Was einst als Modell der Versöhnung gefeiert wurde, ist nun zerbrochen: Äthiopien und Eritrea, deren Annäherung 2019 mit dem Friedensnobelpreis für Premierminister Abiy Ahmed gekrönt wurde, haben ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Äthiopien wirft Eritrea vor, die Tigray-Befreiungsfront mit Waffen zu versorgen, während eine neue Offensive die nördlichen Provinzen erschüttert. Am Horn von Afrika, wo Frieden stets fragil war, droht die Geschichte der Gewalt sich zu wiederholen – und mit ihr das Leid von Millionen Menschen.
Friedensnobelpreisträger Abiy und Eritrea brechen diplomatische Beziehungen ab
Ein Mann, der für Versöhnung geehrt wurde, könnte sich bald in einem neuen Krieg wiederfinden.
Warum ist dieser Bruch so bedeutsam? Eritrea ist doch ein kleines Land.
Es geht nicht um die Größe Eritreas, sondern um die Stabilität der ganzen Region. Eritrea kontrolliert strategische Häfen am Roten Meer und hat Einfluss auf die Bewegungen in der Region. Wenn Äthiopien und Eritrea wieder Feinde sind, können sie nicht zusammen gegen Bedrohungen vorgehen.
Aber wir sollten hier vorsichtig sein: Äthiopien wirft Eritrea vor, Waffen an die TPLF zu liefern. Das ist eine Anschuldigung, nicht bewiesene Tatsache. Wie sicher sind wir, dass das stimmt?
Das ist ein guter Punkt. Die Anschuldigung kommt von Äthiopiens Regierung, und Eritrea hat sie nicht bestätigt. Aber die Tatsache, dass Äthiopien die Botschaft schließt, zeigt, dass die Spannungen real sind.
Und dieser Friedensnobelpreis – war das ein Fehler?
Nicht unbedingt ein Fehler, aber vielleicht verfrüht. Abiy hatte echte Schritte unternommen, um Frieden zu schaffen. Der Preis war eine Anerkennung dafür. Aber Frieden ist fragil, und die Vereinbarungen wurden nicht vollständig umgesetzt.
Das ist wichtig: Das Pretoria-Abkommen von 2022 war unvollständig. Die TPLF wurde nicht entwaffnet, Vertriebene kehrten nicht zurück. Das schuf Raum für neue Konflikte.
Also war der Frieden von Anfang an brüchig?
Ja. Und Eritrea fühlte sich bei den Verhandlungen übergangen, was den Bruch beschleunigte.
Wir sollten auch beachten: Im Krieg 2020-2022 starben mindestens 600.000 Menschen nach Schätzungen der Afrikanischen Union. Das ist eine enorme Zahl. Ein neuer Krieg könnte ähnlich verheerend sein.
Was passiert jetzt?
Das ist unklar. Aber die Schließung der Botschaft ist ein sehr deutliches Signal. Es könnte zu militärischen Konfrontationen führen.
El Pulso
- Die TPLF startete Ende September eine neue Offensive in den Provinzen Amhara und Afar und brachte damit eine ohnehin brüchige Waffenruhe zum Einsturz.
- Äthiopien beschuldigt Eritrea, die Rebellen mit Waffen zu beliefern, und schließt seine Botschaft in Asmara – ein diplomatischer Bruch von historischer Tragweite.
- Eritrea antwortete sofort mit dem vollständigen Abbruch aller diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien und vertieft damit die Krise.
- Das Friedensabkommen von Pretoria aus dem Jahr 2022 blieb in zentralen Punkten unerfüllt: Die TPLF wurde nie entwaffnet, Hunderttausende Vertriebene nie heimgekehrt.
- Die gesamte Region am Horn von Afrika steht vor einer neuen Destabilisierung – ein Krieg zwischen zwei Staaten, die bereits einmal 80.000 Menschen das Leben kostete, ist wieder denkbar.
Was einst als Modell der Versöhnung gefeiert wurde, ist nun zerbrochen: Äthiopien und Eritrea, deren Annäherung 2019 mit dem Friedensnobelpreis für Premierminister Abiy Ahmed gekrönt wurde, haben ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Äthiopien wirft Eritrea vor, die Tigray-Befreiungsfront mit Waffen zu versorgen, während eine neue Offensive die nördlichen Provinzen erschüttert. Am Horn von Afrika, wo Frieden stets fragil war, droht die Geschichte der Gewalt sich zu wiederholen – und mit ihr das Leid von Millionen Menschen.
Am Donnerstag schloss Äthiopien seine Botschaft in Asmara und besiegelte damit das Ende einer Allianz, die einst als Hoffnungszeichen für ganz Afrika galt. Premierminister Abiy Ahmed, der 2019 für die Versöhnung mit Eritrea den Friedensnobelpreis erhalten hatte, beschuldigt Asmara nun, Waffen an die Volksbefreiungsfront von Tigray zu liefern. Die TPLF hatte Ende September eine neue Offensive in den nördlichen Provinzen Amhara und Afar gestartet. Eritreas Außenministerium reagierte prompt: Alle diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien werden abgebrochen.
Die Geschichte beider Länder ist eine der Gewalt, der kurzen Hoffnung und nun möglicherweise erneuter Gewalt. Nach drei Jahrzehnten Unabhängigkeitskrieg hatte Eritrea 1993 seine Souveränität erklärt. Zwischen 1998 und 2000 führten beide Staaten erneut Krieg – rund 80.000 Menschen starben. 2018 streckte Abiy Ahmed die Hand aus, Eritreas Präsident Isaias Afewerki ergriff sie. Die Welt applaudierte.
Doch die Allianz trug den Keim ihres Scheiterns in sich. Im Tigray-Krieg von 2020 bis 2022, der nach Schätzungen der Afrikanischen Union mindestens 600.000 Menschen das Leben kostete, kämpften äthiopische und eritreische Truppen Seite an Seite. Nach dem Waffenstillstand fühlte sich Eritrea von den Friedensverhandlungen ausgeschlossen und übergangen. Das Abkommen von Pretoria beendete zwar die Kämpfe, doch die TPLF wurde nie entwaffnet, die Vertriebenen kehrten nicht zurück. Die Risse wurden tiefer. Nun, da die alte Feindschaft wieder aufbricht, könnte der Mann, der für Frieden geehrt wurde, in einen neuen Krieg hineingezogen werden – und mit ihm eine ganze Region.
Am Donnerstag kündigte Äthiopien an, seine Botschaft in Asmara zu schließen. Damit vollzog sich das Ende einer der ungewöhnlichsten Allianzen der jüngeren afrikanischen Geschichte – eine Partnerschaft, die einst als Modell für Versöhnung am Horn von Afrika galt und ihrem Architekten, Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed, 2019 den Friedensnobelpreis eingebracht hatte.
Der unmittelbare Auslöser war ein Vorwurf: Äthiopien beschuldigt Eritrea, Waffen an die Volksbefreiungsfront von Tigray zu liefern. Die TPLF hatte Ende September eine neue Offensive in den Provinzen Amhara und Afar gestartet, Regionen, die an die Tigray-Region im Nordwesten Äthiopiens grenzen. Eritreas Außenministerium antwortete prompt mit der Ankündigung, alle diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien abzubrechen.
Die Geschichte dieser beiden Länder ist eine der Gewalt und dann der Hoffnung, nun möglicherweise wieder der Gewalt. Eritrea hatte sich Anfang der 1990er Jahre nach drei Jahrzehnten Krieg von Äthiopien abgespalten und 1993 seine Unabhängigkeit erklärt. Das deutlich größere Äthiopien verlor damit seinen direkten Zugang zum Roten Meer. Wenige Jahre später, zwischen 1998 und 2000, führten die beiden Staaten erneut Krieg miteinander – ein Konflikt, der etwa 80.000 Menschen das Leben kostete. 2018 beschlossen sie, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Abiy Ahmed, der 2018 an die Macht gekommen war, streckte die Hand aus. Eritreas Präsident Isaias Afewerki ergriff sie. Die internationale Gemeinschaft jubelte. Abiy erhielt den Nobelpreis.
Die Allianz war so eng, dass äthiopische und eritreische Truppen gemeinsam gegen Abiys innenpolitische Gegner kämpften. Doch diese ungewöhnliche Partnerschaft hielt nicht. Als 2020 der Krieg zwischen Äthiopiens Armee und der TPLF ausbrach – ein Konflikt, der nach Schätzungen der Afrikanischen Union mindestens 600.000 Menschen tötete – spielte Eritrea eine Rolle, die Abiy später bereuen sollte. Nach dem Waffenstillstand von 2022 fühlte sich Eritreas Regierung übergangen. Sie war nicht vollständig in die Friedensverhandlungen eingebunden worden. Die Risse in der Allianz wurden sichtbar.
Das Friedensabkommen von Pretoria beendete zwar die Kämpfe zwischen der Armee und der TPLF, aber zentrale Vereinbarungen wurden nicht umgesetzt. Die TPLF wurde nicht entwaffnet. Hunderttausende Vertriebene kehrten nicht in ihre Heimat zurück. Die Spannungen blieben. Nun, mit der neuen Offensive der TPLF und Eritreas mutmaßlicher Unterstützung, droht die alte Feindschaft wieder aufzubrechen. Ein Mann, der für die Versöhnung geehrt wurde, könnte sich bald in einem neuen Krieg wiederfinden. Die ganze Region am Horn von Afrika steht am Rande einer neuen Krise.
Citas Notables
Äthiopien wirft Eritrea die Unterstützung der Volksbefreiungsfront von Tigray vor— Äthiopische Regierung
Eritrea kündigte den Abbruch aller diplomatischen Beziehungen mit Äthiopien an— Eritreisches Außenministerium