Seehofer wirft Merz »massiven Glaubwürdigkeitsverlust« vor

Das Vertrauen in authentisches Handeln ist die wichtigste Stellgröße
Seehofer erklärt, warum Merz' Glaubwürdigkeitsverlust nicht einfach zu reparieren ist.
Mark

Warum ist das, was Seehofer sagt, überhaupt relevant? Er ist doch nicht mehr im Amt.

Mimi

Weil Seehofer jahrelang an der Spitze der CSU stand und weiß, wie Regierungshandeln funktioniert. Seine Kritik kommt von innen, nicht von außen. Das macht sie schwerer zu ignorieren.

Luke

Aber Seehofer spricht aus einer Position heraus, in der er selbst nicht mehr die Verantwortung trägt. Wie viel von seiner Kritik ist Analyse, wie viel ist Frustration über die aktuelle Lage?

Mark

Die Stromsteuer – das ist konkret. Das war ein Versprechen, und es ist nicht erfüllt worden. Kann man das einfach so stehen lassen?

Mimi

Ja, das ist das Kernproblem. Es geht nicht um Interpretation oder unterschiedliche Sichtweisen. Das Versprechen war klar, die Umsetzung ist ausgeblieben. Das ist schwer zu verteidigen.

Luke

Aber wir wissen nicht, warum es ausgeblieben ist. War es eine bewusste Entscheidung? Gab es Koalitionszwänge? Finanzielle Unmöglichkeit? Der Artikel sagt uns das nicht.

Mark

Und diese Sache mit der Arbeitsmoral – Seehofer sagt, das verletzt die Menschen. Ist das nicht ein bisschen dramatisch?

Mimi

Nein, weil er mit konkreten Beispielen antwortet. Krankenschwestern, Audi-Arbeiter. Das sind keine abstrakten Gefühle, das sind reale Menschen in realen Situationen.

Luke

Aber wir hören nur Seehofers Interpretation dieser Situationen. Wie haben die Menschen selbst reagiert? Gibt es Umfragen, Reaktionen von Gewerkschaften? Das fehlt.

Mark

Merkel als Vorbild – ist das fair? Sie hatte andere Bedingungen, andere Zeiten.

Mimi

Seehofer nutzt sie als Beispiel dafür, dass man auch unpopuläre Entscheidungen treffen kann, wenn man authentisch wirkt und danach liefert. Das ist nicht unfair, das ist eine Lektion aus der Praxis.

Luke

Aber die Weltwirtschaftskrise war auch ein äußerer Faktor, der Merkel geholfen hat. Merz hat keine solche Krise, die sein Handeln rechtfertigt. Das ist ein wichtiger Unterschied.

  • Stromsteuersenkung für alle war Kernversprechen von CDU/CSU – wurde nicht umgesetzt
  • CDU flog Ende September erstmals aus einem Landtag (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Seehofer kritisiert Merz' Aussagen zur Arbeitsmoral als realitätsfern und verletzend
  • Merz trifft sich mit CDU-Präsidium (etwa 25 Mitglieder) an diesem Wochenende zur Krisenbewältigung

Seehofer bemängelt, dass die versprochene Stromsteuersenkung ausgeblieben ist und die Regierung statt Entscheidungen nur Kommissionen produziere. Der frühere CSU-Vorsitzende kritisiert Merz' Aussagen zur Arbeitsmoral der Deutschen als verletzend und realitätsfern gegenüber hart arbeitenden Menschen.

Der frühere CSU-Chef Horst Seehofer kritisiert Bundeskanzler Friedrich Merz scharf für nicht eingehaltene Wahlversprechen und attestiert ihm einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust.

Friedrich Merz sitzt an diesem Sonntag mit dem CDU-Präsidium zusammen, um über die Konsequenzen der jüngsten Wahlniederlagen zu sprechen. Doch bevor die Sitzung beginnt, hat sich bereits einer zu Wort gemeldet, der es wissen muss: Horst Seehofer, der frühere Chef der Schwesterpartei CSU, teilt gegen den Kanzler aus – und seine Vorwürfe sind präzise und hart.

Seehofer wirft Merz vor, zentrale Wahlversprechen gebrochen zu haben. Das Sofortprogramm von CDU und CSU hatte an erster Stelle eine Senkung der Stromsteuer für alle versprochen. Passiert ist nichts. Statt Entscheidungen zu treffen, so Seehofer gegenüber der »Bild am Sonntag«, produziere die Regierung Kommissionen und Debatten. Der Vorwurf lautet: massiver Glaubwürdigkeitsverlust. Es ist nicht nur eine Kritik an einzelnen Maßnahmen, sondern an der grundsätzlichen Verlässlichkeit des Kanzlers.

Besonders verärgert ist Seehofer über Merz' öffentliche Äußerungen zur Arbeitsmoral der Deutschen. Der Kanzler hatte beklagt, dass die Deutschen zu wenig arbeiten und zu viel krankfeiern würden. Seehofer sieht darin eine Verletzung derjenigen, die längst am Anschlag arbeiten. Er nennt konkrete Beispiele: Krankenschwestern, die Wochenend- und Nachtschichten schieben. Arbeitnehmer bei Audi, die gerne mehr arbeiten würden, denen aber stattdessen Aufhebungsverträge angeboten werden. »Diese pauschale Sprache geht völlig an der Realität vorbei«, sagt Seehofer. Es ist ein Vorwurf, der tiefer geht als bloße Rhetorik – es ist der Vorwurf, die Wirklichkeit der Menschen nicht zu sehen.

Darüber hinaus kritisiert Seehofer, dass die Union den finanziellen Druck aus dem Blick verloren hat, unter dem Bürger stehen. Schulden, Steuern, Abgaben, Mieten und Energiekosten steigen gleichzeitig. Was die Menschen bräuchten, wäre echte Entlastung. Statt dessen sorgt die kalte Progression dafür, dass selbst kleine Lohnsteigerungen sofort wieder aufgefressen werden. »Aber in der Union sagt niemand mehr: Stopp, so geht das nicht«, beklagt Seehofer.

Seine Forderung an Merz ist unmissverständlich: deutlich mehr Tempo, deutlich weniger Selbstbeschäftigung. Ein Politiker auf dieser Ebene müsse selbst eine Haltung haben – etwa zur Pflege – und auf dieser Basis Lösungen in der Koalition durchsetzen. Nicht immer neue Kommissionen einberufen, sondern selbst Position beziehen. Seehofer verweist auf Angela Merkel als Beispiel. Sie habe 2005 die Mehrwertsteuer erhöht, aber danach die Weltwirtschaftskrise gut gemanagt, und die Menschen hätten es ihr verziehen. Der Grund: »Das Vertrauen in ein authentisches Handeln ist die wichtigste Stellgröße in der Politik.«

Merz habe dieses Vertrauen nicht. Und wenn es einmal angeknackst ist und ständig neue, unerfüllte Versprechen folgen, funktioniere es nicht mehr. Das ist das eigentliche Urteil: nicht nur einzelne Fehler, sondern ein Vertrauensbruch, der sich selbst verstärkt. Die CDU befindet sich in einer tiefen Krise – Ende September war sie erstmals aus einem Landtag geflogen, aus Mecklenburg-Vorpommern. Das Treffen des Parteipräsidiums an diesem Wochenende ist ein Versuch, aus dieser Krise einen Weg zu finden. Aber Seehofers Kritik deutet darauf hin, dass das Problem nicht in der Parteiorganisation liegt, sondern in der Glaubwürdigkeit ihres Führers.

Friedrich Merz hat durch den Bruch von Wahlversprechen einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust erlitten.
— Horst Seehofer
Ein Politiker, der in der Bundesliga spielt, muss selbst eine Haltung haben und auf dieser Basis Lösungen in der Koalition durchsetzen.
— Horst Seehofer
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