In Berlin zeichnet sich nach den Abgeordnetenhauswahlen vom 20. September eine politische Zäsur ab: Linke, Grüne und SPD tasten sich in Vorgesprächen aufeinander zu, um eine Koalition zu formen, die der Stadt eine neue Richtung geben könnte. Die Linke, mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, steht vor der historischen Möglichkeit, erstmals die Regierende Bürgermeisterin zu stellen — doch der Weg dorthin verlangt Vertrauen, das erst noch erarbeitet werden muss.
Nach Wahl in Berlin: Linke, Grüne und SPD sehen "gemeinsamen Weg"
Ein gemeinsamer Weg, aber noch keine Gewissheit
Was bedeutet es, dass die drei Parteien von einem "gemeinsamen Weg" sprechen, aber noch keine Details nennen?
Sie signalisieren Fortschritt, ohne sich festzulegen. Das ist typisch für diese frühe Phase — man will zeigen, dass man ernsthaft miteinander redet, aber noch nicht öffentlich über konkrete Punkte streiten.
Aber wir wissen nicht wirklich, worauf sie sich geeinigt haben. Die Pressemitteilungen sind identisch und sagen praktisch nichts Konkretes aus.
Warum sind Grüne und SPD so streng bei den Bedingungen zur Linken?
Weil es um Vertrauen geht. Die Vorfälle mit dem Clan-Angehörigen und dem propalästinensischen Aktivisten haben Fragen aufgeworfen, ob die Linke ihre eigenen Reihen kontrolliert. Grüne und SPD wollen nicht in eine Koalition gehen, die dann durch solche Skandale zerrissen wird.
Das ist verständlich, aber wir sollten auch sehen: Die Linke hat 25,7 Prozent bekommen. Viele Wähler haben das gewusst und trotzdem für sie gestimmt. Die Frage ist, ob die Bedingungen von Grünen und SPD realistisch sind oder ob sie die Koalition unmöglich machen wollen.
Könnte diese Koalition scheitern?
Ja, absolut. Sondierungen sind nicht bindend. Wenn die Linke nicht liefert, was Grüne und SPD fordern, können die Gespräche jederzeit abgebrochen werden.
Und dann? Dann müsste man mit der CDU reden oder mit anderen Kombinationen. Das ist noch völlig offen.
Was ist mit Elif Eralp — könnte sie wirklich Regierende Bürgermeisterin werden?
Wenn die Koalition zustande kommt, ja. Sie wäre die erste Linke in diesem Amt in Berlin. Das wäre historisch.
Aber das hängt davon ab, dass die Koalition überhaupt zustande kommt. Und das ist noch nicht sicher.
El Pulso
- Die bisherige CDU-SPD-Koalition hat ihre Mehrheit verloren, und Berlin steht vor einer Regierungsbildung ohne klaren Präzedenzfall.
- Vorfälle auf einer Wahlparty der Neuköllner Linken — mit Angehörigen krimineller Clans und einem der PFLP nahestehenden Aktivisten — haben das Vertrauen der potenziellen Partner erschüttert.
- Grüne und SPD stellen der Linken harte Bedingungen: verbindliche Mechanismen gegen Antisemitismus und klare Distanzierung von organisierter Kriminalität, bevor Sondierungen beginnen können.
- Die Linke reagiert mit Bekenntnissen zum Schutz jüdischen Lebens, doch ihre Partner verlangen mehr als Worte — sie wollen strukturelle Garantien.
- Für Mittwoch kommender Woche ist das nächste Vorgespräch angesetzt; ob daraus Sondierungen werden, bleibt offen — der 'gemeinsame Weg' ist noch kein gesicherter.
In Berlin zeichnet sich nach den Abgeordnetenhauswahlen vom 20. September eine politische Zäsur ab: Linke, Grüne und SPD tasten sich in Vorgesprächen aufeinander zu, um eine Koalition zu formen, die der Stadt eine neue Richtung geben könnte. Die Linke, mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, steht vor der historischen Möglichkeit, erstmals die Regierende Bürgermeisterin zu stellen — doch der Weg dorthin verlangt Vertrauen, das erst noch erarbeitet werden muss.
Nach den Berliner Abgeordnetenhauswahlen vom 20. September zeichnet sich eine ungewöhnliche Koalition ab. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, gefolgt von CDU, AfD, Grünen und SPD. Die bisherige CDU-SPD-Koalition verlor ihre Mehrheit. Nun sondieren Linke, Grüne und SPD gemeinsam — und signalisierten am Freitag, in der kommenden Woche zu einem ersten Ergebnis kommen zu wollen. Danach sollen formelle Sondierungsgespräche folgen, die noch keine Koalitionsverhandlungen sind, aber deren Voraussetzung.
Eine rot-grün-rote Koalition wäre rechnerisch möglich und würde der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp das Amt der Regierenden Bürgermeisterin bringen — ein historisches Novum für Berlin. Doch der Weg dorthin ist belastet. Auf einer Wahlparty der Neuköllner Linken waren ein Angehöriger eines kriminellen Clans sowie ein der PFLP nahestehender Aktivist anwesend. Zudem geriet der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak unter Druck, weil er freundschaftliche Nachrichten mit einem Mitglied einer kriminell bekannten Großfamilie ausgetauscht hatte — er gab daraufhin seinen Sitz im Innenausschuss auf.
Grüne und SPD bestehen darauf, dass die Linke vor Beginn der Sondierungen verbindliche Absprachen schafft: Wie geht die Partei künftig mit antisemitischen Vorfällen in den eigenen Reihen um, und welche Konsequenzen hätte das in einer gemeinsamen Koalition? Die Linke betont ihrerseits den Schutz jüdischen Lebens — doch ihre potenziellen Partner verlangen mehr als Erklärungen. Die Verhandlungen laufen vertraulich; Details werden nicht preisgegeben. Ob aus dem vorsichtigen Optimismus eine tragfähige Koalition wird, entscheidet sich in den kommenden Tagen.
In Berlin bahnt sich eine ungewöhnliche Koalition an. Linke, Grüne und SPD haben sich in ihren ersten Vorgesprächen zur Regierungsbildung angenähert und signalisieren, dass sie einen gemeinsamen Weg sehen. Die drei Parteien teilten am Freitag mit, dass sie in der kommenden Woche zu einem ersten Ergebnis kommen wollen. Danach sollen Sondierungsgespräche folgen — ein Schritt, der noch keine Koalitionsverhandlungen bedeutet, sondern erst einmal ausloten soll, ob eine Zusammenarbeit überhaupt erfolgversprechend ist.
Die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September haben die politische Landschaft der Stadt verschoben. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent der Stimmen mit großem Abstand stärkste Kraft. Es folgen die CDU mit 18,8 Prozent, die AfD mit 16,3 Prozent, die Grünen mit 14,3 Prozent und die SPD mit 12,1 Prozent. Die bisherige CDU-SPD-Koalition hat ihre Mehrheit verloren. Eine rot-grün-rote Koalition unter Führung der Linken wäre rechnerisch möglich und würde der Linken-Spitzenkandidatin und Co-Fraktionsvorsitzenden Elif Eralp das Amt der Regierenden Bürgermeisterin bringen — ein historisches Novum für Berlin.
Doch der Weg dorthin ist mit Hürden gepflastert. Grüne und SPD haben der Linken deutliche Bedingungen gestellt. Sie fordern, dass sich die Linke klar und verbindlich von Antisemitismus und organisierter Kriminalität distanziert. Dieser Druck entstand durch mehrere Vorfälle, die in den Wochen vor und nach der Wahl für Aufsehen sorgten. Bei einer Wahlparty der Neuköllner Linken am 20. September waren sowohl ein Angehöriger eines teilweise kriminellen Clans als auch ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend, der der Volksfront für die Befreiung Palästinas nahestehen soll — einer Organisation, die die EU als Terrororganisation einstuft. Der Neuköllner Linke-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak geriet unter Druck, weil er freundschaftliche Chatnachrichten mit einem Sohn einer der organisierten Kriminalität zugeordneten Großfamilie ausgetauscht hatte. Er kündigte daraufhin an, seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags aufzugeben, und betonte auf X: "Ich bin weder kriminell noch unterstütze ich organisierte Kriminalität."
Die Linke hat auf diese Vorwürfe reagiert. Ihre Spitzenpolitiker betonten mehrfach, dass die Partei für den Schutz jüdischen Lebens eintritt. Doch für Grüne und SPD reichen solche Erklärungen nicht aus. Sie bestehen darauf, dass die Linke vor Aufnahme von Sondierungen verbindliche Absprachen und Mechanismen schafft. Konkret soll geklärt werden, wie die Linke künftig mit antisemitischen Vorfällen in ihren eigenen Reihen umgehen wird und welche Konsequenzen das innerhalb einer möglichen Koalition hätte. Diese Verständigung erweist sich als komplexer als zunächst gedacht.
Die Parteien haben sich auf Vertraulichkeit geeinigt und geben keine Details über ihre bisherigen Absprachen preis. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist das nächste Vorgespräch für Mittwoch kommender Woche angesetzt. Was genau die drei Parteien in dieser Woche erreichen wollen und wie konkret ihre bisherigen Absprachen sind, bleibt offen. Die Erklärung vom Freitag lässt sich so lesen, dass die Beteiligten optimistisch sind — aber Sondierungsgespräche können auch scheitern. Ob aus dem "gemeinsamen Weg" tatsächlich eine Koalition wird, hängt davon ab, ob die Linke die Erwartungen ihrer potenziellen Partner erfüllen kann.
Citas Notables
Ich bin weder kriminell noch unterstütze ich organisierte Kriminalität— Ferat Koçak, Neuköllner Linke-Bundestagsabgeordneter, auf X