Im Norden Texas' entsteht auf weitem Grasland ein Rechenzentrum, dessen Schatten schon jetzt über die politische Landschaft fällt. Zwischen Protest, Viehzucht und Wahlkampf zeigt sich, wie neue Technologien alte Loyalitäten auf die Probe stellen. Vor den Zwischenwahlen könnte ein Bundesstaat, der seit fast vier Jahrzehnten keinen demokratischen Senator gestellt hat, in Bewegung geraten. Ob die Enttäuschung vieler Republikaner an der Urne sichtbar wird, entscheidet sich in den kommenden Tagen.
Midterms in Texas: Kippt der republikanische Stammsitz im US-Senat?
Mit jeder Drehung landet Geld in meiner Gesäßtasche.
Warum schaut man bei diesen Midterms ausgerechnet auf Texas?
Weil dort seit mehr als 30 Jahren kein Demokrat den Senatssitz gewonnen hat. Der letzte Erfolg war 1988. Jetzt könnte James Talarico es schaffen.
Und was treibt das an?
Teils Themen wie Rechenzentren und Windkraft, die selbst Trump-Fans wie Misty und John Davis ärgern. Teils Ken Paxton, gegen den es Korruptionsvorwürfe gab.
Vorsicht: Der Text sagt, Talaricos Erfolg „könnte zum Teil“ an Paxton liegen. Das ist eine Vermutung, kein Beleg.
Und Paxton wurde ja freigesprochen.
Ja, 2023 vom texanischen Senat. Die Vorwürfe führten aber zu einem Verfahren, das seine eigene Partei eingeleitet hatte.
Zu den Umfragen: Sie sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, manche den Demokraten leicht vorn. Konkrete Zahlen nennt der Beitrag nicht.
Heißt Ärger über Trumps Politik auch, dass Leute anders wählen?
Das ist offen. Davis steht „zu 99 Prozent“ hinter Trump. Ob solche Wähler zu Hause bleiben oder wechseln, weiß niemand.
Genau das ist die Frage, an der das Rennen hängt.
El Pulso
- Ein geplantes Rechenzentrum bei Amarillo treibt Anwohner auf die Straße, die Luftverschmutzung und Wassermangel fürchten.
- Der republikanische Senatskandidat Ken Paxton steht unter Korruptionsvorwürfen und einem gescheiterten Amtsenthebungsverfahren seiner eigenen Partei.
- Der Demokrat James Talarico liegt in Umfragen knapp vorn oder gleichauf, was in Texas seit 1988 kaum denkbar schien.
- Trumps Kurs gegen Windkraft verärgert Rancher, die ihre Rinder unter Windrädern weiden und von der Pacht profitieren.
- Offen bleibt, ob frustrierte Republikaner zu Hause bleiben oder ins demokratische Lager wechseln.
Im Norden Texas' entsteht auf weitem Grasland ein Rechenzentrum, dessen Schatten schon jetzt über die politische Landschaft fällt. Zwischen Protest, Viehzucht und Wahlkampf zeigt sich, wie neue Technologien alte Loyalitäten auf die Probe stellen. Vor den Zwischenwahlen könnte ein Bundesstaat, der seit fast vier Jahrzehnten keinen demokratischen Senator gestellt hat, in Bewegung geraten. Ob die Enttäuschung vieler Republikaner an der Urne sichtbar wird, entscheidet sich in den kommenden Tagen.
Bei Amarillo im Norden Texas' liegt das Gelände, auf dem eines der größten Rechenzentren der Welt entstehen soll. Noch sind nur Zäune, Kameras und Gras zu sehen, doch vor dem Tor haben sich Demonstrierende versammelt. Tiffany Riles, Schulbibliothekarin und Mitglied der Jungen Demokraten, fürchtet Luftverschmutzung und Wassermangel in einem Land, das ohnehin unter Dürre leidet.
Nur wenige Meter entfernt steht Misty, eine überzeugte Trump-Anhängerin. Sie liebt den Präsidenten, widerspricht ihm aber bei den Rechenzentren, weil er Regulierung lockert. Sie ist mit dieser Sorge nicht allein, denn viele Amerikaner sehen solche Anlagen inzwischen kritisch, vor allem in der eigenen Nachbarschaft.
Am Dienstag wird in Texas besonders genau auf den Senat geschaut. Der Demokrat James Talarico, ein ehemaliger Lehrer, der seinen Glauben in den Mittelpunkt stellt, könnte erstmals seit 1988 einen Sitz für seine Partei gewinnen. Sein Gegner Ken Paxton, Generalstaatsanwalt und enger Verbündeter Trumps, wurde von der eigenen Partei mit einem Amtsenthebungsverfahren konfrontiert und 2023 freigesprochen. Umfragen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Auch der Streit um Windkraft bewegt die Wähler. Rancher John Davis, einst Republikaner-Politiker, verdient mit Windrädern auf seiner Weide Pacht und kann den Kurs der Regierung nicht nachvollziehen. Trotzdem steht er nach eigenen Worten fast ganz hinter Trump. Ob solche Stimmen am Wahltag den Ausschlag geben, bleibt offen.
Bei Amarillo im Norden von Texas ist von dem Projekt bisher wenig zu sehen: ein gut gesichertes Feld, Zäune, Überwachungskameras, ein Schild, das auf die Baustelle hinweist, sonst Gras bis zum Horizont. Hier soll das vielleicht größte Rechenzentrum der Welt entstehen. Vor dem Gelände hat sich eine kleine Gruppe Demonstrierender versammelt.
Eine von ihnen ist Tiffany Riles. Sie fürchtet Luftverschmutzung und Wasserknappheit, und das in einem Bundesstaat, dessen große Teile schon jetzt unter Trockenheit oder Dürre leiden. Riles ist Schulbibliothekarin und engagiert sich bei den jungen Demokraten in Texas. In ihrem Haar steckt eine Spange mit dem Wort „Vote“. Ihre Meinung über Donald Trump behält sie nicht für sich, vor allem seine Abschiebepolitik und die Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE lehnt sie ab.
Nur wenige Meter entfernt steht Misty, rosa Blazer, große Sonnenbrille. Sie zählt sich zum MAGA-Lager, zu Trumps größten Fans. „Ich liebe Donald Trump“, sagt sie, doch bei den Rechenzentren habe er Unrecht. Trumps Linie ist es, Regulierung aufzuweichen und solche Anlagen voranzutreiben. Misty meint, die Bürger sollten mehr mitreden dürfen. Sie ist nicht allein: Umfragen zufolge sieht inzwischen mehr als die Hälfte der Amerikaner Datenzentren kritisch, besonders in der eigenen Nachbarschaft. So sind sie zu einem Wahlkampfthema geworden.
Bei den Zwischenwahlen am Dienstag ist Texas besonders umkämpft, vor allem im Rennen um den Senat. Seit mehr als 30 Jahren hat dort kein Demokrat mehr gewonnen; der Bundesstaat ist seit Jahrzehnten republikanisch geprägt. Diesmal könnte James Talarico, der Kandidat der Demokraten, eine echte Chance haben. Der 37-Jährige nennt sich einen „Texaner in achter Generation“, ist ehemaliger Lehrer und hat seinen Glauben zu einer Kernbotschaft seines Wahlkampfs gemacht. Gewänne er, wäre es der erste demokratische Senatssitz für Texas seit 1988.
Sein Rückenwind hat womöglich auch mit seinem Gegner zu tun: Ken Paxton, dem republikanischen Kandidaten und texanischen Generalstaatsanwalt. Gegen ihn wurde ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet, und zwar von der eigenen Partei, unter anderem wegen Korruptionsvorwürfen. 2023 sprach ihn der texanische Senat frei. Paxton gilt als enger Verbündeter Trumps und versuchte nach dessen Wahlniederlage vor dem Supreme Court, Joe Bidens Sieg zu kippen. Umfragen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, manche den Demokraten leicht vorn.
Ein zweites Thema verärgert treue Trump-Anhänger: der Kampf der Regierung gegen Erneuerbare Energien. John Davis wirft Heuballen von der Ladefläche seines silbernen, verbeulten Pickups, um seine Rinder zu füttern. Er ist Rancher und ehemaliger Politiker der Republikaner in Texas. „Warum ist er gegen sie?“, fragt er über Trump, „ich verstehe es nicht.“ Seine Rinder grasen seit mehr als fünf Jahren unter Windrädern. Die betreibende Firma zahlt ihm monatlich Pacht: „Mit jeder Drehung landet Geld in meiner Gesäßtasche.“ Trump setzt dagegen auf Öl und Gas; „drill, baby, drill“ war schon 2024 sein Motto.
Das Verteidigungsministerium hatte Genehmigungsverfahren für Windparks unter Verweis auf die nationale Sicherheit gestoppt. Davis nennt das „saudumm“, weil es ländliche Regionen treffe, die Investitionen brauchen. Dennoch stehe er zu 99 Prozent hinter Trump.
Auch wenn Trump selbst nicht zur Wahl steht, spielt seine Politik eine große Rolle. Entscheidend ist, ob Republikaner in Texas frustriert genug sind, zu Hause zu bleiben oder gar einen Demokraten zu wählen.
Citas Notables
Ich liebe Donald Trump, aber bei den Rechenzentren hat er Unrecht.— Misty, Trump-Anhängerin bei Amarillo
Warum ist er gegen Erneuerbare? Ich verstehe es nicht.— John Davis, Rancher und ehemaliger Republikaner-Politiker