Höllenreiner überlebte Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Sachsenhausen und floh 1945 im Alter von elf Jahren von einem Todesmarsch. Er begann erst spät in seinem Leben, seine Erfahrungen zu erzählen, und wurde ein bedeutender Zeitzeuge über die Schrecken des Holocaust.
Auschwitz-Überlebender Hermann Höllenreiner mit 92 Jahren gestorben
Ein Kind, das sich aus dem Griff der Täter befreite
Was macht seinen Tod für die Gegenwart bedeutsam? Es ist ein Todesfall unter vielen.
Weil Zeitzeugen eine andere Autorität haben als Historiker oder Archive. Höllenreiner konnte sagen: Ich war dort. Ich habe es gesehen. Das lässt sich nicht ersetzen.
Aber wie viele Überlebende gibt es noch? Wie viele können noch berichten?
Das wird immer weniger. Die meisten sind inzwischen sehr alt. Höllenreiner war einer der letzten, der noch aktiv öffentlich sprach.
Und warum hat er so lange geschwiegen?
Das ist eine Frage, die viele Überlebende stellen. Trauma, Verdrängung, vielleicht auch das Gefühl, dass niemand zuhören will. Erst später, als die Gesellschaft bereit war zuzuhören, begann er zu erzählen.
Die Quelle sagt, er habe "erst spät" begonnen. Aber wie spät? Wann genau?
Das wird nicht präzisiert. Wir wissen nur, dass es Jahre oder Jahrzehnte waren.
Und diese Arbeit als Zeitzeuge – wie hat sie sein Leben geprägt?
Sie gab seinem Überleben einen Sinn. Er konnte nicht nur selbst weiterleben, sondern die Geschichte weitergeben.
Die Quelle erwähnt auch die Diskriminierung von Sinti und Roma. War das ein Schwerpunkt seiner Arbeit?
Ja, offenbar. Er sprach nicht nur vom Holocaust, sondern auch davon, dass diese Diskriminierung bis heute andauert. Das ist ein wichtiger Punkt, den viele übersehen.
Le Pouls
- Hermann Höllenreiner starb am 16. Oktober 2026 im Alter von 92 Jahren
- Er wurde im Alter von neun Jahren deportiert und überlebte Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Sachsenhausen
- Im Januar 1945 floh der elfjährige Höllenreiner von einem Todesmarsch
- 2013 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet
Höllenreiner überlebte Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Sachsenhausen und floh 1945 im Alter von elf Jahren von einem Todesmarsch. Er begann erst spät in seinem Leben, seine Erfahrungen zu erzählen, und wurde ein bedeutender Zeitzeuge über die Schrecken des Holocaust.
Der Auschwitz-Überlebende Hermann Höllenreiner ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Der Sinti überlebte mehrere Konzentrationslager und wurde später ein wichtiger Zeitzeuge der NS-Verbrechen.
Hermann Höllenreiner ist tot. Der Auschwitz-Überlebende starb am 16. Oktober in Mettenheim bei Mühldorf am Inn, umgeben von seiner Familie. Er war 92 Jahre alt. Der Hanser Verlag in München und das Internationale Auschwitz Komitee bestätigten seinen Tod.
Höllenreiner stammte aus einer großen bayerischen Sinti-Familie. Seine Familie nannte ihn Mano. Im Alter von neun Jahren wurde er deportiert – ein Kind, das in die Maschinerie des nationalsozialistischen Vernichtungssystems geriet. Er durchlitt mehrere Konzentrationslager: Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Sachsenhausen. Jedes dieser Lager war ein Ort systematischer Vernichtung, und dass er mehrere überlebte, war außergewöhnlich.
Im Januar 1945, als die Rote Armee näher rückte, begannen die Nationalsozialisten, Häftlinge in Todesmärsche zu treiben – Evakuierungen, bei denen Tausende starben. Höllenreiner war damals elf Jahre alt. Während dieses Marsches gelang ihm die Flucht. Ein Kind, das sich aus dem Griff der Täter befreite, während um ihn herum Menschen zusammenbrachen und starben.
Für Jahrzehnte schwieg Höllenreiner. Er lebte sein Leben, trug das Erlebte in sich, ohne es auszusprechen. Erst spät begann er zu erzählen – und als er es tat, wurde er zu einer der wichtigsten Stimmen seiner Generation. Er berichtete nicht nur von den Gräueln Auschwitz', nicht nur von Tätern und Opfern, sondern auch von etwas, das die unmittelbare Kriegszeit überdauerte: der Diskriminierung der Sinti und Roma in Europa, die bis heute andauert. Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, würdigte ihn als "großen Zeitzeugen", der mit Eindringlichkeit von diesen Kontinuitäten sprach.
2013 wurde Höllenreiner mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet – eine späte, aber notwendige Anerkennung seiner Arbeit. Mit seinem Tod verliert die Welt eine Stimme, die aus unmittelbarer Erfahrung von den Schrecken des Holocaust sprach und zugleich auf die Gegenwart hinwies. Es gibt nun weniger Menschen, die diese Geschichte aus eigenem Erleben erzählen können.
Citations marquantes
Ein großer Zeitzeuge, der von den Schrecken von Auschwitz, von den Tätern und Opfern, vor allem aber von der immer noch andauernden Diskriminierung der Sinti und Roma in Europa eindringlich berichtete— Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees