Erstmals wird ein verwundeter Soldat aus dem Frontgebiet per Drohne ausgeflogen

Ein Soldat verlor nach fast 500 Tagen an der Front beide Beine durch Selbstamputation, nachdem sein Kamerad bei einem Drohnenangriff getötet worden war.
Fast 500 Tage allein in einer Stellung an der Front
Kostjantyn Wlassenko überlebte dort den Drohnenangriff, bei dem sein einziger Kamerad starb.
Mark

Was ist an diesem Flug eigentlich das Neue?

Mimi

Erstmals wurde ein verwundeter Soldat per Drohne aus dem Frontgebiet geholt. Bisher flogen diese Drohnen Angriffe, Aufklärung und Nachschub.

Mark

Wlassenko war fast 500 Tage in der Stellung. Wie hielt er durch?

Mimi

Seine Einheit schickte ihm per Drohne Wasser, Essen, Medikamente und sogar sein Lieblingsbuch. Nach dem Angriff im Februar war er allein, weil sein Kamerad getötet wurde.

Luke

Die Selbstamputationen kennen wir nur aus seiner eigenen Schilderung im ARD-Interview. Unabhängig bestätigt wird das im Beitrag nicht.

Mark

Und die Mission selbst?

Mimi

Zwei Monate Planung mit Gurzuv Defence. Über 16 Kilometer in 15 Minuten, in 100 Metern Höhe, mit Gurten befestigt. Die Kamerabilder der Einheit zeigen den Flug.

Luke

Die Gefahr beschreibt der Sprecher des Herstellers, also eine Partei mit eigenem Interesse. Wie riskant es wirklich war, lässt sich daraus nicht messen.

Mark

Was kommt als Nächstes?

Mimi

Der Hersteller sagt, weitere Evakuierungen seien geplant.

Luke

Geplant heißt nicht erprobt. Ob das Verfahren breit einsetzbar ist, zeigt der Bericht nicht.

  • Ein verwundeter Soldat hing 15 Minuten lang in Gurten unter einer Drohne, zwischen feindlichen Flugkörpern und dem Wasser des Oskil.
  • Nach einem russischen Drohnenangriff im Februar war er allein zurückgeblieben, nachdem sein Kamerad gestorben war.
  • Ein Fluss, den er nicht schwimmen kann, war die letzte Bedrohung, die ihn beim Flug nicht losließ.
  • Die Einheit plante zwei Monate lang gemeinsam mit einem Rüstungsunternehmen eine Mission, die es so noch nie gegeben hatte.
  • Weitere Drohnenevakuierungen sind bereits in Vorbereitung, und die Rettung Verwundeter an der Front könnte sich dadurch grundlegend wandeln.

Ein Mann, der fast 500 Tage allein in einer zerstörten Stellung ausharrte, wurde im Oktober an einem Fluss in der Ukraine erstmals mit einer Großdrohne aus dem Frontgebiet geholt. Es ist ein stiller Moment in einem Krieg, in dem Technik und Verzweiflung oft näher beieinander liegen, als man glauben möchte. Die Rettung zeigt, wie menschlicher Beistand sich selbst in der Luft einen Weg bahnen kann, wenn der Boden keiner mehr ist. Wie viele andere Verwundete auf ähnliche Weise noch zurückbleiben, bleibt eine offene Frage.

Kostjantyn Wlassenko verbrachte fast 500 Tage an der Front, zuletzt allein. Im Februar traf ein russischer Drohnenangriff seine Stellung, sein einziger Kamerad starb, er selbst wurde schwer verwundet. Um zu überleben, amputierte er sich im Frühjahr beide Beine, nachdem das eine abgestorben und das andere ihn bei der Bewegung behindert hatte. Seine Einheit versorgte ihn in dieser Zeit per Drohne mit Wasser, Nahrung, Medikamenten und sogar seinem Lieblingsbuch.

Im Oktober gelang die Rettung. Gemeinsam mit dem Rüstungsunternehmen Gurzuv Defence hatte die Einheit zwei Monate lang eine Evakuierung per Drohne vorbereitet, die es in dieser Form nie gegeben hatte. Die Drohne flog über 16 Kilometer in 15 Minuten, durch ein Gebiet voller feindlicher Drohnen, in 100 Metern Höhe, Wlassenko mit Gurten befestigt. Als sie über den Oskil flog, dachte er an den Fluss, den er nicht schwimmen kann.

Nun steht ihm eine lange Rehabilitation bevor. Danach will er nachholen, was er verpasst hat, vor allem die Hochzeit seiner Tochter. Der Hersteller kündigt bereits weitere Drohnenevakuierungen an.

Kostjantyn Wlassenko hing in Gurten unter einer Drohne, 100 Meter über dem Boden, als er unter sich den Fluss Oskil erkannte. Er kann nicht schwimmen. Ein Abschuss durch russische Kräfte hätte bedeutet, dass er ins Wasser stürzt und nicht wieder herauskommt. So erzählt er es im Interview mit der ARD. Der Flug war ein Novum: Erstmals wurde in der Ukraine ein verwundeter Soldat per Drohne aus dem Frontgebiet geholt.

Wlassenko hatte zuvor fast 500 Tage in einer Stellung an der Front ausgeharrt. Im Februar traf ein russischer Drohnenangriff die Stellung. Sein einziger Kamerad wurde getötet, er selbst schwer verwundet. Ganz allein suchte er Schutz in den Trümmern eines Gebäudes.

Dass er überlebte, verdankt er auch einer drastischen Entscheidung. Er amputierte sich selbst beide Beine. Im April sei sein linkes Bein abgestorben, weil es voller Splitter war, sagt er. Im Mai habe er sich das rechte abgeschnitten, weil es ihn bei der Fortbewegung störte. Seine Einheit versorgte ihn in dieser Zeit per Drohne mit Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten, sogar sein Lieblingsbuch schickte sie ihm.

Am schwersten fiel ihm die Zeit. Er habe versucht, sich Kindheitserinnerungen und Gedanken an seine Frau und sein Kind einzuprägen, und geglaubt, eine Stunde sei vergangen. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass erst eine Minute verstrichen war. Jeder Tag fühlte sich für ihn wie eine Ewigkeit an.

Schließlich fanden seine Kameraden einen Weg, ihn aus dieser Lage zu holen. Im Oktober gelang die Evakuierung per Drohne. Zwei Monate lang hatte die Einheit die Mission gemeinsam mit dem ukrainischen Rüstungsunternehmen Gurzuv Defence vorbereitet. Die Firma baut große Drohnen, die zum Angriff, zur Aufklärung und für Logistik eingesetzt werden. Einen Menschen hatten sie bis dahin noch nie transportiert.

Ivan, ein Sprecher des Herstellers, nennt den Einsatz sehr gefährlich. Die Drohne habe ein Gebiet überquert, in dem ständig gekämpft werde, in der Luft patrouillierten und flögen Dutzende feindliche Drohnen. Der Flug über mehr als 16 Kilometer dauerte 15 Minuten. Kameraaufnahmen der Einheit zeigen Wlassenko in 100 Metern Höhe, mit Gurten an der Drohne befestigt.

Es sei gut gelaufen, er habe sich gut halten können, sagt Wlassenko. Dann kam der Oskil. Seine Kameraden scherzten später, ob er denn aufgestanden und gelaufen wäre, wenn er in den Wald gefallen wäre.

Nun steht ihm eine umfassende Reha bevor. Danach will er mit seiner Familie nachholen, was er verpasst hat. Er sei als Vater in den Krieg gezogen und habe die Hochzeit seiner einzigen Tochter verpasst, sagt er. Niemand habe wissen können, dass er dort nicht herauskommt.

Der Flug könnte zum Vorbild werden. Laut dem Hersteller sind weitere Evakuierungsmissionen mit Drohnen bereits geplant.

Die Zeit steht still: Ich denke, eine Stunde sei vergangen, dabei ist erst eine Minute rum.
— Kostjantyn Wlassenko im ARD-Interview
Wir sind über ein Gebiet geflogen, in dem ständig gekämpft wird; Dutzende feindliche Drohnen sind in der Luft.
— Ivan, Sprecher von Gurzuv Defence
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