Russlands Angriffe auf ukrainische Rechenzentren: Droht der Internet-Kollaps?

Keine direkten Opfer oder Vertriebenen genannt, aber Unterbrechung kritischer Dienste für Millionen Ukrainer.
Das schnellste und billigste Internet Europas wird teurer
Ukrainer müssen für verstärkte Schutzmaßnahmen gegen russische Angriffe zahlen, sagen Experten.
Mark

Warum konzentriert sich Russland überhaupt auf Rechenzentren? Das scheint ein ungewöhnliches Ziel für einen Krieg zu sein.

Mimi

Weil Rechenzentren das Nervensystem einer modernen Gesellschaft sind. Wenn du sie beschädigst, fällt nicht nur das Internet aus — es sind Banken, Nachrichtenportale, staatliche Register, alles. Russland kann damit Millionen Menschen gleichzeitig treffen.

Luke

Aber hat das wirklich funktioniert? Die Quelle sagt, dass nach den Angriffen einige Dienste unterbrochen waren, aber es wird nicht klar, wie lange oder wie flächendeckend.

Mark

Kann die Ukraine wirklich nicht vom Internet abgeschnitten werden?

Mimi

Nein, das ist das Interessante. Die ukrainische Internetbranche war so unreguliert und dezentralisiert, dass Tausende kleine Provider entstanden sind. Das war ursprünglich ein Mangel, jetzt ist es ein Vorteil.

Luke

Das stimmt, aber die Experten sagen auch, dass einzelne Netzwerksegmente ausfallen können. Das ist nicht dasselbe wie ein totaler Ausfall, aber für Menschen in diesen Segmenten ist es ein totaler Ausfall.

Mark

Was ist mit den Daten? Wenn ein Rechenzentrum zerstört wird, gehen die Daten verloren?

Mimi

Nein, weil die großen Provider ihre Daten bereits in mehreren Rechenzentren spiegeln — auch in Polen, Tschechien, über Google und Amazon. Ein Provider berichtete, dass 95 Prozent seiner Kunden nicht betroffen waren, weil sie bereits auf externe Kapazitäten ausgewichen waren.

Luke

Das funktioniert aber nur, wenn man es vorher geplant hat. Der Provider sagte, dass etwa 150 seiner Kunden betroffen waren, weil sie ihre Infrastruktur nicht dupliziert hatten. Das zeigt, dass es nicht automatisch funktioniert.

Mark

Was wird sich für normale Ukrainer ändern?

Mimi

Die Internetkosten werden steigen. Die Schutzmaßnahmen — Dezentralisierung, geografische Streuung, Cloud-Backups, möglicherweise unterirdische Schutzräume — kosten alle Geld. Das wird an die Kunden weitergegeben.

Luke

Aber wie viel? Die Quelle sagt, dass die Kosten steigen werden, nennt aber keine Zahlen. Das ist eine wichtige Unsicherheit.

Mark

Ist das also eine Informationskampagne oder ein echtes militärisches Problem?

Mimi

Wahrscheinlich beides. Ein Berater des Präsidenten sagt, dass es vor allem Angst schüren soll. Aber die physischen Schäden sind real — Rechenzentren wurden zerstört, Dienste fielen aus.

Luke

Ja, aber die Quelle sagt nicht, wie viele Rechenzentren zerstört wurden oder wie lange die Ausfälle dauerten. Das wäre wichtig zu wissen, um das Ausmaß wirklich zu verstehen.

  • Seit Anfang September trifft Russland systematisch Rechenzentren in Kyjiw und anderen Regionen – Fernsehsender, Streaming-Dienste und Bankensysteme fallen zeitweise aus.
  • Millionen Ukrainer spüren die Erschütterung im Alltag: Nachrichtenportale, staatliche Register und Telefonie geraten ins Wanken, ohne dass ein vollständiger Zusammenbruch eintritt.
  • Die unregulierte Geschichte der ukrainischen Internetbranche erweist sich als Schutzschild – Tausende Anbieter und parallele Datensicherungen in Europa verhindern einen totalen Ausfall.
  • Ein führender IT-Dienstleister verlor sein Rechenzentrum fast vollständig, doch 95 Prozent seiner Kunden blieben unberührt, weil ihre Daten längst in Polen und Tschechien gesichert waren.
  • Die eigentliche Rechnung kommt später: Experten und Parlamentarier warnen, dass steigende Internettarife unvermeidlich sind – die Kosten der Resilienz werden an die Verbraucher weitergegeben.

Seit September richtet Russland seine Angriffe gezielt auf ukrainische Rechenzentren – jene stillen Gebäude, in denen das digitale Gedächtnis einer modernen Gesellschaft wohnt. Die Absicht ist nicht allein militärischer Natur: Wer den Informationsfluss unterbricht, erschüttert das Vertrauen der Menschen in den Alltag. Doch die Ukraine trägt in ihrer historisch gewachsenen, dezentralisierten Internetstruktur eine unerwartete Widerstandskraft – eine Stärke, die nun zur Rüstung wird, aber ihren Preis hat.

Seit Anfang September verfolgt Russland eine neue Strategie: Neben Kraftwerken und Brücken werden nun gezielt Rechenzentren bombardiert – jene Gebäude, in denen Ukraines digitales Leben gespeichert ist. Fernsehsender, Streaming-Dienste und Kabelnetzbetreiber meldeten Ausfälle. Bankensysteme, staatliche Register und Telefonie gerieten ins Wanken. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte die Logik: Da Russland seine militärischen Ziele auf dem Schlachtfeld nicht erreiche, versuche es, das zivile Leben durch Unterbrechung des Informationsflusses zu destabilisieren.

Dennoch sind sich Experten einig, dass ein vollständiger Internetausfall nicht droht. Der Grund liegt in einer historischen Besonderheit: Die ukrainische Internetbranche war lange unreguliert, Lizenzen waren billig, der Markteinstieg leicht. So entstanden Tausende Anbieter – in manchen Wohnhäusern stehen Nutzern bis zu zehn zur Wahl. Telekommunikationsexperte Oleksandr Hluschtschenko sieht darin den Grund, warum die Ukraine wahrscheinlich über den besten und günstigsten Internetservice Europas verfügt. Diese Dezentralisierung ist heute ein Schutzschild.

Die technische Resilienz zeigt sich in konkreten Zahlen: Oleksandr Olschanskyj, Gründer des Providers MiroHost, berichtete, sein Rechenzentrum sei praktisch zerstört worden – doch rund 95 Prozent seiner 20.000 bis 25.000 Kunden blieben unberührt, weil ihre Infrastruktur bereits auf Server in Polen und Tschechien verlagert worden war. Nur etwa 150 Kunden ohne Datensicherung waren betroffen.

Experten empfehlen weitere Maßnahmen: stärkere geografische Streuung, Sicherung auf europäischen Cloud-Diensten, möglicherweise unterirdische Schutzräume. Doch all das kostet Geld. Parlamentarier und Berater rechnen mit steigenden Internettarifen. Die Angriffe auf Rechenzentren werden das ukrainische Internet nicht zum Erliegen bringen – aber sie werden es teurer machen.

Seit Anfang September hat Russland eine neue Strategie verfolgt: Es bombardiert nicht mehr nur Kraftwerke und Brücken, sondern zielt systematisch auf die Gebäude ab, in denen Ukraines digitales Gedächtnis gespeichert ist. Rechenzentren in Kyjiw und anderen Regionen wurden getroffen. Nach diesen Angriffen fielen Fernsehsender aus dem Netz, Streaming-Dienste wurden unterbrochen, Kabelnetzbetreiber meldeten Ausfälle. Die Infrastruktur, auf die Millionen Ukrainer täglich angewiesen sind — Nachrichtenportale, Bankensysteme, staatliche Register, Telefonie — geriet ins Wanken.

Was macht ein Rechenzentrum zum Ziel? Es ist im Grunde ein Gebäude voller Server und Speichergeräte, das den permanenten Betrieb von Online-Diensten garantiert. Wer ein Rechenzentrum beschädigt, unterbricht nicht nur das private Surfen, sondern lähmt ein ganzes Ökosystem von Diensten, auf die eine moderne Gesellschaft angewiesen ist. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte die Logik dahinter: Russland könne seine militärischen Ziele auf dem Schlachtfeld nicht erreichen, also versuche es, das zivile Leben zu destabilisieren, indem es den Informationsfluss unterbricht.

Doch Experten sind sich einig, dass ein vollständiger Internetausfall in der Ukraine nicht droht. Der Grund liegt in einer unerwarteten Stärke: Die ukrainische Internetbranche war lange Zeit völlig unreguliert. Es brauchte keine teuren Lizenzen, um einen Provider zu gründen. Der Markteinstieg war billig. Das führte dazu, dass Tausende Unternehmer Internetdienste anboten. Heute hat der durchschnittliche Ukrainer die Wahl zwischen mehreren Anbietern — in manchen Wohnhäusern sogar bis zu zehn. Dieser Wettbewerb hat, wie der Telekommunikationsexperte Oleksandr Hluschtschenko erklärt, dazu geführt, dass die Ukraine wahrscheinlich über den besten und günstigsten Internetservice in Europa verfügt. Die Dezentralisierung ist jetzt ein Schutzschild.

Aber es gibt Grenzen. Wenn ein Rechenzentrum physisch zerstört wird, können einzelne Netzwerksegmente ausfallen, bis die Infrastruktur wiederhergestellt ist. Der Parlamentsabgeordnete Oleksandr Fedijenko vom Ausschuss für nationale Sicherheit betont jedoch, dass die ukrainischen Provider schnell umstrukturieren und Ausweichstandorte einrichten können. Serhij Beskrestnow, Berater des Präsidenten für technologische Verteidigungsfragen, sieht in den Angriffen vor allem eine Informationskampagne — Russland schüre Angst, um die Bevölkerung zu demoralisieren, ähnlich wie früher mit Drohungen von Lebensmittel- und Treibstoffmangel.

Die technische Resilienz ist beeindruckend. Hluschtschenko erklärt, dass Daten nicht nur in einem Rechenzentrum gespeichert werden, sondern parallel in anderen Zentren — auch im Ausland — gesichert sind. Systeme können automatisch auf andere Rechenzentren umschalten. Telekommunikationsunternehmen speichern Kopien in europäischen Cloud-Diensten wie Google und Amazon. Oleksandr Olschanskyj, Gründer des Providers MiroHost und Chef von Internet Invest, einem der führenden ukrainischen IT-Dienstleister, berichtete, dass sein Rechenzentrum praktisch zerstört wurde. Trotzdem waren etwa 95 Prozent seiner 20.000 bis 25.000 Kunden nicht betroffen, weil sie ihre Infrastruktur auf Kapazitäten in Polen und Tschechien verlagert hatten. Nur etwa 150 Kunden, die ihre Systeme nicht dupliziert und nicht gesichert hatten, waren betroffen.

Experten empfehlen weitere Schutzmaßnahmen: noch stärkere Dezentralisierung, geografische Streuung von Geräten, Datensicherung auf europäischen Servern und Cloud-Diensten, möglicherweise sogar die Verlagerung in unterirdische Schutzräume. Aber all das kostet Geld. Und genau hier liegt das eigentliche Problem: Die Ukrainer haben sich an das schnellste, billigste Internet Europas mit dem besten technischen Support gewöhnt. Das wird sich ändern. Sowohl Fedijenko als auch Beskrestnow rechnen mit steigenden Internettarifen. Die Reparaturkosten müssen irgendwo herkommen. Die Angriffe auf die Rechenzentren werden also nicht das Internet zum Zusammenbruch bringen — aber sie werden es teurer machen.

Russland habe große ukrainische Rechenzentren angegriffen, um den Fluss von Informationen zu unterbrechen, weil es seine Ziele auf dem Schlachtfeld nicht erreiche
— Andrij Sybiha, ukrainischer Außenminister
Etwa 95 Prozent der Kunden sind nicht betroffen, da sie auf Kapazitäten in Polen und Tschechien zurückgreifen
— Oleksandr Olschanskyj, Gründer von MiroHost
Möchten Sie die ganze Geschichte? Das Original lesen bei Deutsche Welle ↗
Kontakt FAQ