Zum hundertsten Geburtstag des Konzerns sichert sich die Lufthansa einen Anteil an der portugiesischen Staatsairline TAP – ein Schritt, der weit über eine bloße Beteiligung hinausweist. Im ewigen Ringen der großen Luftfahrtallianzen um Reichweite und Relevanz verschafft sich Europas größte Fluggesellschaft Zugang zu Lateinamerika und setzt sich damit gegen Air France-KLM durch. Es ist ein Moment, der zeigt, wie Wachstum in einer konsolidierenden Branche nicht mehr im Heimatmarkt, sondern an den Rändern Europas erkämpft wird.
Lufthansa-Einstieg bei TAP: Ein Meilenstein zum 100. Geburtstag
Wachstum lässt sich derzeit nur auf der Langstrecke erzielen
Warum ist dieser Einstieg bei TAP so bedeutsam? Lufthansa hat doch schon genug zu tun mit ITA.
Weil Wachstum im Flugverkehr derzeit nur auf der Langstrecke möglich ist, und TAP öffnet die Tür nach Lateinamerika. Das ist ein Markt, den Lufthansa bisher nicht richtig erreichen konnte.
Aber die Frage ist: Zu welchem Preis? Über eine Milliarde Euro für 45 Prozent — und dann muss Spohr später noch die restlichen 55 Prozent kaufen. Das ist ein sehr teures Spiel.
Inwiefern schwächt das die Position der Lufthansa?
Es schwächt sie nicht, es stärkt sie. Mit TAP zieht Lufthansa mit IAG gleich, dem britischen Konkurrenten. Ohne diesen Schritt wäre Lufthansa langfristig im Nachteil.
Das stimmt, aber die Kosten sind real. Die Beschäftigten in Deutschland sparen, die Aktionäre verdienen nichts — und jetzt investiert Lufthansa über eine Milliarde in Portugal. Das ist ein Spannungsverhältnis, das der Text benennt, aber nicht löst.
Was passiert, wenn die Integration schiefgeht?
Dann hat Lufthansa ein großes Problem. Aber Spohr hat das bei Swiss und AUA schon geschafft. Die Frage ist eher: Wie lange dauert es, bis TAP wirklich rentabel ist?
Und ob die Bundesregierung endlich etwas gegen die Steuerlast tut. Der Text sagt, dass selbst Ryanair in Deutschland nicht profitabel fliegen kann. Das ist das eigentliche Problem.
Il Polso
- Lufthansa schlägt Air France-KLM im Bieterverfahren und sichert sich knapp 45 Prozent an TAP – ein Ergebnis, das die europäische Luftfahrtlandschaft neu ordnet.
- Die Übernahmekosten von über einer Milliarde Euro belasten den Konzern, während die Integration der italienischen ITA noch längst nicht abgeschlossen ist.
- Strategisch wertvolle Slots in Lissabon und Porto sowie Langstreckenverbindungen nach Lateinamerika machen TAP zum fehlenden Puzzlestück im globalen Netzwerk des Konzerns.
- Konzernchef Spohr steht unter Druck: Aktionäre warten auf Rendite, Beschäftigte in Deutschland spüren den Sparkurs – und dennoch muss langfristig die Vollübernahme folgen.
- Der deutsche Heimatmarkt bleibt strukturell geschwächt durch hohe Steuern und Abgaben, was Wachstum zunehmend nur noch im Ausland möglich macht.
Zum hundertsten Geburtstag des Konzerns sichert sich die Lufthansa einen Anteil an der portugiesischen Staatsairline TAP – ein Schritt, der weit über eine bloße Beteiligung hinausweist. Im ewigen Ringen der großen Luftfahrtallianzen um Reichweite und Relevanz verschafft sich Europas größte Fluggesellschaft Zugang zu Lateinamerika und setzt sich damit gegen Air France-KLM durch. Es ist ein Moment, der zeigt, wie Wachstum in einer konsolidierenden Branche nicht mehr im Heimatmarkt, sondern an den Rändern Europas erkämpft wird.
Die Lufthansa hat sich zu ihrem hundertsten Geburtstag selbst beschenkt: Im Bieterverfahren um die portugiesische Staatsairline TAP setzte sich der Konzern gegen Air France-KLM durch. Konzernchef Carsten Spohr sichert sich damit einen Einstieg von knapp 45 Prozent – und eine strategische Position, deren Tragweite kaum zu überschätzen ist.
Mit TAP gewinnt die Lufthansa direkten Zugang zu Langstreckenverbindungen nach Lateinamerika, einem der wenigen Wachstumssegmente, die im globalen Wettbewerb mit asiatischen Fluggesellschaften und Golf-Anbietern noch Spielraum bieten. Die Slots in Lissabon und Porto ergänzen die bereits erworbenen Positionen der ITA in Rom und Mailand – ein Netzwerk, das im deutschen Heimatmarkt längst nicht mehr aufzubauen wäre.
Doch die Herausforderungen sind erheblich. Die ITA-Integration ist noch nicht abgeschlossen, und nun wartet mit TAP die nächste milliardenschwere Aufgabe. Spohr weiß, dass 45 Prozent nur ein Anfang sein können – wie bei Swiss, AUA oder Brussels Airlines wird mittelfristig die vollständige Übernahme folgen müssen, um Synergien wirklich zu heben und die Kontrolle zu sichern.
Im Hintergrund schwelt ein strukturelles Problem: Der deutsche Heimatmarkt leidet unter Steuern und Abgaben, die selbst Billiganbieter an ihre Grenzen bringen. Während Lufthansa in Portugal und Italien neue Wachstumschancen erschließt, bleibt das eigene Land als Luftfahrtstandort zunehmend unattraktiv – eine Lücke, die die Politik bislang nicht schließt.
Die Lufthansa hat sich zum 100. Geburtstag selbst ein Geschenk gemacht. Am Mittwoch erhielt Europas größte Fluggesellschaft den Zuschlag im Bieterverfahren um die portugiesische Staatsairline TAP und setzte sich damit gegen den französisch-niederländischen Konkurrenten Air France-KLM durch. Konzernchef Carsten Spohr sichert sich damit einen Einstieg, dessen strategische Tragweite schwer zu überschätzen ist — vorausgesetzt, die anstehenden Detailverhandlungen verlaufen erfolgreich.
Mit TAP öffnet sich für den Lufthansa-Konzern nicht nur ein direkter Zugang zu lukrativen Fernverbindungen nach Lateinamerika. Der Schritt bedeutet auch, dass die Deutschen auf einen Schlag mit dem britischen Rivalen IAG gleichziehen. Die Slots in Lissabon und Porto, kombiniert mit den bereits erworbenen Verbindungen der italienischen ITA in Rom und Mailand, geben dem Konzern Positionen, die im deutschen Heimatmarkt längst nicht mehr zu finden sind. Im Jahr der Hundertjahrfeier erhöht Lufthansa damit seine Chancen erheblich, zu den Gewinnern in der harten Konsolidierungswelle der Branche zu gehören.
Doch es gibt berechtigte Vorbehalte. Die Lufthansa hat die Integration von ITA noch nicht abgeschlossen, und nun steht bereits die nächste massive Integrationsaufgabe an. Die Kosten für den TAP-Einstieg werden mit über einer Milliarde Euro beziffert, doch Spohr wird sich damit nicht zufriedengeben können. Als Stratege muss er perspektivisch — wie bereits bei Swiss, AUA oder Brussels Airlines — die vollständige Übernahme anstreben. Das alles geschieht vor dem Hintergrund, dass bei den deutschen Beschäftigten kräftig gespart wird und die Aktionäre an ihren Anteilen schon lange wenig Freude haben.
Die aktuelle Beteiligung liegt bei knapp 45 Prozent. Diesen Anteil wird Spohr mittelfristig ausbauen müssen, um die volle Kontrolle zu erlangen und die Synergien wirklich nutzen zu können. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und zu welchen Bedingungen diese Vollübernahme stattfindet.
Trotz dieser Herausforderungen ist der Zugriff auf TAP zentral für Lufthansas langfristige Position. Im Wettbewerb mit asiatischen Fluggesellschaften und den Anbietern vom Golf kann die Lufthansa ihre Rolle als größte Fluggesellschaft außerhalb der USA nur behaupten, wenn sie wächst. Dieses Wachstum lässt sich derzeit nur auf der Langstrecke erzielen, und dort vor allem mit Destinationen auf der Südhalbkugel. Genau dort bietet TAP die notwendigen Anknüpfungspunkte.
Das Kernproblem liegt im deutschen Heimatmarkt selbst. Steuern und Abgaben machen das Geldverdienen selbst für Billiganbieter wie Ryanair unmöglich. Während Lufthansa in Portugal und Italien neue Wachstumschancen erschließt, fehlen diese Potenziale im eigenen Land. Die Bundesregierung muss endlich gegensteuern, wenn Deutschland als Luftfahrtstandort nicht weiter an Bedeutung verlieren soll.
Citazioni salienti
Mit TAP öffnet sich für die Deutschen nicht nur die Tür für lukrative Fernverbindungen nach Lateinamerika, sondern der Konzern zieht auch mit dem britischen Wettbewerber IAG in etwa gleich.— Analyse der strategischen Bedeutung