Bundespräsident: Wie Söder und Wüst Merz in die Zange nehmen

Ein hausgemachtes Problem, so überflüssig wie ein Kropf
So beschreibt der Kommentar den Unionsstreit um die Nachfolge im Amt des Bundespräsidenten.
Mark

Worum geht es im Kern? Um einen Namen oder um Macht?

Mimi

Beides. Söder hat Ilse Aigner seine Unterstützung zugesagt, falls sie Bundespräsidentin werden will. Aber dahinter steht die Frage, wer in der Union den Ton angibt.

Luke

Wichtig ist: Das ist ein Kommentar. Dass Aigner Ambitionen hat, ist nicht belegt. Söders Aussage ist an eine Bedingung geknüpft.

Mark

Und Wüst, welche Rolle spielt er?

Mimi

Er steht für die Position, die CDU müsse selbst einen Kandidaten präsentieren können. Der Kanzler gerät dadurch zwischen München und Düsseldorf.

Luke

Wobei der Text sagt, in Düsseldorf, aber nicht nur dort. Wie breit diese Haltung in der CDU ist, wird nicht belegt.

Mark

Warum wäre ein Entgegenkommen für Merz ein Problem?

Mimi

Der Autor meint, es würde als Schwäche gelesen, nicht als Großzügigkeit. Merz gilt in dem Text ohnehin als angeschlagen.

Luke

Auch das ist eine Wertung des Autors, keine gemessene Tatsache. Und der Vorschlag, Söder nominiere Merz, ist ausdrücklich sarkastisch gemeint.

Mark

Was ist unstrittig?

Mimi

Söder wiederholte sein Plädoyer auf dem Parteitag, und SPD und Grüne wollen ein weibliches Staatsoberhaupt.

  • Söder erklärt Ilse Aigner zur Wunschkandidatin und wiederholt sein Plädoyer sogar auf dem Parteitag.
  • Wüst fordert eigene Kandidaten der CDU, und der Kanzler steht zwischen München und Düsseldorf unter Druck.
  • Ein schneller, überzeugender Gegenkandidat wäre der einzige Ausweg, sonst droht Merz der Eindruck von Schwäche.
  • Die Lage bleibt offen, denn unklar ist, ob Aigner überhaupt antreten will und wen Merz präsentieren könnte.

Mitten im Ringen um die Nachfolge im Schloss Bellevue zeigt sich, dass auch Schwesterparteien ihre eigenen Rivalitäten pflegen, die im Schatten des alltäglichen Streits mit den Sozialdemokraten leicht übersehen werden. CSU-Chef Markus Söder hat die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner ins Spiel gebracht, während Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst eine eigene Kandidatur der CDU verlangt. So gerät Friedrich Merz zwischen zwei Erwartungen, und jede Wahl, die er nun trifft oder unterlässt, wird als Hinweis auf seine Stärke oder Schwäche gelesen.

In der Union ist ein Streit um die nächste Bundespräsidentschaft entbrannt. Auslöser ist der Name Ilse Aigner, der in der CSU immer häufiger zu hören ist. Markus Söder hat der bayerischen Landtagspräsidentin seine Sympathie und Unterstützung zugesagt, sofern sie kandidieren möchte, und damit Beifall von SPD und Grünen erhalten, die ebenfalls ein weibliches Staatsoberhaupt wollen.

Damit tritt Söder wieder in die Rolle, die er eigentlich hinter sich lassen wollte, nämlich die des unbequemen Störenfrieds in der Hauptstadt. Zugleich fordert NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, die CDU solle einen eigenen Kandidaten stellen. Beide Männer nehmen Kanzler Friedrich Merz damit in die Zange.

Für Merz wäre es eine Schwäche, der CSU einfach den Vortritt zu lassen, und ein eigener Kandidat müsste rasch und überzeugend auftreten. Der Kommentator hält das Problem für hausgemacht. Offen bleibt, ob Aigner selbst antreten will und wen der Kanzler ins Rennen schicken könnte.

In der Union ist ein Streit darüber entbrannt, wer der nächste Bundespräsident oder die nächste Bundespräsidentin werden soll. Es ist ein Streit zwischen Schwesterparteien, den man über den Dauerzank zwischen Union und SPD leicht übersieht. Dabei bestehen CDU und CSU aus zwei Parteien, deren Ansichten und Interessen nicht immer deckungsgleich sind. Einen Platz an der Sonne wollen beide, ob im Schloss Bellevue oder, noch strahlender, im Kanzleramt.

Auslöser ist der Name Aigner. In der CSU wurde er immer häufiger gerufen, gemeint ist die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder konnte dazu kaum schweigen. Er bekannte, die Landtagspräsidentin habe seine Sympathie und seine Unterstützung, sofern sie das Amt der Bundespräsidentin anstrebe. Dass Deutschland endlich ein weibliches Staatsoberhaupt bekommen müsse, sehen auch SPD und Grüne so.

Söder hat sein Plädoyer für Aigner inzwischen auch auf dem Parteitag wiederholt. Damit wird er für die CDU wieder zu dem, was er nach eigenem Bekunden nicht mehr sein wollte: zum Problembären, wie es in der Kommentierung heißt, oder zum Problemlöwen. Diese Rolle hatte er abgelegt, seit „die letzte Patrone der Demokratie“ in Berlin regiere. Söder meinte damit die gesamte schwarz-rote Koalition, nicht den angeschlagenen Kanzler Friedrich Merz.

Gerade bei Merz sehen Söder und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst allerdings Spielraum für eine weitere, durchschlagkräftigere „letzte Patrone“, wenn sie in den Spiegel schauen. So jedenfalls die Einschätzung des Kommentars. In der Bundespräsidentenfrage nähmen beide den Kanzler nun in die Zange.

Die Fronten lassen sich knapp beschreiben. In München heißt es: Ilse Aigner. In Düsseldorf, aber nicht nur dort, lautet die Forderung, die CDU müsse selbst einen geeigneten Kandidaten präsentieren können, ob Frau oder Mann. Für Merz ist das eine unbequeme Lage. Ließe er der CSU ohne Weiteres den Vortritt, würde ihm das nach der Lesart des Kommentars eher als weiteres Zeichen der Schwäche ausgelegt denn als souveräne Großzügigkeit.

Einen Ausweg sieht der Autor nur in einem Schritt: Der Kanzler müsse schleunigst einen Kandidaten vorstellen, der Aigner überstrahlt. Das Problem sei hausgemacht und so überflüssig wie ein Kropf. Andernfalls bleibe nur eine sarkastische Lösung, nämlich dass Söder Merz selbst als Präsidenten nominiert. Die Versuchung müsse da sein, denn dann bräuchte es auch einen neuen Kanzler.

Es handelt sich um einen Meinungsbeitrag. Offen bleibt, wen Merz tatsächlich ins Spiel bringen könnte und ob Aigner überhaupt kandidieren will. Zu beobachten ist, ob der Kanzler rasch einen eigenen Namen präsentiert.

Die CDU müsse selbst einen geeigneten Kandidaten präsentieren können, ob Frau oder Mann.
— Position aus Düsseldorf, laut FAZ-Kommentar
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