Bei Huthi-Angriffen auf Riads Flughafen starben 13 Menschen, über 300 wurden verletzt. Der Flughafen bleibt geschlossen. Trotz jahrelanger Militärintervention kontrollieren die Huthi große Teile des Nordjemen und bedrohen regionale Energiesicherheit.
Saudi-Arabien sucht Partner gegen Huthi-Anschläge – Erfolg ungewiss
Die Huthi müssen nicht gewinnen – sie müssen nur Schaden anrichten.
Warum ist es für Saudi-Arabien so schwierig, die Huthi zu besiegen, wenn das Land doch über eine so viel stärkere Armee verfügt?
Das ist die zentrale Asymmetrie. Die Huthi müssen nicht gewinnen – sie müssen nur Schaden anrichten. Mit Raketen und Drohnen können sie Flughäfen lahmlegen und Energieinfrastruktur bedrohen, während Saudi-Arabien ein ganzes Land besetzen und halten müsste.
Aber wie viel Schaden richten sie wirklich an? 13 Tote bei einem Anschlag sind tragisch, aber sind das die Zahlen, die einen Krieg entscheiden?
Nein, aber der wirtschaftliche Schaden ist erheblich. Die Ölpipeline-Anschläge beeinflussen die globalen Energiemärkte. Und die Flughäfen geschlossen zu halten schadet dem Tourismus und der Wirtschaft.
Warum haben die Emirate ihre Truppen abgezogen?
Sie haben ihre Strategie geändert. Nach Jahren ohne Durchbruch haben sie sich zurückgezogen. Das zeigt, wie schwierig es ist, diesen Konflikt militärisch zu lösen.
Aber wir wissen nicht wirklich, warum die VAE gegangen sind – ob es Kosten waren, politische Entscheidungen oder etwas anderes. Das wird hier nicht klar gemacht.
Könnte der Iran tatsächlich als Vermittler funktionieren?
Das ist sehr unwahrscheinlich. Der Iran unterstützt die Huthi ja selbst. Saudi-Arabien wird diesem Angebot nicht trauen.
Und wir wissen nicht, wie viel Einfluss der Iran wirklich auf die Huthi hat. Das ist eine offene Frage.
Was ist das realistische Ziel für Saudi-Arabien in diesem Konflikt?
Nicht ein militärischer Sieg, sondern Stabilität. Die Verwundbarkeit reduzieren, ein Bündnis aufbauen, die Energieinfrastruktur schützen.
Der Puls
- 13 Tote und über 300 Verletzte bei Huthi-Angriffen auf Riads Flughafen
- 136 militärische Ziele der Huthi bereits zerstört
- Huthi kontrollieren große Teile des Nordjemen seit Jahren
- Großbritannien, Frankreich und möglicherweise USA bieten militärische Unterstützung an
Bei Huthi-Angriffen auf Riads Flughafen starben 13 Menschen, über 300 wurden verletzt. Der Flughafen bleibt geschlossen. Trotz jahrelanger Militärintervention kontrollieren die Huthi große Teile des Nordjemen und bedrohen regionale Energiesicherheit.
Die Huthi-Miliz intensiviert Raketenangriffe auf saudische Flughäfen und Energieanlagen. Saudi-Arabien sucht internationale Unterstützung, doch ein militärischer Sieg bleibt ungewiss.
Der internationale Flughafen von Riad war am Samstag Ziel eines Raketenangriffs, der 13 Menschen tötete und mehr als 300 verletzte. Am Sonntag folgte ein zweiter Anschlag, bei dem ein Zivilist starb und elf weitere verletzt wurden. Der Flughafen bleibt seitdem auf unbestimmte Zeit geschlossen. Innerhalb von 24 Stunden griffen die Huthi-Kämpfer nach eigenen Angaben auch den Flughafen Dammam und zwei Aramco-Energieanlagen an – ein Muster von Attacken, das Saudi-Arabien unter wachsenden Druck setzt.
Die islamistische Huthi-Miliz aus dem Jemen hat sich auf eine Strategie konzentriert, die Flughäfen und Energieinfrastruktur ins Visier nimmt. Energieminister Abdulasis bin Salman warnte vor den Konsequenzen für die Energiesicherheit des Landes und kündigte eine entschiedene Gegenreaktion an. Nach Angaben des American Enterprise Institute hat Saudi-Arabien bereits 136 militärische Ziele der Huthi zerstört, darunter Raketenabschussrampen, Lagerstätten und andere Infrastruktur. Der saudische Militärsprecher Turki al-Maliki bestätigte diese Bilanz in einem Bericht vom 11. Oktober.
Doch trotz mehr als einem Jahrzehnt militärischer Intervention ist Saudi-Arabien der Huthi-Bedrohung nicht Herr geworden. Die 2015 gegründete internationale Koalition gegen die Miliz ist zerfallen; die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Truppen längst abgezogen. Die Huthi kontrollieren weiterhin große Teile des Nordjemen, beschießen seit Jahren saudisches Territorium und behindern durch Angriffe auf Schiffe den internationalen Handel durch das Rote Meer und die strategisch entscheidende Meerenge Bab al-Mandab. Im September beschädigten Drohnen die saudische Ost-West-Ölpipeline schwer; die vorübergehende Stilllegung beeinträchtigte die Ölexporte und erhöhte die Risiken für die globalen Energiemärkte.
Riad bemüht sich seit Wochen um internationale Partner. Ende September sagten Großbritannien und Frankreich militärische Unterstützung zu: London stellte Luftbetankung für saudische Kampfflugzeuge in Aussicht, Paris kündigte Soldaten, Radarsysteme und Luftverteidigungstechnik zum Schutz des Ölterminals Yanbu an. Auch die USA, die lange Zeit Abstand von einer direkten Rolle genommen hatten, könnten ihre Position überdenken. Der Politikanalyst Osamah Al-Rawhani vom Sanaa Center for Strategic Studies vermutet einen möglichen Sinneswandel in Washington, warnt aber, dass unklar bleibt, ob daraus tatsächlich eine erfolgreiche Offensive entstehen kann.
Marcus Schneider, Projektleiter im Kompetenzzentrum Frieden und Sicherheit im Mittleren Osten und Nordafrika der Friedrich-Ebert-Stiftung, betont ein grundlegendes Problem: Um die Huthi auszuschalten, bräuchte es Bodentruppen – eine Art Kriegführung, in der Saudi-Arabien keine Erfahrung hat, zumal in einem fremden Land. Für die saudische Führung gehe es weniger um einen militärischen Sieg als darum, die eigene Verwundbarkeit zu verringern, ein breites Bündnis zu schmieden und politische Handlungsspielräume zu gewinnen. Die Huthi sind im Jemen tief verwurzelt und können erhebliche Schläge verkraften. Saudi-Arabien braucht für seine Wirtschaftsvision 2030 vor allem Stabilität – diese ist derzeit weiter entfernt denn je.
Die militärische Asymmetrie ist entscheidend: Saudi-Arabien verfügt über moderne Waffen und gibt enorme Summen für seine Streitkräfte aus, während die Huthi keinen klassischen Krieg gewinnen müssen. Es reicht ihnen, Raketen und Drohnen einzusetzen, Infrastruktur zu bedrohen und den Schiffsverkehr zu verunsichern. Das Analysemagazin Critical Threats sieht Hoffnung im gestiegenen US-Engagement, das sich auf Aufklärung, Zielerfassung und Luftverteidigung konzentriert. Das Soufan Center berichtet, dass Washington einen gemeinsamen Vergeltungsschlag mit Saudi-Arabien erwägt.
Möglicherweise kann Saudi-Arabien auch auf regionale Partner setzen. Anwar Gargash, diplomatischer Berater des VAE-Präsidenten, sprach sich für engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen den Golfstaaten aus und erklärte: "Wir sind alle Ziele." Pakistan, das im August den Mekka-Pakt mit Saudi-Arabien und der Türkei unterzeichnet hatte, beteiligt sich Medienberichten zufolge inzwischen mit Luftangriffen auf Huthi-Stellungen, will aber keine Bodentruppen entsenden. Die Türkei stellt Luftverteidigungstechnik zur Verfügung, lehnt aber einen offensiven Militäreinsatz ab. Der Iran hat sich als Vermittler angeboten – ein Angebot, das Saudi-Arabien angesichts der iranischen Unterstützung der Huthi und der jüngsten Angriffe skeptisch betrachtet. Ob Teheran überhaupt genug Einfluss auf die jemenitische Miliz hat, um sie zu bremsen, bleibt offen.
Bemerkenswerte Zitate
Um die Huthi auszuschalten, bräuchte es Bodentruppen – eine Art Kriegführung, in der Saudi-Arabien keine Erfahrung hat.— Marcus Schneider, Friedrich-Ebert-Stiftung
Wir sind alle Ziele. Es ist notwendig, die Zusammenarbeit der Golfstaaten, insbesondere im Bereich Sicherheit und Verteidigung, wiederzubeleben.— Anwar Gargash, diplomatischer Berater des VAE-Präsidenten