Saudi-Arabien unter Druck: Huthi-Milizen bedrohen Ölexporte und zwingen Riad zu neuen Allianzen

Schulschließungen in Riad wegen drohender Huthi-Angriffe zeigen Auswirkungen auf Zivilbevölkerung.
Stabilität ist derzeit weiter entfernt denn je
Ein Experte beschreibt Saudi-Arabiens Dilemma: Das Königreich braucht Ruhe für seine wirtschaftlichen Pläne, aber der Krieg wird intensiver.
Mark

Warum ist diese Blockade für Saudi-Arabien so kritisch? Es gibt doch andere Häfen.

Mimi

Weil es nicht nur um Häfen geht. Die Huthi kontrollieren jetzt zwei Routen – die Meerenge Bab al-Mandab und bedrohen die Pipeline. Saudi-Arabien verliert seine Ausweichoptionen.

Luke

Aber wie viel Öl fließt denn tatsächlich durch Bab al-Mandab? Die Quelle sagt, es ist strategisch wichtig, aber gibt keine Zahlen zu Volumen oder wirtschaftlichem Schaden.

Mimi

Das ist fair. Wir wissen, dass es die Exporte gefährdet, aber die genaue Menge ist nicht beziffert.

Mark

Und warum können die USA nicht einfach die Huthi bombardieren?

Mimi

Trump will das vermeiden. Die US-Streitkräfte sind belastet, es gibt Engpässe bei Raketen, und ein neuer Einsatz könnte den Iran direkt hineinziehen.

Luke

Das ist Trumps Position, aber die Quelle sagt nicht, ob andere US-Beamte das anders sehen oder ob es interne Debatten gibt. Wir wissen nur, was Trump offenbar vermeiden will.

Mark

Was ist mit den Europäern? Frankreich und Großbritannien helfen doch.

Mimi

Sie helfen, aber begrenzt. Frankreich schickt Soldaten und Luftverteidigung nach Yanbu, Großbritannien unterstützt die Luftwaffe. Aber Experten sagen, das ändert die militärische Balance nicht grundlegend.

Luke

Und die Mekka-Allianz mit Pakistan und der Türkei – wie ernst ist die?

Mimi

Sie haben einen Beistandspakt geschlossen, aber beide Länder wollen nicht direkt gegen den Iran kämpfen. Das ist eine Grenze.

Mark

Also bleibt nur Diplomatie?

Mimi

Das scheint so. Die Huthi haben auch ein Interesse an funktionierenden Beziehungen zu Saudi-Arabien, weil der Jemen wirtschaftlich davon abhängig ist.

Luke

Aber die Quelle sagt auch, dass Riads bisherige diplomatische Strategie gescheitert ist. Warum sollte eine neue Diplomatie funktionieren, wenn die Huthi gerade militärisch stärker werden?

  • Huthi-Milizen greifen seit Juli 2026 Saudi-Arabien mit Raketen und Drohnen an
  • East-West-Pipeline und Meerenge Bab al-Mandab sind beide unter Druck
  • Krieg 2015–2022 endete ohne entscheidenden Erfolg trotz US- und VAE-Unterstützung
  • Frankreich schickt Soldaten und Luftverteidigung nach Yanbu; Großbritannien unterstützt Luftwaffe

Huthi-Angriffe auf Pipelines und Schiffe gefährden Saudi-Arabiens Ölexporte und Vision-2030-Pläne für wirtschaftliche Diversifizierung. Europäische Staaten wie Frankreich und Großbritannien bieten begrenzte militärische Unterstützung, können aber strategische Wende nicht herbeiführen.

Jemenitische Huthi-Milizen greifen Saudi-Arabiens Energieinfrastruktur an und kontrollieren die strategische Meerenge Bab al-Mandab. Riad sucht neue Sicherheitspartner, da die USA begrenzte Unterstützung bieten.

In Riad mussten Schüler vor kurzem einen Tag zu Hause bleiben – nicht wegen Ferien, sondern weil die jemenitischen Huthi-Milizen einen Angriff androhten. Am nächsten Tag kehrten sie in die Klassenzimmer zurück. Es war eine vorübergehende Störung, aber sie war real, und sie zeigte, wie weit der Krieg im Jemen inzwischen in den Alltag des saudischen Königreichs vorgedrungen ist.

Seit Juli greifen die vom Iran unterstützten Huthi Saudi-Arabien wiederholt mit Raketen und Drohnen an. Gleichzeitig haben sie ihre Kontrolle über die Küste des Jemen gefestigt und dehnen ihren Einfluss auf die Meerenge Bab al-Mandab aus – jene strategisch entscheidende Wasserstraße, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet. Das ist mehr als ein militärisches Problem. Es ist ein wirtschaftliches Desaster im Wartestand.

Kronprinz Mohammed bin Salman hat seine Vision 2030 auf Stabilität gebaut: neue Industrien, Tourismus, wirtschaftliche Diversifizierung, Investitionen. Doch genau diese Stabilität schwindet. Der Trend zeigt in die entgegengesetzte Richtung. Marcus Schneider, Projektleiter im Kompetenzzentrum Frieden und Sicherheit im Mittleren Osten und Nordafrika der Friedrich-Ebert-Stiftung, beschreibt es so: Die Eskalation im Jemen zieht Saudi-Arabien tiefer in einen regionalen Krieg hinein – einen Krieg, den das Königreich eigentlich vermeiden wollte.

Die Verwundbarkeit liegt in der Infrastruktur. Die East-West-Pipeline sollte Saudi-Arabien unabhängiger machen, indem sie Öl aus den östlichen Feldern und Raffinerien zum Hafen Yanbu am Roten Meer transportiert – eine Alternative zu den gefährlichen oder blockierten Routen durch den Persischen Golf. Doch auch diese Leitung ist durch Huthi-Angriffe beeinträchtigt worden. Gleichzeitig gerät die südliche Zufahrt zum Roten Meer unter Druck. Die Carnegie Endowment spricht von einem "doppelten Schlag": Pipelineangriffe und die Bedrohung der Meerenge treffen zwei wichtige Ausweichrouten gleichzeitig. Das könnte Saudi-Arabien zwingen, wieder stärker auf die Straße von Hormus zu verlassen – eine Route, die derzeit ebenfalls stark eingeschränkt ist.

Hilfe von den USA ist nicht zu erwarten. Washington könnte Geheimdienstinformationen und Aufklärung bereitstellen, aber Präsident Donald Trump will offenbar eine direkte militärische Kampagne gegen die Huthi vermeiden. Das Center for Strategic and International Studies weist darauf hin, dass die US-Streitkräfte durch bisherige Einsätze belastet sind; es gibt Engpässe bei Abfangraketen und Wartungsprobleme bei Kriegsschiffen. Der Council on Foreign Relations vermerkt knapper werdende Bestände an Patriot- und THAAD-Abfangraketen sowie Marschflugkörpern. Hinzu kommt das Risiko, mit erneutem Einsatz gegen die Huthi eine weitere Front im Krieg mit dem Iran zu öffnen.

Selbst amerikanische Luftangriffe würden das Grundproblem nicht lösen. Nach Einschätzung des Council on Foreign Relations wäre eine größere koordinierte Bodenoperation nötig, um die Huthi aus den Gebieten zurückzudrängen, von denen aus sie Bab al-Mandab bedrohen. Genau davor schreckt Saudi-Arabien zurück. Der Krieg von 2015 bis 2022 – trotz US-Unterstützung und Beteiligung der Vereinigten Arabischen Emirate – blieb ohne entscheidenden Erfolg und zeigte die Grenzen saudischer Militärmacht. Die Huthi sind im Jemen gut verankert und können beträchtliche Schläge wegstecken. Sie müssen keinen klassischen Krieg gewinnen. Es reicht, Raketen und Drohnen einzusetzen, Infrastruktur zu bedrohen und den Schiffsverkehr zu verunsichern.

Frankreich kündigte an, Soldaten, Radarsysteme und Luftverteidigung zum Schutz von Yanbu zu schicken. Großbritannien will die saudische Luftwaffe mit Luftbetankung unterstützen. Italien will mit Marineeinsätzen die Durchfahrt eigener Handelsschiffe absichern. Die EU schützt mit der "Operation Aspides" seit Februar 2024 die internationale Schifffahrt im Roten Meer. Doch diese Initiativen dürften kaum eine strategische Wende herbeiführen. Europa wird Riad den politischen und militärischen Preis eines langen Krieges im Jemen nicht abnehmen. Auch die neue Mekka-Allianz mit Pakistan und der Türkei hat Grenzen: Die drei Staaten haben einen Beistandspakt geschlossen, doch Ankara und Islamabad wollen sich nicht ohne Weiteres in einen Konflikt hineinziehen lassen, der sie direkt in die Auseinandersetzung mit dem Iran bringen könnte.

Damit könnte die Diplomatie wieder wichtiger werden. Abdulghani al-Iryani vom Sana'a Center for Strategic Studies hat darauf hingewiesen, dass auch die Huthi ein Interesse an funktionierenden Beziehungen zu Saudi-Arabien haben. Der Jemen ist wirtschaftlich vollständig von Saudi-Arabien abhängig – als Quelle humanitärer Hilfe und als Arbeitsmarkt für jemenitische Arbeitsmigranten. Saudi-Arabien hatte in den vergangenen Jahren versucht, den Einfluss der Huthi durch Diplomatie und eine Einigung der zerstrittenen jemenitischen Regierungskräfte zurückzudrängen. Der aktuelle Vormarsch der Miliz zeigt die Grenzen dieser Strategie. Doch militärische Lösungen sind ebenso begrenzt.

Die Eskalation im Jemen zieht die Saudis tiefer in den regionalen Krieg hinein. Einen Krieg, den Saudi-Arabien eigentlich verhindern wollte.
— Marcus Schneider, Friedrich-Ebert-Stiftung
Der Jemen ist wirtschaftlich vollständig von Saudi-Arabien abhängig – sowohl als Quelle humanitärer Hilfe als auch als Arbeitsmarkt für jemenitische Arbeitsmigranten.
— Abdulghani al-Iryani, Sana'a Center for Strategic Studies
Quer a matéria completa? Leia o original em Deutsche Welle ↗
Fale Conosco FAQ