Von Schnurbein wird neue Antisemitismus-Beauftragte: Kampf gegen Judenhass als „aktiver Schutz unserer Demokratie“

„Es fängt mit den Juden an und es hört nicht mit ihnen auf.“
Von Schnurbein warnte schon 2019 vor den Folgen des Antisemitismus für die ganze Gesellschaft.
Mark

Warum ist diese Personalie mehr als ein Wechsel auf einem Posten?

Mimi

Weil die Stelle nach knapp zwei Monaten neu besetzt wurde und von Schnurbein auf EU-Ebene seit Dezember 2015 Erfahrung hat. Sie kennt das Thema und die jüdischen Gemeinschaften.

Mark

Sie will Antisemitismus von rechts, links und aus dem Islamismus benennen. Was fällt dabei auf?

Mimi

Das bürgerliche Milieu und die bürgerlichen Parteien nannte sie in der Pressemitteilung nicht ausdrücklich. Das hält der Text fest.

Luke

Wichtig ist, was daraus folgt: nichts Gesichertes. Es ist eine Auslassung in einer Pressemitteilung, keine Aussage über ihre Haltung. Ob sie es anders meint, wissen wir nicht.

Mark

Und die Kontroverse aus dem Sommer 2025?

Mimi

Aus Teilen des EU-Parlaments kamen Rücktrittsforderungen wegen ihrer Äußerungen in Tel Aviv. Die Kommission und Dutzende jüdische Verbände stützten sie.

Luke

Die Vorwürfe, sie habe Positionen der israelischen Regierung übernommen und Kompetenzen überschritten, sind Vorwürfe. Der Text belegt sie nicht, er berichtet nur, dass sie erhoben wurden.

Mark

Was steht als Nächstes an?

Mimi

Die Eröffnung der Jüdischen Akademie am 2. November und die Feier in München am 9. November. Außerdem der Gesetzentwurf im Bundestag.

Luke

Dass sie sich einschalten wird, ist eine Vermutung des Autors. Ihre Termine sind bisher nicht bestätigt.

  • Knapp zwei Monate blieb die Stelle unbesetzt, während Antisemitismus in Deutschland und Europa spürbar zunimmt.
  • Von Schnurbein benennt Judenhass aus Rechts, Links und Islamismus gleichermaßen und lässt keinen davon durchgehen.
  • Eine Kontroverse aus dem Sommer 2025 über ihre Zeit in Brüssel steht als Schatten über dem Amtsantritt, doch die EU-Kommission und zahlreiche jüdische Verbände stellten sich hinter sie.
  • Erste Termine mit Steinmeier am 2. November in Frankfurt und Merz am 9. November in München sowie ein Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels im Bundestag werden zeigen, wohin ihr Kurs führt.

Ein neues Kapitel in einer alten Geschichte: Mit Katharina von Schnurbein übernimmt eine erfahrene Politikwissenschaftlerin das Amt, das die Bundesregierung dem Schutz jüdischen Lebens und dem Kampf gegen Judenhass widmet. Sie tritt in die Fußstapfen Felix Kleins, der Ende August nach Paris ging, und bringt Jahre aus Brüssel mit, wo sie seit 2015 gegen Antisemitismus arbeitete, lange bevor die Welle des Hasses nach dem 7. Oktober 2023 anschwoll. Ihr Anspruch ist, dass Demokratie nur dann wirklich geschützt ist, wenn Judenhass aus jeder Richtung beim Namen genannt wird.

Am 28. Oktober hat die Bundesregierung wieder eine Beauftragte für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus. Katharina von Schnurbein tritt das Amt nach knapp zwei Monaten Vakanz an. Ihr Vorgänger Felix Klein hatte es acht Jahre lang inne, bevor er Ende August als Ständiger Vertreter Deutschlands zur OECD nach Paris wechselte.

Zum Amtsantritt nannte von Schnurbein den Kampf gegen Judenhass einen „aktiven Schutz unserer Demokratie“. Antisemitismus treffe jüdisches Leben und damit alle, die Demokratie und gemeinsame Werte tragen. Sie wolle ihn klar benennen, gleich ob er aus dem rechten Lager, dem linken Spektrum oder dem Islamismus komme. Die Mahnung, Juden sollten sich nicht verstecken müssen, ist ihr dabei wichtig.

Die gebürtige Bayerin, 53 Jahre alt und Mutter von vier Kindern, arbeitete seit 2002 für die EU-Kommission und war dort ab 2015 Antisemitismusbeauftragte, lange bevor Deutschland 2018 ein solches Amt schuf. Innenminister Alexander Dobrindt lobte sie als ausgewiesene Expertin mit guten Verbindungen in die jüdische Gemeinschaft.

Der Sommer 2025 brachte allerdings Kritik: Berichte über Äußerungen in Tel Aviv lösten im EU-Parlament Rufe nach ihrer Abberufung aus. Die Kommission und zahlreiche jüdische Verbände hielten dennoch zu ihr.

Für die Zukunft wünscht sie sich jüdisches Leben, das in der Breite sichtbar, selbstbewusst und ganz normal sein kann. Die ersten Termine in Frankfurt und München sowie ein Gesetzentwurf im Bundestag werden zeigen, wie sie diesen Anspruch umsetzt.

Am 28. Oktober hat die Bundesregierung wieder eine Beauftragte für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus. Katharina von Schnurbein, Politikwissenschaftlerin, trat das Amt nach knapp zwei Monaten Vakanz an. Ihr Vorgänger, der Diplomat Felix Klein, hatte die Stelle acht Jahre lang besetzt und war Ende August als Ständiger Vertreter Deutschlands bei der OECD nach Paris gewechselt.

Zum Amtsantritt sagte von Schnurbein, der Kampf gegen Judenhass sei „aktiver Schutz unserer Demokratie“. Antisemitismus sei ein Angriff auf jüdisches Leben und damit auch auf die Demokratie und auf die Werte, die die Gesellschaft zusammenhielten. Sie wolle ihn in all seinen Ausprägungen klar benennen, egal ob er aus dem rechten Lager, dem linken Spektrum oder dem Islamismus komme. Nichts davon dürfe man durchgehen lassen. Antisemitismus aus dem bürgerlichen Milieu oder den bürgerlichen Parteien nannte sie in der Pressemitteilung nicht ausdrücklich.

Von Schnurbein wurde in Regen im Bayerischen Wald geboren, ist 53 Jahre alt, mit einem Niederländer verheiratet und hat vier Kinder. Seit 2002 arbeitete sie in verschiedenen Positionen für die Kommission der Europäischen Union. Seit Dezember 2015 war sie dort Antisemitismusbeauftragte. Auf EU-Ebene wurde das Amt deutlich früher geschaffen als in Deutschland, das erst 2018 einen Bundesbeauftragten bekam. Sie war also lange vor der Welle antisemitischer Vorfälle aktiv, die nach dem Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023 und der israelischen Reaktion darauf einsetzte.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), in dessen Ressort die Stelle angesiedelt ist, nannte sie bei der Bekanntgabe eine „ausgewiesene Expertin im Kampf gegen Antisemitismus“. Sie habe beste Kontakte in die jüdische Gemeinschaft und genieße dort hohes Ansehen. Schon 2019 hatte von Schnurbein gewarnt: „Ein Europa ohne Juden ist nicht mehr Europa.“ Juden, ob religiös oder säkular, dürften sich nicht verstecken müssen. Antisemitismus zeige, dass sich eine Gesellschaft zum Schlechten entwickle: „Es fängt mit den Juden an und es hört nicht mit ihnen auf.“

Die Amtsbezeichnung ist länger, als es die verkürzte Rede vom „Antisemitismus-Beauftragten“ vermuten lässt. In Brüssel war sie Koordinatorin zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens. Angesichts zunehmenden Judenhasses und mehrerer Übergriffe in Deutschland und anderen EU-Ländern steht aber meist die Mahnerrolle im Vordergrund.

Im Sommer 2025 gab es eine Kontroverse um ihre Amtsführung. Berichte über Äußerungen bei einem Treffen von EU-Botschaftern in Tel Aviv führten laut dpa zu Forderungen aus Teilen des EU-Parlaments, sie abzuberufen. Ihr wurde vorgeworfen, vor Sanktionen gegen Israel gewarnt, Positionen der israelischen Regierung übernommen und ihre Kompetenzen überschritten zu haben. Die EU-Kommission stellte sich hinter sie, ebenso Dutzende jüdische Verbände.

Für ihre neue Aufgabe forderte von Schnurbein, jüdisches Leben solle „in der Breite präsent, selbstbewusst, sichtbar, lebendig und normal“ sein können. Dafür müsse die Gesellschaft „Boden zurückgewinnen“.

Erste öffentliche Auftritte waren zunächst nicht bekannt. Termine in ihrem Kalender dürften aber die Eröffnung der Jüdischen Akademie in Frankfurt am Main am 2. November sein, bei der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht, sowie die Feier zum 20-jährigen Bestehen der Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob am 9. November mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Politisch dürfte sie sich bald zu Wort melden: Im Bundestag liegt ein Gesetzentwurf, der die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen will. Zudem begleitet die Debatte über Antisemitismus in Teilen der Berliner Linkspartei die Gespräche über eine mögliche Regierungsbildung im Land Berlin.

Der Kampf gegen Judenhass sei aktiver Schutz unserer Demokratie.
— Katharina von Schnurbein zum Amtsantritt
Sie sei eine ausgewiesene Expertin im Kampf gegen Antisemitismus.
— Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU)
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