Huthi-Sprecher Yahya Saree verkündet regelmäßig Angriffe auf saudische Ziele, doch Saudi-Arabien bestätigt nur teilweise die gemeldeten Schläge. Saudi-Arabien behauptet, die Huthi hätten Mekka angegriffen; die Huthi dementieren dies vehement und widersprechen damit ihrer sonstigen Praxis, Anschläge zu rühmen.
Propaganda und Unklarheit prägen Jemen-Konflikt – Kriegsende nicht in Sicht
Propaganda, Dementi und Unklarheit prägen jeden Tag dieses Krieges
Warum ist es so schwer zu wissen, was im Jemen wirklich passiert?
Weil alle Seiten ein Interesse daran haben, ihre Stärke zu demonstrieren. Die Huthi wollen zeigen, dass sie Saudi-Arabien treffen können. Saudi-Arabien will zeigen, dass es die Situation unter Kontrolle hat. Und die jemenitische Regierung will beweisen, dass sie noch relevant ist.
Aber das erklärt nicht, warum die Huthi Mekka-Angriffe dementieren, wenn sie sonst jeden Schlag rühmen. Das ist ein Widerspruch, der mehr über ihre Strategie aussagt als über die Wahrheit.
Was bedeutet dieser Widerspruch?
Es bedeutet, dass es Grenzen gibt – auch für Propaganda. Mekka anzugreifen ist religiös und politisch so giftig, dass selbst die Huthi das nicht riskieren können, auch wenn es wahr wäre.
Oder es bedeutet, dass Saudi-Arabien die Geschichte erfunden hat, um seine Verbündeten zu mobilisieren. Wir wissen es nicht.
Und diese neuen Truppen aus Pakistan und der Türkei – ändern sie etwas?
Das ist die große Frage. Pakistan hat bereits Truppen dort. Die Türkei sendet wahrscheinlich nur Luftabwehr und Berater. Es ist eher ein politisches Signal als eine militärische Eskalation.
Aber es ist ein Signal, das funktioniert hat – es hat die Aufmerksamkeit auf Mekka gelenkt, nicht auf die Kämpfe im Jemen selbst.
Wo gewinnen die Huthi gerade?
Um Taizz. Sie machen dort Geländegewinne, während die anti-Huthi-Kräfte anderswo offensiv sind. Es ist ein Krieg auf mehreren Fronten, und niemand gewinnt wirklich.
Das ist das Wichtigste: Es gibt keine Seite, die kurz vor dem Sieg steht. Das bedeutet, dieser Krieg geht weiter.
Le Pouls
- Huthi-Sprecher Yahya Saree verkündet regelmäßig Angriffe auf saudische Ziele, doch Saudi-Arabien bestätigt nur teilweise die gemeldeten Schläge
- Saudi-Arabien behauptet, die Huthi hätten Mekka angegriffen; die Huthi dementieren dies vehement
- Pakistan und die Türkei kündigten an, Truppen nach Saudi-Arabien zu entsenden
- Im Jemen machen die Huthi derzeit Geländegewinne um die Stadt Taizz
Huthi-Sprecher Yahya Saree verkündet regelmäßig Angriffe auf saudische Ziele, doch Saudi-Arabien bestätigt nur teilweise die gemeldeten Schläge. Saudi-Arabien behauptet, die Huthi hätten Mekka angegriffen; die Huthi dementieren dies vehement und widersprechen damit ihrer sonstigen Praxis, Anschläge zu rühmen.
Im Jemen-Krieg verbreiten alle Konfliktparteien widersprüchliche Berichte über Angriffe und Erfolge. Während die Huthi Luftangriffe auf Saudi-Arabien melden, dementieren sie Anschläge auf Mekka – ein Ende des Kriegs ist nicht absehbar.
Wenn Yahya Saree vor die Kamera tritt, trägt er eine Tarnuniform, die von Orden bedeckt ist. Der Militärsprecher der Huthi-Miliz verkündet dann die neuesten Erfolge seiner Kämpfer – immer mit derselben nachdrücklichen, aber monotonen Stimme. Er spricht vom "saudischen Aggressor", von Frauen und Kindern, die durch dessen Angriffe getötet wurden, und von den eigenen "Präzisionsschlägen" auf saudisches Territorium. Es ist ein Muster, das sich wiederholt, und es ist auch ein Fenster in das Kernproblem des Jemen-Konflikts: Niemand weiß wirklich, was wahr ist.
Vor kurzem verkündete Saree, die Huthi hätten Anlagen des saudischen Ölkonzerns Aramco getroffen und auch den internationalen Flughafen in Riad angegriffen. Saudi-Arabien bestätigte am nächsten Morgen, dass es Angriffe auf sein Territorium gegeben hatte – aber nicht auf den Flughafen in der Hauptstadt. Die aktuellen Flugdaten zeigten, dass der Verkehr dort weitgehend nach Plan lief. Saree hatte internationale Fluggesellschaften aufgefordert, den saudischen Luftraum zu meiden, da er zum "Operationsraum" seiner Streitkräfte geworden sei – mit Ausnahme des heiligen Luftraums über Mekka und Medina. Die Botschaft war klar: Vertraut uns, wir treffen, was wir sagen.
Doch dann kam etwas Unerwartetes. Saudi-Arabien meldete mehrfach in den vergangenen Wochen, dass die Huthi Mekka angegriffen hätten. Ein Drohnenangriff auf die heilige Stadt sei ein "schwarzer Fleck im Sündenregister" der Huthi, hieß es in einer im saudischen Fernsehen verlesenen Nachricht. Die Huthi, die sonst stolz jeden ihrer Schläge in Saudi-Arabien verkünden, dentierten dies vehement ab. Sie hätten Mekka nicht angegriffen. Das Schweigen war lauter als jede Bestätigung – und es zeigte, wie sehr die Propaganda die Realität überlagert hat.
Diese angeblichen Angriffe auf Mekka und Medina setzten eine Kettenreaktion in Gang. Saudi-Arabien aktivierte seine Verbündeten. Nach einer Dringlichkeitssitzung in Riad erklärten Pakistan und die Türkei gestern, schnell Truppen und Militärgerät nach Saudi-Arabien zu entsenden. Die drei Staaten hatten sich Anfang August zu einem Bündnis mit dem Namen Mekka-Verteidigungspakt zusammengeschlossen. Was genau folgen wird, bleibt unklar. Pakistanische Truppen sind bereits in Saudi-Arabien stationiert; ob die Türkei mehr als Luftabwehrraketen und Militärberater schickt, gilt Experten zufolge als ungewiss. Der türkische Außenminister erklärte nach dem Treffen, es sei beabsichtigt, die Probleme im Jemen durch Dialog und friedliche Mittel zu lösen – eine Aussage, die angesichts der Truppenbewegungen fast surreal wirkt.
Im Jemen selbst sieht es wenig nach friedlicher Konfliktlösung aus. Mit der international anerkannten jemenitischen Regierung verbündete Milizen teilten in den sozialen Medien Bilder von ihren Kämpfen gegen die Huthi. Sie meldeten, dass sie wichtige Orte in unmittelbare Nähe der Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ausgang des Roten Meers zurückerobert hätten. Eine vor wenigen Tagen gestartete Offensive ziele darauf ab, den Putsch der Huthi rückgängig zu machen, alle Gebiete zurückzuerobern und die iranische Präsenz zu beenden, erklärte ein Berater der von Saudi-Arabien unterstützten jemenitischen Regierung im Fernsehsender Al-Hadath. Doch Experten rechnen nicht mit einem schnellen Erfolg. An einer anderen Kriegsfront rund um die Stadt Taizz haben die Huthi in den letzten Tagen offenbar Geländegewinne gemacht.
Das ist der Jemen-Krieg im Jahr 2026: Ein Konflikt, in dem alle Seiten – die Huthi-Miliz, die jemenitische Regierung, Saudi-Arabien – Schläge und Erfolge melden, bei denen unklar ist, was stimmt. Ein Ende ist nicht in Sicht. Stattdessen gibt es neue Bündnisse, neue Offensiven, neue Ankündigungen. Und überall Propaganda, Dementi und Unklarheit.
Citations marquantes
Der saudische Luftraum ist zum Operationsraum für unsere Streitkräfte geworden – mit Ausnahme des heiligen Luftraums über Mekka und Medina— Yahya Saree, Huthi-Militärsprecher
Die Offensive zielt darauf ab, den Putsch der Huthi rückgängig zu machen, alle Gebiete zurückzuerobern und die iranische Präsenz zu beenden— Berater der von Saudi-Arabien unterstützten jemenitischen Regierung