Die Heiligsprechung des Döners: Tarik Kara wird Wachsfigur bei Madame Tussauds

Ein Unternehmer wird zum Heiligen, sein Döner zum heiligen Attribut
Tarik Kara erhält in Madame Tussauds die gleiche ikonographische Behandlung wie einst christliche Heilige.
Mark

Warum ist das eigentlich eine kunsthistorische Geschichte und nicht einfach nur eine PR-Stunt?

Mimi

Weil die Ausstellung bewusst die Ikonographie der Heiligendarstellung nachahmt. Das Attribut in der Hand, der Schrein um die Figur herum – das sind keine Zufälle. Der Text zeigt, dass Madame Tussaud selbst aus dieser Tradition kommt, aus der Zeit nach der Französischen Revolution, als man weltliche Figuren wie Heilige darstellen musste.

Luke

Aber ist das wirklich eine kunsthistorische Aussage oder nur eine clevere Metapher, die der Text zieht? Der Text sagt selbst, dass es Glaubenssache ist, ob Mustafa's wirklich der berühmteste Döner ist.

Mark

Das ist ein guter Punkt. Was wissen wir wirklich über Tarik Kara und seinen Döner?

Mimi

Dass er Inhaber von Mustafa's Gemüse Kebap am Mehringdamm in Kreuzberg ist und dass amerikanische Reiseführer ihn als berühmtesten Döner bezeichnen. Mehr nicht.

Luke

Genau. Der Text gibt zu, dass die Berühmtheit unklar ist. Und dann gibt es noch das Problem mit dem fleischlosen Döner – ob das überhaupt als authentischer Döner zählt.

Mark

Also ist die ganze Heiligsprechung ein bisschen ironisch gemeint?

Mimi

Ja, aber eine intelligente Ironie. Sie funktioniert nur, weil die kunsthistorische Parallele wirklich da ist. Madame Tussaud hat tatsächlich mit dieser Tradition der weltlichen Heiligen begonnen.

Luke

Und die Ausstellung nutzt diese Geschichte, um etwas Alltägliches – einen Döner – in den Rang des Außergewöhnlichen zu erheben. Das ist witzig, aber es sagt auch etwas über unsere Zeit aus.

Mark

Nämlich?

Mimi

Dass wir keine Heiligen mehr haben, also machen wir Döner-Unternehmer zu Heiligen. Oder zumindest zu Museumsausstellungen.

  • Weltweit erste Wachsfigur eines Döners ab Donnerstag in Madame Tussauds Berlin Unter den Linden
  • Tarik Kara, Inhaber von Mustafa's Gemüse Kebap am Kreuzberger Mehringdamm, wird als Wachsfigur verewigt
  • Mustafa's serviert einen fleischlosen Gemüse-Döner, nicht die klassische Variante mit Fleisch
  • Madame Tussaud selbst wurde 1761 als Marie Grosholtz geboren und begann 1777 mit Voltaire-Wachsfigur

Der weltweit erste Wachs-Döner wird ab Donnerstag in Madame Tussauds Berlin unter den Linden ausgestellt und ehrt damit ein Berliner Kultgericht. Die Ausstellung verbindet Kunstgeschichte mit Popkultur: Wie einst Heilige mit charakteristischen Attributen dargestellt wurden, erhält nun ein Döner-Unternehmer diese Ehre.

Tarik Kara, Inhaber von Mustafa's Gemüse Kebap, wird als Wachsfigur in Madame Tussauds Berlin ausgestellt – mit seinem berühmten Döner als Attribut, ähnlich wie früher Heilige dargestellt wurden.

Ab Donnerstag können Besucher von Madame Tussauds an der Berliner Straße Unter den Linden etwas Ungewöhnliches bestaunen: die weltweit erste Wachsfigur eines Döners. Doch es geht nicht nur um das Fladenbrot mit Fleisch-Inlay. Die Ausstellung ehrt Tarik Kara, den Inhaber von Mustafa's Gemüse Kebap am Kreuzberger Mehringdamm, indem sie ihn als Wachsfigur verewigt – mit seinem berühmten Döner als Attribut in seiner Hand. Es ist eine merkwürdige und gleichzeitig präzise Anspielung auf eine kunsthistorische Tradition, die Jahrhunderte zurückreicht.

Die Parallele ist nicht zufällig gewählt. In der christlichen Ikonographie wurden Heilige seit jeher an ihren charakteristischen Attributen erkannt: der Schlüssel des Apostels Petrus, der Rost des heiligen Lorenz. Diese visuellen Erkennungszeichen machten die Figuren unmissverständlich lesbar. Mit der Französischen Revolution und der Säkularisation änderte sich alles. Die Guillotine und der Bildersturm beseitigten die alten Heiligen vom Sockel. An ihre Stelle traten weltliche Ersatzheilige – Persönlichkeiten der Aufklärung, die mit neuen, oft rätselhafteren Attributen ausgestattet werden mussten.

Madame Tussaud selbst, 1761 als Marie Grosholtz im elsässischen Straßburg geboren, erkannte diese Marktlücke. Sie hatte von ihrem Mentor und Ziehvater, dem Schweizer Arzt Philippe Curtius, die Kunst der anatomischen Wachsmodellierung gelernt. In einer Zeit, in der prominente Köpfe buchstäblich rollten, bot sie etwas Neues an: Wachsfiguren jener Personen, die die Zeitgenossen faszinierten. Ihre erste weltliche Heiligenfigur war 1777 Voltaire – ein Denker, auf den sich vom Alten Fritz in Berlin bis zur Zarin Katharina in Moskau fast alle einigen konnten.

Nun, fast 250 Jahre später, wird diese Tradition auf humorvolle Weise fortgesetzt. Tarik Kara wird wie einst nur Herrscher und illustre Persönlichkeiten in Wachs verewigt. Sein Döner ist sein Attribut, sein Erkennungszeichen. Doch hier beginnt die Geschichte kompliziert zu werden. Mustafa's Gemüse Kebap ist, wie amerikanische Reiseführer verkünden, möglicherweise der berühmteste Döner der Stadt – oder des Landes, oder der Welt. Die genaue Reichweite dieser Berühmtheit bleibt Glaubenssache. Noch fragwürdiger ist die Tatsache, dass es sich um einen fleischlosen Döner handelt. Ob ein Gemüse-Kebap wirklich als würdiger Vertreter dieser Berliner Spezialität gelten darf – einer Erfindung, die bekanntlich nicht aus der Türkei stammt, sondern aus Berlin selbst – spaltet die Gemüter. Es droht ein Schisma zwischen den Altgläubigen und den veganen Katharern.

Die Ausstellung geht noch weiter in ihrer kunsthistorischen Anspielung. Wie früher Heiligendarstellungen oft miniaturisierte Kirchenmodelle beigegeben wurden – Franz von Assisi mit der Portiuncula-Kapelle, Kaiser Heinrich II. mit dem Bamberger Dom – wird Tarik Kara in Madame Tussauds von einem Nachbau seines Dönerstands umgeben sein. Dieser Nachbau ist nicht kleiner als Franzens bescheidene Kapelle. Die Inszenierung ist vollständig. Ein Unternehmer aus Kreuzberg wird zum Heiligen erhoben, sein Döner zum heiligen Attribut, sein Stand zum Schrein.

Ob Issa Remmo, der heimliche Herrscher Berlins, zur feierlichen Enthüllung dieses modernen Grals-Döners erscheinen wird, bleibt abzuwarten. Die Ausstellung wirft letztlich eine einfache Frage auf: Was macht jemanden oder etwas würdig, auf einen Sockel gestellt zu werden? Und wer entscheidet darüber? In einer säkularisierten Welt, in der Döner-Unternehmer Heiligenstatus erhalten, sind die Antworten weniger klar als je zuvor.

Ob es sich bei dem auf den Sockel gehobenen Gemüse-Kebab um den berühmtesten Döner handelt, bleibt Glaubenssache
— Aus dem Ausstellungstext
Es droht ein Schisma zwischen den Altgläubigen und den veganen Katharern
— Kunsthistorische Analyse der Ausstellung
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