Nachfolge Steinmeier: Wird erstmals eine Frau Bundespräsidentin?

Seit 1949 zwölf männliche Bundespräsidenten – da wird es mal Zeit für eine Frau
Politologin Ursula Münch über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
Mark

Warum ist diese Personalie so wichtig, wenn der Bundespräsident doch nicht regiert?

Mimi

Weil er Gesetze prüft und unterzeichnet. In einer Krise könnte er entscheiden, ob der Bundestag aufgelöst wird oder eine Minderheitsregierung eine Chance bekommt, sagt Ursula Münch.

Luke

Das ist eine Möglichkeit, kein aktuelles Szenario. Im Text gibt es keinen Hinweis auf eine akute Krise.

Mark

Und Ilse Aigner? Sie wirkt wie die Favoritin.

Mimi

Söder lobt sie, Miersch von der SPD ebenfalls, und sie war Bundesministerin. Das spricht für breite Akzeptanz.

Luke

Lob ist keine Nominierung. Merz hat sich nicht geäußert, und Münch spricht nur von einer gewissen Schlagseite, nicht von einer Entscheidung.

Mark

Warum zögert Merz?

Mimi

Der Text sagt, vielleicht, weil Aigner CSU und nicht CDU ist. Das ist eine Vermutung.

Luke

Genau, belegt ist das nicht. Belegt ist nur, dass sein Umfeld sagt, es gebe keine Entscheidung und mehrere geeignete Optionen.

Mark

Wie wichtig ist das Geschlecht für die Wähler?

Mimi

Laut Forsa-Umfrage vom August ist es 74 Prozent egal, 19 Prozent wollen eine Frau.

Luke

Das ist eine einzelne Umfrage, und die Bundesversammlung wählt ohnehin, nicht die Bevölkerung.

  • Steinmeiers Amtszeit endet, und das Vorschlagsrecht wandert zur CDU, ohne dass schon ein Name feststeht.
  • Die Union muss eine Person finden, die in CDU, CSU und SPD gleichermaßen vermittelbar ist.
  • Ilse Aigner gilt als Favoritin, während Merz aus Rücksicht auf die Schwesterpartei CSU schweigt.
  • Mit einer Bundesversammlung, die zur Mehrheit der Koalition neigt, läuft alles auf eine Entscheidung bis zum 9. November zu.

Im Januar 2027 soll Berlin ein neues Staatsoberhaupt wählen, und die Suche nach Frank-Walter Steinmeiers Nachfolger hat begonnen. Da er nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten kann, liegt das Vorschlagsrecht nun bei der CDU von Kanzler Friedrich Merz, der sich vorerst bedeckt hält. Es ist ein Moment, in dem sich zeigt, wie sehr das höchste Staatsamt Ausdruck gemeinsamer Verständigung sein muss, und die Frage, ob erstmals eine Frau an die Spitze rückt, begleitet die Entscheidung.

Am 30. Januar 2027 soll in Berlin ein neues Staatsoberhaupt gewählt werden, und am 19. März würde es das Amt antreten. Doch noch steht kein Name fest. Steinmeier darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten, und mit jedem Tag wächst der Druck, eine Nachfolge zu finden, die nicht nur die Koalition, sondern möglichst viele Menschen im Land überzeugt.

Die Union ist am Zug, und Kanzler Merz lässt sich bisher nicht in die Karten schauen. Als aussichtsreichste Kandidatin gilt Ilse Aigner, die Präsidentin des Bayerischen Landtags. Lob kommt quer durch die Parteien, auch wenn der Kanzler sich bedeckt hält. Daneben werden Julia Klöckner, Annegret Kramp-Karrenbauer, Karin Prien, Boris Rhein und zuletzt Ines Claus genannt.

Die Bundesversammlung dürfte die Wahl ohne große Mühe entscheiden, denn die Koalition bringt genug Stimmen auf. Bis zum 9. November sollen die Gremien der CDU beraten, und dann wird sich zeigen, ob eine Überraschung oder doch die Favoritin das Rennen macht.

Am 30. Januar 2027 soll in Berlin ein neues deutsches Staatsoberhaupt gewählt werden, am 19. März 2027 würde es sein Amt antreten. Doch noch ist niemand nominiert. Frank-Walter Steinmeier kann nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten, und die Frage, wer ihm folgt, wird in Berlin immer drängender. Viele wünschen sich erstmals eine Frau an der Spitze des Staates.

Voraussetzung für das Amt sind ein deutscher Pass, das Wahlrecht und ein Mindestalter von 40 Jahren. Politisch liegt das Vorschlagsrecht diesmal bei der CDU. Steinmeier war von der SPD vorgeschlagen worden, seine Parteimitgliedschaft ruht, solange er im Amt ist. Nun ist die Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz an der Reihe, der mächtigste Partner in der Koalition mit SPD und CSU. Die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch sagt der DW, die drei Parteien müssten sich auf eine Person einigen, die in allen dreien vermittelbar sei. Die Person solle zudem bekannt und politisch ausgewogen sein, integrieren können, auf Menschen zugehen und gut reden.

Die Bundesversammlung, die den Präsidenten wählt, besteht aus allen 630 Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Vertretern der Landtage, darunter Prominente aus Kultur, Wissenschaft, Sport und Gesellschaft. Gewählt ist, wer mehr als 631 Stimmen erhält. CDU/CSU und SPD kommen zusammen auf 682 Stimmen. Deshalb gilt es als sehr wahrscheinlich, dass die Person, die Merz benennt, auch gewählt wird.

Seit 1949 gab es zwölf männliche Bundespräsidenten. „Da wird es mal Zeit für eine Frau“, sagt Münch, räumt aber ein, sie könne sich auch mit einem guten Mann abfinden. Die Bevölkerung sieht es gelassener: Laut einer Forsa-Umfrage für RTL vom August ist es 74 Prozent egal, ob Mann oder Frau. 19 Prozent wollen ausdrücklich eine Frau, fünf Prozent einen Mann.

Als aussichtsreich gilt die 61-jährige Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags und CSU-Mitglied. Sie gilt als ausgleichend und war Bundeslandwirtschaftsministerin. In ihrer Partei genießt sie größte Unterstützung; CSU-Chef Markus Söder nannte es kürzlich eine „tolle Sache“, wenn sie Bundespräsidentin würde. Auch aus SPD und Grünen kommt Lob. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch fragte, worauf man noch warte, ob Aigner nicht längst über Parteigrenzen hinweg eine Mehrheit hinter sich habe. Merz, der mit Aigner befreundet ist, hält sich bislang bedeckt – vielleicht, weil sie nicht aus der CDU, sondern aus der kleineren Schwesterpartei CSU stammt.

Genannt werden auch CDU-Mitglieder: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die frühere Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, Bildungsministerin Karin Prien und Hessens Ministerpräsident Boris Rhein. Seit einigen Tagen fällt zudem der Name Ines Claus, Juristin, Fraktionschefin der CDU in Hessen und stellvertretende Bundesvorsitzende, in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Der Kanzler, derzeit auf Asienreise und rund 9000 Kilometer entfernt, ließ ausrichten, er habe weder eine Entscheidung getroffen noch einen Vorschlag unterbreitet. Es gebe eine Reihe geeigneter Optionen.

Das Amt wird oft als reine Repräsentation unterschätzt. Münch verweist darauf, dass der Präsident Gesetze prüft und unterzeichnet und in einer Krise entscheiden könnte, ob er den Bundestag auflöst oder eine Minderheitsregierung befürwortet.

Aus Regierungskreisen heißt es, Merz wolle einen geordneten Prozess. Erster Zielpunkt seien die Sitzungen von CDU-Präsidium und -Vorstand am 9. November. Bis dahin werde mit den Landesvorsitzenden von CDU und CSU gesprochen, auch SPD und Grüne sollen konsultiert werden. Münch hält die Frage für offen, mit einer gewissen Schlagseite für Aigner – eine Überraschung sei aber möglich.

Die drei Parteien müssen sich im Grunde auf eine Person einigen, die in allen drei Parteien vermittelbar ist.
— Ursula Münch, Politikwissenschaftlerin
Es wäre eine tolle Sache, wenn sie Bundespräsidentin würde.
— Markus Söder, CSU-Chef, über Ilse Aigner
Quer a matéria completa? Leia o original em Deutsche Welle ↗
Fale Conosco FAQ