Saudis lernen: Auf Trump ist kein Verlass

Wer einen solchen Verbündeten hat, sucht sich besser neue.
Saudi-Arabien reagiert auf Trumps Entscheidung, mit den Huthi zu verhandeln statt die Saudis zu unterstützen.
Mark

Warum ist das Verhalten Trumps gegenüber den Saudis so bedeutsam? Es geht doch nur um eine regionale Blockade.

Mimi

Weil es zeigt, wie Trump Bündnisse versteht – nicht als gegenseitige Verpflichtung, sondern als Transaktionen, bei denen er sich selbst absichert. Die Saudis sind für ihn kein Partner, sondern ein Verhandlungsobjekt.

Luke

Aber wir sollten vorsichtig sein: Wir wissen, dass Trump mit den Huthi verhandelt hat. Wir wissen, dass die Saudis jetzt Soldaten von außen anfordern. Aber wir wissen nicht, ob Trump diese Strategie bewusst gewählt hat oder ob es einfach Pragmatismus war.

Mark

Pragmatismus – inwiefern?

Mimi

Trump könnte argumentieren, dass ein Abkommen mit den Huthi, das amerikanische Schiffe schützt, effizienter ist als eine militärische Intervention. Aber das ist genau das Problem: Er optimiert für amerikanische Interessen, nicht für die seiner Verbündeten.

Luke

Das stimmt, aber es ist wichtig zu sagen, dass wir nicht wissen, wie lange dieses Abkommen mit den Huthi halten wird. Die Huthi könnten es jederzeit brechen. Trump könnte also nicht nur die Saudis, sondern auch sich selbst in Gefahr bringen.

Mark

Und was bedeutet das für Europa?

Mimi

Es bedeutet, dass wir nicht darauf zählen können, dass Amerika uns gegen Russland verteidigt, wenn es nicht einmal die Saudis gegen eine Miliz verteidigt. Wir müssen unsere eigene Sicherheit ernst nehmen.

Luke

Aber auch hier sollten wir differenzieren: Die NATO ist eine formale Allianz mit gegenseitigen Verpflichtungen. Das Verhältnis zu Saudi-Arabien ist informeller. Trump könnte bei der NATO anders handeln als bei den Saudis.

Mark

Könnte er – aber sollten wir darauf wetten?

Mimi

Nein. Das ist der Punkt. Die Saudis haben gelernt, dass man nicht auf Amerika wetten sollte. Europa sollte dieselbe Lektion ziehen.

  • Die Huthi blockieren saudische Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab und bedrohen damit einen der wichtigsten Exportwege des Königreichs – die wirtschaftliche Ader des Landes liegt offen.
  • Trump verschärfte die Lage durch einen Angriff auf den Iran, der zur Blockade der Straße von Hormus führte, und ließ Saudi-Arabien damit gleich auf zwei kritischen Seerouten verwundbar zurück.
  • Statt dem Verbündeten beizustehen, handelte Washington einen Sonderdeal mit den Huthi aus – amerikanische Schiffe werden verschont, saudische nicht: ein Verrat in aller Stille.
  • Saudi-Arabien reagiert mit dem Mekka-Pakt und holt nun Soldaten aus der Türkei und Pakistan ins Land – nicht aus Stärke, sondern aus der bitteren Erkenntnis, dass Amerika nicht mehr kommt.
  • Europa schaut zu, doch die eigentliche Frage lautet: Wenn Trump einen Verbündeten nicht gegen eine Miliz verteidigt, warum sollte er es gegen Russland tun?

In einer Welt, in der Bündnisse einst als Fundament der Ordnung galten, vollzieht sich in Riad eine stille, aber tiefgreifende Ernüchterung: Saudi-Arabien erkennt, dass die Vereinigten Staaten unter Donald Trump nicht mehr der verlässliche Partner sind, auf den man sich einst verlassen konnte. Trump handelte mit den Huthi ein Abkommen aus, das amerikanische Schiffe schützt, während er saudische Exportwege der Bedrohung überließ – ein Verrat, der keine Kriegserklärung braucht, um zu wirken. Was sich am Roten Meer abspielt, ist mehr als eine regionale Krise: Es ist ein Spiegel, in dem Europa sein eigenes Schicksal erkennen könnte.

Saudi-Arabien steht vor einer schmerzhaften Erkenntnis: Die USA unter Donald Trump sind kein verlässlicher Verbündeter mehr. Die Krise ist konkret – die Huthi haben eine Blockade gegen saudische Schiffe verhängt und kontrollieren die Meerenge Bab al-Mandab, einen der wichtigsten Exportwege des Königreichs. Als Reaktion gründeten die Saudis vor zwei Monaten das Mekka-Pakt-Bündnis; nun sollen Soldaten aus der Türkei und Pakistan entsandt werden, um der Bedrohung zu begegnen. Es ist kein Zeichen der Stärke, sondern der Verzweiflung.

Was die Verbitterung in Riad besonders tief macht, ist Trumps Verhalten: Er selbst hatte einen Angriff auf den Iran durchgeführt, der zur Blockade der Straße von Hormus führte – Saudis zweiter kritischer Seeweg. Doch anstatt dem Verbündeten zu helfen, handelte Trump mit den Huthi ein separates Abkommen aus: Amerikanische Schiffe werden verschont, saudische nicht. Wer einen solchen Partner hat, sucht sich neue Freunde – und findet sie nun in Ankara und Islamabad, nicht weil diese ideal wären, sondern weil Washington nicht mehr zur Verfügung steht.

Für Europa sollte das eine unüberhörbare Warnung sein. Wenn Trump nicht bereit ist, einen Verbündeten gegen eine regionale Miliz zu unterstützen, warum sollte man darauf vertrauen, dass er im Ernstfall gegen Russland an Europas Seite steht? Die Saudis haben diese Lektion gerade auf bittere Weise gelernt. Europa täte gut daran, sie ernst zu nehmen, bevor es selbst in die Lage kommt, sie am eigenen Leib zu erfahren.

Saudi-Arabien steht vor einer unbequemen Erkenntnis: Die Vereinigten Staaten unter Donald Trump sind kein zuverlässiger Partner mehr. Die Saudis lernen diese Lektion gerade auf schmerzhafte Weise, und Europa sollte genau hinschauen, denn das, was sich in Riad abspielt, könnte ein Vorgeschmack auf das sein, was auch europäische Länder erwartet.

Die unmittelbare Krise ist konkret. Die Huthi, eine vom Iran unterstützte Miliz im Jemen, haben eine Blockade gegen saudische Schiffe verhängt und ihre Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab ausgebaut. Das ist für Saudi-Arabien ein massives Problem, denn diese Wasserstraße ist einer der wichtigsten Exportwege des Landes. Vor zwei Monaten haben die Saudis deshalb das sogenannte Mekka-Pakt-Bündnis gegründet, um sich Unterstützung zu sichern. Jetzt wollen die Türkei und Pakistan Soldaten nach Saudi-Arabien entsenden, um bei der Bekämpfung der Huthi-Bedrohung zu helfen. Das ist nicht einfach eine Routineangelegenheit – es ist ein Zeichen der Verzweiflung.

Was die Saudis besonders verbittert haben dürfte, ist das Verhalten Trumps. Der amerikanische Präsident hatte selbst einen Angriff auf den Iran durchgeführt, was zur Blockade der Straße von Hormus führte – bereits Saudis zweiter kritischer Exportweg war damit gefährdet. Doch statt den Saudis zu helfen, ihre Handelsrouten zu sichern, handelte Trump mit den Huthi ein separates Abkommen aus. Der Deal war einfach: Die Huthi würden amerikanische Schiffe nicht angreifen. Damit sicherte sich Trump selbst einen Vorteil, während er die Saudis im Stich ließ.

Die Logik dieser Entscheidung ist aus Riads Perspektive unverständlich. Trump hatte die Saudis in eine Situation gebracht, die ihre Wirtschaft bedroht, und dann verhandelte er mit ihren Feinden, um sich selbst zu schützen. Wer einen solchen Verbündeten hat, braucht tatsächlich neue Freunde. Die Türkei und Pakistan sind nun die Antwort – nicht weil sie ideal sind, sondern weil die USA nicht mehr zur Verfügung stehen.

Für Europa ist das eine Warnung, die man nicht ignorieren sollte. Deutsche Politiker und ihre europäischen Kollegen neigen dazu, den Nahen Osten als ein fernes Problem zu behandeln, etwas, das mit den eigenen Sicherheitsinteressen wenig zu tun hat. Aber das Schicksal der Saudis zeigt etwas Grundsätzliches über Trumps Verständnis von Bündnissen. Wenn der amerikanische Präsident nicht bereit ist, einen Verbündeten gegen eine regionale Miliz zu unterstützen – gegen eine Kraft, die nicht einmal eine Großmacht ist – warum sollte man dann darauf vertrauen, dass er gegen Russland kämpfen würde? Die Frage beantwortet sich selbst. Europa kann nicht länger davon ausgehen, dass Amerika im Ernstfall an seiner Seite steht. Die Saudis haben das gerade gelernt. Europa sollte diese Lektion ernst nehmen.

Wenn Trump schon nicht bereit ist, einem Verbündeten gegen eine Miliz in einem Dritte-Welt-Land zu helfen, würde er es dann gegen die Großmacht Russland tun?
— Analyse in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
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