In einer Zeit, da die Londoner City von Zinserträgen und Fusionsgeschäften profitiert, stellt sich die Labour-Regierung unter Finanzminister John Healey eine alte Frage neu: Wie viel kann eine florierende Branche zum Gemeinwohl beitragen, ohne dass der Wohlstand, den man besteuern will, selbst schwindet? Die Debatte um eine Erhöhung der britischen Bankensonderabgabe berührt das ewige Spannungsfeld zwischen staatlichem Bedarf und wirtschaftlicher Vitalität – ein Gleichgewicht, das Gesellschaften seit Jahrhunderten suchen.
Londons Banken im Visier: Wie viel Steuer verträgt die City?
Man muss die Gans so rupfen, dass sie nicht stirbt
Warum ist das gerade jetzt ein Thema? Die Banken verdienen doch gut.
Genau deshalb. Die Labour-Regierung braucht Einnahmen, und die Banken sind eine sichtbare Quelle. Aber es geht um mehr als nur Gier – es ist eine echte politische Frage: Wie viel kann man einer Branche aufbürden, ohne sie zu beschädigen?
Aber die Zahlen sind interessant. Londoner Banken zahlen schon 46 Prozent, Frankfurt und New York nur 28 bis 29 Prozent. Das ist nicht wenig.
Richtig. Das liegt an Sonderabgaben nach der Finanzkrise. Also hat die Regierung schon zugegriffen. Die Frage ist jetzt: noch mehr?
Was fordert die Gewerkschaft?
Sie will die Sonderabgabe von drei auf acht Prozentpunkte erhöhen – oder sogar bis 35 Prozent. Das würde 60 Milliarden Pfund über vier Jahre bringen.
Das ist eine sehr große Zahl. Aber auf welcher Grundlage? Wie realistisch ist das?
Das ist unklar. Es ist eine Berechnung, aber ob sie haltbar ist, wenn Banken tatsächlich weniger investieren oder Stellen abbauen, ist die offene Frage.
Gibt es ein Beispiel, wo das schiefgegangen ist?
Ja – die Ölindustrie. Die Zusatzgewinnsteuer seit 2022 hat Investitionen in der Nordsee praktisch zum Erliegen gebracht. Weniger Aktivität, weniger Steuern am Ende.
Also ein Warnsignal, aber nicht unbedingt ein Beweis, dass es bei Banken genauso läuft.
Nein, aber es zeigt das Risiko. Und die City konkurriert jetzt mit New York und Asien – nicht nur mit Frankfurt.
Le Pouls
- Londoner Banken tragen bereits eine Steuerlast von 46 Prozent – fast doppelt so viel wie Konkurrenten in Frankfurt oder New York – und stehen nun vor möglichen weiteren Erhöhungen.
- Der Gewerkschaftsbund TUC fordert eine drastische Ausweitung der Sonderabgabe und sieht Potenzial für 60 Milliarden Pfund zusätzlicher Staatseinnahmen über vier Jahre.
- Tories und Banker warnen lautstark vor Stellenabbau und Kapitalflucht, falls die Steuerschraube zu stark angezogen wird – und verweisen auf den Niedergang der Nordsee-Ölindustrie als mahnendes Beispiel.
- Die Regierung sucht den schmalen Grat zwischen dringend benötigten Einnahmen und dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit eines Finanzplatzes, der seinen Platz nach dem Brexit mühsam behauptet hat.
In einer Zeit, da die Londoner City von Zinserträgen und Fusionsgeschäften profitiert, stellt sich die Labour-Regierung unter Finanzminister John Healey eine alte Frage neu: Wie viel kann eine florierende Branche zum Gemeinwohl beitragen, ohne dass der Wohlstand, den man besteuern will, selbst schwindet? Die Debatte um eine Erhöhung der britischen Bankensonderabgabe berührt das ewige Spannungsfeld zwischen staatlichem Bedarf und wirtschaftlicher Vitalität – ein Gleichgewicht, das Gesellschaften seit Jahrhunderten suchen.
Die britische Finanzwelt steht unter wachsendem politischen Druck. Finanzminister John Healey erwägt, die Sonderabgabe auf Bankgewinne zu erhöhen – ein Gedanke, der bereits unter seiner Vorgängerin Rachel Reeves im Schatzamt kursierte, nun aber an Dringlichkeit gewinnt. Dabei profitiert die City gerade von höheren Zinsen und einem belebten Markt für Fusionen und Übernahmen.
Die Ausgangslage ist heikel: Londoner Banken zahlen laut PWC bereits 46 Prozent Steuern, während Wettbewerber in Frankfurt oder New York nur rund 28 bis 29 Prozent entrichten. Dennoch fordert der Gewerkschaftsbund TUC eine Anhebung der Bankensonderabgabe von drei auf mindestens acht Prozentpunkte – und weitergehende Vorschläge sehen sogar eine Abgabe von 35 Prozent vor, die über vier Jahre 60 Milliarden Pfund einbringen soll.
Die Warnungen kommen von mehreren Seiten. Opposition und Banker verweisen auf die britische Ölindustrie: Seit die Zusatzgewinnsteuer 2022 eingeführt wurde, sind die Investitionen in der Nordsee eingebrochen, Arbeitsplätze verschwunden – und paradoxerweise hat der Staat am Ende weniger eingenommen, weil die wirtschaftliche Aktivität selbst schrumpfte.
Für Healey und Labour geht es nun darum, das richtige Maß zu finden: einer profitablen Branche mehr abzuverlangen, ohne sie so zu belasten, dass sie Investitionen zurückzieht und Stellen abbaut. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Regierung diesen Balanceakt meistern kann.
Die britische Finanzwelt steht unter Druck. Während die Banken der City gerade von höheren Zinssätzen und einem florierenden Geschäft mit Fusionen und Übernahmen profitieren, schaut die Labour-Regierung genauer hin – und überlegt, wie viel mehr Steuern die Branche noch tragen kann. Finanzminister John Healey erwägt eine Erhöhung der Sonderabgabe auf Bankgewinne. Das ist kein neuer Gedanke: Schon unter seiner Vorgängerin Rachel Reeves wurden solche Pläne im Schatzamt diskutiert. Doch jetzt wird die Frage drängender.
Die Zahlen sind bemerkenswert. Nach Berechnungen von PWC, auf die der Lobbyverband UK Finance verweist, zahlen Londoner Banken bereits 46 Prozent Steuern – deutlich mehr als ihre Konkurrenten in Frankfurt oder New York, wo die Quote bei etwa 28 bis 29 Prozent liegt. Diese Differenz erklärt sich durch Sonderabgaben, die nach der Finanzkrise 2008 eingeführt wurden. Trotzdem sieht der Gewerkschaftsbund TUC noch Spielraum nach oben. Die Organisation fordert, die Bankensonderabgabe von derzeit drei Prozentpunkten auf acht Prozentpunkte zu erhöhen – und nennt das das absolute Minimum. Noch ehrgeiziger ist ein anderer Vorschlag: eine Erhöhung bis auf 35 Prozent, die über vier Jahre hinweg 60 Milliarden Pfund in die Staatskasse bringen könnte. Das ist eine gewagte Rechnung, manche würden sagen absurd.
Die Warnsignale kommen von mehreren Seiten. Die oppositionellen Tories und einige Banker in der City sprechen bereits von massivem Stellenabbau, sollte Healey die Steuerschraube zu stark anziehen. Man könnte das als die üblichen Klagen einer sehr profitablen Branche abtun – doch die Realität ist komplizierter. Die City hat ihre Position nach dem Brexit erstaunlich gut behauptet, aber die Konkurrenz ist härter geworden. Amerikanische Banken und asiatische Finanzplätze drängen nach vorne.
Ein Blick auf die britische Ölindustrie zeigt, wohin zu aggressive Besteuerung führen kann. Seit 2022, nach dem Preisanstieg infolge des Ukrainekriegs, belastet eine Zusatzgewinnsteuer die Branche. Das Ergebnis: Die Investitionen in der Nordsee sind zusammengebrochen. Unternehmen halten sich zurück, Arbeitsplätze verschwinden, und das Wachstum leidet. Paradoxerweise verliert der Staat am Ende sogar Einnahmen, weil weniger wirtschaftliche Aktivität stattfindet, auf die er Steuern erheben könnte.
Die Kunst der Besteuerung, wie schon der französische Finanzminister Colbert wusste, liegt im richtigen Maß. Man muss die Gans so rupfen, dass man viele Federn mit wenig Geschrei erhält – aber nicht so hart, dass die Gans stirbt und keine Eier mehr legt. Für Healey und die Labour-Regierung wird es darauf ankommen, dieses Gleichgewicht zu finden: Mehr Einnahmen von einer profitablen Branche zu nehmen, ohne sie so zu belasten, dass sie ihre Investitionen reduziert und Arbeitsplätze abbaut. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Regierung diesen schmalen Grat meistern kann.
Citations marquantes
Das absolute Minimum wäre eine Erhöhung der Bankensonderabgabe auf acht Prozentpunkte— Gewerkschaftsbund TUC
Zu hohe Sondersteuern strangulieren eine Branche und kosten am Ende dem Staat sogar Einnahmen— Analyse der Ölindustrie-Erfahrung