Jemens Regierung startet Huthi-Offensive: Entscheidungstest für Koordination und Strategie

Ohne koordinierte Bodenoffensive lassen sich strategische Höhenzüge kaum dauerhaft zurückgewinnen
Die Regierung setzt auf Luftangriffe, doch Experten warnen, dass dies allein nicht ausreicht.
Mark

Was macht diese Offensive anders als die früheren Versuche, die Huthi zurückzudrängen?

Mimi

Die Regierung versucht diesmal, ihre fragmentierten Kräfte besser zu koordinieren und ihre Kommandostrukturen zu vereinheitlichen. Mit saudischer Luftunterstützung könnte das funktionieren – aber das wurde schon vorher gesagt.

Luke

Genau. Im vergangenen Jahr gab es denselben Plan: Waffen, Ausbildung, eine Offensive. Die Koalition brach auseinander. Was hat sich wirklich geändert?

Mimi

Das ist die zentrale Frage. Die Südliche Übergangsrat will einen unabhängigen Südjemen, Hadramaut fordert Autonomie. Diese Gruppen verfolgen unterschiedliche Ziele.

Mark

Aber wenn sie alle gegen die Huthi kämpfen, sollten sie doch zusammenarbeiten können?

Luke

Sollten, ja. Aber die Huthi haben eine einheitliche Strategie – Raketen, Drohnen, Schiffe angreifen, Druck aufbauen. Die Regierungskräfte haben keine gemeinsame Vision, nur einen gemeinsamen Feind.

Mimi

Und die Huthi nutzen das aus. Sie konzentrieren sich auf Taizz und die Kontrolle der Verkehrswege, nicht auf territoriale Eroberungen um ihrer selbst willen.

Mark

Warum ist Taizz so wichtig?

Mimi

Es liegt an den Verkehrswegen zwischen dem Roten Meer und dem Süden. Wenn die Huthi die umliegenden Höhenzüge kontrollieren, können sie die Verbindungen unterbrechen und ihre Gewinne am Bab al-Mandab absichern.

Luke

Aber die Regierung hat auch Erfolge am Bab al-Mandab gemeldet. Sind diese bestätigt?

Mimi

Die Huthi bestreiten sie. Das ist das Problem – die Erfolge sind umstritten. Während die Regierung am Bab al-Mandab einen Teilerfolg reklamiert, geraten ihre Kräfte bei Taizz unter Druck.

Mark

Also ein Patt?

Luke

Noch nicht. Aber die Operation "Rough Rider" der USA konnte die Huthi trotz wochenlanger Angriffe nicht besiegen. Das sollte zu denken geben.

Mimi

Der Mekka-Pakt mit der Türkei und Pakistan erweitert die regionale Dimension. Für Saudi-Arabien geht es nicht nur um den Jemen, sondern um den Schutz des eigenen Territoriums und der Handelswege.

  • Regierungstruppen erzielen erste Geländegewinne am Bab al-Mandab, während Huthi bei Taizz vorrücken
  • Anti-Huthi-Koalition ist fragmentiert mit unterschiedlichen politischen Zielen
  • Mekka-Pakt: Türkei und Pakistan sollen Truppen nach Saudi-Arabien entsenden
  • Huthi-Strategie: Raketen, Drohnen, Schiffsangriffe zur Erzeugung von Druck und wirtschaftlichen Kosten

Regierungstruppen erzielen erste Geländegewinne an der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab, während die Huthi bei Taizz offenbar vorrücken. Die Anti-Huthi-Koalition ist fragmentiert mit unterschiedlichen politischen Zielen, was die militärische Koordination erheblich erschwert und bisherige Offensiven scheitern ließ.

Jemens Regierungstruppen starten eine Gegenoffensive gegen die Huthi mit umstrittenen Erfolgen am Bab al-Mandab. Der Sieg hängt davon ab, ob die zerstrittenen Anti-Huthi-Kräfte ihre militärischen Operationen koordinieren können.

Die jemenitische Regierung hat eine groß angelegte Offensive gegen die Huthi gestartet. Nach eigenen Angaben haben ihre Truppen erste Geländegewinne an der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab erzielt – doch die Huthi bestreiten diese Erfolge und berichten ihrerseits von Fortschritten bei Taizz, einer Stadt im Südwesten des Landes nahe des Roten Meers. Das Bild bleibt widersprüchlich. Während die Regierung am Bab al-Mandab einen Teilerfolg für sich reklamiert, geraten ihre Kräfte bei Taizz selbst unter Druck. Von einem strategischen Durchbruch kann bislang keine Rede sein.

Die Offensive findet vor dem Hintergrund einer erweiterten regionalen Dimension statt. Im August gründeten die Türkei und Pakistan den sogenannten Mekka-Pakt, um Saudi-Arabien vor weiteren Angriffen der pro-iranischen Huthi zu schützen und Truppen in das Königreich zu entsenden. Gleichzeitig verstärkte die von Riad geführte Militärkoalition ihre Luftangriffe im Jemen. Doch während die Luftunterstützung andauert, zeigt sich ein grundlegendes Problem: Die Regierungskräfte sind intern stark zersplittert. Zu den Anti-Huthi-Kräften gehören Gruppen mit völlig unterschiedlichen politischen Zielen – etwa der Südliche Übergangsrat, der einen unabhängigen Südjemen anstrebt, oder Autonomiebewegungen in der östlichen Region Hadramaut. Diese Fragmentierung erschwert die militärische Koordination erheblich und hat zu militärischen Rückschlägen in den vergangenen Jahren geführt.

Philipp Dienstbier, Leiter des Regionalprogramms der Golfstaaten der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jordanien, fasst den Kern des Konflikts zusammen: Es geht um die Frage, wer die politische Vormachtstellung im Jemen ausübt und die Souveränität über das Staatsgebiet und die Bevölkerung kontrolliert. Die Huthi verfolgen dabei eine andere Strategie als reine territoriale Eroberung. Sie setzen auf Raketen, Drohnen und Angriffe auf Schiffe, um Unsicherheit und wirtschaftliche Kosten zu erzeugen und stärkere Gegner wie Saudi-Arabien zu Reaktionen zu zwingen. Ihr Fokus liegt auf der politischen und wirtschaftlichen Wirkung ihrer Angriffe, nicht primär auf taktischen Einzelerfolgen.

Der Kampf um zwei Orte ist dabei entscheidend: Taizz und Bab al-Mandab. Taizz liegt an wichtigen Verkehrswegen zwischen dem Roten Meer und dem Süden des Landes. Die Huthi versuchen, die Verbindungen zwischen Taizz und den von der Regierung kontrollierten Gebieten zu unterbrechen – nicht unbedingt durch die Eroberung der Stadt selbst, sondern durch die Kontrolle der umliegenden Höhenzüge und Verkehrswege. Damit wollen sie ihre jüngsten Gewinne an der Küste absichern. Durch die Eroberung von Gebieten am Bab al-Mandab konnten sie in den vergangenen Wochen den Verkehr auf einer der wichtigsten internationalen Schifffahrtsrouten beeinflussen und erheblichen regionalen und internationalen Druck erzeugen. Jens Heibach, Experte für die Golfregion beim German Institute for Global and Area Studies in Hamburg, betont: Die Fähigkeit der Huthi, den Schiffsverkehr zu beeinträchtigen, ist groß. Die neu eroberten Küstengebiete erleichtern ihnen die Überwachung und Kontrolle der Schifffahrt erheblich.

Für die Regierung ist es daher entscheidend, Taizz zu halten, die Verkehrswege zu sichern und die Huthi von der Küste zurückzudrängen. Eine erfolgreiche Gegenoffensive erfordert mehr als Luftangriffe. Ohne eine koordinierte Bodenoffensive lassen sich die strategisch wichtigen Höhenzüge und Verkehrswege kaum dauerhaft zurückgewinnen. Saudi-Arabien und die jemenitische Regierung versuchen seit Monaten, die zersplitterten Regierungskräfte besser zu koordinieren und ihre Kommandostrukturen zu vereinheitlichen. Mit verbesserter Bodenstreitmacht und saudischer Luftunterstützung könnte eine neue Dynamik entstehen.

Doch die Geschichte warnt vor Optimismus. Dies ist nicht der erste Versuch, die vom Iran unterstützten Huthi militärisch zurückzudrängen. Im vergangenen Jahr wurden bereits Waffen geliefert und Kräfte ausgebildet, um eine Offensive vorzubereiten. Die Anti-Huthi-Koalition brach dennoch auseinander, während die Huthi selbst in die Offensive gingen. An der grundsätzlichen Ausgangslage hat sich seitdem nicht viel verändert. Selbst die massive amerikanische Operation "Rough Rider" konnte die Huthi trotz wochenlanger Angriffe nicht besiegen. Heibach hält daher wenig davon, die bisherige Strategie aus Luftangriffen und Unterstützung der Anti-Huthi-Kräfte einfach fortzusetzen und auf ein anderes Ergebnis zu hoffen.

Der aktuelle Kampf um Taizz und Bab al-Mandab könnte ein entscheidender Test sein – für die Fähigkeit der Regierung, ihre zerstrittenen Kräfte zu einen, und für die Fähigkeit der Huthi, ihre militärischen Erfolge in dauerhaften politischen Einfluss zu verwandeln. Für Riad geht es dabei nicht nur um den Ausgang des jemenitischen Machtkampfs, sondern auch um den Schutz des eigenen Territoriums und der internationalen Handelswege.

Letztlich geht es um die Frage, wer die politische Vormachtstellung im Jemen und die Souveränität über das Staatsgebiet und die Bevölkerung ausübt
— Philipp Dienstbier, Konrad-Adenauer-Stiftung
Die verschiedenen Kräfte sind sich keineswegs wohlgesonnen und verfolgen unterschiedliche Interessen, was auch die militärischen Rückschläge der vergangenen Jahre erklärt
— Jens Heibach, German Institute for Global and Area Studies
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