Pike sollte mit Giftspritze hingerichtet werden, blieb aber nach zwei Dosen Pentobarbital am Leben. Das Personal brauchte etwa eine Stunde für den intravenösen Zugang mit mindestens sieben Nadeln. Das injizierte Gift gelangte teilweise ins Gewebe statt in die Venen und verursachte schwere Verbrennungen. Der behandelnde Arzt hatte seit 2013 keine zentralen Venenkatheter mehr gelegt.
Tennessee: Behördenchef tritt nach gescheiterter Hinrichtung zurück
Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen
Was genau ist bei dieser Hinrichtung schiefgelaufen?
Das Personal konnte über eine Stunde lang keinen intravenösen Zugang legen. Sie stachen mindestens siebenmal in Pikes Arm. Das Gift, das sie schließlich verabreichten, gelangte teilweise ins Gewebe statt in die Venen und verursachte schwere Verbrennungen.
Aber wie wissen wir, dass das Gift ins Gewebe gelangte? Wer hat das festgestellt?
Das steht in dem Gerichtsantrag, den Pikes Anwälte eingereicht haben. Sie zitieren Sachverständige, die sagen, dass Pentobarbital alkalisch ist und Verbrennungen verursacht. Und Pikes Arme waren bei der Ankunft im Krankenhaus geschwollen, verbrannt und mit Blasen übersät.
Und der Arzt, der das gemacht hat — hatte er Erfahrung?
Das ist das Problem. Er war ein Allgemeinmediziner, der in seiner ganzen Karriere etwa ein Dutzend zentrale Venenkatheter gelegt hatte. Den letzten vor etwa 2013.
Aber wer hat ihn ausgewählt? Wer hat entschieden, dass er qualifiziert genug ist?
Das ist unklar. Was wir wissen, ist, dass dieser gleiche Arzt auch an einem anderen gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee beteiligt war, im Mai.
Und jetzt ist der Behördenchef zurückgetreten?
Ja, Frank Strada. Er war vorher in Arizona und hatte dort auch mit fehlgeschlagenen Hinrichtungen zu tun.
Hat er gesagt, warum er zurücktritt? Oder ist das nur eine Reaktion auf den Druck?
Er sagte, sein Rücktritt sei "im besten Interesse der Bevölkerung von Tennessee". Das ist eine sehr allgemeine Aussage. Es ist schwer zu sagen, ob das ein Schuldeingeständnis ist oder nur eine politische Reaktion.
O Pulso
- Christa Pike, 50, sollte am Mittwoch mit Giftspritze hingerichtet werden
- Personal brauchte etwa eine Stunde und mindestens sieben Nadeln für intravenösen Zugang
- Das Gift Pentobarbital gelangte teilweise ins Gewebe statt in die Venen und verursachte schwere Verbrennungen
- Der behandelnde Arzt hatte seit 2013 keine zentralen Venenkatheter mehr gelegt
- Frank Strada, Leiter der Strafvollzugsbehörde, trat zurück; dies ist die zweite gescheiterte Hinrichtung in Tennessee in vier Monaten
Pike sollte mit Giftspritze hingerichtet werden, blieb aber nach zwei Dosen Pentobarbital am Leben. Das Personal brauchte etwa eine Stunde für den intravenösen Zugang mit mindestens sieben Nadeln. Das injizierte Gift gelangte teilweise ins Gewebe statt in die Venen und verursachte schwere Verbrennungen. Der behandelnde Arzt hatte seit 2013 keine zentralen Venenkatheter mehr gelegt.
Die zum Tode verurteilte Christa Pike liegt nach einer missglückten Hinrichtung in Tennessee bewusstlos und künstlich beatmet im Krankenhaus. Der Leiter der Strafvollzugsbehörde ist nach Vorwürfen mangelnder Fachkompetenz zurückgetreten.
Christa Pike liegt in einem Krankenhaus in Nashville, bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Die 50-Jährige sollte am Mittwochabend hingerichtet werden — mit einer Giftspritze, wie es das Protokoll vorsah. Doch etwas ging furchtbar schief, und nun kämpft das Krankenhauspersonal darum, ihr Leben zu retten und das Gift aus ihrem Körper zu entfernen.
Die geplante Hinrichtung begann mit einem grundlegenden Problem: Das Personal konnte keinen intravenösen Zugang legen. Eine Stunde lang versuchten die Mitarbeiter immer wieder, eine Nadel in Pikes Venen zu treiben. Mindestens siebenmal stachen sie in ihren linken Arm. Eine der Nadeln verbog sich um 90 Grad, als man sie herauszog. Während dieser Prozedur hörte man Pike weinen. Sie atmete laut und sagte: "Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen." Sie fragte, ob das normal sei. Schließlich gelang es ihnen, einen Zugang zu schaffen — oder zumindest glaubten sie das.
Das Pentobarbital, das Gift, das zur Hinrichtung verwendet werden sollte, ist eine hochalkalische Substanz. Wenn es nicht direkt in eine Vene gelangt, sondern ins umliegende Gewebe, verursacht es schwere Verbrennungen. Genau das geschah bei Pike. Das Personal bemerkte offenbar nicht, dass das Gift ganz oder teilweise in das Gewebe statt in ihre Venen floss. Sie verabreichten zwei Dosen, wie vorgesehen. Pike blieb am Leben. Als sie ins Krankenhaus kam, waren beide ihre Arme geschwollen, verbrannt und mit Blasen übersät. Ihr rechter Arm hatte sich violett verfärbt.
Die Frage, die sich nun stellte, war nicht nur medizinisch, sondern auch institutionell: Wie konnte das passieren? Der Arzt, der an der Hinrichtung beteiligt war, war ein Allgemeinmediziner. In einer eidesstattlichen Aussage gab er zu, dass er in seiner gesamten Karriere etwa ein Dutzend zentrale Venenkatheter gelegt hatte — den letzten vor etwa dreizehn Jahren. Ein von Pikes Verteidigung beauftragter Anästhesiologe kam zu dem Schluss, dass dieser Arzt nicht die fortlaufende praktische Erfahrung hatte, die medizinische Einrichtungen normalerweise für solche Eingriffe verlangen. Noch problematischer: Dieser gleiche Arzt war auch an einem anderen gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee beteiligt gewesen, nur vier Monate zuvor. Im Mai hatte er versucht, einen zentralen Venenkatheter zu legen, und war gescheitert. Die Hinrichtung wurde abgebrochen.
Der Leiter der Strafvollzugsbehörde von Tennessee, Frank Strada, kündigte seinen Rücktritt an. Gouverneur Bill Lee gab bekannt, dass Strada das Amt noch in diesem Monat niederlegen werde. Strada erklärte, sein Rückzug sei "im besten Interesse der Bevölkerung von Tennessee". Das war eine bemerkenswerte Aussage, denn Strada war nicht neu in diesem Geschäft. Bevor er 2023 nach Tennessee kam, hatte er in Arizona in leitender Position für Hinrichtungen Verantwortung getragen. Dort gab es bei allen drei Todesurteilen, die 2022 vollstreckt wurden, Schwierigkeiten beim Legen der intravenösen Zugänge.
Pike war 1996 zum Tode verurteilt worden. Sie war damals 18 Jahre alt. Sie und zwei andere Teenager hatten 1995 die 19-jährige Colleen Slemmer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet. Von den drei Tätern war Pike die Einzige, die zum Tode verurteilt wurde. Ihr damaliger Freund, der zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre alt war, erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Eine weitere 18-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Pike saß also drei Jahrzehnte im Gefängnis, bevor dieser Versuch unternommen wurde, sie hinzurichten.
Nun liegt sie bewusstlos im Krankenhaus, ihr Körper von Verbrennungen gezeichnet, künstlich beatmet. Die zweite gescheiterte Hinrichtung in Tennessee in vier Monaten hat Fragen aufgeworfen, die nicht einfach zu beantworten sind: Wer trägt Verantwortung? Wie konnte ein System, das über Leben und Tod entscheidet, so grundlegend scheitern? Und was kommt als Nächstes — für Pike, für die Behörden, für Tennessee?
Citações Notáveis
Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen— Christa Pike während des Hinrichtungsversuchs
Sein Rückzug sei im besten Interesse der Bevölkerung von Tennessee— Frank Strada, Leiter der Strafvollzugsbehörde