Von Schnurbein war seit 2015 bei der EU-Kommission für die Bekämpfung von Antisemitismus zuständig und maßgeblich an der ersten EU-Strategie gegen Antisemitismus beteiligt. Der Zentralrat der Juden begrüßt die Berufung als herausragende Besetzung; von Schnurbein genießt in der jüdischen Gemeinschaft hohes Ansehen.
Katharina von Schnurbein wird neue Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung
Viele Jüdinnen und Juden geben sich nicht mehr als jüdisch zu erkennen
Warum ist die Ernennung von Schnurbeins gerade jetzt so wichtig?
Weil das Amt seit August vakant war und die Zahlen antisemitischer Vorfälle seit Oktober 2023 dramatisch gestiegen sind. Das ist kein Zufall — die Verzögerung bei der Nachbesetzung wurde genau deshalb kritisiert.
Aber wie dramatisch sind diese Zahlen wirklich? Der Text sagt "stark angestiegen", aber gibt keine konkreten Zahlen. Wir wissen, dass es mehr Vorfälle gibt, aber nicht, um wie viel mehr.
Was macht von Schnurbein so qualifiziert für diesen Job?
Sie hat elf Jahre bei der EU-Kommission an der Bekämpfung von Antisemitismus gearbeitet und war an der ersten europäischen Strategie gegen Judenhass beteiligt. Das ist nicht nur Theorie — sie hat das in der Praxis umgesetzt.
Das ist beeindruckend, aber es ist auch wichtig zu sehen: Sie wurde von israelkritischen Abgeordneten angegriffen, weil man ihr Parteilichkeit vorwarf. Das ist nicht gelöst, nur weil jüdische Organisationen hinter ihr standen.
Wie ernst ist dieses Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft?
Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats, kennt sie seit Jahren und nennt die Besetzung herausragend. Das ist nicht einfach eine Floskel — das ist jemand, der sie persönlich einschätzt.
Ja, aber Schuster spricht für den Zentralrat, nicht für alle Jüdinnen und Juden in Deutschland. Und die Kritik von israelkritischen Abgeordneten zeigt, dass es auch andere Perspektiven gibt, die sie als problematisch sehen.
Was wird ihre konkrete Aufgabe sein?
Sie soll Maßnahmen gegen Judenhass koordinieren und jüdisches Leben sichtbarer machen. Das klingt abstrakt, aber in einer Zeit, in der sich viele Jüdinnen und Juden nicht mehr trauen, sich öffentlich als jüdisch zu erkennen, ist das sehr konkret.
Das ist richtig, aber der Text sagt nicht, wie sie das konkret tun wird oder welche Mittel ihr zur Verfügung stehen. Wir wissen, was das Amt sein soll, aber nicht, wie es funktioniert.
Der Puls
- Katharina von Schnurbein, 53, tritt am 28. Oktober 2026 ihr Amt an
- Sie war seit 2015 bei der EU-Kommission für Antisemitismusbekämpfung zuständig
- Antisemitische Vorfälle sind seit dem 7. Oktober 2023 stark angestiegen
- Das Amt war seit August 2026 vakant, nachdem Felix Klein zur OECD wechselte
Von Schnurbein war seit 2015 bei der EU-Kommission für die Bekämpfung von Antisemitismus zuständig und maßgeblich an der ersten EU-Strategie gegen Antisemitismus beteiligt. Der Zentralrat der Juden begrüßt die Berufung als herausragende Besetzung; von Schnurbein genießt in der jüdischen Gemeinschaft hohes Ansehen.
Die Bundesregierung beruft Katharina von Schnurbein zur neuen Antisemitismusbeauftragten. Die 53-jährige Politikwissenschaftlerin wechselt von der EU-Kommission nach Berlin und tritt ihr Amt am 28. Oktober an.
Die Bundesregierung hat Katharina von Schnurbein zur neuen Antisemitismusbeauftragten ernannt. Die 53-jährige Politikwissenschaftlerin wechselt von der Europäischen Kommission nach Berlin und wird ihr Amt am 28. Oktober antreten. Sie folgt Felix Klein nach, der das Amt acht Jahre lang innehatte, bevor er im August als deutscher Botschafter zur OECD nach Paris wechselte. Seitdem wurden seine Aufgaben übergangsweise vom Parlamentarischen Staatssekretär Christoph de Vries im Bundesinnenministerium wahrgenommen — eine Verzögerung, die angesichts des wachsenden Antisemitismus in Deutschland auf Kritik stieß.
Von Schnurbein bringt umfangreiche Erfahrung in diesem Bereich mit. Die 1973 in Regen in Niederbayern geborene Politikwissenschaftlerin studierte in Prag, Bonn und Oxford und arbeitet seit 2002 für die Europäische Kommission. Sie begann als Pressereferentin in Tschechien und wurde später Sprecherin in Brüssel. Fünf Jahre lang gehörte sie zum Beraterteam des damaligen EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, wo sie unter anderem für den Dialog mit Kirchen, Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen verantwortlich war.
Seit 2015 koordinierte von Schnurbein bei der EU-Kommission die Bekämpfung von Antisemitismus und die Förderung jüdischen Lebens. Sie war maßgeblich an der Entwicklung der ersten EU-Strategie gegen Antisemitismus beteiligt, die 2021 verabschiedet wurde, und begleitete deren Umsetzung. Für diese Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, darunter 2024 mit der Ehrendoktorwürde der israelischen Ben-Gurion-Universität im Negev.
Ihre Ernennung wird von führenden Vertretern der jüdischen Gemeinschaft begrüßt. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, beschrieb sie als international bestens vernetzt und sagte, sie genieße in der jüdischen Gemeinschaft sehr hohes Ansehen. Schuster, der von Schnurbein seit vielen Jahren kennt, nannte die Besetzung sowohl persönlich als auch professionell herausragend. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt würdigte sie als ausgewiesene Expertin im Kampf gegen Antisemitismus und betonte, dass jüdisches Leben zu Deutschland gehöre und gegen jede Form von Judenhass geschützt werden müsse.
Doch von Schnurbein hat in ihrer bisherigen Karriere auch Kritik erfahren. Im vergangenen Jahr forderten israelkritische Abgeordnete des Europaparlaments ihre Absetzung und warfen ihr vor, bei einem internen Austausch mit Diplomaten einseitig Partei für Israel ergriffen zu haben. Dutzende jüdische Organisationen stellten sich daraufhin öffentlich hinter sie.
Sie übernimmt ihr neues Amt in einer Zeit großer Herausforderungen. Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sind antisemitische Vorfälle in Deutschland stark angestiegen. Zentralratspräsident Schuster warnte vor einer fortschreitenden Normalisierung des Judenhasses in der Mitte der Gesellschaft. Viele Jüdinnen und Juden fühlen sich zunehmend bedroht und geben sich in der Öffentlichkeit nicht mehr als jüdisch zu erkennen.
Von Schnurbein selbst sagte, sie blicke ihrer neuen Aufgabe mit großem Respekt und Demut, aber auch mit dem nötigen Gestaltungswillen entgegen. Als Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung wird sie Maßnahmen von Bund und Ländern gegen Judenhass koordinieren und die Sichtbarkeit jüdischen Lebens stärken sollen.
Bemerkenswerte Zitate
Sowohl persönlich als auch professionell eine herausragende Besetzung— Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
Viele Jüdinnen und Juden fühlen sich nicht mehr sicher und geben sich in der Öffentlichkeit nicht mehr als jüdisch zu erkennen— Katharina von Schnurbein