VW kündigte 10 von 13 Tarifverträgen für rund 130.000 deutsche Beschäftigte, betroffen sind Entgelt-, Mantel- und Ausbildungstarifverträge. Arbeitszeiten, Urlaub, Sonderzahlungen und Schutzrechte älterer Arbeitnehmer könnten neu verhandelt werden; Betriebsräte sprechen von Erpressung.
VW kündigt zehn Tarifverträge: Massive Einschnitte für 130.000 Beschäftigte drohen
Während Gewinne privatisiert werden, sollen Kosten auf die Belegschaft verlagert werden
Was bedeutet es praktisch, wenn VW zehn Tarifverträge kündigt? Fallen die Regeln sofort weg?
Nein, das ist wichtig zu verstehen. Rechtlich bedeutet eine Kündigung nicht, dass alles sofort wegfällt. Es gibt unterschiedliche Nachwirkungsfristen. Aber es öffnet einen Verhandlungsraum — VW kann jetzt neue Bedingungen fordern.
Und was sind die wahrscheinlichsten Änderungen? Lohnkürzungen, längere Arbeitszeiten?
Längere Arbeitszeiten sind sehr wahrscheinlich. VW hat das nicht explizit gefordert, aber das Management sieht darin eine Möglichkeit zur Kostensenkung. Bei anderen Autobauern wird bereits über eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich debattiert.
Aber die Beschäftigungssicherung bleibt bestehen, richtig?
Ja, bis Ende 2030. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Aber 35.000 Stellen sollen bis 2030 sozialverträglich abgebaut werden — über Altersteilzeit und Abfindungen.
Das ist ein wichtiger Unterschied. VW kann nicht einfach Menschen rauswerfen, aber es kann Arbeitsplätze durch Pensionierungen und Anreize zum Gehen reduzieren.
Warum macht VW das jetzt? Ist die Situation wirklich so ernst?
Das Management sagt, das wirtschaftliche Umfeld hat sich gravierend verschärft. Chinesische Hersteller drängen mit günstigen Exporten nach Europa. Der Aufsichtsrat hat einen Zukunftsplan 2030 beschlossen, der VW deutlich profitabler machen soll.
Das ist die Unternehmensseite. Die Gewerkschaft sagt, VW versucht, die Kosten auf die Arbeitnehmer abzuwälzen, während Gewinne privatisiert werden.
Und was passiert jetzt?
Verhandlungen. Cavallo rechnet mit einer "heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel". Die Tarifverträge müssen neu ausgehandelt werden.
The Pulse
- 10 von 13 Tarifverträgen gekündigt, betroffen sind rund 130.000 Beschäftigte in Deutschland
- Kündigungen wirksam ab 1. Januar 2027
- 35.000 Stellen sollen bis 2030 sozialverträglich abgebaut werden
- Arbeitszeit derzeit 35 Stunden pro Woche, längere Arbeitszeiten möglich
VW kündigte 10 von 13 Tarifverträgen für rund 130.000 deutsche Beschäftigte, betroffen sind Entgelt-, Mantel- und Ausbildungstarifverträge. Arbeitszeiten, Urlaub, Sonderzahlungen und Schutzrechte älterer Arbeitnehmer könnten neu verhandelt werden; Betriebsräte sprechen von Erpressung.
Volkswagen hat zehn von dreizehn Tarifverträgen gekündigt, um Kosten zu senken. Die Kündigungen werden zum 1. Januar 2027 wirksam und könnten zu längeren Arbeitszeiten und Lohnkürzungen führen.
Volkswagen hat zehn von dreizehn Tarifverträgen gekündigt. Die Kündigungen werden zum 31. Dezember 2026 fristgerecht wirksam und können bereits ab dem 1. Januar 2027 in Kraft treten. Damit öffnet sich ein Verhandlungsraum, der die Arbeitsbedingungen von etwa 130.000 Beschäftigten in Deutschland betreffen wird — Arbeitnehmer der Volkswagen AG, darunter die Marken VW Pkw und Nutzfahrzeuge, die Komponentensparte und zentrale Konzernbereiche. Audi und Porsche, beide VW-Töchter, sind von diesem Schritt nicht betroffen.
Die gekündigten Verträge bilden nach Aussage der Gewerkschaft IG Metall praktisch die gesamte Haustarifpalette ab. Dazu gehören der Entgelttarifvertrag, der Manteltarifvertrag, der Ausbildungstarifvertrag und der Rahmentarifvertrag für Spezialisten und Führungskräfte. Der Manteltarifvertrag regelt Arbeitszeit und Urlaub, Sonderzahlungen und die Eingruppierung in Gehaltsgruppen — also welche Tätigkeit wie bezahlt wird. Er enthält auch Schutzrechte für ältere Beschäftigte und Menschen, die ihre bisherige Arbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Bei den gekündigten Abschnitten des Ausbildungstarifvertrags geht es um die Übernahme von Auszubildenden und dual Studierenden. Welche konkreten Änderungen Volkswagen durchsetzen will, ist noch offen.
Das Management begründet den Schritt mit Kostendruck und der Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Arne Meiswinkel, Personalvorstand der Marke Volkswagen, beschreibt das wirtschaftliche Umfeld als gravierend verschärft. Chinesische Hersteller drängen mit günstigen Exporten nach Europa, die Marktveränderungen seien strukturell und tiefgreifend. Der Aufsichtsrat hat sich auf einen Zukunftsplan 2030 geeinigt, der Volkswagen deutlich profitabler machen soll. VW-Chef Oliver Blume und sein Management haben damit ein Mandat erhalten, den Konzern umzubauen und Milliarden einzusparen. Mit der Kündigung der Tarifverträge soll ein Verhandlungsraum geöffnet werden, um alle weiteren Möglichkeiten eines sozialverträglichen Personalabbaus auszuschöpfen.
Die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat sehen darin einen Angriff auf tarifliche Errungenschaften, die über Jahrzehnte erkämpft wurden. Thorsten Gröger, IG-Metall-Chef in Niedersachsen, wirft dem Management vor, die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns bei denjenigen abzuladen, die das Unternehmen täglich am Laufen halten. Während Gewinne privatisiert würden, sollten unternehmerische Kosten und Risiken auf die Belegschaft verlagert werden. VW-Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo spricht von einem Erpressungsversuch: Zunächst würden Werke mit dem Aus bedroht, um dann die nächsten Tarifeinschnitte durchzusetzen.
Was konkret ändern könnte, hängt von Verhandlungen ab. Längere Arbeitszeiten sind möglich — bei anderen Autobauern wird bereits über eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich debattiert, und nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sieht auch das VW-Management in längeren Arbeitszeiten eine Möglichkeit zur Kostensenkung. Bislang gilt in Deutschland eine 35-Stunden-Woche bei Volkswagen. Eine konkrete Forderung gibt es noch nicht, das Thema könnte aber zu einem späteren Zeitpunkt auf den Verhandlungstisch kommen. Cavallo rechnet mit einer "heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel".
Wichtig ist: Die Beschäftigungssicherung ist von den aktuellen Kündigungen nicht betroffen. Sie ist bis Ende 2030 befristet und kann vor Ablauf dieser Frist nicht gekündigt werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind also weiter ausgeschlossen. Das bedeutet aber nicht, dass keine Stellen wegfallen. 2024 war bereits ein sozialverträglicher Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 vereinbart worden. Dieser soll etwa über Altersteilzeit und Abfindungen erfolgen. Rechtlich bedeutet eine Tarifvertragskündigung nicht, dass sämtliche darin enthaltenen Regelungen unmittelbar wegfallen — zum Teil gibt es unterschiedliche Nachwirkungsfristen. Doch die Verhandlungen, die nun folgen, werden über Löhne, Arbeitszeiten und Sicherheitsnetze entscheiden, die Millionen von Arbeitstagen prägen.
Notable Quotes
VW versucht, die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns bei denen abzuladen, die das Unternehmen jeden Tag am Laufen halten— Thorsten Gröger, IG-Metall-Chef Niedersachsen
Wir rechnen mit einer heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel— Daniela Cavallo, VW-Gesamtbetriebsratschefin