In Arnsberg hat ein Prozess begonnen, der die Frage stellt, wie tief menschliche Grausamkeit reichen kann — und wie eine Gesellschaft antwortet, wenn das Schweigen bricht. Vier Männer, darunter zwei Jugendliche, sollen eine obdachlose Frau über drei Monate lang in einem Reihenhaus in Soest gefangen gehalten, misshandelt und vergewaltigt haben. Erst ein aufmerksamer Nachbar beendete ihr Martyrium, als er sie halbnackt und gefesselt auf einem Balkon entdeckte. Nun sucht das Recht nach Wahrheit — und eine Stadt nach Haltung.
Prozess um "Soester Horrorhaus" am Landgericht Arnsberg begonnen
Wir wollen der Frau zeigen, dass sie nicht allein ist
Was macht diesen Fall so außergewöhnlich, dass er vor der Jugendkammer verhandelt wird?
Normalerweise würde ein Fall dieser Schwere vor der regulären Strafkammer verhandelt. Aber weil zwei der vier Angeklagten noch jugendlich sind, muss die Jugendkammer zuständig sein. Das ist ein formales Erfordernis, auch wenn die anderen beiden erwachsen sind.
Und das bedeutet, dass die Strafen für die jugendlichen Angeklagten möglicherweise milder ausfallen könnten als für die erwachsenen?
Das ist eine berechtigte Frage, aber das wird sich erst im Urteil zeigen. Die Schwere der Vorwürfe ist unabhängig vom Alter der Täter.
Diese SD-Karte mit den Videos — wer hat sie der Polizei gegeben?
Das ist nicht bekannt. Die Quelle wurde nicht offengelegt. Aber die Videos scheinen entscheidend zu sein, weil sie die Angeklagten offenbar bei den Taten zeigen.
Und die Lebensgefährtin des Hauptangeklagten — sitzt sie wegen ihrer Rolle bei den Misshandlungen in Haft, oder wegen etwas anderem?
Das wurde nicht präzisiert. Sie ist auf den Videos zu sehen, aber ob sie als Täterin oder in einer anderen Rolle beteiligt war, ist aus den bisherigen Berichten nicht klar.
Was sagt die Tatsache aus, dass die Frau obdachlos war?
Die Ermittler sagen, dass sie abhängig gemacht wurde — möglicherweise deshalb, weil sie in einer verletzlichen Situation war. Das macht die Tat noch verwerflicher, aber es ist auch ein Hinweis darauf, wie die Täter vorgegangen sein könnten.
Und wie lange wird der Prozess voraussichtlich dauern?
Das ist noch nicht bekannt. Mit den neuen Beweisen und möglichen Geständnissen könnte sich das Verfahren beschleunigen oder auch komplizieren.
Le Pouls
- Eine 33-jährige Frau wurde über drei Monate lang in einem Reihenhaus gefangen gehalten, an ein Heizungsrohr gekettet, geschlagen, erniedrigt und zweimal vergewaltigt — ein Fall von extremer, systematischer Gewalt.
- Kurz vor Prozessbeginn tauchte eine SD-Karte mit Videoaufnahmen der Misshandlungen auf, die die Angeklagten offenbar direkt belasten — ein unerwarteter Wendepunkt in der Beweislage.
- Die Lebensgefährtin des Hauptangeklagten, auf den Videos ebenfalls zu sehen, sitzt seit September in Untersuchungshaft — ihr Wissen könnte den Prozess entscheidend beschleunigen.
- Rund 250 Menschen demonstrierten am ersten Prozesstag in Soest, um der Frau zu zeigen, dass sie nicht allein ist — ein seltenes Zeichen öffentlicher Solidarität in einem Fall, der eine Stadt erschüttert.
In Arnsberg hat ein Prozess begonnen, der die Frage stellt, wie tief menschliche Grausamkeit reichen kann — und wie eine Gesellschaft antwortet, wenn das Schweigen bricht. Vier Männer, darunter zwei Jugendliche, sollen eine obdachlose Frau über drei Monate lang in einem Reihenhaus in Soest gefangen gehalten, misshandelt und vergewaltigt haben. Erst ein aufmerksamer Nachbar beendete ihr Martyrium, als er sie halbnackt und gefesselt auf einem Balkon entdeckte. Nun sucht das Recht nach Wahrheit — und eine Stadt nach Haltung.
Am Landgericht Arnsberg hat ein Prozess begonnen, der zu den erschreckendsten Fällen der Region zählt. Vier Männer sind angeklagt, eine 33-jährige obdachlose Frau über mehr als drei Monate in einem Soester Reihenhaus gefangen gehalten, wiederholt geschlagen, sexuell erniedrigt und zweimal vergewaltigt zu haben. Die Anklage beschreibt menschenverachtende Demütigungen, deren Details aus Rücksicht auf das Opfer nicht öffentlich gemacht werden.
Die Frau war zeitweise mit Handschellen an ein Heizungsrohr gekettet. Ob sie durch falsche Versprechen oder Drogen in diese Abhängigkeit gebracht wurde, soll der Prozess klären. Ihr Martyrium endete, als ein Nachbar sie halbnackt und gefesselt auf einem Balkon entdeckte und die Polizei rief. Die Beamten fanden sie lebensbedrohlich unterkühlt — sie musste intensivmedizinisch behandelt werden.
Zwei der vier Angeklagten sind noch jugendlich, weshalb der Prozess vor der Jugendkammer stattfindet, vorerst aber öffentlich verhandelt wird. Die Öffentlichkeit kann ausgeschlossen werden, sobald intime Details oder Fragen des Jugendschutzes zur Sprache kommen.
Eine unerwartete Wendung brachte eine SD-Karte, die kurz vor Prozessbeginn anonym bei der Polizei einging. Die darauf gespeicherten Videos sollen die Angeklagten bei den Taten zeigen — und auch die Lebensgefährtin des Hauptangeklagten, die seit Ende September in Untersuchungshaft sitzt. Ob die neuen Beweise zu Geständnissen führen, soll in einem Rechtsgespräch zwischen Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft geklärt werden.
Während drinnen verhandelt wurde, versammelten sich draußen rund 250 Menschen zu einer Solidaritätsdemonstration. Der Zug führte vom Bahnhof zum Marktplatz. Die Organisatorinnen wollten der Frau eines zeigen: dass sie nicht allein ist.
Am Landgericht Arnsberg hat am Montagmorgen ein Prozess begonnen, der eine der brutalsten Misshandlungsfälle der Region vor Gericht bringt. Vier Männer sind angeklagt, eine 33-jährige Frau über mehr als drei Monate hinweg in einem Reihenhaus in Soest gefangen gehalten, wiederholt geschlagen, sexuell erniedrigt und zweimal vergewaltigt zu haben. Die Oberstaatsanwältin trug am ersten Verhandlungstag eine Anklage vor, die nach Angaben des Gerichts menschenverachtende und extreme Demütigungen beschreibt — Details, die aus Rücksicht auf das Opfer nicht öffentlich gemacht werden.
Die Frau, obdachlos und nach Aussage der Ermittler abhängig gemacht, wurde zeitweise mit Handschellen an ein Heizungsrohr gekettet. Wie genau diese Abhängigkeit herbeigeführt wurde — ob durch falsche Versprechungen oder durch Drogen — soll der Prozess klären. Das Martyrium endete im November des vergangenen Jahres, als ein Anwohner bemerkte, dass eine halbnackte, gefesselte Frau auf dem Balkon eines benachbarten Hauses hing. Der Mann verständigte die Polizei. Die Beamten befreiten die Frau, die zu diesem Zeitpunkt lebensbedrohlich unterkühlt war und intensivmedizinische Behandlung benötigte.
Ungewöhnlich für einen Fall dieser Schwere ist die Zusammensetzung der Angeklagten: Zwei der vier Männer sind noch jugendlich. Deshalb findet der Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts statt, wird aber zunächst öffentlich verhandelt — ein Kompromiss, der möglich ist, weil zwei der Angeklagten erwachsen sind. Die Öffentlichkeit kann jedoch ausgeschlossen werden, wenn intime Details oder Fragen des Jugendschutzes verhandelt werden, wie Claudia Mors-Böckenbrink, Sprecherin des Gerichts, erklärte.
Zum Prozessauftakt kam es zu einer überraschenden Wendung. Wenige Wochen vor Verhandlungsbeginn spielte jemand der Polizei eine SD-Karte zu, auf der Videos der Misshandlungen zu sehen sein sollen. Die Aufnahmen zeigen offenbar die Angeklagten und weitere Beschuldigte bei den Taten. Noch überraschender: Auf den Videos ist auch die damalige Lebensgefährtin des Hauptangeklagten zu sehen. Im Laufe des ersten Verhandlungstages wurde bekannt, dass diese Frau seit dem 25. September in Untersuchungshaft sitzt. Die neuen Beweise könnten beim nächsten Termin zu Geständnissen führen — ein Punkt, der in einem sogenannten Rechtsgespräch zwischen Richtern, Anwälten und Staatsanwaltschaft geklärt werden soll.
Am Nachmittag des ersten Prozesstages versammelten sich etwa 250 Menschen zu einer Solidaritätsdemonstration in Soest. Der Zug führte vom Bahnhof zum Marktplatz. Sarah Gonschorek von den Grünen im Kreis Soest, die zusammen mit dem Frauennetzwerk Kreis Soest zur Demo aufgerufen hatte, sagte, man wolle der Frau zeigen, dass sie nicht allein sei und dass man an ihrer Seite stehe. Der Prozess wird fortgesetzt.
Citations marquantes
Wir wollen der Frau zeigen, dass sie nicht allein ist, dass wir an ihrer Seite sind— Sarah Gonschorek, Bündnis 90/Die Grünen Kreis Soest