Am Ufer eines Sees, zwischen Lagerfeuer, Bier und Liegestühlen, zeigt sich ein altes Muster: Wenn der Abend weicher wird, suchen Männer nach Worten für ihre Zuneigung und greifen dabei zu Sätzen, die schon zu oft gesagt wurden. Der Kolumnist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nimmt diese Szene zum Anlass, nach dem Warum zu fragen. Seine Antwort liegt nicht im Mangel an Gefühl, sondern in einer Sprache, die dem Gefühl kaum Raum lässt. Die Frage richtet sich damit weniger an den Autor als an jeden, der schon einmal auf einer solchen Bierbank saß.
Kolumne „Boys Do Cry“: Warum Männerfreundschaften oft in Plastikpathos enden
Archaisch im Raum, das Schilf völlig unbewegt
Worum geht es in dieser Kolumne eigentlich?
Um eine Party am See, mit Lagerfeuer, Bier und Liegestühlen. Zwei Männer sitzen auf einer Bierbank und sagen sich: „Wahre Liebe gibt es nur unter Männern.“
Und der Kolumnist findet den Satz seltsam?
Er nennt ihn archaisch. Und er vergleicht die Gefühlssprache mit den Sätzen einer Plastik-Actionfigur.
Wichtig ist: Das ist eine Meinungskolumne, kein Bericht. Die Szene ist die Beobachtung eines Einzelnen.
Also kein Beleg dafür, wie Männer allgemein reden?
Genau. Eine Party sagt nichts darüber, wie verbreitet das Muster ist. Der Text nutzt sie als Anlass.
Aber der Anlass ist erkennbar: Der Alkohol macht sentimental, und dann greift man zum fertigen Satz.
Das ist die Deutung des Autors. Ob Alkohol der Auslöser ist, steht nicht belegt da.
Und wie geht der Gedanke weiter?
Das wissen wir nicht. Frei lesbar ist nur der Anfang, der Rest liegt hinter der Bezahlschranke.
Le Pouls
- Eine Party am See kippt mit dem Alkohol in eine sentimentale Stimmung, die niemand so recht gewollt hat.
- Der Satz „Wahre Liebe gibt es nur unter Männern“ hängt wie ein Pathos im Raum, während das Schilf unbewegt bleibt.
- Der Kolumnist vergleicht die Gefühlssprache mit den Dialogen einer Plastik-Actionfigur und hält sie für veraltet.
- Die Kolumne bleibt offen: Die Frage, welche Worte Freunde ohne Floskeln finden könnten, wird an die Leser weitergereicht.
Am Ufer eines Sees, zwischen Lagerfeuer, Bier und Liegestühlen, zeigt sich ein altes Muster: Wenn der Abend weicher wird, suchen Männer nach Worten für ihre Zuneigung und greifen dabei zu Sätzen, die schon zu oft gesagt wurden. Der Kolumnist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nimmt diese Szene zum Anlass, nach dem Warum zu fragen. Seine Antwort liegt nicht im Mangel an Gefühl, sondern in einer Sprache, die dem Gefühl kaum Raum lässt. Die Frage richtet sich damit weniger an den Autor als an jeden, der schon einmal auf einer solchen Bierbank saß.
Es beginnt an einem Abend am See, mit Lagerfeuer, Bier und Liegestühlen. Männer stehen am Grill, die Wangen von der Hitze gerötet, und belehren einander, wie man es eben so macht.
Mit der späten Stunde wird die Stimmung weicher. Zwei Männer sitzen auf einer Bierbank und wollen sich ihrer Freundschaft versichern. Dafür finden sie einen Satz, der feierlich klingt: „Wahre Liebe gibt es nur unter Männern.“
Der Kolumnist der FAZ, der seine Reihe „Boys Do Cry“ schreibt, lässt diesen Satz einen Moment stehen. Er wirkt archaisch, aufgebläht, und die Natur ringsum nimmt das Pathos nicht auf. Daraus entsteht die Frage, die den Text trägt: Warum klingen Gefühle unter Männern so oft wie die Dialoge einer alten Plastik-Actionfigur? Gemeint ist eine Sprache aus wenigen markigen Floskeln, die kaum Zwischentöne zulässt.
Der Autor sieht darin kein Fehlen von Zuneigung, wohl aber ein starres Muster, durch das sie sich zeigen darf. Der weitere Gedankengang steht hinter der Bezahlschranke von FAZ+. Am Ende steht eine Frage an die Leser: Welche Worte würde man einem Freund sagen, wenn der Satz vom Lagerfeuer nicht zur Verfügung stünde?
Es beginnt mit einer Party am See: Lagerfeuer, Bier, Liegestühle. So schildert es der Kolumnist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in seiner Reihe „Boys Do Cry“. Am Grill standen Männer und belehrten einander, die Wangen von der Hitze gerötet.
Mit der Stunde und dem Alkohol änderte sich die Stimmung. Man wurde sentimental, schreibt der Autor. Zwei Männer saßen auf einer Bierbank und versicherten sich gegenseitig ihrer Zuneigung. Dafür fanden sie einen Satz: „Wahre Liebe gibt es nur unter Männern.“
Der Kolumnist lässt den Satz einen Moment lang stehen. Er beschreibt ihn als archaisch, als etwas, das sich im Raum aufbaut, während draußen das Schilf völlig unbewegt bleibt. Die Natur nimmt das Pathos nicht auf, so liest sich das Bild.
Daraus entsteht die Frage, die den Text trägt. Warum klingen Gefühle unter Männern so oft wie die Sätze einer alten Plastik-Actionfigur? Der Vergleich ist die Pointe der Kolumne. Er meint eine Sprache, die aus wenigen Floskeln besteht, markig klingt und wenig Spielraum für Zwischentöne lässt.
Die Szene am See dient dabei als Beispiel. Bier, Lagerfeuer und Rückenschläge gehören zu dem Rahmen, in dem Nähe unter Männern sich offenbar zeigen darf, und der Alkohol öffnet die Tür dazu. Der Autor sieht darin kein Fehlen von Zuneigung, wohl aber ein Muster, in dem sie sich ausdrückt: starr und klischeehaft.
Von der Kolumne ist über die Eingangsszene hinaus nur ein kurzer Ausschnitt frei zugänglich. Der Rest steht hinter der Bezahlschranke von FAZ+. Dort lässt sich der weitere Gedankengang des Autors nachlesen. Hier ist nur belegt, wovon der Text ausgeht und welche Frage er stellt.
Sie richtet sich auch an die Leser selbst. Wer schon einmal auf einer solchen Bierbank saß, kann sich fragen, welche Worte er für einen Freund finden würde, wenn der Satz vom Lagerfeuer nicht zur Verfügung stünde.
Citations marquantes
Wahre Liebe gibt es nur unter Männern.— Einer der beiden Männer auf der Bierbank, wie vom FAZ-Kolumnisten geschildert