Großbritannien bietet Deutschland Kampfjet-Kooperation an

Großbritannien sucht seinen Platz zwischen Amerika und Europa neu
Burnhams Antrittsbesuch in Berlin signalisiert eine Neuausrichtung britischer Außenpolitik zehn Jahre nach dem Brexit.
Mark

Warum ist dieses britische Angebot für Deutschland überhaupt interessant? Das FCAS-Projekt mit Frankreich ist gescheitert — warum nicht einfach mit Schweden und Airbus weitermachen?

Mimi

Weil GCAP bereits läuft. Italien und Japan sind dabei, die Technologie wird entwickelt. Deutschland müsste nicht bei null anfangen. Und strategisch: Großbritannien ist ein großer Rüstungsakteur mit echter Expertise.

Luke

Aber wir wissen nicht, ob Deutschland das Angebot annimmt. Das Ministerium prüft nur die Optionen. Airbus-Saab gilt immer noch als wahrscheinlichste Lösung. Das ist wichtig zu sagen.

Mark

Und dieser Kensington-Vertrag — ist das nur Symbolik oder hat der echte Zähne?

Mimi

Der Vertrag regelt konkrete Dinge: Visa-Erleichterungen für Schüler, eine Bahnverbindung, Zusammenarbeit gegen Cyberangriffe. Das sind keine leeren Versprechungen.

Luke

Aber die größeren Fragen sind offen. Burnham spricht von engerer EU-Bindung, aber nicht von einer Rückkehr zur Mitgliedschaft. Was genau bedeutet "näher an Europa herangeführt werden"? Das ist noch nicht definiert.

Mark

Warum besucht Burnham Deutschland zuerst von allen EU-Ländern?

Mimi

Deutschland ist wirtschaftlich und sicherheitspolitisch die Schwergewicht Europas. Wenn Burnham die EU-Beziehungen verbessern will, muss er mit Berlin anfangen.

Luke

Und es ist auch eine Botschaft an die USA. Burnham war gerade bei Trump. Jetzt zeigt er: Großbritannien bleibt mit Europa verbunden. Das ist Balanceakt-Politik.

  • Das Scheitern des FCAS-Projekts im Juni hat Deutschland ohne klaren Kurs in der Kampfjet-Frage zurückgelassen — nun drängen gleich mehrere Alternativen auf einmal.
  • Großbritannien bietet mit dem GCAP-Programm eine technologisch ambitionierte Option an, die Deutschland in ein Bündnis mit Italien und Japan einbinden würde.
  • Berlin reagiert vorsichtig: Die Verteidigungsministerien sollen prüfen, eine Entscheidung ist nicht gefallen, und die Airbus-Saab-Kooperation bleibt weiterhin im Rennen.
  • Burnham nutzt den Besuch, um Großbritannien als verlässlichen europäischen Partner zu positionieren — mit dem Kensington-Vertrag, Visaerleichterungen und einer geplanten Bahnverbindung als sichtbaren Symbolen.
  • Beide Länder verschärfen ihre Zusammenarbeit gegen hybride Bedrohungen und nennen Russland ausdrücklich als gemeinsamen Gegner.

Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum sucht Großbritannien unter Premierminister Andy Burnham den Weg zurück nach Europa — nicht durch eine formale Rückkehr, sondern durch Verträge, Rüstungspartnerschaften und gemeinsame Sicherheitsinteressen. Beim Antrittsbesuch in Berlin bot Burnham Bundeskanzler Friedrich Merz eine Beteiligung am Global Combat Air Programme an, just in dem Moment, in dem Deutschland nach dem Scheitern des deutsch-französischen FCAS-Projekts einen neuen Weg sucht. Das Angebot ist mehr als Rüstungspolitik: Es ist ein Signal, dass die Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen Mitglied und Nicht-Mitglied, in einer unsicheren Welt neu verhandelt werden.

Beim Antrittsbesuch von Premierminister Andy Burnham in Berlin hat Großbritannien Deutschland eine Beteiligung am Global Combat Air Programme angeboten — einem Rüstungsprojekt, an dem bereits Italien und Japan arbeiten und das einen modernen Tarnkappen-Kampfjet entwickeln soll. Das Angebot kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Das deutsch-französische FCAS-Projekt ist im Juni nach jahrelangen Verhandlungen gescheitert, und Berlin sucht seitdem nach Alternativen. Bislang galt eine Kooperation zwischen Airbus und dem schwedischen Unternehmen Saab als wahrscheinlichste Option — nun liegt eine dritte Möglichkeit auf dem Tisch.

Aus Regierungskreisen hieß es, man befinde sich in einem sehr frühen Stadium der Neubewertung. Die Verteidigungsministerien beider Länder sollen die Möglichkeiten prüfen. Eine formale Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Doch Burnhams Besuch hatte eine breitere Agenda. Parallel zur Rüstungsfrage setzten Merz und Burnham den Kensington-Vertrag in Kraft — ein 27-seitiges Abkommen, das bereits im Juli 2025 unterzeichnet worden war und die Zusammenarbeit in Außenpolitik, Wirtschaft und Bildung vertiefen soll. Bundeskanzler Merz sprach von einem historischen Tag und hob hervor, dass Schüler künftig auch bei längeren Austauschprogrammen visumfrei nach Großbritannien reisen können.

Burnham warb zudem für eine engere Anbindung Großbritanniens an die EU und kündigte an, beim geplanten Gipfel im November Fortschritte erzielen zu wollen. Zu einer vollständigen Rückkehr äußerte er sich nicht direkt — obwohl er in der Vorwoche als erster britischer Premier seit dem Brexit eine erneute Mitgliedschaft erwähnt hatte. Ein weiterer Schwerpunkt war die gemeinsame Abwehr hybrider Bedrohungen durch Cyberangriffe, Sabotage und Desinformation, wobei London ausdrücklich Russland als Hauptquelle dieser Bedrohungen nannte.

Dass Burnham Berlin als erstes EU-Reiseziel wählte, ist kein Zufall. London betrachtet Deutschland offenkundig als Schlüsselpartner für seine neue europäische Strategie — und Berlin scheint bereit, diese Rolle anzunehmen.

Großbritannien hat Deutschland ein Angebot gemacht, das die europäische Rüstungslandschaft neu ordnen könnte. Bei seinem Antrittsbesuch in Berlin bot Premierminister Andy Burnham Bundeskanzler Friedrich Merz an, sich am Global Combat Air Programme (GCAP) zu beteiligen — einem internationalen Kampfjet-Projekt, an dem bereits Italien und Japan arbeiten. Das Angebot kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Berlin dringend einen neuen Partner sucht.

Das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS ist im Juni nach Jahren erbitterter Verhandlungen gescheitert. Beide Länder konnten sich auf keine gemeinsamen Bedingungen einigen. Seitdem evaluiert die deutsche Regierung ihre Optionen neu. Bislang galt eine Kooperation zwischen Airbus und dem schwedischen Rüstungsunternehmen Saab als die wahrscheinlichste Alternative. Das britische Angebot eröffnet nun eine dritte Möglichkeit.

Das GCAP-Programm zielt auf die Entwicklung eines modernen Tarnkappen-Kampfjets ab. Dieser Jet soll langfristig die japanischen F-2-Flugzeuge sowie die britischen und italienischen Eurofighter ersetzen. Eine formale Entscheidung über einen deutschen Einstieg ist noch nicht gefallen. Aus Regierungskreisen hieß es, die Verteidigungsministerien sollten die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit prüfen. Berlin befinde sich in einem "sehr frühen Stadium der Neuevaluierung der Optionen".

Burnhams Besuch signalisiert aber mehr als nur ein Rüstungsangebot. Der britische Premierminister wirbt gleichzeitig für eine engere Anbindung Großbritanniens an die Europäische Union — etwa zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum. Er kündigte an, bei einem für November geplanten EU-Großbritannien-Gipfel Fortschritte erzielen zu wollen. Dabei solle geprüft werden, wie sein Land wieder näher an Europa herangeführt werden könne. Als mögliche Bereiche nannte er Wirtschaftspolitik und die Bekämpfung irregulärer Migration. Zu einer vollständigen Rückkehr zur EU äußerte er sich in Berlin nicht — obwohl er in der vergangenen Woche als erster britischer Premierminister seit dem Brexit eine erneute Mitgliedschaft ins Spiel gebracht hatte.

Parallel zur Verteidigungszusammenarbeit setzten Merz und Burnham den sogenannten Kensington-Vertrag in Kraft. Der 27 Seiten umfassende Freundschaftsvertrag war bereits im Juli 2025 von Merz und Burnhams Vorgänger Keir Starmer unterzeichnet worden. Der Vertrag soll die Zusammenarbeit in Außen- und Sicherheitspolitik, Wirtschaft und Bildung vertiefen. Ein Aktionsplan mit 17 Punkten enthält konkrete Vorhaben, darunter die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität und irregulärer Migration. Merz sprach von einem "historischen" Tag. Der Bundeskanzler hob besonders Erleichterungen für junge Menschen hervor: Schüler sollen künftig auch bei längeren Klassenfahrten und Austauschprogrammen ohne Visum nach Großbritannien reisen können. Auch Studierende erhalten Erleichterungen. Beide Länder planen zudem eine direkte Bahnverbindung.

Ein weiterer Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist die Abwehr hybrider Bedrohungen — Cyberangriffe, Sabotage an kritischer Infrastruktur, Desinformation und Drohnenangriffe. Beide Länder wollen sich bei der Abwehr enger abstimmen. Die britische Regierung verwies insbesondere auf Russland als Quelle dieser Bedrohungen. "Die hybride Bedrohung durch unsere Gegner — insbesondere Russland — erstreckt sich über Europa und darüber hinaus und bedroht unsere gemeinsame Sicherheit", erklärte die Regierungszentrale in London.

Burnhams Wahl Berlins als erstes EU-Reiseziel seit seinem Amtsantritt hat auch symbolische Bedeutung. Seine erste Auslandsreise führte ihn in die Ukraine, danach reiste er in die USA zu den Vereinten Nationen und zu Präsident Donald Trump. Mit der Wahl Deutschlands als erstes EU-Ziel setzt Burnham auf enge Beziehungen zu Berlin. Sein Vorgänger Starmer hatte bereits früh den Kontakt zur Bundesregierung gesucht und war im Sommer 2024, knapp zwei Monate nach seinem Amtsantritt, vom damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz empfangen worden. Die Kontinuität dieser Beziehung deutet darauf hin, dass London Berlin als Schlüsselpartner für seine europäische Strategie betrachtet.

Dieser Vertrag eröffnet Großbritannien und Deutschland neue Möglichkeiten in der Zusammenarbeit
— Bundeskanzler Friedrich Merz
Die hybride Bedrohung durch unsere Gegner — insbesondere Russland — erstreckt sich über Europa und darüber hinaus und bedroht unsere gemeinsame Sicherheit
— Britische Regierungszentrale
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