In Hobart, Australien, rang die Internationale Walfangkommission diese Woche um die Zukunft der größten Lebewesen unserer Ozeane. Ein Schutzgebiet von historischem Ausmaß scheiterte an wenigen Stimmen – ein Spiegel der alten Spannung zwischen wirtschaftlichen Interessen und ökologischer Verantwortung. Was blieb, sind Resolutionen ohne Zähne, die dennoch bezeugen, dass die Menschheit zumindest noch über den Wert des Lebens verhandelt.
Walfang-Konferenz scheitert bei Schutzgebiet – andere Maßnahmen beschlossen
Vier Stimmen fehlten für den Schutz von Millionen Walen
Warum ist dieses Schutzgebiet im Südatlantik so wichtig gewesen?
Es wäre eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt – mehr als doppelt so groß wie die USA. Ein Gebiet dieser Größe hätte vielen Walarten Raum gegeben, sich zu erholen und zu vermehren.
Aber es ist gescheitert. Nur vier Stimmen fehlten. Das bedeutet, dass die Blockade sehr organisiert war – nicht zufällig.
Genau. Länder aus der Karibik und Afrika stimmten dagegen, und Greenpeace sagt, dass Japan Geld in diese Länder fließen lässt, um ihre Stimmen zu sichern.
Aber Japan ist doch gar nicht mehr in der Kommission?
Richtig – Japan verließ 2019. Aber es betreibt weiterhin kommerzielle Jagd. Norwegen und Island auch. Das Moratorium gilt nur für Großwale, nicht für Kleinwale und Delfine.
Und das ist das größere Problem. Über 100.000 Kleinwale und Delfine werden jährlich getötet. Das Moratorium schützt sie überhaupt nicht.
Was haben sie dann beschlossen, wenn das Schutzgebiet gescheitert ist?
Drei Resolutionen: bessere Schiffsrouten, um Kollisionen zu vermeiden, Datenaustausch über Walstrandungen, und Maßnahmen gegen Beifang.
Aber sind diese Resolutionen bindend?
Nein. Das ist das Problem. Sie sind politische Empfehlungen, aber Länder können sie ignorieren.
Dann haben die Wale also nicht viel gewonnen?
Nicht viel. Es ist ein Anfang, aber ohne echte Durchsetzungskraft bleibt es Hoffnung statt Schutz.
O Pulso
- Ein Meeresschutzgebiet, das die USA an Fläche übertroffen hätte, scheiterte in der Abstimmung um nur vier Stimmen – ein knappes, aber vernichtendes Ergebnis für den Walschutz.
- Finanzielle Einflussnahme Japans auf Karibik- und Afrikastaaten soll die Blockade ermöglicht haben – ein Muster, das die Glaubwürdigkeit der gesamten Kommission erschüttert.
- Norwegen, Island und Japan jagen weiterhin kommerziell, während über 100.000 Delfine und Kleinwale jährlich durch gezielte Jagd sterben – das Moratorium greift hier schlicht nicht.
- Schiffsrouten sollen künftig um Wal-Hotspots herumgeführt und Geschwindigkeiten gesenkt werden – ein konkreter, aber freiwilliger Schritt gegen tödliche Kollisionen.
- Begriffe wie 'Klimawandel' mussten aus Resolutionstexten gestrichen werden, damit die USA zustimmten – ein Zeichen, wie eng der politische Spielraum selbst für unverbindliche Empfehlungen ist.
In Hobart, Australien, rang die Internationale Walfangkommission diese Woche um die Zukunft der größten Lebewesen unserer Ozeane. Ein Schutzgebiet von historischem Ausmaß scheiterte an wenigen Stimmen – ein Spiegel der alten Spannung zwischen wirtschaftlichen Interessen und ökologischer Verantwortung. Was blieb, sind Resolutionen ohne Zähne, die dennoch bezeugen, dass die Menschheit zumindest noch über den Wert des Lebens verhandelt.
In Hobart, Australien, kamen diese Woche Delegierte der Internationalen Walfangkommission zusammen, um über den Zustand der Walbestände weltweit zu beraten. Das Treffen endete mit einem zentralen Scheitern und einigen bescheidenen Kompromissen.
Das ambitionierteste Vorhaben war ein Schutzgebiet im Südatlantik – mehr als doppelt so groß wie die USA. Es hätte eines der bedeutendsten Meeresschutzgebiete der Erde werden können. Doch die Abstimmung verfehlte die nötige Dreiviertelmehrheit um nur vier Stimmen. Meeresbiologin Franziska Saalmann von Greenpeace zeigte sich tief enttäuscht und machte finanzielle Einflussnahme Japans auf Karibik- und Afrikastaaten für die Blockade mitverantwortlich.
Die Walfangfrage selbst bleibt ungelöst. Norwegen, Island und Japan betreiben trotz des seit Jahrzehnten geltenden Moratoriums weiterhin kommerziellen Walfang – mit dem Argument ausreichender Bestände und kultureller Tradition. Das Moratorium gilt ohnehin nur für Großwale: Über 100.000 Delfine und Kleinwale sterben jährlich durch gezielte Jagd, ohne dass diese Konferenz daran etwas ändert.
Einigkeit herrschte bei praktischen Maßnahmen: Schiffsrouten sollen künftig bekannte Wal-Lebensräume umgehen, niedrigere Geschwindigkeiten sollen Kollisionen reduzieren. Außerdem wurde besserer Datenaustausch über Walstrandungen vereinbart. Eine weitere Resolution zielt auf den Beifang von Kleinwalen in Fischernetzen ab – angetrieben durch den lukrativen Handel mit Schwimmblasen, die in der asiatischen Medizin mehr als Gold wert sind.
Doch alle Resolutionen teilen dieselbe Schwäche: Sie sind rechtlich nicht bindend. Biologin Mona Schweizer berichtete, dass selbst Begriffe wie 'Klimawandel' aus den Texten gestrichen werden mussten, um die Zustimmung der USA zu sichern. Die Schweiz zog zudem eine eigene Resolution zum Schutz von Delfinen überraschend zurück, bevor Verhandlungen überhaupt beginnen konnten. Die Kommission, 1946 gegründet, hat heute 89 Mitglieder – doch ihre Durchsetzungskraft bleibt dort begrenzt, wo Geld und Tradition gegen den Schutz sprechen.
In Hobart, Australien, trafen sich diese Woche Delegierte der Internationalen Walfangkommission zu Beratungen über den Zustand der weltweiten Walbestände. Das Treffen endete mit einem Scheitern bei der Kernfrage, aber auch mit mehreren Kompromissen, die zumindest auf dem Papier neue Wege aufzeigen.
Das ehrgeizigste Projekt der Konferenz war ein geplantes Schutzgebiet im Südatlantik, das mehr als doppelt so groß wie die Vereinigten Staaten gewesen wäre. Es hätte eines der bedeutendsten Meeresschutzgebiete der Welt darstellen können. Doch die Abstimmung scheiterte knapp: Es fehlten nur vier Stimmen für die erforderliche Dreiviertelmehrheit. Franziska Saalmann, Meeresbiologin bei Greenpeace und Beobachterin bei den Verhandlungen, beschrieb ihre Enttäuschung als tiefgreifend. Sie wies darauf hin, dass die Opposition gegen das Schutzgebiet nicht nur von traditionellen Walfangnationen kommt. Länder in der Karibik und Afrika stimmten dagegen, was Saalmann auf finanzielle Zuflüsse aus Japan zurückführt – ein Muster, das die Blockade des Vorhabens ermöglichte.
Die Walfangfrage selbst bleibt ungelöst. Japan verließ die Kommission 2019, doch Norwegen, Island und Japan betreiben weiterhin kommerzielle Jagd, obwohl ein weltweites Moratorium seit Jahrzehnten besteht. Diese Länder argumentieren, dass bestimmte Walarten in ausreichender Zahl vorhanden sind, um begrenzte Jagd zu verkraften, und dass Walfleisch in ihren Kulturen traditionell eine Rolle spielt. Das Moratorium selbst gilt nur für Großwale – eine Lücke, die verheerend ist: Über 100.000 Delfine und Kleinwale werden jährlich durch gezielte Jagd getötet, und diese Zahlen werden sich nach dieser Konferenz nicht ändern.
Wo die Delegierten sich einigten, war bei praktischen Maßnahmen gegen zwei andere Todesursachen für Wale. Tausende Tiere sterben jedes Jahr bei Kollisionen mit Schiffen, besonders Großwale. Die Konferenz verabschiedete eine Resolution, die vorsieht, dass Schiffsrouten angepasst werden – Schiffe sollen bekannte Wal-Hotspots, Nahrungsgebiete und Fortpflanzungsgebiete umfahren. Zusätzlich kann eine Reduktion der Schiffsgeschwindigkeit das Risiko tödlicher Kollisionen senken. Parallel dazu einigten sich die Mitglieder auf besseren internationalen Datenaustausch über Walstrandungen, um diese Ereignisse besser zu verstehen und künftig zu verhindern.
Eine dritte Resolution zielt auf die Verringerung von Beifang ab – das unbeabsichtigte Fangen von Kleinwalen und Delfinen in Fischernetzen. Das Problem entsteht, wenn Fischer nach Schwimmblasen jagen, einem inneren Organ von Fischen, das ihnen beim Schweben hilft. In Asien werden diese Blasen in der traditionellen Medizin verwendet und erzielen Preise, die Gold übersteigen. Mona Schweizer, Biologin der Tierschutzorganisation ProWildlife, betont, dass dahinter erhebliche finanzielle Interessen stecken. Die Resolution soll Druck auf Länder ausüben, den Handel mit Schwimmblasen zu verbieten oder zumindest zu regulieren.
Doch auch diese Resolution zeigt die Grenzen der Konferenz. Schweizer berichtet, dass Gespräche mit den USA schwierig waren und dass Begriffe wie Klimawandel und Treibhausgase aus dem Text gestrichen werden mussten, damit die USA zustimmten. Die Schweiz selbst zog überraschend eine eigene Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen zurück, bevor überhaupt über Änderungen verhandelt werden konnte – ein Rückzug, den Saalmann als verpasste Gelegenheit kritisiert.
Die zentrale Schwäche aller dieser Resolutionen liegt in ihrer rechtlichen Kraft: Sie sind nicht bindend. Sie geben politische Empfehlungen und können Druck ausüben, aber Länder können sie ignorieren. Die Internationale Walfangkommission, gegründet 1946 mit dem Ziel, den industrialisierten Walfang zu regulieren und Bestände zu schützen, hat heute 89 Mitgliedstaaten. Doch ihre Fähigkeit, tatsächliche Veränderungen durchzusetzen, bleibt begrenzt – besonders wenn finanzielle Interessen und nationale Traditionen gegen den Schutz sprechen.
Citações Notáveis
Sie sei sehr enttäuscht, dass es erneut gescheitert sei— Franziska Saalmann, Meeresbiologin bei Greenpeace
Bei bestimmten Arten lässt sich damit im Kilopreis mehr erzielen als mit Gold— Mona Schweizer, Biologin der Tierschutzorganisation ProWildlife, über Preise für Fischschwimmblasen