Französische Schüler setzen Proteste fort – 160.000 auf der Straße

147 Schulbeschäftigte verletzt; ein 15-Jähriger verlor durch Blendgranate seine Hand; Tausende Demonstranten festgenommen; Vorwürfe von Polizeigewalt.
Ihre Zukunft wird uns geraubt
Greta Thunberg sprach bei einer Kundgebung in Saint-Denis über die Bedeutung der Schülerproteste.
Mark

Warum ist das jetzt passiert? Warum gerade jetzt diese Proteste?

Mimi

Die Schulen sind seit September blockiert. Es geht um etwas Grundlegendes – Fenster, die nicht schließen, Lehrer, die fehlen, Klassen, die zu groß sind. Das ist nicht neu, aber die Geduld ist aufgebraucht.

Luke

Aber die Zahlen sind interessant. Die Polizei sagt 160.000, die Organisatoren sagen 480.000. Das ist ein großer Unterschied. Welche Zahl stimmt?

Mimi

Das ist immer so bei Protesten. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen, aber klar ist: Es sind sehr viele Menschen.

Mark

Und die Regierung – was bietet sie an?

Mimi

1,2 Milliarden Euro für nächstes Jahr, plus über 3.000 Vertretungslehrer. Die Schüler fordern zehn Milliarden.

Luke

Das ist ein großer Unterschied. Aber wichtig: Woher kommt die Zahl von zehn Milliarden? Ist das eine offizielle Forderung oder eine Schätzung?

Mimi

Das ist die Forderung der Protestierenden. Ob das realistisch ist oder nicht – das ist eine andere Frage.

Mark

Was ist mit der Gewalt? Das klingt ernst.

Mimi

Ja. Ein 15-Jähriger verlor seine Hand durch eine Blendgranate. 147 Schulbeschäftigte wurden verletzt. Millionen an Sachschäden.

Luke

Aber wer hat die Gewalt angefangen? War es die Polizei oder die Demonstranten?

Mimi

Das ist unklar. Es gab Vorwürfe von Polizeigewalt, und es gab Sachbeschädigungen durch Demonstranten. Beides ist dokumentiert.

Mark

Und jetzt? Geht es weiter?

Mimi

Ja. Nach den Herbstferien im November planen die Schüler, wieder zu demonstrieren. Die Regierung hofft, dass die Pause das Problem löst. Das wird sie nicht.

  • Über 160.000 Schüler gingen erneut auf die Straße – Organisatoren sprechen sogar von fast 480.000 – und zeigen damit, dass die Bewegung seit dem 17. September nicht an Kraft verloren hat.
  • 214 Gymnasien wurden blockiert, bis zu 90 Prozent der Universitäten lahmgelegt, und internationale Aufmerksamkeit kam durch den Auftritt von Greta Thunberg in Saint-Denis.
  • Die Gewalt eskalierte: Ein 15-Jähriger verlor durch eine Blendgranate seine Hand, 147 Schulbeschäftigte wurden verletzt, Tausende Demonstranten festgenommen, und Vorwürfe von Polizeigewalt häufen sich.
  • Die Regierung bietet 1,2 Milliarden Euro und 3.000 Vertretungslehrer an – ein Angebot, das die Protestierenden als völlig unzureichend ablehnen.
  • Trotz der Herbstferien im November kündigen die Schüler an, die Proteste danach fortzusetzen – während Premier Lecornu gleichzeitig einen Sparhaushalt für 2027 vorlegt.

In Frankreich tragen Hunderttausende Schüler und Studierende eine alte Frage erneut auf die Straße: Was schuldet eine Gesellschaft ihrer Jugend? Seit Wochen blockieren sie Schulen und Universitäten, fordern zehn Milliarden Euro für ein Bildungssystem, das sie als marode und ungerecht empfinden – während eine hoch verschuldete Regierung kaum mehr als symbolische Zugeständnisse anbieten kann. Die Bewegung ist nicht nur ein Streit um Haushaltszahlen, sondern ein Generationenkonflikt über Würde, Chancen und die Frage, wessen Zukunft zählt.

Mehr als 160.000 junge Menschen sind in Frankreich erneut auf die Straße gegangen – die Organisatoren zählen fast dreimal so viele. Seit dem 17. September blockieren Schüler landesweit Schulen, um eine klare Botschaft zu senden: Das Bildungssystem ist kaputt, und die Regierung muss handeln. Sie fordern zehn Milliarden Euro Mehrausgaben, sprechen von baufälligen Klassenzimmern, fehlenden Lehrern und einem System, das Kinder aus ärmeren Vierteln systematisch benachteiligt.

Die Regierung hat reagiert – aber nicht überzeugend. 1,2 Milliarden Euro und die Zusage von über 3.000 Vertretungslehrern: Für die Protestierenden ist das ein Tropfen auf den heißen Stein. 214 Gymnasien wurden blockiert, Studentenverbände berichten von 90 Prozent geschlossener Universitäten. Neben Politikern wie Jean-Luc Mélenchon erschien auch Greta Thunberg in Saint-Denis und erklärte, junge Menschen würden aus Entscheidungen über ihre eigene Zukunft ausgeschlossen.

Nicht überall blieb es friedlich. In Nantes und Lyon setzte die Polizei Tränengas ein, Gebäude wurden beschädigt, ein Feuerwehrauto in Marseille angezündet. 147 Schulbeschäftigte wurden verletzt, Tausende Demonstranten festgenommen. Ein 15-Jähriger verlor durch eine Blendgranate seine Hand. Dutzende interne Verfahren gegen Polizeibeamte laufen. Das Innenministerium spricht von städtischen Unruhen; Kritiker werfen der Polizei übermäßige Gewalt vor.

Die Regierung steckt in einem Dilemma: Frankreichs Staatsverschuldung ist auf den höchsten Stand seit 1946 gestiegen, Premier Lecornu hat gerade einen Sparhaushalt vorgelegt. Präsident Macron appellierte an die Schüler, ihre Anliegen ruhig und respektvoll vorzutragen. Doch die Jugendlichen haben bereits angekündigt, nach den Herbstferien im November weiterzumachen. Auf der einen Seite eine Regierung, die sparen muss – auf der anderen eine Generation, die sagt, Bildung dürfe nicht gespart werden.

Mehr als 160.000 junge Menschen sind in Frankreich wieder auf die Straße gegangen. Die Polizei zählte sie so; die Organisatoren sprachen von fast 480.000. Egal welche Zahl man nimmt – es ist eine Bewegung, die nicht nachlässt. Seit dem 17. September blockieren Schüler landesweit Schulen, um eine einfache Botschaft zu vermitteln: Das Bildungssystem ist kaputt, und die Regierung muss es reparieren.

Die Forderungen sind konkret. Die jungen Leute wollen zehn Milliarden Euro zusätzlich für Schulen ausgegeben sehen. Sie sprechen von Klassenzimmern mit kaputten Fenstern und herabfallenden Decken, von fehlenden Lehrern, die Unterricht ausfallen lassen, von Stundenplanen, die so voll sind, dass niemand noch atmen kann. In ärmeren Stadtteilen besonders fühlen sich viele wie Menschen zweiter Klasse – ihre Schulen bekommen weniger, ihre Chancen sind kleiner. Die Regierung hat geantwortet, aber nicht so, wie die Protestierenden es erhofft haben. 1,2 Milliarden Euro Mehrausgaben für nächstes Jahr, plus die Zusage von über 3.000 Vertretungslehrern. Für die Schüler und ihre Gewerkschaftsverbündeten ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Blockaden sind massiv. 214 Gymnasien wurden nach Angaben des Bildungsministeriums lahmgelegt. Ein Studentenverband berichtet, dass 90 Prozent der Universitäten geschlossen oder blockiert sind – das Hochschulministerium sagt 35 Prozent, aber auch das ist erheblich. In Paris und anderen Großstädten gingen die Demonstranten auf die Straße, und sie bekamen Besuch von unerwarteter Seite. Der Präsidentschaftskandidat der linken Partei La France Insoumise, Jean-Luc Mélenchon, marschierte mit. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg erschien im Pariser Vorort Saint-Denis und sagte vor Journalisten, dass junge Menschen aus den Diskussionen ausgeschlossen werden, dass ihre Zukunft ihnen geraubt wird, dass Schulen nicht die Investitionen bekommen, die sie brauchen. Sie sei stolz auf die französischen Schüler, sagte sie. Die Regierung wirft Mélenchons Partei vor, die Proteste zu instrumentalisieren.

Nicht alles ist friedlich geblieben. In Nantes setzte die Polizei Tränengas ein. In Lyon ging sie gegen schwarz gekleidete Randalierer vor, die am Rande eines Demonstrationszugs mit etwa 11.000 Teilnehmern unterwegs waren. Sachbeschädigungen häuften sich – ein Schulgebäude in Nantes brannte, ein Feuerwehrauto in Marseille wurde angezündet. Die Behörden sprechen von Millionenschäden. 147 Schulbeschäftigte wurden verletzt. Tausende Demonstranten wurden festgenommen. Ein 15-Jähriger verlor seine Hand durch eine Blendgranate. Ein Polizist soll einem Demonstranten sein Knie ins Gesicht gerammt haben. Dutzende interne Verfahren gegen Beamte laufen. Das Innenministerium sagte, die Lage habe nichts mehr mit legitimen Forderungen zu tun – es sei städtische Unruhe geworden. Kritiker antworten, dass die Polizei rabiat vorgegangen ist.

Die Regierung sitzt in einer schwierigen Position. Premier Sébastien Lecornu hat gerade einen Sparhaushalt für 2027 vorgelegt, weil Frankreichs Staatsverschuldung auf den höchsten Stand seit 1946 gestiegen ist. Die Zinskosten allein verschlingen Unsummen, die für andere Ausgaben fehlen. Jetzt kommen Schüler und fordern mehr Geld für Bildung. Präsident Emmanuel Macron hat sich bislang kaum öffentlich geäußert. Am Montag appellierte er an die Schüler, ihre Anliegen in Ruhe und respektvoll vorzutragen. Ihre Forderungen seien Themen, die Zeit und Beratungen erfordern, sagte er.

Aber die Schüler haben bereits signalisiert, dass sie nicht aufgeben. Der 16-jährige Enki Falqui aus Montpellier sagte, dass die Regierung auf die Herbstferien im November hofft – aber die Protestierenden werden nicht lockerlassen. Sie planen, nach den Ferien weiterzumachen. Was folgt, ist offen: eine Regierung, die sparen muss, und eine Bewegung junger Menschen, die sagt, dass Bildung nicht gespart werden darf.

Die jungen Menschen werden nicht an den Diskussionen beteiligt. Unsere Zukunft wird uns geraubt.
— Greta Thunberg, Klimaaktivistin, bei Protestkundgebung in Saint-Denis
Uns ist bewusst, dass die Regierung auf die Ferien hofft, aber wir lassen nicht locker.
— Enki Falqui, 16 Jahre alt, aus Montpellier
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