Das geplante Verbrenner-Aus ab 2035 wird gelockert: Neuwagen müssen nur noch 95 statt 100 Prozent CO2 einsparen. EVP, SPD und Liberale einigten sich nach deutsch-französischem Kompromiss auf mehr Flexibilität für Autohersteller in der Übergangsphase.
EU-Parlament einigt sich auf Aufweichung des Verbrenner-Aus
Jedes Werk, das heute nicht auf E-Autos umstellt, steht morgen auf wackligem Fundament.
Warum ist diese Lockerung des Verbrenner-Verbots überhaupt nötig? War die ursprüngliche Regelung nicht klar?
Die Autoindustrie hat unter Druck gestanden. Die Umstellung auf E-Mobilität ist teuer und zeitaufwändig, und viele Hersteller fürchteten, die Ziele nicht erreichen zu können. Die konservative EVP hat das aufgegriffen und Druck gemacht.
Aber die Frage ist: Wie viel ändert sich wirklich? Von hundert auf fünfundneunzig Prozent CO2-Einsparung ist eine Reduktion um fünf Prozentpunkte. Das klingt nach wenig, aber über Millionen von Autos kann das erheblich sein.
Und was ist mit den Hybridfahrzeugen? Bleiben die jetzt erlaubt?
Ja, aber mit Bedingungen. Sie müssen eine bestimmte elektrische Reichweite haben. Es ist eine Übergangslösung, keine Dauerlösung.
Das ist der Knackpunkt: Wie lange ist diese Übergangsphase? Bis 2035? Bis 2040? Das ist in der Berichterstattung nicht klar.
Und die Grünen sind dagegen?
Sie sehen darin ein Signal an die Industrie, dass sie nicht wirklich umstellen muss. Bloss warnt vor Planungsunsicherheit.
Das ist fair kritisiert, aber man sollte auch sehen: Die Sozialdemokraten haben bei den Biokraftstoffen Grenzen gezogen. Das ist nicht völlig ohne Schutzmaßnahmen.
Was bedeutet das für China?
China investiert massiv in E-Mobilität und Batterietechnologie. Wenn Europa die Anforderungen lockert, könnte das Chinas Wettbewerbsvorteil vergrößern.
Das ist eine Vermutung, die in der Berichterstattung auftaucht, aber es gibt keine Zahlen dazu, wie sehr das China tatsächlich hilft.
Le Pouls
- CO2-Einsparungsziel sinkt von 100 auf 95 Prozent gegenüber 2021
- Zusätzliche 7,5 Prozentpunkte möglich mit europäischem Stahl
- Verbrenner-Verbot sollte ab 2035 gelten
- EVP, SPD und Liberale einigten sich nach deutsch-französischem Kompromiss
- Finale Abstimmung im Plenum geplant für Dezember
Das geplante Verbrenner-Aus ab 2035 wird gelockert: Neuwagen müssen nur noch 95 statt 100 Prozent CO2 einsparen. EVP, SPD und Liberale einigten sich nach deutsch-französischem Kompromiss auf mehr Flexibilität für Autohersteller in der Übergangsphase.
Mitteparteien im EU-Parlament haben sich auf eine Aufweichung des Verbrenner-Verbots geeinigt. Statt 100 Prozent müssen Neuwagen nur noch 95 Prozent CO2 einsparen, mit weiteren Ausnahmen für europäischen Stahl und emissionsarme Kraftstoffe.
Nach mehr als zwei Jahren intensiver Verhandlungen haben sich die Mitteparteien des EU-Parlaments auf eine grundlegende Lockerung des geplanten Verbrenner-Verbots geeinigt. Die Europäische Volkspartei, die Sozialdemokraten und die Liberalen einigten sich in der Nacht auf Regelungen, die Autohersteller in der Übergangsphase erheblich entlasten sollen. Statt der ursprünglich vorgesehenen hundertprozentigen CO2-Einsparung müssen Neuwagen ab 2035 nur noch fünfundneunzig Prozent ihrer Emissionen gegenüber dem Vergleichsjahr 2021 reduzieren. Zusätzlich können Hersteller weitere sieben Komma fünf Prozentpunkte einsparen, wenn sie in ihren Fahrzeugen klimaschonend produzierten europäischen Stahl verbauen.
Manfred Weber, Partei- und Fraktionsvorsitzender der konservativen EVP, sieht in diesem Kompromiss den Erfolg einer langen Kampagne. Seit über zwei Jahren habe er seinen Wählern versprochen, das "unsägliche Verbrenner-Aus" vom Tisch zu bringen, und nun sei dieser Moment gekommen. Die ursprüngliche Regelung war in der vergangenen Legislaturperiode von Sozialdemokraten, Liberalen, Grünen und Linken beschlossen worden und hätte ab 2035 die Zulassung neuer Autos mit CO2-Auspuffemissionen in Europa beendet.
Der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken, der den Kompromiss mitverhandelt hat, betont, dass das Ziel des Umstiegs auf Elektromobilität in Europa bestehen bleibt. Gleichzeitig erhalten die Hersteller in schwierigen Zeiten mehr Flexibilität bei der Erreichung dieser Ziele. Dadurch bleiben Hybridfahrzeuge in einer Übergangsphase als Option erhalten, allerdings mit klaren Vorgaben zur elektrischen Reichweite. Bei der Zulassung von Fahrzeugen, die ausschließlich mit emissionsarmen Kraftstoffen betrieben werden, konnte die SPD nach eigener Aussage die Verwendung von Biokraftstoffen begrenzen und damit eine Schutzlinie für Klima und Natur ziehen.
Die Grünen hingegen warnen vor den Folgen dieser Einigung. Der Europaabgeordnete Michael Bloss sieht darin das Gegenteil dessen, was Weber verspricht: Statt Planungssicherheit entstehe Chaos. Jedes Werk, das heute nicht auf E-Autos umstelle, stehe morgen auf wackligem Fundament. Bloss befürchtet zudem, dass die Technologie in einer Zeit, in der immer mehr E-Autos verkauft werden, geschwächt wird. In Peking dürften die Sektkorken knallen, wenn Europa seinen Vorsprung bei der E-Auto-Entwicklung weiter schrumpfen lässt.
Neuen Schwung in die Verhandlungen brachte eine deutsch-französische Einigung vom vergangenen Freitag. Frankreich gab seinen Widerstand gegen das Verbrennerverbot auf, während die Bundesregierung im Gegenzug "Made in Europe"-Vorgaben bei der staatlichen Förderung von Autos unterstützt. Diese Einigung setzte das Europaparlament unter Druck, schnell zu einer Lösung zu kommen. Weber sieht in der Kombination beider Einigungen die Chance auf Planungssicherheit und schnelle Fortschritte.
Die formalen Schritte sind noch nicht abgeschlossen. Am Donnerstag stimmen der Verkehrsausschuss und der Industrieausschuss ab. Anfang November folgt der federführende Umweltausschuss. Die finale Abstimmung im Plenum ist für Dezember geplant. Sozialdemokraten und Liberale müssen der von ihren Unterhändlern ausgehandelten Einigung noch zustimmen, was zwar als wahrscheinlich gilt, doch das Europaparlament ist bekannt dafür, für Überraschungen gut zu sein.
Citations marquantes
Das unsägliche Verbrenner-Aus sei jetzt vom Tisch— Manfred Weber, EVP-Vorsitzender
Das ist jetzt Chaos statt Planungssicherheit— Michael Bloss, Grüne