DAX über 25.000 Punkte – Ölmarkt beruhigt sich, Telekom-Aktien unter Druck

Der DAX hängt am Tropf des Ölpreises und der Anleiherenditen
Chefmarktanalyst Timo Emden beschreibt, wie fragil die Erholung des deutschen Aktienmarktes ist.
Mark

Warum ist Trumps Aussage zum Iran so wichtig für den DAX gewesen?

Mimi

Weil die Unsicherheit über eine mögliche Eskalation im Persischen Golf die Ölpreise in die Höhe getrieben hatte. Höhere Ölpreise bedeuten höhere Inflation, höhere Zinsen, niedrigere Unternehmensgewinne. Eine Entwarnung beruhigt das sofort.

Luke

Aber nur vorübergehend, oder? Trump hat das gesagt, aber was passiert, wenn der Iran trotzdem angreift?

Mimi

Genau das ist die Frage, die Nick Twidale stellt. Trumps Aussagen haben eine kurze Halbwertzeit. Die Märkte wissen, dass sie sich nicht darauf verlassen können.

Mark

Und die Telekom – warum ist die Aktie so eingebrochen?

Mimi

SpaceX hat Spektren gekauft, um Mobilfunk direkt vom Satelliten anzubieten. Das bedroht das klassische Geschäftsmodell der Telekomkonzerne.

Luke

Aber ist das wirklich eine unmittelbare Bedrohung? Satellitenfunk hat Grenzen – Latenz, Bandbreite, Abdeckung in Gebäuden.

Mimi

Das stimmt, aber die Anleger nehmen es ernst. Die US-Telekomaktien fielen nachbörslich, und das strahlte bis zur Telekom aus.

Mark

Was ist mit Frankreich? Das klang auch besorgniserregend.

Mimi

Die französischen Staatsanleihen rentieren mit 4,85 Prozent – das ist sehr hoch für ein großes Industrieland. Es signalisiert, dass die Märkte Zweifel an der französischen Schuldentragfähigkeit haben.

Luke

Aber die Rendite ist am Freitag gefallen. Ist das Problem also gelöst?

Mimi

Nein, das Grundproblem bleibt. Eine Tagesrendite sagt nicht viel. Die strukturelle Frage der französischen Verschuldung ist noch offen.

Mark

Bis wann rechnen die Experten mit dieser Nervosität?

Mimi

Bis mindestens Anfang November, wenn die US-Zwischenwahlen stattfinden. Vielleicht ergibt sich dann eine Lösung im Iran-Konflikt.

Luke

Und wenn nicht?

Mimi

Dann bleibt der DAX im Würgegriff, wie es Emden ausdrückt.

  • DAX schloss bei 25.087 Punkten mit Tagesgewinn von 1,13 Prozent
  • Telekom-Aktie brach um rund acht Prozent ein
  • Französische Staatsanleihen rentieren mit 4,85 Prozent
  • SpaceX kaufte landesweites Spektrum für Satellitenmobilfunk
  • Märkte bleiben volatil bis zu US-Wahlen im November

DAX schloss bei 25.087 Punkten mit Tagesgewinn von 1,13 Prozent, nachdem sich Ölpreise stabilisierten und Trump Entwarnung zum Iran gab. Sorgen um französische Staatsanleihen und hohe Energiepreise bleiben bestehen; Märkte bleiben volatil bis zu US-Wahlen im November.

Der DAX erholte sich zum Ende einer turbulenten Woche und überschritt die 25.000-Punkte-Marke, profitierend von stabilisierten Ölpreisen. Telekom-Aktien brachen jedoch um acht Prozent ein.

Die Woche endete mit einer Atempause. Nach Tagen der Nervosität fand der deutsche Aktienmarkt am Freitag wieder zu etwas Stabilität zurück – nicht weil die Probleme verschwunden waren, sondern weil eine Nachricht aus Washington die unmittelbare Angst etwas linderte. US-Präsident Trump erklärte, der Iran werde vor den Kongresswahlen im November nicht mehr angegriffen. Das reichte aus, um die Ölpreise zu beruhigen, die in den Tagen zuvor unter der Unsicherheit rund um den Persischen Golf gestiegen waren. Der DAX schloss bei 25.087 Punkten und gewann 1,13 Prozent – ein Rückeroberung der psychologisch wichtigen 25.000er-Marke. Der MDAX der mittelgroßen Werte legte noch stärker zu und stieg um 1,64 Prozent auf 29.989 Punkte. Auf Wochensicht allerdings blieb ein Minus von knapp 0,6 Prozent bestehen, ein Beleg dafür, wie turbulent die Tage davor gewesen waren.

Doch die Erleichterung war brüchig. Nick Twidale, Chef-Marktstratege bei ATFX Global, brachte es auf den Punkt: Die zentrale Frage für die Märkte sei, ob Trump bei seinem Wort bleibe, falls sich die iranischen Angriffe verstärken. Trumps Aussagen hätten bekanntlich, wenn überhaupt, nur eine geringe Halbwertzeit. Die Anleger wissen, dass eine Eskalation im Nahen Osten die Ölpreise sofort wieder in die Höhe treiben könnte – und damit auch die Inflation und die Zinsen.

Die Sorgen um Frankreich blieben ebenfalls auf der Agenda. In den vergangenen Wochen hatte die wachsende Renditedifferenz zwischen deutschen Staatsbonds und den Papieren höher verschuldeter Länder wie Frankreich und Italien die Investoren nervös gemacht. Die Verzinsung der zehnjährigen französischen Anleihen war zeitweise auf 4,99 Prozent gestiegen – der höchste Stand seit 24 Jahren. Am Freitag lag sie wieder etwas tiefer bei 4,85 Prozent, aber das Grundproblem der französischen Schuldentragfähigkeit war damit nicht gelöst.

Timo Emden, Chefmarktanalyst von CapTrader, beschrieb die Situation prägnant: Der DAX hänge weiterhin am Tropf des Ölpreises und der Anleiherenditen. Beide zusammen bestimmten derzeit die Sauerstoffzufuhr der Aktienmärkte. Zwischen geopolitischen und geldpolitischen Risiken sowie den Frankreich-Sorgen bleibe der DAX im Würgegriff. Die Experten der Helaba rechneten damit, dass die angespannte Stimmung bis mindestens Anfang November – zum Termin der US-Zwischenwahlen – anhalten dürfte. Vielleicht ergebe sich dann wenigstens eine Lösung im US-Iran-Konflikt.

Eine entscheidende Frage für die Märkte sei derzeit, ob die Unternehmensgewinne hoch genug blieben, um die Belastung durch gestiegene Finanzierungskosten aufzufangen, sagte Analystin Daniela Hathorn vom Broker Capital.com. Im Blick stehe dabei vor allem der Technologiesektor – jener Bereich, der in den vergangenen Jahren den Markt getragen hatte.

Bei den Einzelwerten zeigte sich am Freitag ein klares Opfer: die Telekom-Aktie. Sie brach um rund acht Prozent ein und zierte damit gegen den Trend das DAX-Ende. Der Grund war eine Nachricht aus den USA, die die etablierte Telekomindustrie aufschreckte. SpaceX, das Raumfahrtunternehmen des Milliardärs Elon Musk, hatte mit seinem Satellitenbetreiber Starlink ein landesweites Portfolio an Niederfrequenz-Spektren gekauft. Das bedeutete: SpaceX würde künftig Mobilfunkverbindungen direkt aus dem All auf Smartphones anbieten und damit die etablierten US-Mobilfunkanbieter wie T-Mobile US, AT&T und Verizon herausfordern. Die Anleger nahmen diesen neuen Wettbewerber sehr ernst. Die Aktien großer US-Telekomwerte fielen nachbörslich zurück, darunter auch die der Telekom-Tochter T-Mobile US. Der Schock strahlte bis nach Deutschland aus.

An den US-Börsen selbst zeigte sich zum Wochenschluss eine andere Erholung. Der Dow Jones gewann knapp 0,6 Prozent, der Nasdaq 100 stieg um 0,4 Prozent. Auslöser für den hohen Nasdaq-Verlust am Vortag war ein Medienbericht über unerwartet niedrige Umsätze des ChatGPT-Entwicklers OpenAI gewesen – ein Zeichen, dass sich die KI-Ausgabenflut immer schwerer rechtfertigen ließ. Am Freitag kam Entspannung: Bloomberg berichtete unter Berufung auf Insider, dass OpenAI damit rechne, bis zum Jahresende einen Umsatz von 70 Milliarden Dollar zu erreichen oder zu übertreffen. Am Vortag war noch von 50 Milliarden Dollar auf annualisierter Basis die Rede gewesen. Die Differenz dürfte auf den Unterschied zwischen Brutto- und Nettoumsatz hinauslaufen – aber für die Märkte reichte die Nachricht aus, um wieder Luft zu holen.

Die große Frage für die Märkte ist, ob Trump bei seinem Wort bleibt, falls sich die iranischen Angriffe verstärken
— Nick Twidale, Chef-Marktstratege bei ATFX Global
Der DAX hänge weiterhin am Tropf des Ölpreises und der Anleiherenditen. Beide zusammen bestimmen derzeit die Sauerstoffzufuhr der Aktienmärkte.
— Timo Emden, Chefmarktanalyst von CapTrader
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