Berliner Sondierungen gehen weiter – Einigung zu Antisemitismus-Erklärung

Ein heilsamer Knall, der uns klar gemacht hat: Wir reden klar miteinander
Bettina Jarasch von den Grünen beschreibt die Unterbrechung der Sondierungen als notwendig für gegenseitiges Vertrauen.
Mark

Warum war diese Unterbrechung überhaupt nötig? Die Parteien hatten sich doch bereits auf eine Antisemitismus-Vereinbarung geeinigt.

Mimi

Die Linke hat bei ihrer konstituierenden Fraktionssitzung ein eigenes Papier zum Thema verabschiedet. SPD und Grüne sahen das als Bruch der Absprache – das neue Papier bezog sich nicht auf die gemeinsame Vereinbarung und ließ wichtige Punkte weg.

Luke

Aber war das wirklich ein Bruch, oder nur eine Missverständigung? Die Linke sagt ja, dass die alte Vereinbarung weiterhin gilt. Wir wissen nicht genau, was in den beiden Papieren unterschiedlich war.

Mark

Und jetzt haben sie sich wieder geeinigt, dass die gemeinsame Erklärung verbindlich sein soll. Was ändert sich dadurch konkret?

Mimi

Sie wird jetzt nicht nur Grundlage der Sondierungen, sondern soll auch in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden – falls es zu einer Koalition kommt. Das macht es schwerer, davon abzuweichen.

Luke

Das ist eine formale Zusicherung. Ob sie eingehalten wird, hängt davon ab, wie die Parteien später regieren. Papier ist geduldig.

Mark

Was ist mit Vanessa Emde? Sie war ja der Grund, warum viele spekuliert haben, dass die Linke sie vielleicht aus der Fraktion ausschließt.

Mimi

Sie ist in der Fraktion geblieben und hat die Antisemitismus-Erklärung unterzeichnet. Der Grünen-Bundesparteichef Banaszak sagte aber, dass die Grundlage der Sondierungen gewesen sei, dass Emde nicht zur Fraktion gehören würde.

Luke

Das ist ein Widerspruch, den wir noch nicht aufgelöst haben. Banaszak sagte, das sei seine Information, aber er saß nicht selbst am Verhandlungstisch. Es ist unklar, ob es eine echte Vereinbarung gab oder nur eine Erwartung.

Mark

Können die drei Parteien sich wirklich trauen?

Mimi

Das ist die zentrale Frage. Steffen Krach von der SPD sagte, die kommenden Tage und Wochen müssten zeigen, ob Die Linke ein vertrauenswürdiger Partner ist. Bettina Jarasch von den Grünen nannte die Unterbrechung einen "heilsamen Knall" – sie habe Klarheit gebracht.

Luke

Aber Vertrauen lässt sich nicht in einem Gespräch herstellen. Es wird sich zeigen, wenn die Koalition tatsächlich regieren muss und schwierige Entscheidungen trifft.

  • SPD, Grüne und Die Linke setzen Koalitionssondierungen in Berlin fort
  • Gemeinsame Antisemitismus-Vereinbarung soll verbindlich in Koalitionsvertrag aufgenommen werden
  • Vanessa Emde bleibt in der Linke-Fraktion und unterzeichnete die Antisemitismus-Erklärung
  • Alle 44 anwesenden Abgeordneten der Linke-Fraktion unterzeichneten die Erklärung

Die Sondierungsgespräche für eine rot-grün-rote Koalition in Berlin werden fortgesetzt, nachdem SPD und Grüne sie wegen Vertrauensfragen unterbrochen hatten. Zentral für die Wiederaufnahme war die Einigung, dass die gemeinsame Antisemitismus-Erklärung aller drei Parteien verbindlich gelten und Teil des Koalitionsvertrags werden soll.

Nach kurzer Unterbrechung setzen SPD, Grüne und Linke ihre Koalitionssondierungen in Berlin fort. Alle drei Parteien einigten sich darauf, ihre gemeinsame Antisemitismus-Vereinbarung verbindlich in einen möglichen Koalitionsvertrag aufzunehmen.

Die Koalitionssondierungen in Berlin gehen weiter. Nach einer überraschenden Unterbrechung am Dienstagabend haben sich SPD, Grüne und Die Linke am Mittwoch wieder an den Verhandlungstisch gesetzt und eine Grundlage für die Fortsetzung der Gespräche gefunden. Im Zentrum der Einigung steht eine verbindliche Zusage: Die gemeinsame Erklärung zum Kampf gegen Antisemitismus, auf die sich die drei Parteien bereits geeinigt hatten, soll nun sowohl in das Sondierungspapier als auch in einen möglichen Koalitionsvertrag aufgenommen werden.

Die Unterbrechung war notwendig geworden, nachdem Die Linke bei ihrer konstituierenden Fraktionssitzung ein eigenes Papier zum Umgang mit Antisemitismus verabschiedet hatte. SPD und Grüne sahen darin einen Verstoß gegen die gemeinsam ausgehandelte Vereinbarung und unterbrachen daraufhin die seit knapp einer Woche laufenden Gespräche. Die beiden Landesvorsitzenden der SPD, Bettina König und Steffen Krach, kritisierten, dass das Linke-Papier keinen Bezug auf die gemeinsame Vereinbarung nahm und wesentliche Bestandteile nicht berücksichtigte. Es gehe um Verlässlichkeit und Vertrauen, erklärten sie – beides unabdingbar für eine funktionierende Koalition.

Bei den Gesprächen am Mittwoch konnte diese Verunsicherung geklärt werden. Elif Eralp, Fraktionsvorsitzende der Linken, teilte mit, dass alle Missverständnisse ausgeräumt seien. "Wir haben ein gutes und offenes Gespräch geführt", sagte sie. Ab Donnerstag sollten die Sondierungen in vollem Umfang fortgesetzt werden. Steffen Krach von der SPD bestätigte, dass Die Linke am Mittwoch zugesichert habe, dass die Berliner Erklärung gegen Antisemitismus künftig verbindlich gelten werde. Die kommenden Tage und Wochen müssten allerdings zeigen, ob Die Linke für die SPD ein vertrauenswürdiger Partner für eine stabile Regierung sei.

Bettina Jarasch, Fraktionsvorsitzende der Grünen, beschrieb die Unterbrechung als notwendig und sogar heilsam. "Es war ein guter, ein heilsamer Knall für uns alle, der uns klar gemacht hat: Wir reden klar miteinander", sagte sie im rbb. Die Grünen hätten zunächst mit der SPD gesprochen, am Mittwochabend dann zu dritt mit den Linken. Alle drei Parteien stünden nun zu hundert Prozent hinter der Vereinbarung zum Thema Antisemitismus. Zwar habe die Unterbrechung viele Menschen in der Stadt irritiert, aber sie habe auch Klarheit gebracht – genau das, was für eine Koalition in schwierigen Zeiten notwendig sei.

Eine offene Frage bleibt die Rolle der Abgeordneten Vanessa Emde aus Neukölln. Die frisch ins Parlament gewählte Linke-Politikerin hatte im Wahlkampf stark auf Palästina-Solidarität gesetzt und wird von Kritikern beschuldigt, nicht zum Existenzrecht Israels zu stehen. Der Grünen-Bundesparteichef Felix Banaszak sagte, dass die Grundlage für die Sondierungen gewesen sei, dass Emde nicht zur Fraktion ihrer Partei im Abgeordnetenhaus gehören würde. Allerdings unterzeichnete Emde bei der konstituierenden Sitzung die gemeinsame Antisemitismus-Erklärung der Linke-Fraktion – alle 44 anwesenden Abgeordneten taten dies. Nina Stahr, Landesvorsitzende der Grünen, ließ offen, welche Konsequenzen aus Emdes Präsenz in der Fraktion folgen könnten. Die gemeinsame Vereinbarung müsse die Basis der Zusammenarbeit sein, sagte sie.

Die Linke selbst betont ihre Eigenständigkeit in Personalentscheidungen. Co-Fraktionschef Tobias Schulze erklärte, dass Die Linke entscheiden müsse, mit welchen Leuten sie ins Parlament gehe. Gleichzeitig versicherte er, dass Die Linke genauso wie Grüne und SPD daran interessiert sei, dass jüdische Menschen in Berlin sicher leben können. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen waren die Sondierungen vor der Unterbrechung gut vorangekommen, es gebe aber auch noch schwierige Punkte zu klären.

Die CDU, angeführt von Stefan Evers, hatte sich während der Unterbrechung als Alternative angeboten. Evers betonte aber, sich nicht aufdrängen zu wollen und das Wahlergebnis ernst zu nehmen. Die Grünen wollten auf jeden Fall mit der Linkspartei koalieren, sagte er – und unter dieser Bedingung werde er nicht parallel über andere Bündnisse sprechen.

Wir sind heute mit Grünen und SPD zusammengekommen und haben ein gutes und offenes Gespräch geführt. Wir haben uns verständigt, die Missverständnisse zwischen uns sind ausgeräumt.
— Elif Eralp, Fraktionsvorsitzende der Linken
Die Unterbrechung war kein Desaster, sondern notwendig, um Klarheit über die getroffenen Vereinbarungen herzustellen.
— Steffen Krach, SPD-Fraktionschef
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