In Sachsen-Anhalt hat eine Partei, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft, erstmals den höchsten repräsentativen Posten eines deutschen Landtags besetzt. Mit der Wahl von Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten verschiebt sich nicht nur eine formale Zuständigkeit, sondern eine politische Schwelle, die lange als unüberwindbar galt. Was als Ausgrenzung begann, wandelt sich zur Frage, wer in Zukunft wen ausgrenzt.
Landtagspräsident: Die AfD ist nun mittendrin
Die AfD ist nun mittendrin
Was genau hat sich mit dieser Wahl verändert? Rausch ist ein Abgeordneter wie viele andere auch.
Der Unterschied ist, dass er die höchste repräsentative Position im Landtag innehat — und dass eine Partei, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft, diese Position nun besetzt. Das war lange Zeit tabu.
Aber war es wirklich tabu, oder war es nur eine Vereinbarung zwischen den etablierten Parteien? Wenn die Wähler die AfD zur stärksten Kraft machen, kann man sie dann wirklich dauerhaft ausschließen?
Das ist die zentrale Frage. Die Brandmauer sollte verhindern, dass die AfD normalisiert wird. Mit dieser Wahl ist das geschehen.
Und die CDU-Abgeordneten, die für Rausch stimmten — sind das Einzelne oder ein Zeichen für etwas Größeres?
Das wissen wir noch nicht genau. Es waren offenbar mehr als fünf, obwohl die Fraktion sich auf Enthaltung geeinigt hatte. Das deutet auf Risse hin, aber es ist noch unklar, wie tief diese gehen.
Wichtiger ist vielleicht, was die AfD mit dieser Position plant. Sie nutzt nicht nur den Präsidentensessel — sie besetzt auch die Stellvertreterpositionen mit Parteiideologen.
Das klingt, als würde die AfD die Institution selbst umgestalten wollen.
Genau. Sie versteht ihre Positionen nicht als Ordnungsfunktion, sondern als Machtinstrument.
Aber wir sollten vorsichtig sein: Rausch hat in seiner Rede völlig konventionelle Dinge über Demokratie und Parlament gesagt. Das ist nicht das Verhalten eines Extremisten, der die Institution zerstören will.
Also ist die Angst übertrieben?
Nicht übertrieben, aber vielleicht falsch adressiert. Die Frage ist nicht, ob Rausch ein zweiter Göring ist. Die Frage ist, ob die etablierten Parteien ihre Macht verloren haben und das als Grenzüberschreitung interpretieren.
Il Polso
- Eine Partei, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft hat, hält nun den Präsidentenstuhl des Landtags Sachsen-Anhalt — eine Zäsur, die bundesweit Alarm auslöst.
- Die sogenannte Brandmauer der CDU bröckelte sichtbar: Statt fünfzehn Enthaltungen gab es nur fünf — mindestens einige Unionsabgeordnete stimmten aktiv für Rausch.
- Rausch trat nach seiner Wahl betont gemäßigt auf, doch die AfD besetzte gleichzeitig weitere Präsidiumsposten mit einem erklärten Parteiideologen — ein Signal, dass Mäßigung und Machtausbau Hand in Hand gehen.
- Die AfD verfehlte bei der Landtagswahl knapp die absolute Mehrheit, arrangiert sich aber über das Präsidium eine parlamentarische Hegemonie im Alltag.
- Die entscheidende Frage ist offen: Wurde hier eine Grenze überschritten — oder haben andere Parteien schlicht den Anschluss an die neue Machtmitte verloren?
In Sachsen-Anhalt hat eine Partei, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft, erstmals den höchsten repräsentativen Posten eines deutschen Landtags besetzt. Mit der Wahl von Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten verschiebt sich nicht nur eine formale Zuständigkeit, sondern eine politische Schwelle, die lange als unüberwindbar galt. Was als Ausgrenzung begann, wandelt sich zur Frage, wer in Zukunft wen ausgrenzt.
Tobias Rausch ist zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt worden — und damit hat eine Partei, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft, erstmals die höchste repräsentative Position in einem deutschen Landtag inne. Was noch vor wenigen Jahren als politisch undenkbar galt, ist Realität geworden.
Die Abstimmung selbst offenbarte tiefere Risse. Die CDU-Fraktion hatte sich auf Enthaltung verständigt, doch von fünfzehn erwarteten Enthaltungen kamen nur fünf. Einige Unionsabgeordnete stimmten offenbar für Rausch und durchbrachen damit jene ungeschriebene Regel der Abgrenzung, die als Brandmauer bekannt ist. Diese Abweichung ist kein Zufall — sie deutet auf eine Verschiebung in den Machtverhältnissen hin, die über diese eine Wahl hinausreicht.
Rausch selbst trat nach seiner Wahl konziliant auf und sprach in seiner Antrittsrede von Demokratie und parlamentarischem Mandat in Worten, die kaum angreifbar waren. Doch die Besänftigung durch gemäßigte Rhetorik verdeckt, was die AfD im Präsidium tatsächlich tut: Sie kandidierte mit dem Parteiideologen Tillschneider für ein Stellvertreteramt und erhielt auch dafür eine Mehrheit. Die Partei verwaltet die Strukturen des Landtags nicht — sie nutzt sie, um Macht zu organisieren.
Obwohl die AfD bei der Landtagswahl knapp an der absoluten Mehrheit scheiterte, hat sie sich über das Präsidium eine Art parlamentarische Hegemonie im Alltag gesichert. Ob die überschrittene Grenze eine Grenzüberschreitung im klassischen Sinne ist — oder ob andere Parteien sie nur deshalb so empfinden, weil sie selbst an den Rand gedrängt werden — das werden die kommenden Wochen zeigen.
Tobias Rausch, ein Abgeordneter der AfD, ist zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt worden. Mit dieser Wahl hat eine Partei, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft, erstmals die höchste repräsentative Position in einem deutschen Landtag erhalten. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien, ist Realität geworden: Die AfD sitzt nicht mehr am Rand des Parlaments, sondern im Zentrum seiner Macht.
Die Abstimmung offenbarte mehr als nur die formale Wahl eines neuen Präsidenten. Rausch erhielt nicht allein die Stimmen seiner eigenen Fraktion und der BSW-Abgeordneten. Vier zusätzliche Stimmen kamen von anderswo. Die CDU-Fraktion hatte sich auf Enthaltung geeinigt — fünfzehn Abgeordnete sollten sich der Stimme enthalten. Doch es gab nur fünf Enthaltungen. Das bedeutet: Einige CDU-Politiker stimmten für Rausch, durchbrachen damit die sogenannte Brandmauer, jene ungeschriebene Regel, wonach etablierte Parteien die AfD isolieren. Diese Risse in der Abgrenzung deuten auf etwas Tiefergehendes hin — eine Verschiebung in den Machtverhältnissen, die über diese eine Wahl hinausweist.
Rausch selbst trat nach seiner Wahl konziliant auf. In seiner ersten Rede sprach er von Demokratie, Parlament, Wahlen und Mandat in Worten, die kaum ein anderer Abgeordneter hätte ablehnen können. Vor der Wahl hatten Kritiker gewarnt, ein zweiter Göring könnte den Präsidentensessel erklimmen — eine Rhetorik, die die NS-Diktatur instrumentalisiert und zugleich die AfD selbst falsch einschätzt. Rausch ist nicht das, was diese Warnung suggerierte. Doch die Besänftigung durch gemäßigte Worte täuscht über etwas Wesentliches hinweg.
Bei der Wahl der Stellvertreterposten im Präsidium zeigte sich, dass die AfD ihre neue Position nicht als bloße Ordnungsfunktion versteht. Sie kandidierte mit Tillschneider, einem Parteiideologen, für ein Amt, das normalerweise überparteilich besetzt wird. Auch für ihn gab es eine Mehrheit. Das war eine Provokation, und sie funktionierte. Die AfD nutzt die Strukturen des Landtags nicht, um sie zu verwalten — sie nutzt sie, um Macht zu organisieren und auszubauen.
Bei der Landtagswahl verpasste die AfD knapp die absolute Mehrheit. Doch durch die Kontrolle des Präsidiums und die Unterstützung, die sie von anderen Fraktionen erhält, arrangiert sie sich eine Art parlamentarische Hegemonie im Alltag. Was sich in den kommenden Wochen zeigen wird, ist, ob die Grenze, die überschritten wurde, eine Grenzüberschreitung im klassischen Sinne ist — oder ob in Sachsen-Anhalt ein Machtwechsel stattgefunden hat, den andere Parteien nur deshalb als Grenzüberschreitung empfinden, weil er sie selbst an den Rand drängt.
Citazioni salienti
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Die AfD hat mit diesem Tag einen Machtanspruch gleichwohl nicht aufgegeben, der auf Alleinherrschaft zielt— Analyse des Wahlverhaltens