Eine unabhängige Kommission befand Manchester City schuldig, Sponsoring-Vereinbarungen manipuliert zu haben, um Einnahmen künstlich zu erhöhen und Kosten zu verschleiern. Der Klub weist alle Vorwürfe zurück und plant Berufung. Ex-Klubchef David Bernstein fordert Zwangsabstieg, um die Glaubwürdigkeit des englischen Fußballs zu wahren.
Eine Milliarde Euro Finanzbetrug: Manchester City droht der Zwangsabstieg
Wenn sich all das bestätigt, kann Manchester City nicht in der Premier League bleiben
Was genau hat Manchester City denn getan? Das klingt ja nach mehr als nur Bilanzmanipulation.
Die Kommission sagt, der Club hat Sponsoring-Verträge so konstruiert, dass Einnahmen künstlich erhöht und Kosten versteckt wurden. Das Ergebnis: über eine Milliarde Euro falsch dargestellt in den Bilanzen zwischen 2009 und 2018.
Aber das ist die Vorwurf-Seite. Manchester City sagt, das ist alles Unsinn, und sie haben Beweise. Das ist noch nicht geklärt.
Und warum ist das so ein großes Problem? Es geht doch um einen reichen Club mit reichen Besitzern.
Weil es um Fairness im Wettbewerb geht. Wenn City ihre Ausgaben verstecken konnte, während andere Clubs sich an die Regeln halten mussten, dann war der ganze Wettbewerb manipuliert. Vier Meistertitel in Serie – waren die fair?
Das ist die zentrale Frage. Aber wir wissen noch nicht, wie schwer die Vorwürfe wiegen oder ob City sie widerlegen kann. Das Berufungsverfahren steht noch aus.
Was könnte Manchester City passieren?
Alles von Geldstrafen bis zum Zwangsabstieg. David Bernstein, ehemaliger Klubchef, sagt, nur ein Zwangsabstieg würde die Glaubwürdigkeit des englischen Fußballs retten.
Aber das ist eine Meinung. Das Strafmaß ist noch nicht entschieden. Und ein Zwangsabstieg wäre beispiellos – das müsste die Premier League erst noch durchsetzen.
Wie lange dauert das noch?
Das ist unklar. Das Berufungsverfahren könnte Monate oder Jahre dauern. Inzwischen spielt City weiter und gewinnt weiter.
Was auch zeigt: Selbst wenn die Vorwürfe stimmen, hat es City nicht geschadet. Das ist Teil des Problems.
Der Puls
- Über 900 Millionen Pfund (ca. eine Milliarde Euro) falsch in Bilanzen dargestellt zwischen 2009 und 2018
- Mehr als 100 Anklagepunkte von der Premier League 2023 erhoben
- Manchester City weist alle Vorwürfe zurück und plant Berufung
- Vier Meistertitel in Serie und Champions-League-Sieg 2023 trotz laufender Verfahren
Eine unabhängige Kommission befand Manchester City schuldig, Sponsoring-Vereinbarungen manipuliert zu haben, um Einnahmen künstlich zu erhöhen und Kosten zu verschleiern. Der Klub weist alle Vorwürfe zurück und plant Berufung. Ex-Klubchef David Bernstein fordert Zwangsabstieg, um die Glaubwürdigkeit des englischen Fußballs zu wahren.
Manchester City wurde wegen Verstoßes gegen Finanzregeln der Premier League schuldig gesprochen. Der Klub soll zwischen 2009 und 2018 über eine Milliarde Euro in seinen Bilanzen falsch dargestellt haben.
Manchester City steht vor einer existenziellen Krise. Eine unabhängige Kommission hat den englischen Fußballclub schuldig befunden, zwischen 2009 und 2018 massiv gegen die Finanzregeln der Premier League verstoßen zu haben – und damit die Integrität des englischen Fußballs selbst beschädigt zu haben.
Die Vorwürfe sind präzise und schwerwiegend. Der Club soll Sponsoring- und Geschäftsvereinbarungen so konstruiert haben, dass Einnahmen künstlich aufgebläht und Kosten künstlich gesenkt wurden. Das Ergebnis: mehr als 900 Millionen Pfund – etwa eine Milliarde Euro – wurden in den Bilanzen anders dargestellt, als es den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen entsprach. Hinzu kommt der Vorwurf mangelnder Kooperation bei den Ermittlungen. Die Premier League erhob 2023 mehr als 100 Anklagepunkte gegen den Verein.
Doch Manchester City weigert sich, Schuld einzugestehen. Ferran Soriano, der Geschäftsführer des Clubs, nennt die Vorwürfe eine "Verschwörungstheorie der Premier League" und behauptet, der Verein verfüge über Beweise seiner Unschuld. City wird alle verfügbaren Rechtsmittel ausschöpfen und gegen die Entscheidung vorgehen – ein Berufungsverfahren ist zu erwarten.
Die Reaktionen außerhalb des Clubs sind deutlich. David Bernstein, 83 Jahre alt, ehemaliger Vorsitzender und lebenslanger Fan von Manchester City, sprach sich für einen Zwangsabstieg aus. "Wenn sich all das bestätigt und die Berufung scheitert, kann Manchester City nicht in der Premier League bleiben", sagte er. Aus seiner Sicht steht nicht weniger als die Glaubwürdigkeit des englischen Fußballs auf dem Spiel. Eine bloße Geldstrafe, argumentiert Bernstein, würde die milliardenschweren Eigentümer aus Abu Dhabi kaum treffen. Roy Keane, ehemaliger Kapitän des Stadtrivalen Manchester United, sprach von "Betrug" und erklärte, er würde gewonnene Medaillen unter solchen Umständen "in die Tonne werfen". Auch die britische Kultur- und Sportministerin Lisa Nandy bezeichnete den Fall als "äußerst ernst".
Welche Strafen Manchester City tatsächlich drohen, ist noch offen. Das Strafmaß muss noch festgesetzt werden. Möglich sind hohe Geldstrafen und Punktabzüge. Viele Beobachter halten aber auch deutlich drastischere Sanktionen für denkbar – einen Zwangsabstieg oder den kompletten Ausschluss aus der Premier League.
Die Affäre selbst reicht Jahre zurück. 2018 machte das deutsche Magazin Der Spiegel die Vorwürfe erstmals öffentlich. Die UEFA und die Premier League leiteten daraufhin Ermittlungen ein. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hob 2020 eine von der UEFA verhängte zweijährige Europapokalsperre auf, doch viele Vorwürfe konnten damals nicht abschließend bewertet werden. Nach einer vierjährigen Untersuchung erhob die Premier League 2023 dann die über 100 Anklagepunkte.
Trotz der laufenden Verfahren feierte Manchester City weitere sportliche Erfolge: das Triple 2023, vier Meistertitel in Serie, und 2023 den Sieg in der Champions League. Das macht die Situation noch komplizierter. Der Club, der vor der Übernahme durch Investoren aus Abu Dhabi 2008 ein traditionsreicher Arbeiterverein war – über Jahrzehnte im Schatten von Manchester United, zeitweise sogar in der dritten Liga – ist nun eine globale Fußballmacht. Vor dem Einstieg des Scheichs Mansour hatte Manchester City in seiner mehr als 120-jährigen Geschichte nur neun große Titel gewonnen. Danach kamen acht Meisterschaften, vier FA-Cup-Siege und die Champions League hinzu.
Deutsche Spieler haben die Vereinsgeschichte geprägt. Bert Trautmann, der legendäre Torhüter, spielte nach dem Zweiten Weltkrieg für City und bestritt 1956 das FA-Cup-Finale trotz eines später diagnostizierten Genickbruchs. In den 1990ern war Uwe Rösler, ehemaliger DDR-Nationalspieler, ein Publikumsliebling – mit 64 Toren in vier Jahren verkörperte er eine der letzten Identifikationsfiguren des "alten" Manchester City. Später spielten Dietmar Hamann und Michael Tarnat für die Skyblues. Nach der Übernahme durch den Scheich liefen Jerome Boateng, Leroy Sané und Ilkay Gündogan im hellblauen Trikot auf. Gündogan war zeitweise Mannschaftskapitän und ist der erfolgreichste deutsche City-Spieler.
Nun wartet Manchester City auf das Strafmaß. Die nächsten Wochen und Monate werden entscheidend sein – nicht nur für den Club, sondern für die Frage, wie der englische Fußball mit systematischem Finanzbetrug umgeht.
Bemerkenswerte Zitate
Wenn sich all das bestätigt und die Berufung scheitert, kann Manchester City nicht in der Premier League bleiben.— David Bernstein, ehemaliger Vorsitzender von Manchester City
Verschwörungstheorie der Premier League— Ferran Soriano, Geschäftsführer von Manchester City, über die Vorwürfe