Niedrige Wasserpegel in Flüssen wie dem Rhein beeinträchtigen die Binnenschifffahrt erheblich und belasten Natur und Wirtschaft. Statt Wasser abzuleiten, müssen Flüsse, Auen, Wälder und Böden künftig als Wasserspeicher fungieren, etwa durch Renaturierung von Mooren.
Schneider fordert Umdenken beim Wassermanagement angesichts niedriger Pegel
Wasser speichern statt Wasser abzuleiten – das ist die neue Aufgabe
Warum ist das Problem der niedrigen Wasserpegel plötzlich so dringend geworden? Deutschland hat doch immer genug Wasser gehabt.
Das stimmt, aber die Gletscher in den Alpen schmelzen. Sie waren wie ein natürlicher Wasserspeicher, der über Jahrtausende Wasser freigegeben hat. Ohne sie müssen wir anders denken.
Aber wie schnell passiert das wirklich? Ist das ein Problem von Jahren oder Jahrzehnten?
Schneider sagt, die Zeiten der Sorglosigkeit sind "endgültig vorbei" – das klingt nach sofort. Aber konkrete Zahlen zum Gletscherschmelz stehen nicht im Text.
Was bedeutet das praktisch für einen Bürger? Wird das Wasser knapp?
Nicht unbedingt knapp, aber teurer und komplizierter. Flüsse können weniger Schiffe tragen, Kraftwerke bekommen Kohle schwerer geliefert. Die Infrastruktur muss umgebaut werden.
100 Milliarden Euro für Infrastruktur – ist das viel oder wenig? Und wie viel davon soll wirklich in Wasser fließen?
Schneider sagt, die Länder sollten "einen guten Teil" investieren. Das ist vage. Krischer sagt, das Sondervermögen ist endlich – also braucht es mehr Geld vom Bund.
Und die EU? Was kann die tun?
Roswall kommt zur Konferenz. Krischer will, dass EU-Fördermittel für Wasserresilienz bereitgestellt werden. Aber ob das passiert, ist offen.
Also: Es gibt ein Problem, es gibt Geld, aber unklar ist, wie viel wirklich für Wasser ausgegeben wird und ob es reicht.
Genau. Und ob die Länder und der Bund sich einigen können, wer zahlt.
El Pulso
- Wasserpegel des Rheins und anderer Flüsse im Sommer 2026 deutlich gesunken
- Binnenschiffe können nur noch mit reduzierter Ladungskapazität fahren
- Bund stellt 100 Milliarden Euro aus Sondervermögen für Infrastruktur zur Verfügung
- Wasserpolitik-Konferenz mit EU-Umweltkommissarin Roswall am Montag im Bundesumweltministerium
Niedrige Wasserpegel in Flüssen wie dem Rhein beeinträchtigen die Binnenschifffahrt erheblich und belasten Natur und Wirtschaft. Statt Wasser abzuleiten, müssen Flüsse, Auen, Wälder und Böden künftig als Wasserspeicher fungieren, etwa durch Renaturierung von Mooren.
Bundesumweltminister Schneider mahnt angesichts niedriger Pegelstände ein Umdenken beim Wasserumgang an und fordert massive Investitionen der Bundesländer in die Wasserinfrastruktur.
Der Sommer hat Deutschland eine unbequeme Lektion erteilt. Die Wasserpegel des Rheins und anderer großer Flüsse sind so niedrig gefallen, dass Binnenschiffe nur noch mit halber Ladung fahren können – eine wirtschaftliche Belastung, die Natur und Industrie gleichermaßen trifft. Bundesumweltminister Carsten Schneider sieht darin ein Zeichen für etwas Grundsätzlicheres: Die Zeit, in der Deutschland sich um Wasser keine Gedanken machen musste, ist vorbei. Diese Erkenntnis zwingt zu einem radikalen Umdenken in der Wasserpolitik des Landes.
Schneider hat die Bundesländer aufgefordert, massiv in die Wasserinfrastruktur zu investieren. Der Grund liegt in einer historischen Umkehr: Jahrhundertelang war das Ziel der deutschen Wasserpolitik, Wasser so schnell wie möglich abzuleiten und nasse Flächen trocken zu legen. Diese Strategie funktionierte solange, wie Gletscher in den Alpen und regelmäßige Niederschläge ausreichend Wasser lieferten. Doch diese Zeiten ändern sich. Wenn die Gebirgsgletscher als Wasserlieferanten ausfallen, müssen Flüsse, Auen, Wälder und Böden selbst zu Wasserspeichern werden – eine grundlegend andere Aufgabe.
Das bedeutet konkret: Moore müssen renaturiert werden, Flüssen muss mehr Raum gegeben werden, Wälder müssen zu stabilen Mischwäldern umgebaut werden. Gleichzeitig muss die technische Infrastruktur modernisiert werden. Der Bund hat den Ländern aus einem Sondervermögen für Infrastruktur 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt – Schneider empfiehlt, einen großen Teil davon in die Wasserinfrastruktur zu lenken.
Die Folgen der niedrigen Pegel reichen bis in die Energieversorgung. Die Bundesnetzagentur warnt, dass Binnenschiffe Kohlekraftwerke in Süddeutschland derzeit nur mit reduzierter Kapazität beliefern können. Bislang hat dies keine Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der Kraftwerke, doch die Warnung ist deutlich: Wassermangel ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch ein Wirtschafts- und Energieproblem.
Nordrhein-Westfalens Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer geht noch weiter. Er fordert, dass der Bund langfristig stärker in die Wasserinfrastruktur investiert – nicht nur aus Sondervermögen, das endlich ist, sondern dauerhaft. Krischer verlangt zudem, dass Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz aufgenommen wird und dass das Aktionsprogramm "Natürlicher Klimaschutz" deutlich verstärkt wird. Auch die Europäische Union müsse ihre Förderpolitik anpassen: Wasserresilienz darf nicht zur Nebensache werden.
Am Montag treffen sich Vertreter des Bundes, der Länder und der EU im Bundesumweltministerium zu einer Konferenz über Wasserpolitik. EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall wird teilnehmen – ein Zeichen dafür, dass dieses Problem nicht an Deutschlands Grenzen endet. Die Frage, wie Europa mit Wasser in Zeiten des Klimawandels umgeht, wird in den kommenden Jahren entscheidend sein.
Citas Notables
Die Zeiten, in denen wir uns in Deutschland über Wasser keine Gedanken machen mussten, sind endgültig vorbei— Bundesumweltminister Carsten Schneider
Wenn die Gebirge mit ihren Gletschern als Wasserlieferanten ausfallen, müssen die Flüsse, Auen, Wälder und Böden umso mehr zu Wasserspeichern werden— Bundesumweltminister Carsten Schneider