Trumps umstrittene Midterms-Kampagne: Steuergeld-Werbespots und 5000-Dollar-Versprechen

Wenige Wochen vor den Midterms ist das ein wirklich großes Problem.
Ein Experte kritisiert Trumps Nutzung von Steuergeldern für Wahlwerbung kurz vor der Abstimmung.
Mark

Warum ist die Finanzierung dieser Werbespots durch Steuergelder überhaupt ein Problem? Trump sagt doch, das sei Standard.

Mimi

Das ist der Knackpunkt – Trump hat recht, dass Regierungen Werbung finanzieren, aber nur für bestimmte Dinge. "Public service announcements" informieren über Hilfsprogramme oder Sicherheit. Trumps Spots sind anders: Sie preisen seine Regierungserfolge an, kurz bevor die Wähler abstimmen. Das ist Wahlkampf mit Steuergeld.

Luke

Aber Trump sagt ja nicht "Wählt mich". Wo genau ist die Grenze?

Mimi

Das ist das Schwierige. Technisch macht er keinen direkten Wahlkampf. Aber das Timing ist entscheidend – wenige Wochen vor den Midterms, wenn die Wähler ohnehin über die Partei entscheiden. Das Gesetz verbietet explizit Regierungspropaganda für politische Zwecke.

Mark

Und die 5000 Dollar pro Person – ist das auch illegal?

Mimi

Das ist eher ein anderes Problem. Das Geld müsste vom Kongress genehmigt werden, und das wird nicht passieren. Es ist eher ein leeres Versprechen, um Wähler zu mobilisieren.

Luke

Aber wir wissen nicht, ob Trump das ernst meint oder nur taktiert?

Mimi

Richtig. Experten sagen, die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Ähnliche Versprechen wie "Mexiko bezahlt die Mauer" sind auch nicht erfüllt worden.

Mark

Warum meiden dann republikanische Kandidaten Trump, wenn er ihnen helfen könnte?

Mimi

Seine Zustimmungswerte sind bei 32 Prozent – ein Rekordtief. Viele Wähler verbinden ihn mit hohen Lebenshaltungskosten und dem Iran-Krieg. Ein Auftritt mit ihm könnte ihnen schaden statt helfen.

Luke

Das ist aber nur eine Umfrage. Könnten die Zahlen sich noch ändern?

Mimi

Möglich, aber die Trends sind konsistent. Bei älteren Wählern, die normalerweise mehr abstimmen, liegen die Republikaner nur noch zwei Punkte vorn. Das ist besorgniserregend für sie.

Mark

Was passiert, wenn die Demokraten tatsächlich die Mehrheit gewinnen?

Mimi

Dann verlieren die Republikaner ihre Kontrolle über den Kongress, und Trump kann seine Vorhaben nicht mehr so leicht durchbringen. Das wäre ein großer Machtverlust.

Luke

Und die Werbespots – werden die untersucht?

Mimi

Das ist unklar. Trump hat angekündigt, künftig Spendengelder zu nutzen, aber die bereits ausgestrahlten Spots könnten noch Konsequenzen haben. Das hängt davon ab, ob jemand Beschwerde einreicht und wie Behörden reagieren.

  • 20 Millionen Dollar aus Steuermitteln für Werbespots im September 2026
  • Trumps Zustimmungswerte bei 32 Prozent – Rekordtief
  • Versprechen von 5000 Dollar pro Wähler bei republikanischem Sieg – würde über eine Billion Dollar kosten
  • Zwischenwahlen am 3. November 2026: Alle 435 Repräsentantenhaussitze und etwa ein Drittel des Senats zur Wahl

Trump zahlte 20 Millionen Dollar aus Steuermitteln für Werbespots, die seine Regierungserfolge kurz vor den Midterms priesen – eine Praxis, die Experten als illegale Wahlkampffinanzierung kritisieren. Der Präsident versprach jedem wahlberechtigten Amerikaner 5000 Dollar, falls Republikaner beide Kongresskammern kontrollieren – ein Versprechen, das über eine Billion Dollar kosten würde und vom Kongress genehmigt werden müsste.

Donald Trump finanziert Wahlkampfwerbespots mit Steuergeldern und verspricht Wählern 5000 Dollar pro Person bei republikanischem Sieg – Maßnahmen, die möglicherweise gegen US-Wahlgesetze verstoßen.

Donald Trump steht wenige Wochen vor den amerikanischen Zwischenwahlen unter Druck – und reagiert mit Maßnahmen, die Experten und Wahlrechtsorganisationen als möglicherweise illegal einstufen. Anfang Oktober kündigte der Präsident an, künftig keine Steuermittel mehr für Wahlwerbespots einzusetzen, nachdem seine Nutzung öffentlicher Gelder für diese Kampagne heftige Kritik ausgelöst hatte. Das Heimatschutzministerium hatte einer Agentur zuvor 20 Millionen Dollar für eine nationale Medienkampagne überwiesen, deren Spots seit September während beliebter Fernsehsendungen wie "Saturday Night Live" und Football-Spielen liefen – alle gekennzeichnet mit dem Hinweis "Finanziert durch die US-Regierung".

Die Spots selbst waren ungewöhnlich für regierungsamtliche Werbung. Sie zeigten Aufnahmen von Trumps Verhaftung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Truppen, vor allem aber Fotos und Videos von Trump selbst, unterlegt mit kämpferischen Aussagen darüber, dass er "Kriegstreiber" und "die kranke politische Klasse" aus der Verwaltung vertreiben werde und verhindern werde, dass die USA zu einem kommunistischen Staat werden. Trump verteidigte die Finanzierung auf seiner Plattform Truth Social und nannte sie "ziemlicher Standard", räumte aber ein, dass die "radikale Linke" sich darüber aufrege. Er versprach, zukünftige Spots mit Spendengeldern seiner Unterstützer zu finanzieren.

Doch Wahlrechtsexperten und Verbraucherschutzorganisationen sehen darin einen klaren Verstoß gegen US-Gesetze. Die NGO Public Citizen weist darauf hin, dass das Gesetz explizit die Nutzung öffentlicher Gelder für Regierungspropaganda, Eigenlob oder politische Werbung verbietet – genau das aber seien Trumps Videos. Patrick Malone, Professor für öffentliche Verwaltung an der American University, bestätigt diese Einschätzung. Während Trump technisch nicht direkt zur Wahl auffordert, ist das Timing das eigentliche Problem: Wenige Wochen vor den Midterms am 3. November sei die Nutzung von Steuergeldern für solche Inhalte "ein wirklich großes Problem", sagt Malone der Deutschen Welle. Die Spots unterscheiden sich grundlegend von klassischen "public service announcements", die etwa auf Hilfsprogramme hinweisen.

Die Republikaner brauchen solche Unterstützung dringend. Bei den Zwischenwahlen am 3. November werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel des Senats neu gewählt. Derzeit halten die Republikaner 219 von 435 Sitzen im Repräsentantenhaus und 53 von 100 Senatssitzen – eine komfortable Mehrheit, die ihnen ermöglicht, Trumps Vorhaben relativ leicht durchzubringen. Doch Umfragen deuten auf Probleme hin. Eine Ipsos-Umfrage vom 5. Oktober zeigt, dass bei Wählern über 50 Jahren die Republikaner nur noch zwei Prozentpunkte vor den Demokraten liegen – eine kritische Entwicklung, da diese Altersgruppe traditionell stärker bei Zwischenwahlen teilnimmt. Bei Wählern unter 50 führen die Demokraten mit 18 Prozentpunkten Vorsprung. Trumps eigene Zustimmungswerte sind besorgniserregend: Nur 32 Prozent der Befragten halten seine Arbeit für gut – ein Rekordtief, das er bereits im September 2026 erreicht hatte.

Diese schwachen Zahlen erklären, warum republikanische Kandidaten Trumps Wahlkampfhilfe meiden. Normalerweise ist ein Auftritt mit dem Präsidenten ein Höhepunkt jeder Kampagne, doch viele Amerikaner verbinden Trump mittlerweile mit hohen Lebenshaltungskosten und dem mehr als ein halbes Jahr andauernden Krieg mit dem Iran. Ein anonymer republikanischer Wahlkampforganisator sagte dem Online-Magazin Politico, dass seine Kandidaten "an COVID erkranken" würden, um nicht zu Trumps Veranstaltungen gehen zu müssen. Senatoren wie Susan Collins aus Maine und Dan Sullivan aus Alaska, deren Sitze auf dem Spiel stehen, fehlten beim großen Parteitag im September – einer ungewöhnlichen Veranstaltung, die normalerweise nur vor Präsidentschaftswahlen stattfindet. Auch Kandidaten aus den umkämpften Bundesstaaten Arizona, Iowa und Michigan blieben fern.

Trump versuchte, die Wähler mit noch drastischeren Mitteln zu mobilisieren. Auf dem Parteitag forderte er das Publikum mehrfach auf, so zu tun, als stünde er selbst auf dem Wahlzettel. Und er machte ein Versprechen, das die Aufmerksamkeit auf sich zog: Falls die Republikaner die Mehrheit in beiden Kongresskammern behalten, würde jeder wahlberechtigte Amerikaner 5000 Dollar erhalten. Das würde die USA mehr als eine Billion Dollar kosten – eine Summe, die der Kongress autorisieren und verteilen müsste, was Experten für äußerst unwahrscheinlich halten. Malone verweist auf ähnliche unerfüllte Versprechen wie die Finanzierung der Grenzmauer durch Mexiko. Ob Trumps Werbespots und die Geldversprechen dennoch genug Wähler überzeugen werden, wird sich nach dem 3. November zeigen.

Das Gesetz verbietet explizit die Nutzung von öffentlichen Geldern für Regierungspropaganda, Eigenlob oder politische Werbung für eine Partei. Aber die Werbespots von Trump sind genau dieser Natur.
— Public Citizen, Verbraucherschutzorganisation
Man soll keine Steuergelder für Dinge verwenden, die mit Wahlkampf zu tun haben. Das Schwierige hier ist das Timing. Wenige Wochen vor den Midterms ist das ein wirklich großes Problem.
— Patrick Malone, Professor für öffentliche Verwaltung an der American University
Contact Us FAQ