Die britische Regierung hat grünes Licht für die Gasförderung im Feld Jackdaw rund 240 Kilometer vor Aberdeen gegeben, und damit ringen zwei Grundüberzeugungen miteinander: das Versprechen, aus fossiler Energie auszusteigen, und das Bedürfnis, die Wärme der Haushalte im kommenden Winter zu sichern. Wie so oft in der Energiegeschichte zeigt sich, dass der Weg zur Umstellung länger ist, als politische Ziele es vorsehen. Die Entscheidung steht damit exemplarisch für die Spannung zwischen Gegenwart und Zukunft, in der Übergänge stets auch Zwischenlösungen verlangen.
Großbritannien genehmigt Gasförderung im Feld Jackdaw vor Schottland
Öl und Gas noch jahrzehntelang Teil der Energieversorgung
Was wurde genau genehmigt?
Die Gasförderung im Feld Jackdaw, rund 240 Kilometer vor Aberdeen. Schon im kommenden Winter sollen britische Haushalte davon versorgt werden.
Warum ist das politisch heikel?
Labour hatte 2024 versprochen, keine neuen Lizenzen für Öl und Gas in der Nordsee zu vergeben. Die Regierung von Andy Burnham genehmigt nun die Förderung.
Die Regierung sagt aber, die Lizenzen seien gar nicht neu.
Richtig, sie stammen aus der Tory-Zeit. Ein schottisches Gericht verlangte allerdings eine neue Genehmigung, weil indirekte Emissionen nicht berücksichtigt worden waren.
Wie viel Gas kommt da zusammen?
Laut Betreiber Adura etwa sechs Prozent der britischen Nordsee-Gasproduktion auf dem Höhepunkt.
Das ist eine Angabe des Betreibers, keine unabhängige Prognose. Und ob die Menge die Rechnungen senkt, bestreiten Kritiker; der Artikel liefert dazu keine Zahlen.
Und Rosebank?
Dort geht es vor allem um Öl. Die Entscheidung fällt gesondert und dauert laut Energieministerin Fahnbulleh länger.
Offen bleibt auch, wie die Regierung die Genehmigung rechnerisch mit dem Klimaziel 2050 verbindet. Das ist bisher nur behauptet.
Il Polso
- Umweltschützer reagieren scharf: Greenpeace spricht von dem Einfluss der fossilen Lobby auf die Energiepolitik.
- Mitten in der Labour-Partei rumort es, denn die Genehmigung widerspricht dem Wahlversprechen, keine neuen Nordsee-Lizenzen zu vergeben.
- Die Regierung setzt auf Versorgungssicherheit: Jackdaw soll schon im kommenden Winter Gas liefern und rund sechs Prozent der Nordsee-Produktion stellen.
- Ein Rechtsstreit über indirekte Emissionen ist für Jackdaw abgeschlossen, während das Ölfeld Rosebank noch in der Schwebe hängt.
- Die nächste Entscheidung zu Rosebank steht aus, und die Energieministerin rechnet mit einem längeren Verfahren.
Die britische Regierung hat grünes Licht für die Gasförderung im Feld Jackdaw rund 240 Kilometer vor Aberdeen gegeben, und damit ringen zwei Grundüberzeugungen miteinander: das Versprechen, aus fossiler Energie auszusteigen, und das Bedürfnis, die Wärme der Haushalte im kommenden Winter zu sichern. Wie so oft in der Energiegeschichte zeigt sich, dass der Weg zur Umstellung länger ist, als politische Ziele es vorsehen. Die Entscheidung steht damit exemplarisch für die Spannung zwischen Gegenwart und Zukunft, in der Übergänge stets auch Zwischenlösungen verlangen.
Schon im kommenden Winter soll Gas aus dem Feld Jackdaw in britische Haushalte fließen. Das Energieministerium in London hat die Förderung genehmigt, das Feld liegt etwa 240 Kilometer vor Aberdeen in der Nordsee.
Premierminister Andy Burnham begründete die Entscheidung mit Arbeitsplätzen und warmen Wohnungen in einem schwierigen Winter. Der Betreiber Adura rechnet damit, dass Jackdaw auf dem Höhepunkt der Förderung rund sechs Prozent der britischen Nordsee-Gasproduktion liefert. Innerhalb der Labour-Partei sorgt das für Streit, denn Keir Starmer hatte 2024 versprochen, keine neuen Lizenzen für Öl- und Gasförderung zu vergeben.
Befürworter betonen, dass weder Jackdaw noch Rosebank neue Projekte seien, die Lizenzen stammen noch aus der konservativen Zeit. Ein schottisches Gericht hatte die Genehmigungen zuvor wegen fehlender Berücksichtigung indirekter Emissionen beanstandet, für Jackdaw ist das Verfahren nun abgeschlossen.
Umweltschützer wie Greenpeace und Stop Climate Chaos Scotland kritisieren die Entscheidung scharf und zweifeln an sinkenden Strompreisen. Die Regierung hält dagegen an der Klimaneutralität bis 2050 fest, räumt aber ein, dass Öl und Gas noch Jahrzehnte gebraucht werden. Offen bleibt Rosebank, über das laut Energieministerin Miatta Fahnbulleh gesondert und länger entschieden wird.
Schon im kommenden Winter soll Gas aus dem Feld Jackdaw in britische Haushalte fließen. Das Energieministerium in London hat die Förderung genehmigt. Das Feld liegt rund 240 Kilometer vor dem schottischen Aberdeen in der Nordsee.
Premierminister Andy Burnham erklärte in einer Mitteilung, das Projekt sichere Hunderte Arbeitsplätze und helfe dabei, dass Millionen Haushalte in diesem Winter warm bleiben. In einer Zeit, in der viele Menschen zu kämpfen hätten, sei es richtig, vorhandene Energiereserven verantwortungsvoll und optimal zu nutzen. Der Betreiber Adura rechnet damit, dass Jackdaw auf dem Höhepunkt der Förderung etwa sechs Prozent der britischen Nordsee-Gasproduktion liefern könnte.
Innerhalb der Labour-Partei ist die Entscheidung umstritten. Als Keir Starmer 2024 Premierminister wurde, gehörte zu den Versprechen der Partei, keine neuen Lizenzen für Öl- und Gasförderung in der Nordsee zu vergeben. Das Land sollte weg von fossilen Energien und hin zu Erneuerbaren geführt werden. Burnham, der im Sommer das Amt übernahm, hatte seither mehrfach gesagt, er wolle bei den Energieprojekten in der Nordsee einen „pragmatischen Ansatz“ verfolgen.
Befürworter der Bohrungen argumentieren, dass weder Jackdaw noch das Rosebank-Feld westlich der Shetland-Inseln neue Projekte seien. In Rosebank liegen vor allem Ölvorkommen. Die zuständige Behörde hatte die Lizenzen bereits unter der konservativen Vorgängerregierung an Konzerne vergeben.
Danach waren beide Felder Gegenstand eines langen Rechtsstreits. Im vergangenen Jahr entschied ein schottisches Gericht, bei den Genehmigungen seien die indirekten Treibhausgasemissionen nicht berücksichtigt worden. Die Unternehmen mussten deshalb erneut eine Genehmigung beantragen. Für Jackdaw ist dieses Verfahren nun abgeschlossen.
Bei Rosebank ist der Ausgang offen. Darüber werde gesondert entschieden, und das werde „länger dauern“, sagte Energieministerin Miatta Fahnbulleh laut der Nachrichtenagentur PA.
Klimaaktivisten und Umweltschützer kritisierten die Entscheidung scharf. Greenpeace erklärte, sie zeige, welchen Einfluss die Lobbyisten der fossilen Brennstoffindustrie weiterhin auf die Energiepolitik hätten. Stop Climate Chaos Scotland sagte, die Erschließung werde die hohen Stromrechnungen nicht senken. Jede neue Gasförderung gebe dem Feuer des Klimakollapses zusätzlichen Zündstoff und werde weitere Katastrophen auslösen.
Burnham und Fahnbulleh betonen, die Genehmigung vertrage sich mit den britischen Klimazielen. „Wir halten an unserem Ziel fest, auf erneuerbare Energien umzusteigen und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen“, sagte der Premier. Selbst auf dem ehrgeizigen Weg zu diesen Zielen müssten Öl und Gas jedoch noch jahrzehntelang Teil der Energieversorgung bleiben. Als Nächstes steht die gesonderte Entscheidung über Rosebank an.
Citazioni salienti
Wir halten an unserem Ziel fest, auf erneuerbare Energien umzusteigen und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.— Andy Burnham, Premierminister
Jede neue Gasförderung werde dem Feuer des Klimakollapses zusätzlichen Zündstoff geben.— Stop Climate Chaos Scotland