Das Stadtbad Mitte schließt, weil sein Eigentümer unter Iran-Sanktionen fällt und das Hilton-Hotel sowie das Fitnessstudio ihre Nutzung beenden. Bislang war das Bad ein exklusives Refugium für wenige Stammgäste mit eingeschränkten Öffnungszeiten und Eintrittsgebühren.
Frankfurts Stadtbad Mitte: Sanktionen gefährden einziges Innenstadtbad
Aus dem Refugium würde ein normales, lautes Bad werden
Warum ist das Stadtbad Mitte eigentlich so wichtig, wenn es doch nur für eine kleine Gruppe von Stammgästen offen war?
Das ist genau der Punkt — es war bisher ein Refugium, aber das bedeutet nicht, dass es unwichtig war. Für die Menschen, die dort schwammen, war es ein Ort der Ruhe im Zentrum. Aber wenn es als reguläres Bad weitergehen würde, würde es viel mehr Menschen erreichen, besonders ältere Frankfurter, die im Winter schwimmen möchten.
Moment — wir wissen aber gar nicht, ob es überhaupt weitergehen kann. Die Petition fordert die Rettung, aber die rechtliche Lage mit den Iran-Sanktionen ist komplex. Hat jemand konkret gesagt, dass eine Lösung möglich ist?
Nein, das ist das Tragische. Die Stadt und die Bäderbetriebe haben bekundet, dass sie es gerne retten würden, aber derzeit kann niemand einen Weg finden. Die Sanktionen sind ein echtes Hindernis.
Und die Stadt investiert sonst viel in Bäder — warum kann sie hier nicht helfen?
Weil der Eigentümer unter Sanktionen fällt. Das ist nicht einfach eine finanzielle Frage. Es geht um internationale Rechtsvorgaben, die die Stadt nicht einfach ignorieren kann.
Aber wir sollten auch klar sagen: Wir wissen nicht, wie viele Menschen das Bad tatsächlich nutzen würden, wenn es regulär öffnen würde. Die Zahlen sind nicht im Bericht. Und wir wissen nicht, welche konkreten Lösungsansätze die Stadt bereits verfolgt.
Also ist die Petition im Grunde an die falsche Adresse?
Genau. Die Petition kennt keinen wirklichen Adressaten. Niemand will die Schließung. Aber niemand kann sie verhindern — zumindest nicht jetzt.
O Pulso
- Schließung Ende Oktober 2026 wegen Iran-Sanktionen gegen den Immobilieneigentümer
- Denkmalgeschütztes Gebäude an der Bockenheimer Anlage
- Bislang exklusives Refugium mit eingeschränkten Öffnungszeiten und Eintrittsgebühren
- Einziges innerstädtisches Hallenbad neben dem Textorbad
Das Stadtbad Mitte schließt, weil sein Eigentümer unter Iran-Sanktionen fällt und das Hilton-Hotel sowie das Fitnessstudio ihre Nutzung beenden. Bislang war das Bad ein exklusives Refugium für wenige Stammgäste mit eingeschränkten Öffnungszeiten und Eintrittsgebühren.
Das Frankfurter Stadtbad Mitte soll Ende Oktober schließen, weil der Immobilieneigentümer von Sanktionen gegen den Iran betroffen ist. Eine Petition fordert die Rettung des denkmalgeschützten Bades, doch die rechtliche Lage ist komplex.
Am Dienstag könnte das letzte Mal sein, dass jemand im Frankfurter Stadtbad Mitte seine Bahnen zieht. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Bockenheimer Anlage, das lange Zeit ein stilles Refugium für Stammgäste war, soll Ende Oktober schließen — nicht wegen mangelnder Nachfrage oder städtischer Sparmaßnahmen, sondern weil die weltpolitische Lage bis in die Becken der Innenstadt hineinreicht.
Der Eigentümer der Immobilie unterliegt internationalen Sanktionen gegen das iranische Regime. Das Hilton-Hotel und das Fitnessstudio, die das Bad bislang gemeinsam mit ihren Kunden nutzten, beenden ihre Operationen Ende Oktober. Mit ihnen fällt auch die Nutzungsmöglichkeit für externe Besucher weg, die unter der Woche noch Zugang zum Bad hatten. Eine Gruppe von regelmäßigen Schwimmern hat eine Petition gestartet — "Rettet das Stadtbad Mitte — einziges und einzigartiges Schwimmbad im Zentrum von Frankfurt!" — doch die Petition hat ein grundsätzliches Problem: Sie kennt keinen wirklichen Adressaten. Niemand will diese Schließung. Aber angesichts der komplizierten Rechtslage kann derzeit auch niemand einen Weiterbetrieb ermöglichen.
Frankfurt hat sich in den vergangenen Jahren als eine Stadt profiliert, die ihre Schwimmbäder nicht als Sparposten behandelt. Im Gegenteil: Die Stadt investiert in ihre Wasserflächen wie kaum eine andere Kommune. Das neu eröffnete Main Bad Bornheim ist ein Beispiel dafür, ebenso der laufende Neubau des Erlebnisbads am Rebstock, das trotz aller Hemmnisse in der Baubranche fast planmäßig vorankommt. Mit mehreren Traglufthallen hat Frankfurt zudem Hallenbadprovisorien geschaffen, die bei der Schwimmkundschaft ankommen. Oberbürgermeister Mike Josef, der als Sportdezernent und Aufsichtsratschef der Bäderbetriebe oberster Anwalt des Schwimmens in der Stadt ist, hat sich klar dazu bekannt, dass die Stadt den Fortbestand sichern würde, wenn es denn eine Möglichkeit dazu gäbe. Sowohl die Stadtverwaltung als auch die Bäderbetriebe genießen in dieser Frage ein hohes Vertrauenskapital.
Doch wer für den Erhalt des Stadtbads Mitte kämpft, sollte sich bewusst machen, was auf dem Spiel steht — und was sich verändern würde. Bislang war das Bad ein exklusives Refugium für eine überschaubare Gruppe von Schwimmbegeisterten. Die Öffnungszeiten waren eng begrenzt, Kinder waren faktisch ausgeschlossen, und es gab Eintrittsgebühren. In den städtischen Bädern haben Kinder bis 14 Jahren kostenlosen Zugang. Sollte das Stadtbad Mitte als reguläres Hallenbad weitermachen, würde es sich grundlegend verändern — es wäre lauter, voller, demokratischer.
Als reines Refugium für wenige wäre das Bad ohnehin gefährdet gewesen. Aber als normales Schwimmbad hätte es einen wichtigen Platz in der städtischen Infrastruktur. In der Innenstadt ist derzeit nur noch das Textorbad als städtische, ganzjährig nutzbare Schwimmstätte vorhanden. Das Stadtbad Mitte würde eine Lücke schließen, besonders für ältere Menschen, für die regelmäßiges Schwimmen ein wichtiger Teil der Gesundheitsvorsorge ist. Eine tragfähige Lösung zu finden wird allerdings nicht leicht sein.
Citações Notáveis
Rettet das Stadtbad Mitte — einziges und einzigartiges Schwimmbad im Zentrum von Frankfurt!— Petition von Stammgästen des Bades
Die Stadt würde den Fortbestand sichern, wenn es denn eine Möglichkeit dazu gäbe— Bekenntnisse der Stadtverwaltung und Bäderbetriebe