reaktion: Dankbarkeit für die Vermittlung, aber keine Zugeständnisse bei den eigentlichen Fragen. Und die Schuldzuweisung ist genau das, was man von beiden Seiten in diesem Krieg hört.
The Pulse
- Papst Leo XIV. telefonierte drei Tage nach Lungenoperation mit Putin
- Etwa 2.000 Menschen sind nach ukrainischen Angaben in Oleschky eingesperrt
- Oleschky liegt neun Kilometer von der ukrainischen Stadt Cherson entfernt, getrennt durch die Frontlinie
- Der Vatikan versucht seit über vier Jahren erfolglos zu vermitteln
Der Papst drückte tiefe Besorgnis über die humanitäre Lage in der von Russland abgeriegelten Stadt Oleschky aus und forderte einen Waffenstillstand. Putin wünschte dem Papst Genesung und dankte dem Vatikan für Vermittlungsbemühungen, schob aber die Verantwortung für Oleschky allein der Ukraine zu.
Papst Leo XIV. hat kurz nach seiner Lungen-OP vom Krankenhaus aus mit Putin telefoniert und um einen Waffenstillstand in der umkämpften ukrainischen Stadt Oleschky gebeten, um humanitäre Hilfe zu ermöglichen.
Drei Tage nach einer Lungenoperation rief Papst Leo XIV. vom Krankenbett aus den russischen Präsidenten Wladimir Putin an. Der 71-jährige Kirchenführer, der sich noch immer in der römischen Gemelli-Klinik erholte, wollte über eine belagerte ukrainische Stadt sprechen, die seit Monaten von der Außenwelt abgeschnitten ist.
Oleschky liegt im russisch besetzten Gebiet der Region Cherson, direkt am Ufer des Dnipro-Flusses. Die kleine Stadt ist vollständig umzingelt — neun Kilometer entfernt hält die ukrainische Armee die Gebietshauptstadt Cherson, dazwischen verläuft die Frontlinie. Nach Jahren gegenseitigen Beschusses ist das Gelände ringsum vermint. Wer versucht, die Stadt zu verlassen, riskiert sein Leben in jede Richtung.
Der Vatikan teilte mit, dass Leo in seinem Gespräch mit Putin seine "tiefe Besorgnis" über die humanitäre Situation dort ausdrückte. Der Papst forderte einen Waffenstillstand in der Region — konkret, um Lebensmittellieferungen, medizinische Hilfe und die sichere Evakuierung von Zivilisten zu ermöglichen. Nach ukrainischen Angaben halten russische Truppen etwa 2.000 Menschen in Oleschky fest. Hilfsorganisationen berichten seit langem von katastrophalen Bedingungen.
Putin antwortete dem Papst mit Glückwünschen zur schnellen Genesung und dankte dem Vatikan für seine Vermittlungsbemühungen im Ukraine-Krieg. Der Kremlchef sagte, Russland unterstütze die Anstrengungen des Kirchenstaates, die Sicherheit und Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Doch bei der Frage der Verantwortung für die Lage in Oleschky wies Putin jede Schuld von sich — er machte allein die Ukraine dafür verantwortlich. Moskau wirft der ukrainischen Armee wiederholt vor, mit Drohnenangriffen Hilfslieferungen in die Stadt zu blockieren.
Dieser Anruf ist Teil eines längeren Musters. Der Vatikan versucht seit mehr als vier Jahren, zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln, während der Krieg andauert. Mehrfach wurde der Kirchenstaat selbst als möglicher Ort für Friedensverhandlungen diskutiert — ein neutraler Boden, wo beide Seiten zusammenkommen könnten. Moskau lehnte ab. Bislang hat keine dieser Vermittlungsbemühungen Erfolg gehabt.
Dass der Papst diesen Anruf ausgerechnet drei Tage nach einer Krebsoperation tätigte, unterstreicht, wie dringlich er die Situation in Oleschky einstuft. Der gebürtige US-Amerikaner sprach aus seinem Krankenzimmer heraus — ein Zeichen, dass diese Angelegenheit für ihn Vorrang hat, selbst während seiner Genesung. Der Vatikan machte keine Angaben zur Dauer des Gesprächs.
Oleschky bleibt eine der dunkelsten Ecken des Krieges — eine Stadt, die von der Welt abgeschnitten ist, in der Tausende Menschen in einer Zone leben, die von beiden Seiten als Niemandsland behandelt wird. Der Papst hat jetzt öffentlich gemacht, dass er sich darum kümmert. Ob sein Appell bei Putin Wirkung zeigt, bleibt offen.
Notable Quotes
Der Papst drückte seine tiefe Besorgnis über die humanitäre Lage in der von Russland abgeriegelten Stadt aus— Vatikan
Putin schob die Verantwortung für die Lage in Oleschky allein der Ukraine zu— Kreml