Als die erste Ausgabe der „Emma“ 1977 erschien, stand die bundesdeutsche Ehe noch unter einem Recht, das Frauen Erwerbsarbeit verwehren konnte; fünfzig Jahre später endet mit Alice Schwarzers Entscheidung, das Blatt einzustellen, ein Kapitel, das eng mit diesem Wandel verwoben ist. Man kann darin ein Zeichen der Ermüdung eines langen Kampfes sehen, aber auch den Abschied von einer Stimme, die sich der Entfremdung zum heutigen, queeren Feminismus nie angepasst hat. Die Frage, ob hier Erschöpfung oder Niederlage steht, bleibt offen und gehört zu den Fragen, die eine Gesellschaft über ihre eigene
Ende der „Emma“: Ermattung oder Niederlage einer feministischen Stimme?
Von 200.000 Exemplaren im ersten Jahr auf rund 25.000
Warum beginnt der Text mit dem Familienrecht von 1977?
Weil es den Abstand zeigt. Bis zur Reform konnte ein Mann seiner Frau die Arbeit verbieten, wenn sie angeblich ihre Haushaltspflichten vernachlässigte. Dieselbe Zeit brachte die erste „Emma“ hervor.
Welche Themen setzte Schwarzer früh?
Genitalverstümmelung, sexuellen Missbrauch, Gewalt in der Ehe, sexistische Pornographie, Prostitution und Menschenhandel.
Wichtig ist, was der Text belegt und was nicht. Dass Schwarzer aufhört, steht fest. Warum, ist offen.
Er nennt „Ermattung“ als Möglichkeit.
Als Vermutung, ja. Der Autor schreibt „vielleicht“. Einen Grund von Schwarzer selbst zitiert er nicht.
Auffällig ist der Streit um den Queer-Feminismus. Schwarzer meint, er lenke von den Problemen biologischer Frauen ab.
Das ist ihre Position, keine Tatsache. Und ob dieser Streit das Ende mitverursacht hat, sagt der Text nicht.
Und die Auflage?
Von 200.000 auf rund 25.000, letzter Stand 2023. Wie es heute aussieht, wissen wir nicht.
O Pulso
- Nach fünfzig Jahren verstummt mit der „Emma“ ein Forum, das den deutschen Feminismus wie kaum ein anderes geprägt hat.
- Schwarzers Abkehr vom queeren Feminismus und von Identitätspolitik sorgt für Spannung im eigenen Lager.
- Die Auflage ist von 200.000 auf rund 25.000 Exemplare gefallen, und genau darin liegt ein stiller Druck hinter der Entscheidung.
- Ob Ermattung oder Niederlage dahintersteckt, ist ungeklärt, und die Zukunft feministischer Publizistik steht nun offen da.
Als die erste Ausgabe der „Emma“ 1977 erschien, stand die bundesdeutsche Ehe noch unter einem Recht, das Frauen Erwerbsarbeit verwehren konnte; fünfzig Jahre später endet mit Alice Schwarzers Entscheidung, das Blatt einzustellen, ein Kapitel, das eng mit diesem Wandel verwoben ist. Man kann darin ein Zeichen der Ermüdung eines langen Kampfes sehen, aber auch den Abschied von einer Stimme, die sich der Entfremdung zum heutigen, queeren Feminismus nie angepasst hat. Die Frage, ob hier Erschöpfung oder Niederlage steht, bleibt offen und gehört zu den Fragen, die eine Gesellschaft über ihre eigene Gleichberechtigung stellen muss.
Als 1977 das erste Heft der „Emma“ erschien, durfte eine Ehefrau in der Bundesrepublik erstmals ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten gehen. Bis dahin konnte er es verbieten, wenn sie ihre Pflichten im Haushalt vernachlässigte. Dieses Detail zeigt, wie weit sich das Land in fünfzig Jahren bewegt hat und wie dringend der Kampf um echte Partnerschaft damals war.
Mit ihrem Magazin wurde Alice Schwarzer zur führenden Stimme dieses Kampfes. Sie scheute keine Konflikte und zog viele Anfeindungen auf sich, griff aber früh Themen auf, die kaum öffentlich verhandelt wurden: Genitalverstümmelung, sexuellen Missbrauch, häusliche Gewalt, sexistische Pornografie und Prostitution samt Menschenhandel.
Mit dem heutigen Feminismus, besonders seiner queeren Ausprägung, konnte sie sich dagegen nicht anfreunden. Die gendernde Identitätspolitik, so ihre Haltung, lenke von den realen Problemen biologischer Frauen ab.
Nun fragt die FAZ, ob hinter dem Ende Ermattung steckt oder eine Niederlage. Ermattung erscheint plausibel, gerade angesichts der Entfremdung vom aktuellen Diskurs. Auch die Zahlen dürften eine Rolle spielen: Die Auflage sank von 200.000 auf rund 25.000 Exemplare. Offen bleibt, wie sich feministische Publizistik behaupten kann, wenn eine Stimme dieses Gewichts verstummt.
Als 1977 das erste Heft der „Emma“ erschien, trat in der Bundesrepublik eine Reform des Familienrechts in Kraft, die Ehefrauen erstmals uneingeschränkt erlaubte, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Bis dahin konnte der Ehemann ihnen das verwehren, wenn sie darüber ihre Pflichten in der Familie vernachlässigten. Gemeint waren die Versorgung von Mann und Kindern, das Putzen, das Kochen und die Organisation des Haushalts.
An diesem Detail lässt sich ablesen, wie stark sich die deutsche Gesellschaft in den fünfzig Jahren verändert hat, in denen Alice Schwarzer ihre feministische Zeitschrift herausgab. Es zeigt auch, wie dringend der Einsatz für eine wirklich partnerschaftliche Gleichberechtigung damals war und aus Sicht des Autors bis heute ist. Nun stellt Schwarzer die „Emma“ ein.
Mit ihrem Magazin war Schwarzer lange die führende Protagonistin dieses Kampfes. Sie scheute dabei nicht davor zurück, sich unbeliebt zu machen, und wurde zum Ziel vieler Anfeindungen. Früh lenkte sie die Aufmerksamkeit auf Themen, die lange kaum öffentlich verhandelt wurden: Genitalverstümmelung, sexueller Missbrauch, Gewalt in der Ehe, sexistische Pornographie sowie die Ausbeutung durch Prostitution und Menschenhandel.
Mit dem heutigen Feminismus, insbesondere seiner queeren Ausprägung, haderte Schwarzer dagegen. Die gendernde Identitätspolitik lenke von den realen Problemen biologischer Frauen nur ab, lautet ihre Position.
Die FAZ fragt, ob hinter dem Ende der Zeitschrift Ermattung steckt oder eine Niederlage. Der Autor hält Ermattung für einen plausiblen Grund, auch angesichts dieser Entfremdung vom aktuellen feministischen Diskurs. Verstehen könne man es.
Dass auch die Zahlen eine Rolle spielen könnten, deutet der Text an. Im ersten Jahr lag die Auflage bei 200.000 Exemplaren. Zum Zeitpunkt der letzten Meldung im Jahr 2023 waren es noch rund 25.000. Der Autor rückt diesen Rückgang jedoch ausdrücklich nicht in den Vordergrund, sondern setzt ihn in Klammern neben die These von der Ermattung.
Offen bleibt, wie feministische Publizistik sich künftig behauptet, wenn eine Stimme dieses Gewichts verstummt und die Auflage einer ihrer bekanntesten Zeitschriften auf ein Achtel geschrumpft ist.
Citações Notáveis
Die gendernde Identitätspolitik lenke von den realen Problemen biologischer Frauen nur ab.— Alice Schwarzer (sinngemäß, laut FAZ)