In dem Bestreben, ökologische Verantwortung mit fiskalischer Notwendigkeit zu verbinden, hat die deutsche Koalition aus CDU/CSU und SPD eine Steuer auf Kunststoffverpackungen beschlossen, die ab Juli 2027 greift. Mit 550 Euro pro Tonne soll ein wirtschaftlicher Druck entstehen, der Unternehmen zum Umdenken bewegt – weg vom Einwegplastik, hin zu Kreislauflösungen. Die Maßnahme steht exemplarisch für den Versuch moderner Staaten, Marktverhalten durch Bepreisung zu lenken, ohne es zu verbieten.
Koalition plant Plastiksteuer: 550 Euro pro Tonne ab 2027
Nationales Steuerexperiment mit offenen Fragen
Warum braucht es diese Steuer überhaupt? Gibt es nicht schon Recyclingquoten und andere Regelungen?
Es geht um einen wirtschaftlichen Anreiz. Bisher zahlen Unternehmen für Kunststoffverpackungen wenig – die Kosten für Entsorgung und Umweltschäden trägt die Allgemeinheit. Diese Steuer macht Kunststoff teurer und gibt Herstellern einen echten Grund, weniger davon zu verwenden oder auf Alternativen auszuweichen.
Aber die Frage ist: Wie viel Kunststoff wird wirklich eingespart? 550 Euro pro Tonne – ist das genug, um Verhalten zu ändern, oder zahlen Unternehmen einfach und geben die Kosten an Verbraucher weiter?
Das ist der Punkt. Die Koalition geht davon aus, dass die Menge sinkt. Aber ob das realistisch ist, werden wir erst sehen, wenn die Steuer läuft.
Und was ist mit den Einnahmen – 1,5 Milliarden Euro pro Jahr ab 2028? Das ist viel Geld.
Ja, und das ist ehrlich gesagt auch ein großer Teil der Motivation. Der Bundeshaushalt ist angespannt. Die Steuer löst zwei Probleme gleichzeitig: Umwelt und Finanzen.
Wobei man sagen muss: Wenn die Steuer funktioniert und Kunststoffverbrauch wirklich sinkt, sinken auch die Einnahmen. Das ist ein echtes Zielkonflikt. Und die Koalition plant ja, die Steuer später auf andere Materialien auszuweiten – das klingt, als ob sie das Geld braucht.
Die Industrie ist dagegen. Plastics Europe nennt es ein »Experiment«. Wie ernst sollte man das nehmen?
Das ist typischer Industriewiderstand. Aber Bunte hat einen Punkt: Der Entwurf ist noch nicht fertig. Viele praktische Fragen sind offen – wie wird das kontrolliert, wie wird es für Importeure gehandhabt, was ist mit Grenzfällen?
Genau. Wir wissen noch nicht, ob das technisch umsetzbar ist oder ob es zu Schlupflöchern führt.
Le Pouls
- Ab Juli 2027 werden Kunststoffverpackungen mit 550 Euro pro Tonne belastet – ein Einschnitt, der die gesamte Verpackungsindustrie unter Anpassungsdruck setzt.
- Rund drei Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen fallen jährlich unter die neue Abgabe, was allein ab 2028 knapp 1,5 Milliarden Euro in den Bundeshaushalt spülen soll.
- Die Industrie schlägt Alarm: Plastics-Europe-Chefin Christine Bunte nennt das Vorhaben ein 'nationales Steuerexperiment' und bemängelt ungeklärte Fragen zur praktischen Umsetzung.
- Recycelter Kunststoff soll auf Antrag befreit werden – ein gezielter Anreiz, der Unternehmen in Richtung Kreislaufwirtschaft lenken soll.
- Um Ausweichmanöver zu verhindern, plant die Koalition, die Steuer künftig auch auf Papier, Pappe, Karton und Metalle auszuweiten.
In dem Bestreben, ökologische Verantwortung mit fiskalischer Notwendigkeit zu verbinden, hat die deutsche Koalition aus CDU/CSU und SPD eine Steuer auf Kunststoffverpackungen beschlossen, die ab Juli 2027 greift. Mit 550 Euro pro Tonne soll ein wirtschaftlicher Druck entstehen, der Unternehmen zum Umdenken bewegt – weg vom Einwegplastik, hin zu Kreislauflösungen. Die Maßnahme steht exemplarisch für den Versuch moderner Staaten, Marktverhalten durch Bepreisung zu lenken, ohne es zu verbieten.
Die Koalition aus CDU/CSU und SPD hat sich auf eine Plastiksteuer geeinigt, die ab Juli 2027 für Kunststoffverpackungen gilt. Unternehmen sollen 550 Euro pro Tonne zahlen – bei Herstellung, Import oder Einfuhr. Erfasst werden Verpackungen, Folien, Verschlüsse, Deckel und Kapseln sowie Verbundverpackungen mit einem Kunststoffanteil von mehr als fünf Prozent. Mehrwegverpackungen bleiben ausgenommen.
Die Regierung erwartet, dass jährlich etwa drei Millionen Tonnen unter die Steuer fallen – eine Menge, die langfristig sinken soll, wenn Unternehmen ihre Verpackungsstrategien anpassen. Finanziell kalkuliert die Koalition für das zweite Halbjahr 2027 mit rund 805 Millionen Euro Einnahmen, ab 2028 mit knapp 1,5 Milliarden Euro jährlich.
Recycelter Kunststoff kann auf Antrag von der Steuer befreit werden – ein Anreiz für die Kreislaufwirtschaft. Privatpersonen, die recycelte Produkte weitergeben, bleiben steuerfrei. Um zu verhindern, dass Unternehmen schlicht auf andere Materialien ausweichen, plant die Koalition, die Abgabe später auch auf Papier, Pappe und Metalle auszuweiten.
Aus der Industrie kommt deutlicher Widerstand: Christine Bunte von Plastics Europe kritisiert den Entwurf als unausgereift und spricht von einem 'nationalen Steuerexperiment'. Wesentliche Fragen zur praktischen Umsetzung seien noch ungeklärt – ein Hinweis darauf, dass zwischen politischem Anspruch und industrieller Realität noch erhebliche Spannung besteht.
Die Koalition aus CDU/CSU und SPD hat sich auf eine neue Abgabe geeinigt, die Kunststoffverpackungen ab Juli 2027 deutlich verteuern wird. Pro Tonne sollen Unternehmen 550 Euro zahlen – eine Maßnahme, die den Plastikverbrauch senken und gleichzeitig erhebliche Einnahmen für den Bundeshaushalt generieren soll.
Die Steuer erfasst ein breites Spektrum von Produkten: Kunststoffverpackungen selbst, Folien, Verschlüsse, Deckel und Kunststoffkapseln gehören dazu. Auch Verbundverpackungen – also Mischverpackungen – werden besteuert, sofern ihr Kunststoffanteil die Fünf-Prozent-Marke überschreitet. Die Abgabe fällt bei der Herstellung an, beim Import oder wenn Verpackungen ins Land gebracht werden. Mehrwegverpackungen bleiben ausgenommen, um Anreize für wiederverwendbare Systeme zu bewahren.
Die Koalition geht derzeit davon aus, dass jährlich etwa drei Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen unter diese Steuer fallen werden – eine Menge, die der Bundesregierung zufolge allein 2023 als Abfall anfiel. Langfristig rechnet man damit, dass diese Menge sinkt, wenn Unternehmen ihre Verpackungsstrategien anpassen und weniger Kunststoff einsetzen.
Finanziell verspricht sich die Regierung erhebliche Einnahmen. Für das zweite Halbjahr 2027, wenn die Steuer in Kraft tritt, kalkuliert die Koalition mit etwa 805 Millionen Euro. Ab 2028 sollen es dann jährlich knapp 1,5 Milliarden Euro sein – Geld, das in den angespannten Bundeshaushalt fließen würde.
Um Ausweichreaktionen zu verhindern, plant die Koalition, die Steuer später auch auf andere Verpackungsmaterialien wie Papier, Pappe, Karton und Metalle auszuweiten. Damit soll verhindert werden, dass Unternehmen einfach zu anderen Materialien wechseln, um der Abgabe zu entgehen. Recycelter Kunststoff soll auf Antrag von der Steuer befreit werden können – ein Anreiz für Kreislaufwirtschaft. Privatpersonen, die Produkte aus recyceltem Kunststoff weitergeben oder verkaufen, sollen nicht steuerpflichtig sein.
Aus der Industrie kommt Widerstand. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin des Kunststoffverbands Plastics Europe, kritisiert den Gesetzentwurf als unausgereift. Wesentliche Fragen zur praktischen Umsetzung blieben offen, sagte sie. Sie charakterisiert das Vorhaben als »nationales Steuerexperiment« – ein Vorwurf, der andeutet, dass die Branche Bedenken hat, ob die Regelung in der Praxis funktionieren wird und welche unbeabsichtigten Folgen sie haben könnte.
Citations marquantes
Der Entwurf lasse wesentliche Fragen zur Umsetzung offen und sei noch nicht ausgereift— Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin Plastics Europe